Großbritannien

Das selbst emp­fun­de­ne euro­päi­sche Mut­ter­land des Pop war beim ESC, der auf der Insel vor allem als abson­der­li­che Freak­show wahr­ge­nom­men wird, lan­ge Zeit extrem erfolg­reich. Seit dem Weg­fall des Lan­des­spra­chen­zwangs sieht das Big-Five-Land die Tabel­le meist von hinten.
Dabei seit: 1957; ESC-Sie­ge: 1967, 1969, 1976, 1981, 1997; Rote Later­nen: 4; Nil­poin­ter: 1. 

Blue zie­hen sich aus

Wie bereits berichtet, zogen sich die britschen Eurovisionsteilvertreter Blue unlängst für das Londoner Schwulenmagazin Attitude aus. Sehr aufmerksam, Jungs - und sehr an die Zielgruppe gedacht! Der offen bisexuelle Frontmann Duncan James dürfte nun in Düsseldorf noch mehr von Journalisten schwulen Fans umringt werden - und auch die drei anderen Boygroup-Mitglieder können sich wahrlich sehen lassen! Auch wenn Antony Costa beim Fotoshooting offensichtlich etwas die Wampe einziehen musste - ich find Männer mit Bauch ja sexy! So dürften die Jungs gerne auch beim Grand Prix auftreten! Die Attitude, laut Eigenwerbung "Europe's No 1 gay lifestyle mag", ist für 2,99 £…
Weiterlesen

Every Way that they can (UK 2011)

Nachdem vorgestern bereits die Studiofassung des britischen Beitrags 'I can', gesungen von der wiedervereinigten Neunzigerjahre-Boyband Blue, durchsickerte (und aufgrund übermäßigen Autotune-Einsatzes eher enttäuschte), ging vor wenigen Minuten die seit langer Zeit mit Hochspannung erwartete erstmalige Live-Performance in der Graham Norton Show über die Bühne. Und was soll ich sagen: die war gut, verdammt gut! Ohne den ganzen Vocodereinsatz klingt die Nummer gleich viel besser, und ein Sieg des Königreichs scheint mir jetzt nicht mehr völlig von der Hand zu weisen. httpv://www.youtube.com/watch?v=ry_ytRwRlFQ An der Choreografie sollten Blue vielleicht noch ein bisschen feilen, und der mit der hohen Stimme braucht vielleicht 'nen…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2010: Do I have to sing again?

ESC-Fina­le 2010: Do I have to sing again?

Ein Meilensteincontest und das Ende eines heimischen Traumas: 28 Jahre, nachdem eine blockflötenhafte junge Saarländerin im Kommunionskleid Europa überzeugen konnte, dass Deutschland nicht mehr den totalen Krieg will, sondern nur noch "ein bißchen Frieden" (DE 1982), und zwölf Jahre, nachdem ein zottelhaariger Derwisch dem ungläubig staunenden Ausland demonstrierte, dass Deutsche doch Humor haben ('Guildo hat Euch lieb', DE 1998), verdrehte eine charmante Hannoveranerin einem ganzen Kontinent den Kopf, in dem sie bewies, dass wir auch lässig sein können. Im Gegensatz zu den diesjährigen Fluten von hörbar auf den vermuteten Jurygeschmack hin produzierten, saft- und kraftlosen Seichtballaden oder den mit viel…
Weiterlesen
Bri­ti­scher Vor­ent­scheid 2010: Step back in Time

Bri­ti­scher Vor­ent­scheid 2010: Step back in Time

Für das Vereinigte Königreich tritt ein Neunzehnjähriger mit der Ausstrahlung von Rick Astley und den stimmlichen Qualitäten von Mandy Smith an. Mit einem Song, der so klingt, als habe ihn Jason Donovan seinerzeit schon als Füllmaterial für sein Album abgelehnt. Denn neben der teuren Heimat wählten gestern Abend noch ein paar andere unbedeutende europäische Nationen ihren Song für Oslo. Darunter das Mutterland des Pop, das nach dem letztjährigen Erfolg mit der Musicallegende Andrew Lloyd Webber ein weiteres Songschreiberfossil aus den Achtzigern ausgegraben hatte: die Bubblegum-Pop-Legende Pete Waterman nämlich! Der ließ sechs hoffnungsvolle junge Acts um die Ehre antreten, den von…
Weiterlesen

Stock & Water­man kom­po­nie­ren für Großbritannien!

