Belarus

Zwei­ter Pro­ben­tag in Mal­mö: It’s a small World

Gleich die ersten Interpreten des zweiten Probentages sorgten heute früh für die größte Überraschung: im weißen 2001-Weltraumanzug als Montenauten verkleidet, lieferten die beiden Jungs von Who see? eine astreine Performance ab, getoppt von ihrer ebenfalls kompetenten Sängerin Nina Žižić, die pünktlich zum Beginn ihres Vokalparts per transparentem Lift aus den Bühnenboden geschossen kommt. Der antizipierte Car-Crash bleibt also aus; ganz im Gegenteil räumen die Blogger in Malmö den ursprünglich als sichere Sitzenbleiber gehandelten Schwarzberglern mittlerweile große Chancen auf einen Finaleinzug ein. Den umgekehrten Weg gingen die drei Serbinnen, die ihren fabelhaften Faschingsschlampenlook aus der Vorentscheidung gegen augenwehbunte Zuckerbäckerkostüme austauschten. In denen sehen…
Weiterlesen

Weiß­russ­land: das Bäum­chen-wech­sel-dich-Dra­ma beginnt

Gäbe es die lustigste Diktatur Europas nicht schon, jemand müsste Weißrussland neu erfinden. Alleine schon wegen des nie versiegenden Unterhaltungswertes um die von Korruption und Beitragschaos begleiteten nationalen Vorentscheidungen des Landes. Wie wir uns erinnern, gewann die diesjährige Grand-Prix-Vertreterin Alyona Lanskaya bereits im Vorjahr das dortige Eurofest, musste auf Weisung des Diktators Lukaschenko aber zu Hause bleiben, da es Manipulationen beim Televoting gegeben haben soll. Dieses Jahr siegte sie unangefochten, gab allerdings bereits kurze Zeit später bekannt, ihren fabelhaft billigen Eurodance-Titel 'Rhythm of Love' gegen ein anderes Lied austauschen zu wollen, was ja ebenfalls zum Standardrepertoire weißrussischer (und ukrainischer) Vorentscheidungen…
Weiterlesen

Bela­rus: You smell Lans­ka­ya, again

Wie bereits im Vorjahr gewann Alyona (andere Schreibung: Alena) Lanskaya erneut das gerade zuende gegangene Eurofest, die Eurovisionsvorentscheidung Weißrusslands. Nun bleibt die spannende Frage, ob wir sie denn auch in Malmö sehen werden: kurz nach ihrem letztjährigen Sieg disqualifizierte man sie wegen angeblicher Manipulationen beim Televoting. Und auch diesmal fiel ihr Vorsprung mit guten zehntausend Stimmen gegenüber knappen viertausend der zweitplatzierten Elektroband Nuteki verdächtig hoch aus. Allerdings kassierte die in einem roten Dress auftretende und sich zu den stampfenden Discobeats ihres Beitrags 'Rhythm of Love' lasziv auf einer olasaloesken Drehscheibe räkelnde Alena auch die Höchstwertung der Jury. Und zu Recht:…
Weiterlesen
Zwei­tes ESC-Semi 2012: Verjammern

Zwei­tes ESC-Semi 2012: Verjammern

Ganze fünf (von sechs) exjugoslawische Länder versammelten sich in diesem zweiten Semi, und sie brachten fünf mehr oder minder dramatische, klassische Balkanballaden mit. Drei von ihnen kamen weiter ins Finale, darunter echte Überraschungen. Nicht so sehr beim Eröffnungsact des Abends: Željko Joksimović, auf dessen Konto das selbst gesungene 'Lane moje' (RS 2004, 2. Platz), 'Lejla' (BA 2006, 3. Platz) und 'Oro' (RS 2008, 6. Platz) gehen, bewies mit 'Nije Ljubav Stvar' erneut, warum er mit Fug und Recht als unumschränkter Balkanballadenkönig gilt: ein wunderschön instrumentierter, sanft beginnender und nach und nach immer eindringlicher und dramatischer werdender Folkschlager mit einem ergreifend kitschigen Text,…
Weiterlesen

