Großbritannien

Das selbst emp­fun­de­ne euro­päi­sche Mut­ter­land des Pop war beim ESC, der auf der Insel vor allem als abson­der­li­che Freak­show wahr­ge­nom­men wird, lan­ge Zeit extrem erfolg­reich. Seit dem Weg­fall des Lan­des­spra­chen­zwangs sieht das Big-Five-Land die Tabel­le meist von hinten.
Dabei seit: 1957; ESC-Sie­ge: 1967, 1969, 1976, 1981, 1997; Rote Later­nen: 4; Nil­poin­ter: 1. 

ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene "spontane" Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

1982: eine magische Zahl für Deutschland, ein nationales Trauma. Nicht nur, weil sich damals ein birnenförmiger Oggersheimer anschickte, das Land mit einer sechzehn Jahre währenden Schreckensherrschaft zu überziehen. Viel wichtiger: wir gewannen den Grand Prix! Zum ersten - und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Meyer-Landrut die Wachablösung vollzog und die Ära Siegel beendete, fest glaubte, auch zum letzten - Mal. Der Contest zog von den bisher meist als Austragungsort ausgewählten Hauptstädten in die tiefste britische Provinz nach Horrorgate Harrogate. Wie passend, denn provinziell mutete auch das musikalische Aufgebot an. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1981: Take you from behind

ESC-Fina­le 1981: Take you from behind

Die Deutschen schäumten vor Zorn, waren aufrichtig erbost! Im Land weilende Schweizer zeigten sich im April 1981 gut beraten, ihre Herkunft zu verschweigen. Nachdem wir schon im Vorjahr nur knapp an der Eurovisionskrone vorbeischrammten, gingen wir diesmal um so siegessicherer ins Rennen. Eine so wunderbare Rührschnulze mit Behindertenmitleidsbonus hatten wir extra gewählt, und die mit unüberhörbar fränkisch rollendem "R" intonierende ("Die Jungen dort drrraußen, die rrriefen nur hinter ihm her") Lena Valaitis sang sauber, wohltimbriert und voller Leidenschaft und Anmut die bittersüße Ballade vom blinden Jungen 'Johnny Blue' direkt in alle Herzen hinein. Selbst die Buchmacher sahen uns ganz vorne. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1976: Die Par­ty ist vorbei

ESC-Fina­le 1976: Die Par­ty ist vorbei

Vor ihrer Grand-Prix-Teilnahme kannte man die Les Humphries Singers europaweit als erfolgreiche, multikulturelle Hippiegruppe, die mit 'Mamaloo' oder 'Mexiko' und ähnlichen Titeln eine Latte respektabler Hits vorweisen konnte. Hinterher verschwanden sie in der Versenkung. In Den Haag durfte die üblicherweise bis zu 16 Mann starke Kapelle allerdings auch nur in deutlich dezimierter Zahl auf die Bühne. Zu sechst nämlich, darunter Jürgen Drews (DVE 1990), während ihr Bandleader am Dirigentenpult stand, was ihrer Bühnenpräsenz gar nicht gut tat. Dazu kam der lendenlahme Siegel-'Sing Sang Song', sein erster Grand-Prix-Beitrag fürs Heimatland und ein wahrlich missratener Auftakt. So reichte es wieder nur für einen, diesmal berechtigten, hinteren…
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ESC-Fina­le 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

ESC-Fina­le 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

Grün ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Besonders optimistisch erschienen also die deutschen Vertreter Cindy & Bert zu diesem Grand Prix: Cindy in einem lindgrünen Maxikleid, Bert im popelgrünen Anzug mit giftgrün leuchtendem Sommerschal. Half aber nichts: die von einer ARD-Jury hinter verschlossenen Türen ausgewählte, schwächliche 'Sommermelodie' verendete auf dem letzten Platz. Aufgrund der fehlenden öffentlichen Vorentscheidung und des daraus folgenden mangelnden Interesses am internationalen Wettbewerb sahen das nur 28 % der deutschen TV-Zuschauer:innen. Was man insofern bedauern muss, da auf diese Art und Weise viele Deutsche den historischen Contest schlechthin verpassten. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1973: Du sagst nie­mals nein