Nach Monaten des Schweigens gab die BBC Ende Januar bekannt, wer den britischen Song for Europe komponiert. Und legt in der Nachfolge zum erfolgreichen Musical-Kitsch-Schreiber Andrew Lloyd Webber ein Schippchen drauf: kein Geringerer als S/A/W-Mastermind Pete Waterman, der größte und erfolgreichste Bubblegum-Pop-Komponist der Achtzigerjahre und so etwas wie der britische Dieter Bohlen, schreibt das Lied für Oslo! Wie heute, drei Wochen später, herauskam, assistiert ihm sein früherer Kompagnon Mike Stock dabei. Wer auf ein Comeback von Jason Donovan spekulierte, wird indes enttäuscht: erneut sucht die BBC einen Newcomer als Interpreten. Spitzenparodie auf die S/A/W-Fließband-Hits von Morris Minor & the Majors…
Weiterlesen

Hurts für Großbritannien?

Der großartige britische Internetklatschblog popbitch.com stellt diese Woche eine neue britische Band vor, die wir eventuell in Oslo wiedersehen könnten. Hurts sind zwei Jungs aus Manchester, die sich in der Warteschlange vor einem Nachtclub kennenlernten, während Bekannte von ihnen in eine Schlägerei gerieten. Sie machen eine Art von Wave, ihren Look beschreibt popbitch.com als "beinahe teutonisch" (kein Wunder, das Video zu ihrer ersten Single 'Wonderful Life' erinnert denn auch ziemlich stark an Kraftwerk.) Dem Blog zufolge hätten sich Hurts in ihrem Plattenvertrag eine Extraklausel ausbedungen, die es ihnen erlaube, beim Eurovision Song Contest 2010 aufzutreten. Und ich würde sie dort…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde. Im Gegenteil: auch die Juror:innen setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO). Meine Vermutung, zubrotfreudige Juror:innen könnten gar die Verantwortung für das…
Weiterlesen

Groß­bri­tan­ni­en 2009: Don’t cry for me, Eurovision

Supersamstag, die Erste: die Soulsängerin Jade Ewen, Ex-Girlgroupmitglied ohne Plattenvertrag, fährt mit der von Andrew Lloyd Webber geschriebenen und von Dianne Warren getexteten Kitsch-Schnulze 'My Time' nach Moskau. Im heutigen Finale der TV-Castingshow 'Your Disco Country needs you' setzte sie sich im Zuschauervoting gegen die britische Antwort auf die Kessler-Zwillinge, Francine & Nicola, sowie den schnuckligen Muscialsänger Marc Evans durch. Bleibt zu hoffen, dass ALW bis Mai mit ihr noch etwas an der Performance feilt - bei der Siegerreprise versagte der Guten vor lauter Aufregung glatt die Stimme! Hübscher Fümmel! (mehr …)
Weiterlesen

Andrew Lloyd Web­ber schreibt bri­ti­schen Beitrag

Jetzt fährt die britische BBC die ganz großen Geschütze auf. Niemand Geringeres als die Musicallegende Andrew Lloyd Webber, Schöpfer solch epochaler Werke wie 'Cats', 'Evita' oder 'Sunset Boulevard' (und etwa siebenhundert weiterer Singspiele), verfasst den nächsten Eurovisionsbeitrag der Insel. Wie ernst es um England steht, verrät der Titel der mehrteiligen Castingshow, mit der ein oder mehrere geeignete Interpreten für den zu erwartenden Technicolor-Breitwandschmachtfetzen gefunden werden sollen: 'Your Country needs you' lautet der martialisch anmutende Name der Show. Im Videoaufruf an mögliche Kandidaten (bewerben darf sich jeder Brite) zeigt sich Lloyd Webber angesteckt von so viel nationalem Pathos: "Frage nicht, was…
Weiterlesen
Groß­bri­tan­ni­en 2008: Too funky

