Finnland

Keine andere Eurovisionsnation leidet wohl so sehr unter ignoranten Jurys wie die Finn:innen. Von Grand-Prix-Gourmets mit einem Herz für das Skurrile meist heißgeliebt, scheitern die mit Umlaut-Aufläufen und musikalischer Abseitigkeit aufwartenden Beiträge des Portugals Skandinaviens beim ESC regelmäßig. Mit dem Wechsel ins Englische ging leider sehr viel vom einstmaligen Zauber verloren.
Dabei seit: 1961; Siege: 2006; Rote Laternen: 11; Nilpointer: 3.

ESC-Finale 1983: Wieder holen ist gestohlen

ESC-Finale 1983: Wieder holen ist gestohlen

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene "spontane" Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun. (mehr …)
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ESC-Finale 1980: Was ist schon ein Jahr?

ESC-Finale 1980: Was ist schon ein Jahr?

Den Doppelsieg Israels in den beiden Vorjahren hatten viele Zuschauer/innen mit erbostem Gegrummel quittiert, alberne Vorwürfe der Preisklasse "Alles Politik!" oder "Schiebung!" ließen nicht lange auf sich warten (dass der irische Sieges-Hattrick in den Neunzigern für keinerlei Empörung mehr sorgte, erklärt sich durch das völlige Desinteresse der Medien und der Zuschauer am Eurovision Song Contest in diesem Zeitraum). Lehnte Israel deswegen die nochmalige Austragung des Wettbewerbs ab? Oder fehlte dem Sender IBA schlicht das Geld? Jedenfalls sprang diesmal nicht, wie sonst üblich, die BBC als Veranstalter ein, sondern die im Vorjahr zwölftplatzierten Holländer, die sich die Postkarten zwischen den Songs sparten und…
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ESC-Finale 1979: Er zeugte sieben Kinder in einer Nacht

ESC-Finale 1979: Er zeugte sieben Kinder in einer Nacht

Heftige Auseinandersetzungen entbrannten im Vorfeld dieses Jahrgangs um den deutschen Beitrag. Ausgerechnet nach Jerusalem mit einem Song zu fahren, der von einem gewalttätigen Imperatoren handelt und mit Textzeilen wie "Sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land" aufwartet, zeugte nicht eben von ausgeprägtem geschichtlichen Feingefühl. Es hagelte Proteste und Verbotsforderungen, man befürchtete eine Belastung der diplomatischen Beziehungen und die damalige Familienministerin Antje Huber (SPD) geißelte den Text gar als "dumm und geschmacklos". Ach was! (mehr …)
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ESC-Finale 1977: Kojak, Hijack, me and you

ESC-Finale 1977: Kojak, Hijack, me and you

Der diesen Wettbewerb ausrichtende britische Sender hatte in diesem Jahr kein glückliches Händchen: nur zwei Stunden vor der geplanten Ausstrahlung seiner Vorentscheidung A Song for Europe traten die Kameraleute der BBC in einen unbefristeten Streik, weswegen auch der ursprünglich für den 2. April 1977 terminierte Song Contest verschoben werden musste. Dann fielen die Postkarten zwischen den Songs, die - wie schon 1970 - in den jeweiligen Teilnehmerländern aufgezeichnet werden sollten, Budgetkürzungen zum Opfer. Zwar drehte die BBC stattdessen mit den angereisten Delegationen in einem Londoner Restaurant, entschloss sich dann aber, das Filmmaterial nicht einzusetzen: Bilder von den Sänger/innen, wie sie auf Kosten der Gebührenzahler speisen, kämen…
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ESC-Finale 1976: Die Party ist vorbei

