Bosnien-Herzegowina

Das poli­tisch zwei­ge­teil­te Bel­gi­en des Bal­kans ver­sau­te sich sei­ne bis dahin hun­dert­pro­zen­ti­ge Qua­li­fi­ka­ti­ons­quo­te bei sei­ner bis­lang letz­ten ESC-Rück­kehr 2016. Seit­her absent, da plei­te. Es domi­nier­te die schmer­zens­s­at­te Bal­kan­bal­la­de: Nie­mand lei­det so schön wie die Bosnier:innen. Und kein ande­res Land fehlt so sehr.
Dabei von 1993 bis 2016; Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: keine.

Türk­vi­zyon: end­lo­se Ent­schei­dun­gen und bos­ni­sche Bitches

Um empörten Kommentaren - wie seinerzeit bei Laka - vorzubeugen: nichts läge mir ferner, als mich abfällig über bosnische Mädels zu äußern! 'Ters Bosanka' ('Zickige Bosnierin') lautet vielmehr der Titel des Beitrags des Balkanlandes zur Premiere der Türkvizyon, und eine solche spielt auch die Hauptrolle im heute veröffentlichten Video von Emir & the frozen Camels. Eine Zwei-Ecken-Verbindung zum richtigen Eurovision Song Contest gibt es auch: die männliche Augenweide Mirza Šoljanin, der schon mit Nina Badrić (BA HR 2012) arbeitete, ergänzt die gefrorenen Kamele für diese Nummer. Bandleader Emir Bukovica beschreibt den Song selbst ziemlich treffend als "unprätentiös und gutgelaunt," ganz im Gegensatz zur Hauptfigur…
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Hur­ra: Bos­ni­en ist 2014 wie­der dabei!

Schöner kann die Woche nicht starten: wie escxtra berichtet, geht Bosnien, das 2013 aus pekuniären Gründen aussetzte, in Kopenhagen wieder an den Start. Und das, obwohl sich die finanzielle Lage des Senders BHRT zwischenzeitlich nicht wirklich besserte: "Im Interesse der Zuschauer sollten wir eine Lösung finden, um die Distanz zwischen BHRT und der EBU, der wichtigsten europäischen Allianz öffentlicher Sender, nicht zu vergrößern," verkündete das bosnische Fernsehen heute in einer Presseerklärung. Man suche daher derzeit externe Sponsoren (Ihre Chance, Herr Siegel!). Bosnien nimmt auch am türkischen Gegen-Grand-Prix Türkvizyon teil, allerdings vertreten durch einen Privatsender. Damit kehrt nach nur einjähriger, dennoch schmerzlicher Pause eines…
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Die Türk­vi­zyon: ein homo­frei­er Gegen-Grand-Prix?

Im Dezember diesen Jahres veranstaltet, wie bereits berichtet, das türkische Fernsehen TRT erstmalig die Türkvizyon, eine Art Gegen-Grand-Prix eurasischer Länder und Regionen mit starken Turkvolk-Anteilen. Zwanzig Kombattanten treten vom 19. bis 21. Dezember im anatolischen Eskişehir gegeneinander an. Auf der Liste der Teilnehmerländer findet sich zunächst das Erwartbare: neben der Türkei und dem Bruderstaat Aserbaidschan zählt dazu das türkisch besetzte Nordzypern sowie eine Reihe von osmanisch geprägten Kaukasusstaaten und autonomen ehemaligen Sowjetrepubliken. Auch die Teilnahme des mehrheitlich muslimisch orientierten Bosniens - wie viele der anderen Länder übrigens vertreten von einem Privatsender - überrascht nicht. Im Gegensatz zu Russland, der Ukraine,…
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Schluchz: Bos­ni­en ist end­gül­tig draußen