Groß­bri­tan­ni­en 2008: Too funky

Großbritanniens Vorentscheidung 'Eurovision - Your Decision' entpuppte sich in diesem Jahr als mehrteiliger Knock-out-Marathon, in dem eine ganze Armada ehemaliger Castingshowverlierer aufeinander gehetzt wurde. Im heutigen Finale setzte sich der 43jährige "singende Müllmann" Andy Abraham (The X-Factor, eine Art DSDS ohne Altersbegrenzung) gegen das singende Soapsternchen Michelle Gayle durch, die in den Neunzigern mal einen Hit ('The Sweetness') hatte und nach einer "Babypause" ihr Comeback versuchte. Andys Song heißt 'Even if' und präsentiert sich als dezent groovender, leicht funkiger Soul-Pop. Geht sofort ins Ohr und versetzt die Hüften in Schwingung. Nicht nur dafür, dass der Mann drei Jahre älter ist als…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

Ein kollektives, erleichtertes Seufzen ging durch Europa: nach fünf Jahren Vorherrschaft der Show über die Musik siegte endlich wieder ein Lied! Ein sanftes, melodiöses, in der Landessprache gesungenes noch dazu. Eines ganz ohne Choreografie! Allerdings: so ganz stimmte das nicht. Molitva' gewann natürlich auch aufgrund seiner Show - nur, dass diese halt sehr viel unaufdringlicher daherkam als beispielsweise bei den finnischen Monsterrockern. Genau diese charmante Präsentation zärtlicher Solidarität zwischen fünf gut aussehenden und einer stimmgewaltigen Frau (nicht zu vergessen der subtil lesbische Unterton) hob den serbischen Beitrag aus der Flut aufwändiger Tanzchoreografien heraus und führte ihn zum hoch verdienten Sieg.…
Weiterlesen
Scooch: “Wir dach­ten, es geht um ernst­zu­neh­men­de Acts!”

Scooch: “Wir dach­ten, es geht um ernst­zu­neh­men­de Acts!”

Hurra, ein Skandal! Das britsche Eurodance-Quartett Scooch benutzte für seinen Vorentscheidungsauftritt unsichtbare Back-up-Sängerinnen. Die Konkurrenten sind "angepisst". Das Boulevardblatt Mirror machte heute mit dem Skandalmeldung auf, dass die vierköpfige Band für ihren Auftritt bei Making your Mind up, der britischen Vorentscheidung, zwei zusätzliche Sängerinnen hinter der Bühne versteckt hatte, welche die hohen Töne sangen. Natürlich ließen sich die unterlegenen Konkurrenten der singenden Lufthuschen die Chance nicht entgehen, sich als schlechte Verlierer zu präsentieren. Allen voran Justin Hawkins, Ex-Frontmann der Glamrockband The Darkness, der schon während der laufenden Sendung am Samstag wutentbrannt aus dem Fernsehstudio stürmte, nachdem er und seine schwarze Begleitsängerin Beverlei…
Weiterlesen
Groß­bri­tan­ni­en 2007: Der Traum vom Fliegen

Groß­bri­tan­ni­en 2007: Der Traum vom Fliegen

Großbritannien hat sich für den ultimativ campsten Eurovisionsbeitrag aller Zeiten entschieden. 'Flying the Flag' von Scooch ist Grand Prix aus dem Lehrbuch. Es ist der ultimative Eurovisionsbeitrag. Vier Saftschubsen (zwei Mädels, zwei weitere Mädels biologische Jungs) mit voller Ausstattung (Uniformen, Servierwagen, Einparkkellen und so weiter) nehmen uns mit an Bord von Air Eurovision, der schwulsten Fluglinie der Welt. Hier mit allen Gags, die in Helsinki dank der unfähigen Bildregie untergingen (mehr …)
Weiterlesen
Deep deep down: Bri­an Har­vey beim bri­ti­schen Vor­ent­scheid 2007