ESC-Finale 1976: Die Party ist vorbei

Vor ihrer Grand-Prix-Teilnahme kannte man die Les Humphries Singers europaweit als erfolgreiche, multikulturelle Hippiegruppe, die mit 'Mamaloo' oder 'Mexiko' und ähnlichen Titeln eine Latte respektabler Hits vorweisen konnte. Hinterher verschwanden sie in der Versenkung. In Den Haag durfte die üblicherweise bis zu 16 Mann starke Kapelle allerdings auch nur in deutlich dezimierter Zahl auf die Bühne. Zu sechst nämlich, darunter Jürgen Drews (DVE 1990), während ihr Bandleader am Dirigentenpult stand, was ihrer Bühnenpräsenz gar nicht gut tat. Dazu kam der lendenlahme Siegel-'Sing Sang Song', sein erster Grand-Prix-Beitrag fürs Heimatland und ein wahrlich missratener Auftakt. So reichte es wieder nur für einen, diesmal berechtigten, hinteren…
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ESC-Finale 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

ESC-Finale 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

Nach jahrelangen Diskussionen und etlichen Fehlversuchen setzte die EBU 1975, bei seiner zwanzigsten Ausgabe, ein komplett neues Wertungsverfahren für den beliebtesten Musikwettbewerb der Welt in Kraft. Ein so erfolgreiches, dass es sich bis heute hält: dass nämlich aus jedem Land die zehn beliebtesten Titel in aufsteigender Reihenfolge Punkte erhalten; die beiden Lieblingslieder sogar noch einen Bonus, um einen möglichst eindeutigen Sieger zu ermitteln. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 12, so lautet seither die magische Formel. Die sprichwörtlichen "Douze Points" fanden seither auch jenseits des Grand Prix Eingang in den Sprachgebrauch. Für Deutschland, das entscheidenden Einfluss auf…
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ESC-Finale 1974: Couldn’t escape if I wanted to

ESC-Finale 1974: Couldn’t escape if I wanted to

Grün ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Besonders optimistisch erschienen also die deutschen Vertreter Cindy & Bert zu diesem Grand Prix: Cindy in einem lindgrünen Maxikleid, Bert im popelgrünen Anzug mit giftgrün leuchtendem Sommerschal. Half aber nichts: die von einer ARD-Jury hinter verschlossenen Türen ausgewählte, schwächliche 'Sommermelodie' verendete auf dem letzten Platz. Aufgrund der fehlenden öffentlichen Vorentscheidung und des daraus folgenden mangelnden Interesses am internationalen Wettbewerb sahen das nur 28 % der deutschen TV-Zuschauer:innen. Was man insofern bedauern muss, da auf diese Art und Weise viele Deutsche den historischen Contest schlechthin verpassten. (mehr …)
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ESC-Finale 1973: Du sagst niemals nein

ESC-Finale 1973: Du sagst niemals nein

Die Lustlosigkeit der deutschen Vorentscheidung rächte sich für uns. Die Protagonistin ahnte es bereits im Vorfeld: "Bringst Du Tränen von gestern zurück?", so eine der Fragen aus ihrer wunderbaren, im Vergleich mit den eher Aufbruchsstimmung verbreitenden Beiträgen der letzten Jahre jedoch etwas verzagt wirkenden Hymne 'Junger Tag', welche die Juroren mit einem klaren und eindeutigen "Ja!" beantworteten. Nach drei dritten Rängen in Folge konnte der nunmehrige (rechnerisch korrekte) neunte Platz nur als echte Enttäuschung gelten. Oder lag es an dem Spontanaugenkrebs verursachenden, grellgelben Folklorefummel, den die für Deutschland startende Dänin Gitte Hænning in Luxemburg trug? (mehr …)
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ESC-Finale 1971: Ein Staubkorn nur in der Unendlichkeit

ESC-Finale 1971: Ein Staubkorn nur in der Unendlichkeit

Heftige Auseinandersetzungen tobten Anfang der Siebzigerjahre hinter den Kulissen des Song Contests, unter anderem um das schon mehrfach geänderte Wertungssystem und über die Besetzung der Jurys. Noch immer gärte der Eklat des Vierfachsieges von 1969 nach, der im Vorjahr für einen Teilboykott durch fünf Länder gesorgt hatte. Selbst Deutschland, seit jeher die unerschütterlichste Eurovisionsnation, drohte mit dem Ausstieg aus der Gemeinschaftsveranstaltung, sollte sie sich nicht endlich dem Zeitgeist annähern. Doch der Grand Prix ist bekanntlich unkaputtbar, und so einigte man sich, ganz europäisch, auf einen Kompromiss. Dessen augenfälligstes Ergebnis war, dass die Jurys jetzt vor der Kamera und damit für…
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Euroviisukarsinta 1971: Schließe die Augen vorm Morgen

