Großbritannien

Das selbst emp­fun­de­ne euro­päi­sche Mut­ter­land des Pop war beim ESC, der auf der Insel vor allem als abson­der­li­che Freak­show wahr­ge­nom­men wird, lan­ge Zeit extrem erfolg­reich. Seit dem Weg­fall des Lan­des­spra­chen­zwangs sieht das Big-Five-Land die Tabel­le meist von hinten.
Dabei seit: 1957; ESC-Sie­ge: 1967, 1969, 1976, 1981, 1997; Rote Later­nen: 4; Nil­poin­ter: 1. 

Kehrt Groß­bri­tan­ni­en zum Vor­ent­scheid zurück?

Nach einer Reihe bitterer Niederlagen will die BBC die Schmach des Versagens beim europäischen Liederwettbewerb wohl nicht mehr länger alleine tragen und kehrt zum öffentlichen Vorentscheid zurück. So behauptet es jedenfalls der Daily Express heute. Ab sofort und noch bis November wolle man neue, frische Acts, die noch am Karrierebeginn stehen, einladen, Titel ihrer Wahl einzureichen. Eine Jury unter Vorsitz des Musikproduzenten Hugh Goldsmith, auf dessen Konto die Erfolge unter anderem von Atomic Kitten und Blue (UK 2011) gingen, soll daraus ein Starterfeld für den nationalen Vorentscheid zusammenstellen, bei welchem alleine die Zuschauer entscheiden, wer den Union Jack in Schweden vertreten…
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SVT will Euro­vi­si­on auf 20 Uhr vorverlegen

Die Eurovisionsnews reißen nicht ab heute: wie Eurovoix unter Berufung auf das schwedische Portal DN berichtet, wolle der ausrichtende Sender SVT der EBU vorschlagen, den Eurovision Song Contest um eine Stunde auf 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit vorzuverlegen. Seit Menschengedenken fängt die Show um 21 Uhr MEZ an. Seit sich die Eurovision immer weiter östlich ausdehnt, zeigt sich die Schwierigkeit dieses Sendebeginns, der 1957 mit Rücksicht auf das Programmschema der BBC installiert wurde: in Russland oder am Kaukasus, die in einer anderen Zeitzone liegen, beginnt die Show derzeit teils erst um Mitternacht. Die Schweden argumentieren nun, dass insbesondere das jüngere Publikum, das…
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ESC-Fina­le 2015: A Touch too much

ESC-Fina­le 2015: A Touch too much

Okay, ich geb's zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor…
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Feu­er brennt nicht (nur) im Kamin: ers­te Pro­ben Fina­lis­ten 2015

So - endlich in Wien aufgeschlagen, vergnüglichen ersten Abend hinter mir und noch leicht unterkoffeiniert im Pressezentrum sitzend. Heute proben die fixen Finalisten zum ersten Mal, und bis dato sieht es nicht so aus, als ob sie diesen Status verdient hätten. Die im Vorfeld von vielen Seiten bereits als mögliche Sieger gehandelten italienischen Knödeltenöre von Il Volo erscheinen im Anzug, scheinen mit technischen Problemen zu kämpfen - es klingt alles andere als harmonisch - und lassen auf der Projektionswand die Standard-Powerpoint-Präsentation "Rom für Touristen in fünf ausgelutschten Klischees" laufen. Ja, ihr Klassikschlager träufelt sich in die Gehörgänge wie Blütenhonig, zwei von den…
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Ring-a-ding, won­der­ful Thing: Ron­nie Car­roll ist tot