Style over Sub­s­tance: 2. Pro­ben BY, PT, UABG

Ich bin ja normalerweise kein Freund der von Bloggern in der Halle mitgedrehten Probenvideos, alleine schon aufgrund der Qualität. Die offiziellen Mitschnitte der letzten vier heutigen Starter waren aber im youtube-Kanal von eurovision.tv zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Meldung aus technischen Gründen nicht verfügbar (ein weiterer Hackerangriff?). Und manchmal haben die statischen Fan-Aufnahmen auch ihr Gutes. Gerade bei stark durchchoreografierten Darbietungen wie der von Gaytana für die Ukraine. Im Fernsehen werden wir von den (nur noch) vier Tänzern und ihrem faszinierenden Spiel mit ihren LED-Doubles nämlich wieder die zentralen Elemente verpassen, der blöden, schnittgeilen Kameraregie wegen. Also, schaut und genießt das…
Weiterlesen

We are the Wie­ners: 1. Pro­be Weiß­russ­land, Portugal

Und die Styling-Faux-pas reißen nicht ab. Die belarussischen Poppseudorocker Litesound haben sich entschlossen, Krassimir Avramovs (BG 2009) Kettenhemden aufzutragen, die in der Zwischenzeit durch das falsche Stahlwollefeinwaschmittel etwas fadenscheinig geworden sind. Dass drei von ihnen mit Posergitarren auf der Bühne stehen, während auf dem Backingtape dieses Instrument allenfalls noch in Spurenelementen wahrzunehmen ist, macht die Sache nicht besser. Immerhin kann das vom deutschen Eurovisionschef Thomas Schreiber so verfemte Land unter Beweis stellen, dass es die größte Alberne-Mikrofonständer-Fabrikation der Welt beherbergt. Finale? Niemals. Wie in jeder Rockband ist auch bei Litesound der Drummer die geilste Sau (BY) (mehr …)
Weiterlesen

Luka­schen­ko deckt Wahl­be­trug auf! (BY 2012)

Oh, die süße Ironie! Ausgerechnet der vielfach als "letzter Diktator Europas" bezeichnete weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko erklärte heute die Ergebnisse des Televotings beim dortigen Vorentscheid vom vorvergangenen Dienstagnachmittag für gefälscht. Anstelle von Alyona Lanskaya fahren nun die Sieger des Juryvotings nach Baku: die Teeniebopper Litesound mit 'We are the Heroes'! Presseberichten zufolge sei von verschiedenen Seiten das Ergebnis des Televotings angezweifelt worden. Böse Zungen sagen, Lukaschenko selbst habe den Song nicht gemocht. Daraufhin tagte heute Mittag ein Komitee, bestehend aus dem Kultusminister des Landes, dem Indendanten des Staatsfernsehens, dessen Verwaltungsleiter und einem Abgesandten der weißrussischen Telekom. Diese informierten anschließend wunschgemäß…
Weiterlesen

Bela­rus: Et bon­jour à toi, l’Ar­tis­te (BY 2012)

Ungeachtet etwaiger politischer Spannungen scheint ein starkes kulturelles Band zwischen der Ukraine und Weißrussland zu existieren. Nicht nur, dass beide Länder die wohl chaotischsten und korruptesten Eurovisionsvorentscheidungen hinlegen: nun nähert man sich auch hinsichtlich der Beiträge an. Beim heute Nachmittag zu einer arbeitnehmerfeindlichen Zeit (ab 16 Uhr) gestarteten Finale des Eurofests gewann mit Alyona Lanskaya eine optische wie stimmliche Alyosha-Doppelgängerin, die beim, nunja: singen ihrer struktur- wie melodielosen Leidensballade ebenso verzweifelt in die Kamera schaut wie die ukrainische Krähe von 2010. Von ihrer Aussprache mal ganz abgesehen ("All my Lie, I have waiting for your Apps to hold me"?). Um…
Weiterlesen

Per­len der Vor­ent­schei­dung: war­um, Weißrussland?

Vergangenen Donnerstag fand das Semifinale der weißrussischen Vorentscheidung Eurofest statt, in welcher das Publikum und eine Jury zehn von ursprünglich 15 Kandidaten eliminierte. Darunter auch den einzigen (!) nennenswerten Beitrag des ansonsten unglaublich nichtssagenden Vorentscheidungsreigens, die 'Message to the World' der Band Thriller. Ich weiß, das mag vom Titel her klingen wie etwas aus dem Hause Siegel & Meinunger. Und textlich trifft das auch sicher zu - auch wenn sich, der osteuropatyischen Aussprache der blonden Leadsängerin sei Dank, nur einzelne Bruchstücke davon erraten lassen. Musikalisch aber weiß die Nummer zu überraschen, wie bereits der große Roy Delaney so schön beschrieb: "Es beginnt mit…
Weiterlesen