Euroviisukarsinta 1971: Schließe die Augen vorm Morgen

Nach der Beteiligung am skandinavischen Eurovisionsboykott 1970 stieg der finnische Sender YLE 1971 wieder in den Wettbewerb ein, änderte aber die Herangehensweise. Diesmal schrieb YLE anstelle eines offenen Liederwettbewerbs neun namhafte, aktuell erfolgreiche Komponist:innen direkt an und bat sie um jeweils einen Titel. Der besonders für seine Verdienste um den finnischen Tango bekannte Toivo Kärki lehnte ab, und so gingen acht Beiträge ins Rennen um die Gunst einer dreißigköpfigen Jury. Die bestand aus 24 von den regionalen Radiostationen ausgewählten Zuhörer:innen, von denen jeweils die Hälfte unter und die andere Hälfte über 25 Jahre alt sein musste, sowie aus sechs "Professionellen".…
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ESC-Finale 1969: Er machte Fröhliche melancholisch

ESC-Finale 1969: Er machte Fröhliche melancholisch

Es hätte eine Warnung sein können: bereits im Jahre 1968 erschien in Frankreich die mit dem (gefakten) Werbesticker "Offizielles Lied Liechtensteins für den Eurovision Song Contest 1969" versehene Single 'Un beau Matin', eine possierliche Parodie auf den europäischen Gesangswettbewerb, in der eine Sängerin namens Vichy mit hoher Stimme über einen zuckrigen Geigenteppich Harmlosigkeiten über dort teilnehmenden Nationen intonierte. Nun war der an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz liegende, winzige Stadtstaat nie Mitglied der EBU und durfte daher gar nicht teilnehmen. Dass man sich aber mittlerweile über die nach wie vor mit staatstragendem Pomp zelebrierte Veranstaltung so belustigte, war…
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Euroviisukarsinta 1969: Alles wie immer

Euroviisukarsinta 1969: Alles wie immer

Ausschließlich etablierte Acts fuhr das finnische Fernsehen YLE auf für den heimischen Eurovisionsvorentscheid 1969. Drei der sechs Interpret:innen hatten die blauweiße Flagge bereits verteidigt, vier von sechs schon mal an einer Euroviisukarsinta teilgenommen. Vom eher ernsten Schmalzbarden Viktor Klimenko über die verträumte Laila Kinnunen (die aufgrund ihrer Alkoholabhängigkeit gerade ohne Plattenvertrag dastand und ihren 'Potkis' daher nicht selbst veröffentlichen konnte) bis hin zu den beiden Schlageretten Katri Helena und Marion Rung war für viele Geschmäcker und Altersklassen etwas dabei. Die das Feld der Verdienten Sänger:innen des Volkes ergänzenden zwei Euroviisukarsinta-Newcomer:innen konnten ebenfalls kommerzielle Erfolge vorweisen: der damals 19jährige Markku Aro…
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ESC-Finale 1968: Happiness hadn’t been invented

ESC-Finale 1968: Happiness hadn’t been invented

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den angeblich von…
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Euroviisukarsinta 1968: die Zweitkarrieristen