Traurige Nachricht noch zum Abschluß dieses ereignisreichen Eurovisionstages: mit einem offiziellen Statement zerstörte der bosnische Sender BHRT heute endgültig alle zarten Hoffnungen, das Land könne vielleicht noch vom Rücktritt zurücktreten. Das von RTRS, dem serbischsprachigen Landessender der bosnischen Republika Srpska, abgegebene Angebot auf Kosten- und Liedübernahme lehnte BHRT mit dem Hinweis, dies sei a) zu spät und b) nie offiziell in Sarajevo vorgelegt worden, ab. Was als Begründung ziemlich schwach klingt und eher impliziert, dass es tatsächlich nicht unbedingt ums Geld - der von BHRT offiziell genannte Absagecasus - ging, sondern etwas anderes im Raum steht. Oder aber, dass es bei…
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Bos­ni­en: über­nimmt der Sen­der des ser­bi­schen Teils?

Gibt es doch noch Hoffnung auf eine bosnische Teilnahme? Nur wenige Stunden nach der Mitteilung des bosnischen Senders BHRT, dass das Land aus finanziellen Gründen nicht in Malmö dabei sein werde, meldete nach einem Bericht von escxtra der Landessender der Republika Srpska, RTRS, sein Interesse an der Übernahme des bosnischen Beitrags an. Der Sender der serbischen Teilrepublik nannte dem Bericht zufolge den Rückzug des Landes eine "Schande" und kommentierte, die Gebührenzahler könnten für ihre Gelder eine Teilnahme am ESC erwarten. Man sei bereit, die Verantwortung für den bosnischen Beitrag mitsamt aller finanziellen Verpflichtungen zu übernehmen. RTRS-Intendantin Dragana Davidović ergänzte, man wolle…
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Sva bol svi­je­ta: Bos­ni­en bleibt 2013 draußen

Jetzt erfordert die europäische Finanzkrise das erste wirklich schmerzhafte Opfer: wie esctoday.com heute berichtete, wird mein Lieblings-ESC-Balkanland aus pekuniären Gründen nicht am Eurovision Song Contest 2013 in Malmö teilnehmen. Diese Entscheidung sei gestern auf einer Krisensitzung des in finanziellen Nöten steckenden Senders gefallen. Man hoffe aber, 2014 wieder mitmachen zu können, sollte sich die Lage bis dahin gebessert haben. Anders als bei bisherigen Aussteigern Polen, Portugal und der Slowakei, die in der Vergangenheit wenig bis gar nichts musikalisch Substanzielles zum Wettbewerb beizusteuern hatten, trifft mich die Absage von Bosnien, die seit ihrem Einstieg 1993 fast immer einen originellen (im Sinne…
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Bad Tas­te Day in Baku: 2. Pro­ben BALT

Ein cleverer Schachzug: nachdem es der Bosnierin Maya Sar zwischenzeitlich gedämmert sein dürfte, dass sie mit ihrer lendenlahmen Schnarchballade 'Korake ti znam' angesicht der massiven Balkanballadenübermacht aus Serbien, Mazedonien und Slowenien nicht den Hauch einer Chance besitzt, ins Finale einzuziehen oder gar den Grand Prix zu gewinnen, verlegte sie ihr Streben flugs auf eine andere, leichter erringbare Trophäe: den Barbara Dex Award. In welcher Crackhölle sie die amerikanische Schneiderin fand, die ihr das geschmacklose Ensemble kreierte, welches Maya das Aussehen einer tragisch veranlagten Sauerierechse verleiht, wissen wir nicht. Was wir wissen, ist: die Frau muss blind sein. Was uns zu Donny 'Love is…
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Ein blin­der Esel fin­det auch einen Korn: 1. Pro­be Bos­ni­en, Litauen

Knapp vor Mitternacht nun das letzte Doppelpack des heutigen Probentages. Maya Sar leidet unter dem selben Handicap wie ihr Balkankollege Rambo Amadeus: sie darf den niedlichen Esel aus ihrem Vorschauvideo nicht mit auf die Bühne bringen. Ohne das herzerwärmend niedliche Tierchen aber ist ihre sterbenslangweilige Schnarchballade hoffnungslos verloren. Zumal auch Mayas Bühnenshow (sie alleine am Klavier, später aufstehend und zur Bühnenmitte wandernd sich das Herz aus dem Leib singend) vor depressionsfördernd düsterem Bühnenhintergrund nicht gerade Abwechslung oder gar Frohsinn in die Angelegenheit bringt. Zwar gehe ich davon aus, dass sie beim Semi wenigstens in etwas Festlicheres schlüpft als in die heutigen Klamotten vom…
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Bos­ni­en: Ich bin müde (BA 2012)