ESC-Fina­le 1973: Du sagst nie­mals nein

Die Lustlosigkeit der deutschen Vorentscheidung rächte sich für uns. Die Protagonistin ahnte es bereits im Vorfeld: "Bringst Du Tränen von gestern zurück?", so eine der Fragen aus ihrer wunderbaren, im Vergleich mit den eher Aufbruchsstimmung verbreitenden Beiträgen der letzten Jahre jedoch etwas verzagt wirkenden Hymne 'Junger Tag', welche die Juroren mit einem klaren und eindeutigen "Ja!" beantworteten. Nach drei dritten Rängen in Folge konnte der nunmehrige (rechnerisch korrekte) neunte Platz nur als echte Enttäuschung gelten. Oder lag es an dem Spontanaugenkrebs verursachenden, grellgelben Folklorefummel, den die für Deutschland startende Dänin Gitte Hænning in Luxemburg trug? (mehr …)
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ESC-Fina­le 1971: Ein Staub­korn nur in der Unendlichkeit

ESC-Fina­le 1971: Ein Staub­korn nur in der Unendlichkeit

Heftige Auseinandersetzungen tobten Anfang der Siebzigerjahre hinter den Kulissen des Song Contests, unter anderem um das schon mehrfach geänderte Wertungssystem und über die Besetzung der Jurys. Noch immer gärte der Eklat des Vierfachsieges von 1969 nach, der im Vorjahr für einen Teilboykott durch fünf Länder gesorgt hatte. Selbst Deutschland, seit jeher die unerschütterlichste Eurovisionsnation, drohte mit dem Ausstieg aus der Gemeinschaftsveranstaltung, sollte sie sich nicht endlich dem Zeitgeist annähern. Doch der Grand Prix ist bekanntlich unkaputtbar, und so einigte man sich, ganz europäisch, auf einen Kompromiss. Dessen augenfälligstes Ergebnis war, dass die Jurys jetzt vor der Kamera und damit für…
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A Song for Euro­pe 1971: Das machen nur die Bei­ne von Dolores

A Song for Euro­pe 1971: Das machen nur die Bei­ne von Dolores

Auch nach dem frühen Tod des BBC-Unterhaltungschefs und Eurovisionsverantwortlichen Tom Sloan kurz nach dem Contest von 1970 im Alter von 50 führte sein Nachfolger Bill Cotton das seit Jahren bewährte Vorentscheidungsverfahren fort. Als Grand-Prix-Repräsentantin wählte man die Sängerin Clodagh Rodgers aus, die bereits eine Handvoll von Chart-Hits vorweisen konnte und auch aufgrund ihres attraktiven Äußeren ("The Best Legs in British Showbusiness") gern gesehener Gast in TV-Shows war. Da der Wettbewerb 1971 erstmalig in Irland stattfand, könnte man die Ernennung der gebürtigen Nordirin als Beschwichtigungsgeste im damals hitzig geführten Disput über den britisch besetzten Teil der Insel interpretieren, wobei von dort…
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ESC-Fina­le 1970: Schmet­ter­lin­ge und Bienen

ESC-Fina­le 1970: Schmet­ter­lin­ge und Bienen

Ein neues Jahrzehnt, ein neuer Aufbruch. Das bekam das Publikum schon bei der deutschen Vorentscheidung zu spüren, die sowohl inhaltlich und optisch als auch musikalisch einer kleinen Revolution gleichkam. Revolutionär auch unsere Vertreterin in Amsterdam, Katja Ebstein. Aus der Liedermacherszene kommend und beseelt von sozialkritisch-aufklärerischer Attitüde, sang die spätere SPD-Wahlkämpferin und Heinrich-Heine-Rezitatorin einen von ihrem damaligen Ehemann Christian Bruhn geschriebenen Tröstungsschlager namens ‘Wunder gibt es immer wieder’. Ein unvergesslicher Evergreen, weil er sich musikalisch wie textlich sehr deutlich von der bisher üblichen, biederen Schlager-Standardware unterschied. Ein gewaltiges, spannungsgeladenes Intro mit einer Blue Note als Hinhörer; der gedehnte und damit dramatisch wirkende Gesang…
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A Song for Euro­pe 1970: The Door is always open wide

A Song for Euro­pe 1970: The Door is always open wide

Bereits im Sommer 1969 nominierte der BBC-Unterhaltungschef Tom Sloan mit der gebürtigen Waliserin Mary Hopkin einen weiteren topaktuellen Star von der heimischen A-Liste als Vertreterin des Vereinten Königreichs beim Eurovision Song Contest. Die blonde Sängerin mit der glockenhellen Sopranstimme hatte 1968 die Talentshow Opportunity knocks des britischen Privatsenders ITV gewonnen und wurde von Paul McCartney für das Apple-Plattenlabel gesignt. Ihre erste Singleveröffentlichung, das auf einer traditionellen russischen Volksweise basierende 'Those were the Days', wurde zum Welthit mit einer Nummer 2 in den amerikanischen Charts und einer Spitzenposition auch in der deutschen Verkaufshitparade. 1969 nahm sie am San-Remo-Festival teil und erzielte…
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ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