Euroviisukarsinta 1968: die Zweitkarrieristen

Handelt man als Sender klug, die Entscheidung über den nationalen Eurovisionsbeitrag in die Hände des Publikums zu legen, oder riskiert man mit dieser demokratischen Vorgehensweise nur, dass das unmündige Volk den bekanntesten Namen oder die aktuellste Pop-Mode wählt? Das finnische Fernsehen YLE optierte angesichts dieses Dilemmas 1968 für einen Mittelweg: zwar gab man erstmalig die Abstimmung per Postkartenvoting für die Zuschauer:innen frei. Gleichzeitig reduzierte der Sender jedoch das Starterfeld von zehn auf sechs Plätze und achtete bei der Auswahl der Songs strikt darauf, nichts zu nehmen, das dem Massengeschmack zu sehr entsprochen hätte. Dementsprechend klangen die Lieder (jedenfalls die vier…
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ESC-Finale 1967: Sicher vor der sengenden Sonne

ESC-Finale 1967: Sicher vor der sengenden Sonne

Wahrlich keinen würdigeren Gastgeber hätte es für diesen, den Übergang zwischen Tradition und Moderne markierenden Eurovisionsjahrgang geben können als den ORF. Mit der Wahl des Festsaals der kaiserlichen Wiener Hofburg als Veranstaltungsort steuerten die Österreicher die uneinholbar nobelste Location, in welcher der Grand Prix jemals gastierte, zum Geschehen bei. Üppige Blumenarrangements auf der Bühne, gerne ins Bild gerückte gigantische Kronleuchter an den hohen Stuckdecken, die festliche Abendgarderobe des handverlesenen Saalpublikums, ein exzellentes Orchester und die traditionsreichen Wiener Hofknaben als Pausenprogramm sorgten im letzten Jahr des Schwarzweißfernsehens für einen regelrecht imperialen Glanz beim europäischen Chansonwettbewerb. Gleichzeitig bemühte man sich mit riesigen…
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Euroviisukarsinta 1967: Der Tunten-Marathon

Euroviisukarsinta 1967: Der Tunten-Marathon

Einmal wie immer: auch im Jahre 1967 veranstaltete das finnische Fernsehen YLE zur Ermittlung des Eurovisionsbeitrages einen offenen Komponistenwettbewerb. 240 Einsendungen gingen beim Sender ein, und wie schon im Vorjahr fanden sich unter den von einer Jury ausgewählten (diesmal acht) Finaltiteln gleich drei aus der Feder von Lasse Mårtenson. Ebenso wie schon im Vorjahr siegte wiederum eine davon. Mårtenson nun den Ralph Siegel Finnlands zu nennen, täte ihm aber dennoch unrecht, dafür waren seine Lieder einfach zu... un-siegelig. So wie das von ihm komponierte 'Varjoon - suajoon' (sinngemäß: 'Im Schatten - geschützt'), eine sehnsuchtsvolle und in ihrer Art extrem finnische…
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Euroviisukarsinta 1966: Auf der Straße nach Süden

Euroviisukarsinta 1966: Auf der Straße nach Süden

Eine auch vom NDR beim deutschen Vorentscheid gelegentlich angewandte Abstimmungstechnik führte der finnische Sender YLE erstmalig im Jahre 1966 als Neuerung ins Eurovisionsgeschehen ein: das Superfinale. Wie nicht anders zu erwarten, stellte sie ihre Ungeeignetheit gleich bei der Premiere unter Beweis. Zum einen stand die Siegerin des Abends, die damals 22jährige Euroviisukarsinta-Novizin Ann-Christine Nyström mit ihrem fröhlich-belanglosen Schlagerlein 'Playboy', bereits nach der ersten Juryabstimmung fest. In dieser führte sie nämlich mit zwei Zählern Vorsprung vor den beiden punktgleich zweitplatzierten Balladen 'Muistojen Bulevardi' von Laila Kinnunen und 'Vieras rakastettuni' ('Fremde, die ich liebe') des finnischen Vorjahresvertreters Viktor Klimenko. Dennoch musste die gleiche…
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ESC-Finale 1965: Die Hitze der Jungs