Es soll mir bitte keiner nachsagen, ich hätte mir keine Mühe gegeben. Ich kenne den Effekt ja schon von bosnischen Beiträgen aus der Vergangenheit, die ich beim ersten Hören schrecklich fand und mich später in sie verliebte: der Laka-Effekt. Drei Durchläufe habe ich daher diesmal durchgehalten, mit Streichhölzern in den Augen und Nägeln im Unterarm. Nur um Maya Sar und ihrer sehr sanften, sehr ruhigen Klavierballade 'Korake ti znam' eine faire Chance zu geben. Aber so sehr ich das Lied mögen möchte: mehr geht beim besten Willen nicht. Schon diese Zeilen schreibe ich gewissermaßen im Zustand der Umnachtung, befallen von…
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Maya Sar für Bosnien

Maja Sarihodžić alias Maya Sar ist die Vertreterin Bosniens in Baku. Die Singer-Songwriterin stand bereits zwei Mal als Chorsängerin auf der Eurovisionsbühne: 2004 beteiligte sie sich am simultanen Simulationsvögeln mit Disco-Darling Deen, 2011 war sie eine der "Sito!"-Ruferinnen hinter Dino Merlin. Sie tritt mit einem (noch nicht genannten) selbst komponierten Titel an, vermutlich von ihrem ersten, gerade aufgenommenem Album. Maya hatte 2010 ihren ersten großen Hit auf dem Balkan mit der Ballade 'Nespretno'. Bekannt ist auch der von ihr zugunsten ihrer eigenen Krebsstiftung verfasste Benefiz-Song 'Moj je život moja pjesma', aufgenommen unter anderem mit der mazedonischen Eurovisionskollegin Karolina Gocheva (2002, 2007). Damit sind…
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Hari Mata Hari für Bos­ni­en 2012?

Hari Mata Hari für Bos­ni­en 2012?

Packt schon mal die Taschentücher aus: nach Informationen von ESCnation soll Hari Mata Hari ('Lejla', 2006) Bosnien erneut vertreten, mit einem Song aus der Feder von Vladimir Graić. Der zeichnete bereits für das ebenfalls nicht gänzlich unbekannte 'Molitva' (RS 2007) kompositorisch verantwortlich. Ungehemmtes Herzeleid dürfte also zu erwarten sein. Die ersten Fanreaktion reichen von "Jury- und Fanboy-Bukakke-Alarm" bis zu freudigen Gruppenumarmungen, in welche auch ich mich einreihe. Die offizielle Verlautbarung soll am 15. September 2011 erfolgen - und ich hoffe, dass das Gerücht sich bewahrheitet. Denn, fleißige Leser meines Blogs wissen es: Niemand leidet so schön wie die Bosnier™! https://youtu.be/SXlIN3mcsH4…
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Amour à Retour (BA 2011)

Wie das immer so ist mit hohen Erwartungen: sie können nur enttäuscht werden. Heute stellte Dino Merlin, der diesjährige Vertreter Bosniens und Komponist solcher fantastischen Song-Contest-Perlen wie 'Putnici' (1999) und 'Sva Bol Svijeta' (1993) sein Lied für Düsseldorf vor. Und auch, wenn ich aus den letzten Jahren gelernt haben sollte, bosnische Beiträge erst nach dem zwanzigsten Anhören zu bewerten: meine erste Reaktion ist "tja"... httpv://www.youtube.com/watch?v=urqhlnWLXxs Dino Merlin: Love from behind (mehr …)
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ESC-Fina­le 2010: Do I have to sing again?

ESC-Fina­le 2010: Do I have to sing again?