Wie esctoday.com heute unter Bezugnahme auf die BBC berichtet, verstarb gestern im Alter von 80 Jahren der zweimalige britische Eurovisionsvertreter Ronnie Carroll. Der gebürtige Belfaster repräsentierte das Vereinigte Königreich in zwei direkt aufeinanderfolgenden Contests, wobei er jeweils einen respektablen vierten Platz belegte: 1962 in Luxemburg mit dem schmissigen 'Ring-a-ding Girl', im Jahr darauf beim Skandalcontest in London mit dem mutmaßlich im Playbackverfahren vorgetragenen 'Say wonderful Things'. Mit selbigem Titel erzielte er auf dem Höhepunkt seiner sechsjährigen erfolgreichen Popkarriere seinen siebten und letzten Charthit (#6 UK und IE). Im Anschluss verdiente Carroll sein Geld als Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen. Ende der Neunzigerjahre wandte er sich der…
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Groß­bri­tan­ni­en 2015: Alex swings, Bian­ca sings

Mit nur fünf Jahren Verspätung entdeckt die ehemals führende Popnation Großbritannien das Musikphänomen Electroswing: nachdem Deutschland bereits 2009 mit Alex swings, Oscar sings beim Eurovision Song Contest baden ging, versucht es die Big-Five-Nation in Wien nun ebenfalls mit der Musikgattung, die mit Yolanda Be Cools Megahit 'No speak Americano' vor fünf Jahren ihren kommerziellen Höhepunkt fand. Dennoch sollten wir uns in Demut üben: im Gegensatz zu ASOS' eher blassem Eurovisionsbeitrag überzeugt 'Still in Love' von Electro Velvet durch sofortige Eingängigkeit und süffige Melodik. Viel wichtiger aber: England schenkt uns damit einen richtigen Uptemposong! Was zum Tanzen im Euroclub! Einen Song, bei…
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Kei­ne Bal­kan Girls beim ESC 2015?

Betrübliche Nachrichten kommen dieser Tage aus dem erweiterten Mittelmeerraum, was die Bestückung des 60. Eurovision Song Contests im Mai 2015 in Wien betrifft: die Teilnahme Rumäniens könnte massiven Sparzwängen zum Opfer fallen, welche die Existenz des Staatssenders TVR bedrohen, wie Wiwibloggs berichtet. Demnach sei die finanzielle Lage der Rundfunkanstalt trotz bereits erfolgter Massenentlassungen so desaströs, dass TVR nach Aussage des Senderchefs Stelian Tanase gegenüber der rumänischen Presseagentur Mediafax im kommenden Frühling für wenigstens einen Monat schließen müsse. Zwar wolle man, wie die Programmdirektorin Irina Radu nachschob, alles Menschenmögliche versuchen, um eine Teilnahme des Landes am Eurovision Song Contest dennoch zu ermöglichen, weil man…
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Sinit­ta: mit dem GTO zum ESC?

Die nachrichtenarme Post-Eurovisions-Depressions-Periode ist bekanntlich die am besten geeignete Zeit für popmusikalische Hasbeens, mit offensichtlich aussichtslosen Bewerbungen um eine Eurovisionsteilnahme mal wieder dem Ghetto des Vergessens zu enteilen, und sei es auch nur kurz. Und üblicherweise ignoriere ich solches - außer, es handelt sich um einen meiner Lieblings-Trashpop-Stars aus den goldenen Achtzigern. Wie beispielsweise die fabelhafte Sinitta, die etlichen Stock / Aitken / Waterman-Produktionen wie 'G.T.O.' oder 'Cross my broken Heart' ihr Gesicht und ihr dünnes Stimmchen lieh. Weit wichtiger aber sind ihre 1986 vor der SAW-Zeit entstandenen, essentiellen Gay-Disco-Hymnen 'Cruisin' und 'So macho!', mit denen die Tochter der US-Disco-Königin…
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ESC-Fina­le 2014: The Secret is Love