ESC-Finale 1965: Die Hitze der Jungs

Im zehnten Jahr seines Bestehens schien der Eurovision Song Contest endgültig bei sich angekommen zu sein, die gröbsten Kinderkrankheiten einigermaßen ausgemerzt: unverzeihliche archivarische Lücken durch eine fehlende Aufzeichnung der Live-Sendung wie noch 1956 und 1964 sollten künftig nicht mehr vorkommen; die Frage, wer auf der Bühne die Siegestrophäe überreicht bekommt - Interpret:in oder Komponist:in - sorgte nicht mehr für Verwirrung und peinliche Situationen wie noch 1957; die Wertung unterlag zwar noch ständigen Verfahrensänderungen, hatte sich aber als unverzichtbarer Teil der Sendung etabliert; die Zahl der teilnehmenden europäischen Staaten zeigte einen erfreulich stabilen Aufwärtstrend von sieben im Anfangsjahr zu aktuell 18 Nationen…
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Euroviisukarsinta 1965: Gib mir ’nen Kerl

Euroviisukarsinta 1965: Gib mir ’nen Kerl

111 Einsendungen hatte das finnische Fernsehen YLE im Jahre 1965 von heimischen Komponist:innen für die Suomen Euroviisukarsinta erhalten. Zehn Titel suchte YLE heraus, um sie in den Wochen vor dem Semifinale des Grand-Prix-Vorentscheids mehrfach im Radio zu spielen. Per Postkartenabstimmung durften die Zuhörer:innen hieraus ihre sechs Lieblingslieder für die Endrunde in Helsinki bestimmen. Auf der Strecke blieb unter anderem eine unfassbar langweilig dahinplätschernde Ballade namens 'Pavane itkevälle neidolle', was die unglaublich schweinische kalifornische Internet-Suchmaschine Google mit 'Piss auf eine kleine Mutter' übersetzt (wirklich, ich denk mir das nicht aus!), was aber tatsächlich wohl einen 'Tanz für ein weinendes Mädchen' meint.…
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Euroviisukarsinta 1964: Hey, Macarena!

Euroviisukarsinta 1964: Hey, Macarena!

"Finnisch ist eine dermaßen gangstermäßige Sprache," stellte der isländische Comedian Ari Eldjárn in einem sich mit den skandinavischen Sprachen befassenden Standup-Set mal bewundernd fest. Er machte dies - neben den fantastischen Möglichkeiten, auf finnisch zu fluchen - an der Übersetzung der drei schönsten Wörter in fast jeder Sprache fest: "Ich liebe Dich" heißt dort nämlich "Rakastan sinua". Das klinge für Außenstehende eher wie "Bring das Geld bis Donnerstag bei", meinte Ari nicht ganz zu Unrecht. Ein schönes Beispiel hierfür lieferte auch die finnische Grand-Prix-Vorentscheidung, die Euroviisukarsinta von 1964, wo der 1979 verstorbene Schnulzensänger Taisto Tammi zu kitschigen Geigen etwas vom…
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ESC-Finale 1963: Melodie einer Nacht

ESC-Finale 1963: Melodie einer Nacht

Die von etlichen europäischen Sendeanstalten (einschließlich der ARD) aus finanziellen Gründen sehr gefürchtete Eurovisionsregel, wonach der Sieger des Wettbewerbs im Folgejahr prinzipiell den Contest austragen soll (nicht: muss), existiert bereits seit seit dem zweiten Jahr seines Bestehens, also seit 1957. Doch nicht jeder glückliche Gewinner verhält sich regelkonform: dem schlechten Beispiel der Niederlande folgend, weigerte sich heuer das innerhalb von nur sechs Jahren bereits zum dritten Male (nämlich 1958, 1960 und 1962) viktoriöse Frankreich, die Show zu organisieren und alleine finanziell zu stemmen. Das mondäne Cannes, wo der Wettbewerb bereits 1959 und 1961 stattgefunden hatte, entwickelte sich - nicht zuletzt aufgrund der jährlichen…
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Euroviisukarsinta 1963: I am what I am