Es hätte eine Warnung sein können: bereits im Jahre 1968 erschien in Frankreich die mit dem (gefakten) Werbesticker "Offizielles Lied Liechtensteins für den Eurovision Song Contest 1969" versehene Single 'Un beau Matin', eine possierliche Parodie auf den europäischen Gesangswettbewerb, in der eine Sängerin namens Vichy mit hoher Stimme über einen zuckrigen Geigenteppich Harmlosigkeiten über dort teilnehmenden Nationen intonierte. Nun war der an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz liegende, winzige Stadtstaat nie Mitglied der EBU und durfte daher gar nicht teilnehmen. Dass man sich aber mittlerweile über die nach wie vor mit staatstragendem Pomp zelebrierte Veranstaltung so belustigte, war…
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A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

Kein Problem sollte es für die BBC im Jahre 1969 darstellen, erneut einen aktuellen Popstar von der A-Liste als Eurovisionsrepräsentantin zu finden: die als Marie McDonald McLaughlin Lawrie geborene schottische Sängerin Lulu hatte bereits als Fünfzehnjährige mit einer robusten Coverversion der Isley-Brothers-Nummer 'Shout' ihren ersten von zahlreichen Tophits. Mehrere von ihr in Folge aufgenommene deutschsprachige Singles floppten zwar, dafür landete sie 1968 bei uns mit 'I'm a Tiger' ihren größten kommerziellen Erfolg, auch wenn dieser heutzutage weniger präsent ist als ihre Zusammenarbeit mit der Boyband Take That im Jahre 1993 mit der Neuauflage des Discoklassikers 'Relight my Fire'. Praktischerweise hatte…
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ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den angeblich von…
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A Song for Euro­pe 1968: How sounds the Trumpet

A Song for Euro­pe 1968: How sounds the Trumpet

Die gelernte Sekretärin, beliebte Popsängerin und noch beliebtere TV-Moderatorin Cilla Black (bürgerlich: Priscilla White) präsentierte den britischen Vorentscheid 1968 als Gastgeberin im Rahmen ihrer wöchentlichen BBC-Show Cilla. Dabei hatte der Sender ursprünglich ihr selbst angeboten, Großbritannien beim Eurovision Song Contest zu vertreten, der nach dem Sieg ihrer Landsfrau Sandie Shaw im Jahr zuvor diesmal in London gastierte. Black glaubte jedoch nicht, dass eine Frau für das Vereinte Königreich ein zweites Mal in Folge die Grand-Prix-Krone holen könnte und sagte ab. An ihrer Stelle verpflichtete der BBC-Unterhaltungschef Tom Sloane für die Gage von 2.000 £ einen weit über die Insel hinaus…
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ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

Wahrlich keinen würdigeren Gastgeber hätte es für diesen, den Übergang zwischen Tradition und Moderne markierenden Eurovisionsjahrgang geben können als den ORF. Mit der Wahl des Festsaals der kaiserlichen Wiener Hofburg als Veranstaltungsort steuerten die Österreicher die uneinholbar nobelste Location, in welcher der Grand Prix jemals gastierte, zum Geschehen bei. Üppige Blumenarrangements auf der Bühne, gerne ins Bild gerückte gigantische Kronleuchter an den hohen Stuckdecken, die festliche Abendgarderobe des handverlesenen Saalpublikums, ein exzellentes Orchester und die traditionsreichen Wiener Hofknaben als Pausenprogramm sorgten im letzten Jahr des Schwarzweißfernsehens für einen regelrecht imperialen Glanz beim europäischen Chansonwettbewerb. Gleichzeitig bemühte man sich mit riesigen…
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A Song for Euro­pe 1967: Bar­fuß im Regen

A Song for Euro­pe 1967: Bar­fuß im Regen

"Ich dachte, Balladen lägen wieder im Trend. Ich lag falsch, so einfach ist das". Simple Worte der Einsicht aus dem Munde eines Delegationsleiters: für deutsche Eurovisionsfans vollkommen unvorstellbar, für den seinerzeitigen Unterhaltungschef der BBC, Tom Sloane, kein Problem. Und er ließ seinen Worten Taten folgen: nachdem der von ihm im Vorjahr persönlich als Grand-Prix-Repräsentant ausgesuchte schottische Operntenor Kenneth McKellar der Insel ihr bislang schlechtestes Ergebnis bescherte, verpflichtete der Sender diesmal einen frischen, jungen Popstar auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: die bei einem Talentwettbewerb entdeckte Sandie Shaw konnte zum Zeitpunkt ihrer Ernennung als britische Eurovisionsrepräsentantin bereits zwei heimische Nummer-Eins-Hits sowie Charterfolge…
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ESC-Fina­le 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