Ein Meilensteincontest und das Ende eines heimischen Traumas: 28 Jahre, nachdem eine blockflötenhafte junge Saarländerin im Kommunionskleid Europa überzeugen konnte, dass Deutschland nicht mehr den totalen Krieg will, sondern nur noch "ein bißchen Frieden" (DE 1982), und zwölf Jahre, nachdem ein zottelhaariger Derwisch dem ungläubig staunenden Ausland demonstrierte, dass Deutsche doch Humor haben ('Guildo hat Euch lieb', DE 1998), verdrehte eine charmante Hannoveranerin einem ganzen Kontinent den Kopf, in dem sie bewies, dass wir auch lässig sein können. Im Gegensatz zu den diesjährigen Fluten von hörbar auf den vermuteten Jurygeschmack hin produzierten, saft- und kraftlosen Seichtballaden oder den mit viel…
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Ers­tes ESC-Semi 2010: Der Wür­ger von Wolfenbüttel

Ers­tes ESC-Semi 2010: Der Wür­ger von Wolfenbüttel

Jurys sind Wichser!™ Meine Leser mögen mir diese etwas unfeine Ausdrucksweise verzeihen, aber manchmal ist die Wahrheit grausam und profan. Nicht nur sorgte die Wiedereinführung des Bevormundungsgremiums, welches den Grand Prix bereits zu Zeiten seiner Alleinherrschaft von 1956 bis 1997 mit schier unfasslichen Entscheidungen in Misskredit gebracht hatte, wie nicht anders zu erwarten, für eine geballte Rückkehr verstaubter und längst überwunden geglaubter musikalischer Schrecknisse (jawohl, Malta, der Finger zeigt auf Dich!). Nein, die geschmacksbehinderten Geronten schafften es auch, in beiden Qualifikationsrunden jeweils den besten Beitrag gegen den Willen der klaren Zuschauermehrheit herauszumanipulieren. Und das, obwohl ihr Urteil "nur" zu 50%…
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Bos­ni­en 2010: Ein biss­chen Son­ne, ein biss­chen Regen

Bos­ni­en 2010: Ein biss­chen Son­ne, ein biss­chen Regen

Spannend hatte das bosnische Fernsehen es gemacht. Seit Januar stand fest, dass der schnuckelige Vukašin Brajić, Zweiter sowohl in der auf dem gesamten Balkan ausgestrahlten Castingshow Operaciji Trijumf als auch in der serbischen Vorentscheidung Beovizija von 2009, mit dem Song 'Munja i Grom' ('Blitz und Donner') in Oslo antritt. Die Vorstellung des nämlichen Titels hob man sich indes geheimniskrämerisch bis heute auf. Auch in der knapp zweistündigen Präsentationsshow kam die Nummer natürlich ganz am Schluss, nachdem zuvor der komplette Balkan (und aus irgendeinem Grund auch Irland) dort seine Beiträge vorstellen sowie Vukašin ein paar Coverversionen bekannter Hits singen durfte. Und…
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ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde. Im Gegenteil: auch die Juror:innen setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO). Meine Vermutung, zubrotfreudige Juror:innen könnten gar die Verantwortung für das…
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Ers­tes ESC-Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groove

Ers­tes ESC-Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groove

Gerüchtehalber sechs Millionen Euro hatten sich die Russen im Vorjahr ihren auf Sieg getrimmten Beitrag 'Believe' kosten lassen. Bei der Ausrichtung des Wettbewerbs in Moskau protzten sie entsprechend hemmungslos: die größte Bühne aller Zeiten, die beeindruckendste Lichttechnik, die spektakulärsten Pausenacts. 42 Millionen Euro sollen sie für die Show ausgegeben haben, fast das Doppelte des üblichen Budgets. Und lieferten dennoch international ein beschämendes und unangenehmes Bild ab, aufgrund der rabiat exekutierten Auflösung des zeitgleich zum Eurovisionsfinale stattfindenden Moskauer CSD durch Sondereinsatzkräfte der Polizei. Und durch das wohl unfähigste Moderatorenteam der Grand-Prix-Geschichte. https://www.youtube.com/watch?v=ulVSOEuntOc Andrej Malakow, den männlichen Part, taufte meine liebe Kollegin Mery auf den…
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Bos­ni­en 2009: Ein lei­ses Lied in die­ser lau­ten Zeit