Deep deep down: Bri­an Har­vey beim bri­ti­schen Vor­ent­scheid 2007

Nun ist es amtlich: Ex-East-17-Frontmann Brian Harvey tritt am 17. März bei der britischen Vorentscheidung an. Dort trifft er unter anderem auf Ex-The-Darkness-Frontmann Justin Hawkins. Nun machte die BBC ein wesentlich längeres und größeres Gewese um das Line-up für ihre Eurovisionsvorentscheidung Making your Mind up (MYMU) als die ARD. Doch in diesem Fall war das auch gerechtfertigt. Man könnte weinen vor Neid, wenn man sich die Teilnehmerliste durchliest, die sich als eine Art Vertriebenentreffen der britischen Popszene entpuppt. Prominentestes Mitglied ist erwähnter Brian Harvey, der "Pechvogel des Pop". Er war der Bad Boy in der sexiesten Boyband aller Zeiten, East 17.…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2005: Why don’t you kill me?

ESC-Fina­le 2005: Why don’t you kill me?

Angedroht war, dass die letztjährige Siegerin, die von Staatschef Wiktor Juschtschenko zur Eurovisionsbeauftragten ernannte Volksheldin Ruslana, durch den Abend führen solle. Die Galionsfigur der Orangenen Revolution sagte aber in letzter Sekunde ab. Weil sie so viel zu tun habe, dass sie sich nicht richtig vorbereiten könne, so die offizielle Begründung. Jegliche Spekulation über einen Zusammenhang mit ihren eher fragmentarischen Englischkenntnissen ist hingegen so bösartig wie wohl begründet. Ob Mascha und Pascha, die Ersatzmoderatoren, nun so viel besser Englisch sprachen? Es gab an diesem Abend keine rechte Antwort darauf. Denn sie zwitscherte ihre Texte zwischen stets zum debilen Dauergrinsen gebleckten Perlweißzähnen heraus…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2003: Die Kotzn in da Wiesn

ESC-Fina­le 2003: Die Kotzn in da Wiesn

Seit seiner Erstteilnahme 1994 war Russland vom Ehrgeiz beseelt: mit Alla Pugatschowa (1997) hatte man bereits seinen größten Star geschickt, mit Alsou (2000) bereits einen zweiten Platz erreicht. Der Sieg zweier abtrünniger ehemaliger Sowjetrepubliken in Folge bestärkte die ehemalige, gerade wieder erstarkende Weltmacht nun um so mehr, ihren Führungsanspruch als größtes und einwohnerstärkstes Land der EBU auch auf popkulturellem Gebiet zu demonstrieren. Ein Sieg sollte her, auch wenn man dazu schweres Geschütz auffahren müsste. Und das hatten die Russen diesmal, in Form der als Lesben-Lolitas vermarkteten Skandalgören Jelena Katina und Julia Wolkowa, besser bekannt als t.A.T.u., die mit 'All the…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2002: Yoorub’s lea­ving a Celebration

ESC-Fina­le 2002: Yoorub’s lea­ving a Celebration

Zwei Jahre vor der offiziellen Osterweiterung der EU fand der Eurovision Song Contest erstmals in einem ehemals hinter dem Eisernen Vorhang liegenden Land statt. Das kleine, aufstrebende Estland begriff die Ausrichtung der Show wohl auch als Visitenkarten für den EU-Beitritt und gab sich erkennbar viel Mühe: die aufwändig produzierten Postkarten zwischen den Songs waren unterhaltsam und oft subversiv beziehungsreich. Dass die Gastgeberin Annely Peebo ihre Moderationen mehr sang als sprach, entzückte genauso wie ihre windschnittige Seitenspoilerfrisur. Den einzigen kleinen Kontrapunkt setzte der gefühlt dreisekündige Auftritt der Vorjahresgewinner Tanel Padar und Dave Benton, zwischen denen Frost zu herrschen schien. https://youtu.be/9YPiUNrmPnQ Mit der…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2001: …is always repea­ting itself