ESC-Fina­le 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

Das zehnjährige Jubliäum des Eurovision Song Contests nahm die EBU zum Anlass, im Frühjahr 1966 bei den teilnehmenden TV-Anstalten Wünschen und Ideen für die zukünftige Gestaltung des Wettbewerbs zu sammeln. Dabei zeigten sich regional unterschiedliche Schwerpunkte, wie Gordon Roxburgh in der Fibel Songs for Europe auflistet: so insistierten die skandinavischen Sender, dass der "musikalischen Qualität" der Beiträge die absolute Priorität einzuräumen sei. Die westeuropäischen Anstalten wie die ARD, das belgische BRT, der ORF und das französische Fernsehen wollten vor allem die als zu hoch empfundene Teilnehmerzahl von zuletzt 18 Nationen reduzieren und schlugen verschiedene Formate für Semifinale vor, wie sie…
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A Song for Euro­pe 1966: Jeder Schot­te hat in Schott­land ein Schot­ten­röck­chen an

A Song for Euro­pe 1966: Jeder Schot­te hat in Schott­land ein Schot­ten­röck­chen an

"Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem französischen Verleger," so erzählt es der Texter des britischen Eurovisionsbeitrags von 1966, Peter Callander, in Gordon Roxburghs Buch Songs for Europe: "damals war die Eurovision sehr bedeutend und man konnte viel Geld damit machen. Der aber sagte mir: 'Ich glaube, die BBC erlaubt sich einen Scherz mit uns', weil er es einfach nicht glauben konnte, dass so ein Lied beim ESC dabei sein sollte. Es war einfach falsch". Der zu Rede stehende Song, 'A Man without Love', ein lieblich-pompöser Operettenschlager wie direkt aus einem Musicalfilm der vierziger Jahre, passte allerdings perfekt zu…
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A Song for Euro­pe 1965: Just may­be I’m crazy

A Song for Euro­pe 1965: Just may­be I’m crazy

Im Vorjahr beim britischen Vorentscheid erstmalig zum Einsatz gekommen, erwies sich das Kombinationsverfahren aus interner Interpretennominierung und öffentlicher Vorentscheidung zur Auswahl des Songs als ausgesprochen erfolgreich. Natürlich behielt die BBC es dementsprechend bei. Nachdem fünf Mal in Folge Männer die Insel beim Eurovision Song Contest vertraten, war es 1965 nach Ansicht der Senderverantwortlichen an der Zeit für eine weibliche Repräsentantin. Und so entscheid man sich für einen der größten heimischen Stars dieser Zeit, nämlich die als Kathleen O'Rourke geborene Kathy Kirby, die mit dem Doris-Day-Titel 'Secret Love' einen großen Hit auf der Insel hatte und welche die Presse vom Äußerlichen…
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A Song for Euro­pe 1964: Lie­bes­grü­ße aus London

A Song for Euro­pe 1964: Lie­bes­grü­ße aus London

Einen etablierten Star, einen großen Namen als Repräsentanten des Vereinigten Königreichs beim Eurovision Song Contest zu finden, das war Anfang der Sechzigerjahre das Ziel des seinerzeitigen BBC-Unterhaltungschefs Tom Sloan, wie der britische Buchautor Gordon Roxburgh in seiner Fibel 'Songs for Europe, Volume One' rapportiert. Und so ließ er sich vom deutschen Vorentscheid 1963 inspirieren und änderte das Format des im Jahre 1964 erstmals unter dem Rubrum A Song for Europe firmierenden Auswahlverfahrens: anstelle mehrerer Künstler:innen sollte nur noch ein:e einzige:r, vorab ausgewählte:r, Interpret:in sämtliche Titel vorstellen. Nebenbei wollte Sloan so den Fokus stärker auf den Song lenken: anstatt für den charmantesten…
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ESC-Fina­le 1963: Melo­die einer Nacht

