Großbritannien

Das selbst emp­fun­de­ne euro­päi­sche Mut­ter­land des Pop war beim ESC, der auf der Insel vor allem als abson­der­li­che Freak­show wahr­ge­nom­men wird, lan­ge Zeit extrem erfolg­reich. Seit dem Weg­fall des Lan­des­spra­chen­zwangs sieht das Big-Five-Land die Tabel­le meist von hinten.
Dabei seit: 1957; ESC-Sie­ge: 1967, 1969, 1976, 1981, 1997; Rote Later­nen: 4; Nil­poin­ter: 1. 

A Song for Euro­pe 1961: Kon­kur­renz belebt das Geschäft

A Song for Euro­pe 1961: Kon­kur­renz belebt das Geschäft

Independent Television (ITV), der im Jahre 1955 als Regionalsenderkette ins Leben gerufene kommerzielle Gegenspieler der BBC, kam 1961 auf der Suche nach attraktiven Unterhaltungsformaten auf eine naheliegende Idee: mit dem ITV Song Contest, der sich sehr deutlich am Format der britischen Eurovisionsvorentscheidung orientierte, versuchte man, den Erfolg der öffentlich-rechtlichen Sendung für sich zu kopieren. Im Gegensatz zur BBC konnte ITV, das sich des Öfteren (erfolglos) um die ESC-Lizenz bewarb, jedoch keinen Startplatz beim Grand Prix anbieten. Stattdessen winkten Geldpreise. Einige bekannte Künstler ließen sich abwerben, so beispielsweise der in Anspielung auf seinen früheren Beruf als "singender Busfahrer" bekannte Matt Monro, der im Vorjahr…
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ESC-Fina­le 1960: I shall die, die, die

ESC-Fina­le 1960: I shall die, die, die

Es ist ein offenes Eurovisionsgeheimnis: nicht alle Delegationsleiter:innen freuen sich unbedingt, wenn ihre Künstler:innen den Grand Prix gewinnen! Schließlich verbindet sich beim Song Contest mit dem Sieg die feste Erwartung, im nächsten Jahr die Show zu organisieren, womit massive Kosten auf die betroffene TV-Station zukommen. Heutzutage wird ein kleinerer Anteil davon durch die Startgebühren der einzelnen Länder aufgefangen, doch in den Anfangsjahren musste die ausrichtende Rundfunkanstalt die Sendung finanziell noch komplett alleine stemmen. Den Niederländern, die 1959 zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gewonnen hatten, ging Sparsamkeit über Nationalstolz: sie sagten schlicht "nee". Selbstlos sprang (übrigens nicht zum letzten…
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A Song for Euro­pe 1960: When the Tide turns

A Song for Euro­pe 1960: When the Tide turns

Um Haaresbreite hätte er es nicht ins Vorentscheidungsfinale geschafft, der britische Eurovisionsvertreter von 1960, Bryan Johnson. Wie bereits im Vorjahr schaltete die BBC dem British Final auch heuer zwei Semis mit jeweils sechs Beiträgen vor, von denen jeweils die ersten drei weiterkamen. Johnsons am Ende siegreicher Uptempo-Song 'Looking high, high, high' (der im Lied auf die Titelzeile folgenden Ankündigung "I shall die, die, die" leistete der Sänger dann 35 Jahre später Folge) teilte sich in der zweiten Qualifikationsrunde nach dem regionalen Juryvoting noch punktgleich den dritten Rang mit dem seherisch benannten, zähen Balladenriemen 'When the Tide turns' der britischen Vorjahres-Repräsentanten Pearl Carr…
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ESC-Fina­le 1959: Man­cher jodelt noch im Schlaf

ESC-Fina­le 1959: Man­cher jodelt noch im Schlaf

Nein, eine Vorentscheidung hätten sie nicht mitgemacht, die international umjubelten Synchrontänzerinnen und -ausseherinnen Alice und Ellen Kessler, also gab es keine: der damals für den deutschen Grand-Prix-Beitrag zuständige Hessische Rundfunk bestimmte sie direkt zu den germanischen Vertreterinnen in Cannes. Deutschlands bekannteste eineiige Zwillinge, die in einem NDR-Interview später entschuldigend behaupteten, zu diesem Auftritt vertraglich gezwungen worden zu sein, stellten aber noch weitere Bedingungen: 'Heute möcht' ich bummeln', wie das Lied zunächst heißen sollte, erschien ihnen als Titel zu brav, die naheliegende Abwandlung 'Heute möcht’ ich fummeln' hingegen vielleicht doch etwas zu direkt, also frisierte ihre Textdichterin Astrid Voltmann den Song in…
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A Song for Euro­pe 1959: Die Baumschänder

A Song for Euro­pe 1959: Die Baumschänder

Nach einer einjährigen Schmollpause kehrte die BBC 1959 auf Initiative ihres neuen, eurovisionsaffinen Unterhaltungschefs Eric Maschwitz, der als Komponist 1956 selbst zwei Lieder zum damaligen, zu spät terminierten britischen Vorentscheid beigesteuert hatte, zum europäischen Wettbewerb zurück. Das schlichtweg British Final benannte Auswahlverfahren bestand diesmal aus zwei Vorrunden mit jeweils sechs Beiträgen, wobei die 1957 noch obligatorische orchestrale Zweitversion jedes Titels wegfiel. Die Sieger der Veranstaltung, das auch im echten Leben miteinander verheiratete Schlagerpärchen Pearl Carr und Teddy Johnson, schickten gleich zwei Beiträge ins Rennen, von denen 'That's it, that's Love' allerdings im Semi kleben blieb. Um so größer fiel die Zustimmung…
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ESC-Fina­le 1957: Hal­lo, Kopenhagen?

ESC-Fina­le 1957: Hal­lo, Kopenhagen?

Kein Jahrgang ohne grundlegende Neuerungen, zumindest in der Gründungsphase des Eurovision Song Contests: stimmten die Juroren bei der Grand-Prix-Premiere von 1956 noch geheim ab und erfuhren wir außer dem Siegertitel keine weitergehenden Platzierungen, so feierte das heutige Herzstück der TV-Show, die stets das komplette letzte Drittel der Sendezeit okkupierende und stets die höchsten Einschaltquoten des Abends erzielende öffentliche Stimmenauszählung, beim zweiten Wettbewerb in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main seinen Einstand. Die Durchgabe der Ländervoten erfolgte natürlich fernmündlich. Geschickt nahmen die Gastgeber hierauf Bezug: "Telefon, Telefon / Lang war ich allein / Sag, wann werde ich zum Lohn / Endlich glücklich…
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A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt

A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt

1956, im ersten Jahr des von der BBC mitinitiierten Eurovision Song Contests, konnten die Briten aus organisatorischer Unfähigkeit nicht an den europäischen Festspielen teilnehmen. Zwar hielten auch sie einen am Vorbild des italienischen San-Remo-Festivals orientierten Liederwettbewerb ab. Doch das mit zahlreichen Vorrunden versehene Festival of British popular Songs ging bizarrerweise erst am 22. Oktober 1956 zu Ende, mithin fünf Monate zu spät für den ESC. Und obschon mit Petula Clark ein erfolgreicher Kinderstar daran teilnahm, brachte es nicht einen einzigen Hit hervor. Nur drei Monate später, am 22. Januar 1957, startete die BBC dennoch unverdrossen die zweite Ausgabe des Formates. Welches…
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