Bos­ni­en 2009: Ein lei­ses Lied in die­ser lau­ten Zeit

Am Sonntag präsentierte das bosnischen Fernsehen erstmals sein Lied für Moskau im Rahmen einer eigenen Show. Schon Mitte Januar erfolgte die Direktnominierung der Rockband Regina, einer 1990 gegründeten Gruppe, die sich nach mehreren erfolgreichen Alben im Jahre 2000 zunächst aufgelöst hatte, 2006 aber wieder zusammenfand. Ihr Beitrag heißt 'Bistra Voda' ('Klares Wasser') - der Titel klingt nach einem Ökosong, ist aber wohl eher ein Liebeslied. Das sehr, sehr verhalten beginnt und irgendwie nicht so Recht aus dem Quark kommt. Speziell die Live-Präsentation wirkt, als habe irgendjemand der Band Tranquilizer in ihr Wasser gemischt. Braucht ein bisschen: das Bistro-Wasser Weit über…
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ESC-Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

ESC-Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

Zwölf Anläufe hatte der flächengrößte und einwohnerstärkste Teilnehmerstaat des Eurovision Song Contest für seinen ersten Grand-Prix-Sieg gebraucht. Seinen Führungsanspruch und seine kulturelle Zugehörigkeit zu Europa wollte Russland damit unterstreichen - und vertiefte doch nur die Gräben, denn kaum ein Siegertitel rief im Westen so eine starke Ablehnung hervor wie Dima Bilans musikalisch malades und überanstrengt dargebotenes 'Believe', welches der Sargnagel für das hundertprozentige Zuschauervoting sein sollte. Für den russischen Plattenmillionär, dem bei seinem Erstversuch 2006 mit dem deutlich besseren 'Never let you go' nur die finnischen Monsterrocker Lordi in die Quere kamen, reichte es lediglich für einen schwachen Rang 54 in…
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Ers­tes ESC-Semi 2008: Frag nach Samen

Ers­tes ESC-Semi 2008: Frag nach Samen

The more, the merrier: wegen der weiterhin anschwellenden Zahl der mitmachwilligen Länder - in diesem Jahr war man bei der Rekordzahl von 43 Anmeldungen angelangt! - teilte die EBU die Qualifikation nunmehr auf zwei Halbfinale auf. Durch die müssen seither alle, mit Ausnahme der großen Fünf (DE, ES, FR, IT, UK) und des jeweiligen ausrichtenden Landes, sprich der Vorjahressieger. Mit der Aufteilung der Halbfinalisten auf mehrere, am bisherigen Abstimmungsverhalten orientierten Ländertöpfe versuchte man außerdem, dem allseits beklagten Blockvoting entgegenzuwirken. https://www.youtube.com/watch?v=qmD2vV1ffwU&list=PL1E26C28E87EFFF6F Alle Semifinalbeiträge am Stück als Playlist. Die Verdoppelung der Semis war ein geschickter Schachzug der EBU: zwar flogen damit noch…
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Bos­ni­en 2008: Küss mich, ich bin der Frosch aus dem Märchen

Bos­ni­en 2008: Küss mich, ich bin der Frosch aus dem Märchen

Die unterschiedlichsten musikalischen Stile hat Bosnien beim Eurovision Song Contest schon ausprobiert: blasse Abba-Parodien, zu Herzen gehende Weltschmerzballaden, lustige Schwuppendisco, spannend vertonten Französischunterricht und vieles mehr. Dieses Jahr erweitert der merkwürdige Punkrocker Elvir 'Laka' Lakovic die Palette um in die Hose gegangene Comedy. Er ergänzt die von Irland angeführte Geflügelfront um zwei freilaufende Hühner, von denen ihn allerdings nach EBU-Bestimmungen nur eines in Belgrad auf die Bühne begleiten darf. Im Refrain von 'Pokusaj' singt Laka meinem bosnischen Gewährsmann zufolge sinngemäß: "Ich werde versuchen Dich zu küssen, mach Dich nur darüber lustig". Tja, ich würde mich in dem Fall eher übergeben und…
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ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