Born again in Belorussia

Heute gab das weißrussische Fernsehen die fünfzehn Teilnehmer der ersten Vorentscheidungsrunde des Eurofests am 21.12. bekannt. Mit dabei ist auch wieder die fabelhafte Anastasiya Vinnikova, die uns 2011 mit dem unglaublichen 'Born in Belorussia' (welches dann leider aus irgendwelchen albernen Gründen disqualifiziert wurde) zu Begeisterungsstürmen hinriss und in Düsseldorf mit dem fast ebenso trashtastiquen 'I love Belarus' im Semi an den bis ins siebte Glied verflucht sein sollenden Jurys scheiterte. Ihr neuer Song heißt 'Shining in Twilight' und verspricht wiederum uptemporierten Discotrash erster Güte. Unter den Konkurrenten befinden sich einige alte Bekannte, wie die Gruppe Litesound, die schon etliche Anläufe nahm und…
Weiterlesen

Got it deep insi­de (BY 2011)

Ende Februar wählte die finstere Halbdiktatur Weißrussland (aka Belarus) in einem strikten Juryentscheid ihren Beitrag für Düsseldorf: eine allerliebste, wunderbar trashige Achtzigerjahre-Eurodisco-Uptemponummer mit dem selbstreferentiellen Titel 'Born in Belorussia (USSR Time)'. Das war wohl Lukaschenkos musikalisches Bewerbungsschreiben für die Wiedervereinigung mit dem Mutterland Russland. Nach Gemecker über den "politschen" Text und einen angeblichen Regelverstoß zog das Land den Song zu meinem großen Bedauern zurück (Lukaschenko hätte ich dickere Eier zugetraut). Und ersetzte ihn durch einen neuen, ähnlich discotastischen, mit dem nicht minder subtilen Titel 'I love Belarus'! Geschrieben vom selben Autoren und dargeboten von derselben Interpretin, Anastasiya Vinnikova. Und damit…
Weiterlesen
Bela­rus 2010: Dein Flüs­tern ver­spricht Licht

Bela­rus 2010: Dein Flüs­tern ver­spricht Licht

Eine lustige Diktatur, dieses Weißrussland! Seit ihrer Erstteilnahme 2004 verlaufen ihre Vorentscheidungen jedesmal anders, aber immer gleich chaotisch. Seien es Publikumsvoten, die lediglich als unverbindliche Empfehlung für Entscheidung der Fachjury gelten, sei es Wirrwarr um die Zuständigkeiten: sicher ist zumeist nur, dass der belarussische Vertreter am Ende mit einem völlig anderen Lied zum Grand Prix fährt, als das, mit dem er ursprünglich antrat. So auch diesmal. Chaos von Anfang an: das eigens für die Castingshow Musical Court, die als Vorentscheidung des Landes herhalten sollte, gegründete Männertrio Three (hoch origineller Name!) langweilte in dieser Sendung zwar sehr offensichtlich die Juroren mit…
Weiterlesen

Bela­rus 2009: Kön­nen die­se Augen lügen?

Diesen Montag legte sich Weißrussland auf seinen Eurovisionsvertreter für das befreundete Moskau fest. Oh Zeichen und Wunder: erstmalig seit seiner Teilnahme am Wettbewerb durften die Zuschauer ganz alleine und ohne jede staatliche Einmischung per Televoting entscheiden, wen sie auf der Bühne sehen wollen. Und was soll man sagen: nach dem am Sonntag schon die Hessen bewiesen, dass Demokratie nicht immer eine gute Idee sein muss, zeigten sich auch die Weißrussen ihrer unwürdig. Mit breiter Mehrheit entschieden sie sich für Niko Schwanz Dieter Thomas Kuhn Karin "Krönung" Sommer Peter Elfimov, einen semmelblonden Schreihals mit einem schrecklichen Nervtitel namens 'Eyes that never…
Weiterlesen
Zwei­tes ESC-Semi 2008: Pira­te Ladies of the Sea