ESC-Fina­le 2001: …is always repea­ting itself

Seit jeher bekenne ich mich, wie der geneigte Leser sicher ahnt, als eiserner Verfechter des hundertprozentigen Televoting, eben weil es ein demokratisches Verfahren ist. Und zwar auch dann, wenn ich, wie in diesem Jahr, selbst unter den Ergebnissen zu leiden habe wie ein Hund. Gleich drei der besten Eurovisionsbeiträge aller Zeiten bot dieser Jahrgang auf: gerade mal einer davon schaffte es unter die ersten Drei. Die ersten beiden Plätze des Zuschauerrankings belegen unterdessen Spitzenpositionen in meiner persönlichen Haßlieder-Liste. Kehrseite der Medaille: seit sich der Contest, eben auch dank des Televoting, von einer nur noch von Schwulen verfolgten Randveranstaltung wieder zu einem Massenevent entwickelte, stimmt leider auch…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2000: Ich will, ich will eine Gurke

ESC-Fina­le 2000: Ich will, ich will eine Gurke

Freiheit fördert Kreativität. Kaum fiel die Sprachenregel, tauchten die ersten skurrilen linguistischen Mixe beim Song Contest auf, wie zum Beispiel ein auf italienisch und griechisch gesungener zyprischer Beitrag oder ein deutsches Lied in Babysprache ('Wadde hadde dudde da'), ein im Übrigen sehr professionell und modern produzierter, wenn auch etwas kalt wirkender Beitrag, wie die meisten in diesem Jahr. Der Wechsel von der Jury- zur reinen Zuschauerwertung brachte den erhofften Effekt und führte zu einer deutlichen Qualitätssteigerung. Fast alle Länder orientierten sich in Richtung der aktuellen Charts, wo tanzbarer, schneller Pop regierte. In einem Feld ähnlich klingender Songs fällt der auf, der sich unterscheidet:…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1998: Schön­heit, Größe

ESC-Fina­le 1998: Schön­heit, Größe

Ein Jahrgang für die Geschichtsbücher. Eine Zäsur. Der wichtigste Sieg in der Eurovisionsgeschichte. Der Superlative lassen sich viele bemühen, doch keines vermag die historische Dimension des von der britischen Kommentatorenlegende Terry Wogan moderierten Contests richtig zu fassen. Endlich war das Televoting für alle[ref]Mit Ausnahme zweier Länder, die noch über kein ausreichend stabiles Mobilfunknetz verfügten[/ref] Pflicht. Endlich konnten sich bei der Abstimmung die bei den Zuschauern mehrheitsfähigen Stücke durchsetzen und nicht diejenigen, die einem konservativ-verstaubten Musikverständnis obskurer "Experten"-Teams entsprachen. Endlich Schluss mit der Bevormundung, den krassen Fehlurteilen und dem Geschacher hinter den Kulissen. Endlich Demokratie! https://youtu.be/L1shaSDClF8 In einer Doppelrolle: Terry Wogan…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1997: Ich brauch was Größeres

ESC-Fina­le 1997: Ich brauch was Größeres

In diesem Jahr fand die beinahe unumkehrbar geglaubte irische Siegesserie ihr abruptes Ende. Auch wenn es  für Marc Roberts und seine 'Mysterious Woman' noch zu einem zweiten Platz reichte: 70 Punkte Abstand zum Sieger sprachen eine deutliche Sprache. Und das sollte erst der Anfang sein! Nach dem Quoten- und Finanzdesaster des Vorjahres, bedingt durch das unfreiwillige Ausscheiden Deutschlands, begann hinter den Kulissen ein folgenreiches Umgestalten. Aufgrund hinhaltenden Widerstands der Grand-Prix-Traditionalisten kamen die dringend notwendigen Reformen zwar nur scheibchenweise - aufzuhalten waren sie aber nicht mehr. https://youtu.be/Gg1Gq2XdY-Q Vier mal dabei, bitte nicht wiederwählen: der bislang letzte Contest aus Irland. So galt ab…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1996: Bin fieb­rig vor Verlangen