Euroviisukarsinta 1963: I am what I am

Viel Mühe hatte sich das finnische Fernsehen YLE gegeben mit seiner dritten Eurovisionsvorentscheidung, der Suomen Euroviisukarsinta 1963. Acht Titel hatte man kommissioniert, darunter Stücke mit so vielversprechenden Titeln wie 'Pimpula vei' ('Verflucht'): keine Sprache klingt so gangstermäßig und eignet sich so gut zum Fluchen wie das Finnische! Wie seinerzeit üblich, wurden alle Beiträge jeweils von zwei verschiedenen Künstler:innen dargeboten, in unterschiedlicher Instrumentierung, um den Fokus der zweihundertköpfigen (!) Laienjury weg vom Interpreten und hin zum Song zu lenken. Dies gelang jedoch nur sehr eingeschränkt (wie auch, schließlich bildet beides eine untrennbare Einheit), und nicht immer unbedingt zum Vorteil der Künstler:innen. So…
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ESC-Finale 1962: Ring a tipi tii ding

ESC-Finale 1962: Ring a tipi tii ding

Luxemburg, das 1962 als Gastgeber für den Eurovision Song Contest fungierte, gilt im Allgemeinen als finanziell wohlsituierte europäische Steuerfluchtoase. Um so merkwürdiger muteten die anhaltenden Stromschwankungen und mehrfachen Lichtausfälle im RTL-Auditorium während der Grand-Prix-Übertragung an, die den Zuschauer:innen infrastrukturell eher den Eindruck eines Dritte-Welt-Landes (oder der heutigen USA) vermittelten. Wohl auch, um Kosten zu sparen, gestaltete der Sender des Großherzogtums den Ablauf der Show ziemlich zügig, die Lieder folgten fast nahtlos aufeinander. Das Anziehen des Tempos übertrug sich in wohltuender Weise ebenfalls auf das senderseitig gestellte, erstaunlich druckvoll und präzise aufspielende Orchester. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, Rhythmusinstrumente wie…
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Euroviisukarsinta 1962: Tipi Tii Bimbo Tom

Euroviisukarsinta 1962: Tipi Tii Bimbo Tom

Es wird gelegentlich darüber geklagt, dass die Skandinavier:innen bei der Punktevergabe beim Eurovision Song Contest ganz gerne zusammenhalten, was aber angesichts der gemeinsamen kulturellen Wurzeln nicht verwundert. Zu deren Vertiefung auch die Eurovision mit beitrug: in den Sechzigern nämlich wurden die nationalen Grand-Prix-Vorentscheidungen der nordischen Länder per Nordvision in der gesamten Region ausgestrahlt. Und so schaute und lernte man vom Nachbarn. Mit dem lustigen Ergebnis, dass es bei der zweiten Suomen Euroviisukarsinta zwar vier Interpret:innen und vier Lieder gab, aber acht Auftritte: wie in Schweden und Norwegen schwenkte auch das finnische Fernsehen YLE auf das weit verbreitete Ein-Song-zwei-Versionen-Format um. Was den…
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ESC-Finale 1961: Stand up for your Love Rights

ESC-Finale 1961: Stand up for your Love Rights

Schon zum zweiten Mal in der noch jungen Grand-Prix-Geschichte gastierte der Wettbewerb 1961 in Cannes. Und erneut präsentierte das französische Fernsehen die selbe Eröffnungssequenz wie schon 1959. Sowie die selbe Moderatorin, Jacqueline Joubert, die so viel Mascara aufgelegt hatte, dass sie ständig angestrengt gen Himmel schauen musste, damit ihr die Augenlider nicht zusammenpappten. Lediglich auf die charakteristischen Drehgestelle verzichtete man. Stattdessen versammelten sich die 16 Teilnehmer/innen zum Auftakt der erstmals an einem Samstag ausgestrahlten Sendung auf einer opulenten Showtreppe und stellten sich artig nacheinander persönlich vor. Was für die Zuschauer/innen den unschätzbaren Vorteil bot, die Interpretennamen zur Abwechslung in fehlerfreier Aussprache hören zu können. Im Anschluss sangen sie dann…
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