Zwei­tes ESC-Semi 2008: Pira­te Ladies of the Sea

POR - TU - GAL!!! POR - TU - GAL!!! POR - TU - GAL!!! Ich muss um Verzeihung bitten, aber ich schreibe diese Zeilen noch ein wenig im Überschwang der Gefühle. Das letzte Mal, dass so viel Adrenalin durch meine Adern floss wie vor der Verkündung des zehnten und letzten Finalisten am Ende der zweiten Qualifikationsrunde in Belgrad gerade eben, sprang ich an einem Bungee-Seil 50 Meter in die Tiefe. Hätte der Name in dem allerletzten Umschlag, den die Moderatorin Jovana Janković nach endlosen Minuten hochgekochter Spannung verlas, nicht "Portugal" gelautet, wäre es in der Belgrader Halle wohl zu…
Weiterlesen
Euro­fest 2008: Weiß Russland?

Euro­fest 2008: Weiß Russland?

In Osteuropas unterhaltsamster Diktatur Weißrussland bleibt man dem Thema Filmmusik treu: nach Disney-Disco (2005) und James Bond für Arme (2007) entschied sich die Jury in diesem Jahr für den verstoßenen Zwillingsbruder Keanu Reeves und seinen lustigen Schwedenschlager 'Hasta la Vista', ohne jede Frage der perfekte Titelsong für die demnächst zu produzierende Musicalversion des Terminator (um die weibliche Hauptrolle streiten sich dann sicherlich Carola und, ha ha: Sarah Connor). Unter den fünf Finalisten des Eurofest entschied sich erstaunlicherweise auch die Senderjury für Ruslan Alehno, der auch schon das Zuschauervoting gewann. Dabei fällt der 26jährige Zweitplatzierte von Russland sucht den Superstar weder durch…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

Ein kollektives, erleichtertes Seufzen ging durch Europa: nach fünf Jahren Vorherrschaft der Show über die Musik siegte endlich wieder ein Lied! Ein sanftes, melodiöses, in der Landessprache gesungenes noch dazu. Eines ganz ohne Choreografie! Allerdings: so ganz stimmte das nicht. Molitva' gewann natürlich auch aufgrund seiner Show - nur, dass diese halt sehr viel unaufdringlicher daherkam als beispielsweise bei den finnischen Monsterrockern. Genau diese charmante Präsentation zärtlicher Solidarität zwischen fünf gut aussehenden und einer stimmgewaltigen Frau (nicht zu vergessen der subtil lesbische Unterton) hob den serbischen Beitrag aus der Flut aufwändiger Tanzchoreografien heraus und führte ihn zum hoch verdienten Sieg.…
Weiterlesen
ESC-Semi 2007: Wo ist Andorra?

ESC-Semi 2007: Wo ist Andorra?

Natürlich hätte ich auf die Enttäuschung vorbereitet sein müssen. Schließlich bin ich lange genug Fan, um zu wissen, dass die fiesen, geschmacksgestörten Televoter im Semifinale immer die besten Songs aussortieren. Ganze 28 Länder traten in diesem Jahr in der Qualifikationsrunde gegeneinander an, so viele wie noch nie seit der Einführung der Semis. Lediglich zehn Slots für das Finale am Samstag gab es, aber 16 von mir favorisierte Titel, die unbedingt hätten weiterkommen müssen! Selbst unter Zuhilfenahme der Finger konnte ich mir also ausrechnen, dass ein Gutteil meiner Lieblinge auf der Strecke bleiben werden. (mehr …)
Weiterlesen
ESC-Semi 2005: La Musi­ca Alpina

ESC-Semi 2005: La Musi­ca Alpina

Bedenkt man, wie spät die Ukrainer aufgrund der politischen Ereignisse im Land mit den Vorbereitungen anfingen, erstaunt, wie reibungslos und professionell der Abend im Sportpalast zu Kiew über die Bühne ging. Zwischen dem Eurovisionssieg in Istanbul und der Organisation dieses Contests lag eine manipulierte Präsidentschaftswahl und eine vollkommen friedliche, aber kraftvolle Revolution, angeführt unter anderem von der Vorjahressiegerin Ruslana. Dem Gejaule besorgter Fans zufolge stand schon zu befürchten, dass die Kombattanten auf einem eilig mit Teer zugekleisterten Kartoffelfeld würden singen müssen. Bis auf kleinere technische Pannen lief aber alles glatt. Mal abgesehen von der großen Panne: dem Ergebnis des Televotings. https://youtu.be/Zffgx9Fwsuc…
Weiterlesen