ESC-Fina­le 1996: Bin fieb­rig vor Verlangen

Für ein deutlich höheres Interesse als das eigentliche Teilnehmerfeld sorgte in diesem Jahr der Auswahlskandal im Vorfeld des Wettbewerbs. Nach der Erweiterung der EBU gen Osteuropa, wo beinahe stündlich neue Staaten entstanden, wollten heuer 30 Länder mitmachen beim Grand Prix Eurovision. Laut EBU-Reglement darf die Show erst um 21:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit anfangen. Das entspricht 20:00 Uhr britischer Zeit, dem Beginn der abendlichen Primetime bei der BBC, welche bei der Festlegung dieser Zeitmarke das Sagen hatte. Weswegen die ARD die Lücke zwischen dem Ende der tagesschau und dem Beginn der ESC-Übertragung stets mit dieser furchtbaren, verregneten Grand-Prix-Party von der Reeperbahn…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

Mit einer Hymne auf das neu vereinte Europa ('Insieme: 1992') hatten die Italiener im Vorjahr dieses merkwürdige Wettsingen gewonnen, das bekanntlich auf dem Vorbild ihres heißgeliebten San-Remo-Festivals basiert. Da lag es auf der Hand, selbigem Vorbild zu huldigen und den Contest in nämlichem ligurischen Kurort auszutragen. Doch je näher das Ereignis heranrückte, desto stärker nagten die Zweifel: würde man mit diesem obskuren Eurotrashspektakel in der geheiligten Stätte des Ariston-Theaters zu San Remo nicht das Ansehen des im Lande wesentlich beliebteren Originals beschmutzen? Wollte man sich als selbst empfundener kultureller Nabel Europas wirklich diese Laus in den Pelz setzen? Also verlegte…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

Deutschland schrieb in diesem Jahr Geschichte: mit der von mutigen DDR-Bürgern friedlich herbeidemonstrierten Revolution und der sich anschließenden, von den meisten Westlern wie mir gedanklich längst abgeschriebenen Wiedervereinigung. Allerdings auch mit den beiden ersten deutschen Eurovisionsteilnehmern, die beim Versuch des Singens kaum einen Ton sauber zu treffen vermochten. Hätte man einen Schock Hundewelpen 'Frei zu leben' jaulen lassen, das Ergebnis wäre gewiss musikalisch überzeugender ausgefallen. Doch nicht genug, dass sich einem beim Anhören die Fußnägel kräuselten, auch der Anblick des peinlichen Duos sorgte für Fremdschämattacken: Daniel Kovac erschien im C&A-Anzug, Chris Kempers mit tuffiger Dauerwelle und noch tuffigerer Kostümjacke, die…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1984: Im Augen­blick der Illusion

ESC-Fina­le 1984: Im Augen­blick der Illusion

Ein Katastrophenjahrgang, so das einhellige Urteil in der Pressenachschau. Dem konnte man als Zuschauer nur beipflichten: mittlerweile schickten fast alle Länder ausschließlich auf den vermuteten Jurygeschmack zugeschnittene Liedkost. Die bestand entweder aus seichten, künstlich munteren Plastikpopnummern mit ewiggleicher Choreografie oder aus altbackenen Balladen, in denen Sängerinnen aus der vierten und fünften Reihe versuchten, mit dünnen Stimmchen dick aufzutragen. Ernst zu nehmende, auch kommerziell erfolgreiche Popacts, die noch in den Siebzigern den Song Contest bevölkerten, suchte man vergebens. Einen Lichtblick bot lediglich Desirée Nosbusch, die trotz ihres jugendlichen Alters fünfsprachig und mit Witz und Esprit durch die Show führte, so als sei…
Weiterlesen