ESC-Fina­le 2014: The Secret is Love

Schon der Einspieler hätte es erahnen lassen können, in dem die Dänen die Eurovisionstrophäe, das gläserne Mikrofon, vom 14 Kilometer entfernten Malmö nach Kopenhagen holten - mit abenteuerlichen Stunts in bester James-Bond-Manier und unterlegt von den jazzigen Klängen des 1963er Siegertitels 'Dansevise' vom dänischen Filmmusikkomponisten Jørgen Ingman. Dennoch: dass am Ende dieses grandiosen Abends eine österreichische Diva mit Bart und einer shirleybasseyesken Bond-Ballade selbige Trophäe mit einem triumphalen "We are unstoppable!" in die Luft recken würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Doch Europa zeigte sich an diesem denkwürdigen, geschichtsträchtigen Samstag toleranter und offener als erwartet. Und…
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Ers­te Pro­ben Fina­lis­ten 2014

Heute probten in Kopenhagen zum ersten Mal die sechs direkt für das Finale Gesetzten, darunter auch die deutschen Vertreterinnen Elaiza, die gleich als Erste auf die Bühne durften. Leider bewahrheitete sich hier, was - wenn meine Erinnerung nicht trügt - Christer Björkman vom schwedischen Fernsehen während der Generalprobe zur deutschen Vorentscheidung andeutete: dass wir uns dort für die beste Geschichte entschieden haben und nicht für das beste Lied. Wurden Elaiza in Köln als irre sympathische Underdogs auf einer Welle des Welpenschutzes durch den Abend getragen, so spielen sie in Kopenhagen in einer anderen Liga. Die Bühnenshow gleicht der beim Vorentscheid: die…
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UK 2014: Have you seen Molly?

Die 26jährige, bislang weitestgehend unbekannte britische Singer-Songwriterin Molly Smitten-Downes vertritt das Vereinigte Königreich in Kopenhagen mit dem selbst geschriebenen Midtemposong 'Children of the Universe', wie die BBC heute Abend offiziell verkündete. Der Name der Künstlerin, die bereits seit zehn Jahren im Geschäft ist und als Komponistin und Studiosängerin kleinere Erfolge mit Dance-Tracks verbuchen konnte, ohne bis dato einen festen Plattenvertrag akquirieren zu können, sickerte bereits gestern Abend durch. Tratschende Grand-Prix-Fans, welche die BBC unter Verpflichtung auf strikteste Geheimhaltung (als ob!) als Klatschvieh zum Videodreh für 'Children of the Universe' in eine ehemalige Kirche in einem noblen Londoner Stadtteil eingeladen hatte,…
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Schott­land: das Ende der Big Five?

Für Rauschen im britischen Blätterwald sorgt das im Herbst 2014 anstehende Referendum über eine mögliche Sezession Schottlands vom Vereinigten Königreich. Schweres Geschütz fuhr nun die Daily Mail auf: sie warnte separatistische Kiltträger vor der "neuesten Gefahr für Schottlands Unabhängigkeit: dem Eurovision Song Contest"! Mache die abtrünnige Region nämlich Ernst mit der Abspaltung, so sei es keineswegs garantiert, dass die nordischen Rotschöpfe als eigenes Land beim europäischen Liederwettstreit antreten dürften: "Nur aktive Mitglieder können teilnehmen," zitiert das Blatt den hierzu befragten Eurovisions-Sprecher Jarmo Siim, "und es gibt einen Aufnahmeprozess. Es werden keine automatischen Mitgliedschaften vergeben". Maliziös verweist die Mail dann auf das…
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Bel­le & Sebas­ti­an wol­len Euro­vi­si­ons­al­bum machen

Der stets gerne als Triumph des musikalischen Mittelmaßes geschmähte Eurovision Song Contest als Inspirationsquelle für eine Indie-Band: was wie ein Paradoxon wirkt, will die britische Kapelle Belle & Sebastian nun verwirklichen, wie der Gründer der aus einem Glasgower Arbeitslosenprojekt hervorgegangenen Band, Stuart Murdoch, dem Rolling Stone sagte: "Ich möchte ein Album machen, auf dem sich der eine Song anfühlt, als könne er der zyprische Beitrag von 1974[ref]Den gibt es nicht: Zypern nahm erstmals 1981 am Song Contest teil![/ref] sein, und das nächste Lied wie der deutsche Beitrag von 1989 oder so". Wir sollten allerdings keine klassischen Schwedenschlager mit Rückung erwarten: "Man wird das den…
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Schott­land bald mit eige­nem Eurovisionsbeitrag?