Ein kollektives, erleichtertes Seufzen ging durch Europa: nach fünf Jahren Vorherrschaft der Show über die Musik siegte endlich wieder ein Lied! Ein sanftes, melodiöses, in der Landessprache gesungenes noch dazu. Eines ganz ohne Choreografie! Allerdings: so ganz stimmte das nicht. Molitva' gewann natürlich auch aufgrund seiner Show - nur, dass diese halt sehr viel unaufdringlicher daherkam als beispielsweise bei den finnischen Monsterrockern. Genau diese charmante Präsentation zärtlicher Solidarität zwischen fünf gut aussehenden und einer stimmgewaltigen Frau (nicht zu vergessen der subtil lesbische Unterton) hob den serbischen Beitrag aus der Flut aufwändiger Tanzchoreografien heraus und führte ihn zum hoch verdienten Sieg.…
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ESC-Semi 2006: I’ll fuck­ing win

ESC-Semi 2006: I’ll fuck­ing win

Westeuropäische Grand-Prix-Fanclubs bestehen in der Regel - in exakter Umkehrung der üblichen Bevölkerungsanteile - zu 95% aus schwulen Männern. Und die haben, logischerweise, einen völlig anderen Musikgeschmack als das beim Eurovision Song Contest abstimmende Massenpublikum an den Bildschirmen. Natürlich scherzten die im Athener Olympiastadion versammelten Fans noch vor Beginn des Halbfinales, dass man hinterher, wenn die zehn Finalisten feststünden, wohl mal wieder kopfschüttelnd in der Halle säße. Und genau so kam es auch. https://youtu.be/itM8IzJakNU Die beiden größten Schocks stellten das Ausscheiden der Fan-Favoritin Kate Ryan[ref]Die Belgierin hatte einst mit blasphemischen Coverversionen von unantastbaren Mylène-Farmer-Songs in ganz Westeuropa Hitparadenerfolge gefeiert und…
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ESC-Fina­le 2004: Just may­be I’m crazy

ESC-Fina­le 2004: Just may­be I’m crazy

Man möge es mir nachsehen: diesen Jahrgang kann ich nicht nach den üblichen Maßstäben beurteilen. Denn zum ersten Mal verfolgte ich das Geschehen nicht mehr zu Hause am Fernseher, sondern live vor Ort in der Halle. Ein völlig anderes Erlebnis, das ich jedem nur empfehlen kann! Die EBU hatte just in jenem Jahr erstmals dem eigentlichen Grand Prix eine Qualifikationsrunde vorgeschaltet, die ich als bekennender Trashgourmet seither noch mehr liebe als das Finale, weil sich dort die tragischeren Beiträge sammeln. In dieser Endrunde nun tummelten sich die Big Four und die zehn bestplatzierten Länder aus 2003. Sowie eben die zehn Besten…
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ESC-Semi 2004: Take my Shoes and go straight

ESC-Semi 2004: Take my Shoes and go straight

Wer nicht zu den allereingefleischtesten Eurovisionsfans gehört, für den könnte der Begriff "Semi" bis heute Neuland sein. Kein Wunder: die deutschen Medien - inklusive der ARD - schweigen diese Neuerung beharrlich tot. Seit dem massenhaften Zustrom osteuropäischer Länder mussten bislang jedes Jahr etliche Antrittswillige aussetzen, was in den regelmäßig betroffenen Ländern zu einem starken Rückgang des öffentlichen Interesses führte. Als Abhilfe schuf die EBU 2004 ein brandneues Vorsortierfahren: die Qualifikationsrunde a.k.a. Semi, durch das alle durchmussten, die 2003 schlechter als Platz 10 abgeschnitten hatten. Mit Ausnahme der Big Four: Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland, die aufgrund ihrer Finanzkraft und Zuschauermassen stets…
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