ESC-Fina­le 1963: Melo­die einer Nacht

Die von etlichen europäischen Sendeanstalten (einschließlich der ARD) aus finanziellen Gründen sehr gefürchtete Eurovisionsregel, wonach der Sieger des Wettbewerbs im Folgejahr prinzipiell den Contest austragen soll (nicht: muss), existiert bereits seit seit dem zweiten Jahr seines Bestehens, also seit 1957. Doch nicht jeder glückliche Gewinner verhält sich regelkonform: dem schlechten Beispiel der Niederlande folgend, weigerte sich heuer das innerhalb von nur sechs Jahren bereits zum dritten Male (nämlich 1958, 1960 und 1962) viktoriöse Frankreich, die Show zu organisieren und alleine finanziell zu stemmen. Das mondäne Cannes, wo der Wettbewerb bereits 1959 und 1961 stattgefunden hatte, entwickelte sich - nicht zuletzt aufgrund der jährlichen…
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A Song for Euro­pe 1963: Der Tag am Meer

A Song for Euro­pe 1963: Der Tag am Meer

Wie der Autor Gordon Roxburgh in seinem Buch Songs for Europe berichtet, nahm sich der seinerzeitige Eurovisionsverantwortliche der BBC, der TV-Unterhaltungschef Tom Sloan, die Zuschauer:innenkritik über das als schlecht empfundene Niveau der direkt durch die Industrie kommissionierten Beiträge im britischen Vorentscheid von 1962 sehr zu Herzen. In einem Interview mit der Programmzeitschrift Radio Times legte er zwei drängende Probleme offen: "Ich denke, das Wettbewerbselement hält viele Musikverleger davon ab, ihr bestes Material einzureichen, weil die Gefahr besteht, dass es in der nationalen Abstimmung verliert. Außerdem konzentrieren sich die Plattenfirmen natürlich vor allem auf Songs, die auf das kaufkräftige jugendliche Publikum zielen,…
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ESC-Fina­le 1962: Ring a tipi tii ding

ESC-Fina­le 1962: Ring a tipi tii ding

Luxemburg, das 1962 als Gastgeber für den Eurovision Song Contest fungierte, gilt im Allgemeinen als finanziell wohlsituierte europäische Steuerfluchtoase. Um so merkwürdiger muteten die anhaltenden Stromschwankungen und mehrfachen Lichtausfälle im RTL-Auditorium während der Grand-Prix-Übertragung an, die den Zuschauer:innen infrastrukturell eher den Eindruck eines Dritte-Welt-Landes (oder der heutigen USA) vermittelten. Wohl auch, um Kosten zu sparen, gestaltete der Sender des Großherzogtums den Ablauf der Show ziemlich zügig, die Lieder folgten fast nahtlos aufeinander. Das Anziehen des Tempos übertrug sich in wohltuender Weise ebenfalls auf das senderseitig gestellte, erstaunlich druckvoll und präzise aufspielende Orchester. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, Rhythmusinstrumente wie…
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A Song for Euro­pe 1962: Sing again, litt­le Birdie

A Song for Euro­pe 1962: Sing again, litt­le Birdie

Mädchen und Engel, das waren die beiden Leitthemen beim Song for Europe 1962: gleich drei der zwölf Wettbewerbsbeiträge führten das "Girl" im Titel, zwei weitere den "Angel", und einer davon wurde gar von einem Künstler namens Johnny Angel gesungen. Wie schon im Vorjahr hatte die BBC die Auswahl der Songs für den britischen Vorentscheid in die Hände der Plattenfirmen gelegt, und die delegierten eine bunte Mischung aus hauptsächlich hoffnungsfrohen Newcomern und Acts leicht jenseits ihres Mindesthaltbarkeitsdatums dorthin, aber natürlich niemanden auf dem Höhepunkt seines kommerziellen Erfolges. Ähnlich verhielt es sich auch bei den Liedern: die stilistisch weitestgehend an amerikanische Pop-Einflüsse…
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ESC-Fina­le 1961: Stand up for your Love Rights

ESC-Fina­le 1961: Stand up for your Love Rights

Schon zum zweiten Mal in der noch jungen Grand-Prix-Geschichte gastierte der Wettbewerb 1961 in Cannes. Und erneut präsentierte das französische Fernsehen die selbe Eröffnungssequenz wie schon 1959. Sowie die selbe Moderatorin, Jacqueline Joubert, die so viel Mascara aufgelegt hatte, dass sie ständig angestrengt gen Himmel schauen musste, damit ihr die Augenlider nicht zusammenpappten. Lediglich auf die charakteristischen Drehgestelle verzichtete man. Stattdessen versammelten sich die 16 Teilnehmer/innen zum Auftakt der erstmals an einem Samstag ausgestrahlten Sendung auf einer opulenten Showtreppe und stellten sich artig nacheinander persönlich vor. Was für die Zuschauer/innen den unschätzbaren Vorteil bot, die Interpretennamen zur Abwechslung in fehlerfreier Aussprache hören zu können. Im Anschluss sangen sie dann…
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