Nicht nur auf dem Balkan grassiert die Abspalteritis: im September 2014 entscheiden die Einwohner Schottlands in einem Referendum über eine mögliche vollständige Eigenständigkeit vom Vereinigten Königreich. Sollte das klappen, dürfte sich die Teilnehmerliste des Eurovision Song Contest erweitern: die im Regionalparlament von Edinburgh über die Mehrheit verfügende Scottish National Party, treibende Kraft hinter der Sezession, plant in diesem Fall eine eigenständige schottische TV-Station - und die Teilnahme am Grand Prix. Dies könnte ab 2017 der Fall sein: bis dahin soll der neue staatliche Sender SBS im Betrieb sein und über die EBU-Mitgliedschaft, die man explizit im Hinblick auf die Song-Contest-Teilnahme…
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ESC-Fina­le 2013: Bei jedem Kuss

ESC-Fina­le 2013: Bei jedem Kuss

Nun liegt er also hinter uns, der Eurovision Song Contest 2013. Etliche Änderungen nahmen die schwedischen Veranstalter am bestehenden Konzept vor, selbstredend begleitet von reflexhaftem Weltuntergangsgejammer der Fans: eine deutlich kleinere Halle gab es, keine LED-Orgie bei der Beleuchtung, nur Stehplätze im Innenraum, ein verändertes Stimmauszählungsverfahren und eine handgemachte Startreihenfolge. Und was soll man sagen: die Welt ging nicht unter - im Gegenteil entpuppte sich die Show aus Malmö als intimer, freundlicher, runder. Was vor allem der großartigen Selbstironie geschuldet ist, mit der die gastgebenden Schweden sich selbst und den Contest sanft auf die Schippe nahmen. Seien es die fabelhaften…
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It’s all in your Head: Zla­ta und das Ecstasy-Einhorn

Dass in ihrem Oberstübchen die Neuronen anders verknüpft sein könnten als beim Rest der Menschheit, diesen Eindruck erweckte die fabelhafte Zlata Ognevich ja bereits in der skandalumwitterten ukrainischen Vorentscheidung 2011, wo sie sich von synthetisierten Kuckucksrufen zu ihrem völlig skurrilen, nur als Gesamtkunstwerk zu würdigenden Lied 'Kukushka' begleiten ließ. Und auch ihr diesjähriger Song 'Gravity' gehört nicht gerade zu den klassischen Junge-liebt-Mädchen-Machwerken der Popgeschichte. Mit dem soeben veröffentlichten (hervorragenden!) Club-Remix des Beitrags dreht Zlata die Schraube noch ein Stückchen lockerer: hier mischt sie den absurden englischen Text ("Put your Heart where it belongs" - ähm, in den Brustkorb?) mit wohlklingenden Wörtern…
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2013: das ESC-Jahr der mode­mu­ti­gen fül­li­gen Frau?

Seit jeher beschert uns der Eurovision Song Contest gerne mal ein übergeordnetes Thema, das sich als Klammer durch den kompletten Jahrgang zieht. Seien dies instrumentale Trends wie das plötzliche massierte Auftauchen des Akkordeons oder der Geige, Musiktrends wie Dubstep (heuer gleich bei mehreren Beiträgen als Schlagerverzierung oder Hauptmotiv) oder modische Trends. In diesem Jahr fällt eine relative Häufung figürlich zur Üppigkeit neigender Sängerinnen auf: gleich sieben der Teilnehmerinnen von Malmö widersetzen sich tapfer dem noch immer von sadistischen Modemachern und ihren willfährigen medialen Helfershelferinnen wie der diabolischen Heidi Klum (Germany's next Topmodel) propagierten Zwang zur vorsätzlichen Unterernährung. Nun sind Frauen…
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Never ten­der, always rough: Cezar gibt den Harten

Er liefert fraglos einen der unterhaltsamsten Beiträge dieses von eurovisionärer Konfektionsware beherrschten Jahrgangs ab: der Rumäne Cezar Ouatu, der mit seinem mit hoher, krächzender Fistelstimme intoniertem Discoschlager 'It's my Life' für einen der leider raren "Was zur Hölle haben die sich nur dabei gedacht?"-Momente sorgt. Vor allem, da er die trashtastische Krassimir-Avramov-Gedächtnisnummer mit völligem Ernst und mit vor Anstrengung verkniffenem Gesicht performt. Noch einen drauf setzt der Countertenor im dieser Tage nachgereichten offiziellen Musikvideo, wo er sich als testosteronstrotzender Actionheld inszeniert, der zwischen seinen Freizeitaktivitäten (Fallschirmspringen, Speedbootfahren, Nötigungsdelikte im Straßenverkehr) nie vergisst, die Kleidung zu wechseln, um uns seinen muskelgestählten…
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Groß­bri­tan­ni­en: Kei­ne sang gei­ler als die Tyler

Was ist denn da in die BBC gefahren? Konnten sie die jährlich wiederkehrenden, hysterischen Fanspekulationen um den Vertreter des Königreichs nicht mehr länger ertragen? Oder erfolgte die für britische Verhältnisse extrem frühe Bekanntgabe aus Rücksicht auf den angeschlagenen Gesundheitszustand Ihrer Majestät? Wie auch immer: die 61jährige Rockröhre Bonnie Tyler, bekannt durch sensationelle Achtzigerjahre-Hymnen wie 'Holding out for a Hero' (einer meiner fünf absoluten Lieblingspopsongs aller Zeiten) und nicht minder fantastische Achtzigerjahrefrisuren, vertritt die Krone in Malmö. Mit einer vom US-Amerikaner Desmond Child komponierten Powerballade namens 'Believe in me'. Ob Bonnie einen solchen Vertrauensvorschuss verdient? Zwar trägt sie immer noch einen…
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ESC-Fina­le 2012: An ever­las­ting Pie­ce of Art

ESC-Fina­le 2012: An ever­las­ting Pie­ce of Art

Europa altert - und der Eurovision Song Contest reflektiert das. Musste die EBU noch 1990 eine Altersuntergrenze von 16 Jahren einführen, um den Wettbewerb nicht zur Mini Playback Show verkommen zu lassen, so schienen sich die Teilnehmerländer dieses Jahrgangs einen Wettstreit um den ältesten Grand-Prix-Partizipanten zu liefern. Nicht nur die Jugos schickten mit dem serbischen Balkanballadenkönig Željko Joksimović (40) und der mazedonischen Nina Hagen, Kaliopi (46), lebenserfahrene Barden. Gleich der erste Starter des Abends riß die bisherige, vom kroatischen Gerontorapper 75 Cents gelegte Meßlatte: das Vereinigte Königreich entsandte nämlich den sich nach einem schon lange verschiedenen deutschen Komponisten nennenden, mittlerweile…
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Good Tas­te Day in Baku: zwei­te Pro­ben Big Five + AZ

Bei der heutigen zweiten Probenrunde bestätigten die Big Five dann noch mal, dass sie ihren pekuniär begründeten Sonderstatus in diesem Jahr gar nicht benötigten: so gut sind ihre Songs und Präsentationen, dass sie auch ohne ihn fest im Finale wären. Im Vergleich zur gestrigen ersten Kameraprobe legten die großen Fünf allesamt stimmlich noch mal zu, die meisten präsentierten sich heute auch in Bühnengarderobe - oder zumindest deutlich geschmackvolleren Klamotten. Engelbert Humperdinck erschien in einem schwarzen Hemd mit passender Hose und klang deutlich besser, wenn er auch die letzte, große Schlußnote noch immer nicht ganz schaffte. Aber dafür hat er auch noch…
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Over the Hump: 1. Pro­be Großbritannien

Den heutigen Probetag beschloß der mit Spannung erwartete, 76jährige britische Schnulzenheini Engelbert Humperdinck, der seinen Probenstartplatz zuvor mit Roman Lob tauschte, da er heute erst in Baku eintraf und vor der anstrengenden Probe noch schnell ein kleines Nickerchen machen wollte. Zum bisherigen Setting (Engelbert, sein wallendes Haupthaar und ein Gitarrist auf einem Hocker) gesellen sich in Baku noch die jugendlichen Nachfahren des aus den deutschen Vorentscheidungen der Sechziger bekannten Ehepaares Trautz, die mit lateinamerikanischen Tänzen für etwas optische Ablenkung von Ye Olde Knitterface sorgen. The Hump, leger in T-Shirt und Jeans, spart derweil seine schon etwas brüchige Stimme clevererweise für das…
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Groß­bri­tan­ni­en: der mit dem zar­ten Schmalz (UK 2012)

Seit heute Vormittag ist er endlich draußen: der mit Hochspannung erwartete und diesmal wirklich bis zur letzten Sekunde geheim gehaltene britische Beitrag. Hm. Tja. Deutlich weniger schmalzig als bei Engelberts Vorstrafenregister zu erwarten kommt 'Love will set you free' daher; eine eher sanfte, beinahe intime Gitarrenballade mit allerdings großer Streicherunterstützung, die dann doch für das notwendige Pathos sorgt. Ein bisschen aus der Zeit gefallen wirkt der Song, der so auch schon 1963 hätte dabei sein können und der alle klassischen Grand-Prix-Insignien wie die vorschriftsmäßige Rückung und die hohe, aufwallende Schlußnote mitbringt, bei der sich Engelberts fortgeschrittenes Alter stimmlich allerdings bemerkbar macht.…
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Engel­bert Hum­per­dinck für Großbritannien!

Es ist mit Sicherheit das größte kollektive WTF-Erlebnis der jüngeren Eurovisionsgeschichte. Seit Wochen liefen die Eurovisionsfans in den Internetforen schon fast Amok, wann denn nun endlich der britische Eurovisionsvertreter für Baku bekannt gegeben würde. Der Name praktisch jedes einzelnen Künstlers, der in den vergangenen 50 Jahren auf der Insel Platten veröffentlichte, wurde an irgendeiner Stelle von irgendjemand in den Ring geworfen, von Adele bis zu den Wombles. Dann ließ die BBC durchsickern, sie habe jemanden gefunden: einen "erfolgreichen, sehr bekannten Namen", wenn auch "vielleicht nicht bei den Jüngeren". Die immer hysterischeren Spekulationen schossen ins Kraut, und nachdem der Sender für…
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Fang­fri­sche Musikvideos

Gut einen Monat liegt das Ende der Vorentscheidungssaison 2011 nun zurück. Zwischenzeitlich reichten einige Länder noch professionelle Musikvideos nach, die ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Da ist an vorderster Front Eric "Marquis de" Saade zu nennen, der in seinem (sehr düsteren) Clip auf Michael Jacksons Spuren wandelt und die Geschichte des Tanzwettbewerbs mit einer Straßengang aus 'Beat it' nacherzählt. Nur, dass es in Erics Fassung nicht bei der sublimen Verlagerung der Rivalität zwischen Gut und Böse in den Tanz bleibt, sondern er von den fiesen Bullies gleich zu Anfang erst mal richtig die Fresse poliert bekommt. Nichts für empfindliche…
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