Island

Nichts seh­nen die meis­ten ESC-Fans so sehr her­bei wie über­fäl­li­gen ers­ten Sieg der mythi­schen Elfen-und-Trol­le-Insel. 2020 war die­ser mit Daði Freyr zum Grei­fen nah – dann kam Covid. Islands Vor­ent­scheid, das Söng­va­kepp­nin, ist stets ein Quell der Contest-Perlen.
Dabei seit: 1986; Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: 3; Nil­poin­ter: 1.

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: wie zer­ron­nen, so gewonnen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: wie zer­ron­nen, so gewonnen

Auch wenn der von mir noch immer nicht überwundene gestrige Schweden-Schocker (eine ordentliche Trauerphase braucht halt ihre Zeit) alles andere überstrahlte, so gebietet es doch die Chronistenpflicht, die Geschehnisse der am selben Abend gelaufenen Vorrunden in Island und Litauen nachzubereiten. Auf der Insel der Trolle und Elfen schrägte es im zweiten Semi des Söngvakeppnin leider einen weiteren meiner diesjährigen Lieblingsbeiträge, nämlich die zarte Countryballade 'þú og Ég' von Páll Rósinkranz und Kristina Bærendsen, deren persönliches Pech es war, dass nach den Bestimmungen des isländischen Senders RÚV die Lieder in den beiden Semis in Landessprache vorgetragen werden müssen, während die Künstler im Söngvakeppnin-Finale freie Hand…
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Vier­ter Super­sams­tag 2017: die Han­de­ta­sche muss leben­dig sein

Vier­ter Super­sams­tag 2017: die Han­de­ta­sche muss leben­dig sein

Neben den drei Entscheidungen in der Ukraine, Moldawien und Dänemark fanden am gestrigen Supersamstag zeitgleich auch noch Eurovisions-Vorrunden in Schweden, Litauen und Island statt. Dabei zog das vierte Viertelfinale des Melodifestivalen mal wieder die höchste Aufmerksamkeit auf sich, vor allem, weil die Grand-Prix-Gewinnerin von 2012, Loreen, es hier mit ihrem bereits im Vorfeld extrem gehypten, neuen Beitrag 'Statements' versuchte, einer extrem düsteren, dräuenden Elektroballade im Stile von Sia, die vor allem auf eine eindrückliche optische Präsentation setzte. Und diese erwies sich auch tatsächlich als beeindruckend, ließ sich die sichtlich gealterte Eurovisionsveteranin, die manche spitze Zunge rein optisch an das unlängst viel…
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Kei­ne Vor­ur­tei­le: Pol­la­pönk-Backing ist jetzt Minister

Kei­ne Vor­ur­tei­le: Pol­la­pönk-Backing ist jetzt Minister

Es ist ein kleiner, illustrer Kreis: Åse Kleveland gehört beispielsweise dazu, drittplatzierte Vertreterin Norwegens beim Eurovision Song Contest im Jahre 1966, Moderatorin der gleichen Veranstaltung zwanzig Jahre später und von 1990 bis 1996 Kultusministerin des skandinavischen Landes. Die irische Grand-Prix-Siegerin (1970), Präsidentschaftskandidatin und Europaabgeordnete (1944-1999) Dana National zählt dazu. Und nun auch Óttar Proppé, seines Zeichens Backingsänger der unvergesslichen isländischen Vertreter von 2014, Pollapönk, und Vorsitzender der ironisch-lässig benannten Partei Björt framtíð (Strahlende Zukunft), einer ökoliberalen Vereinigung, die an der aktuell regierenden Dreiparteienkoalition beteiligt ist und seit wenigen Tagen mit Proppé den Gesundheitsminister des Inselstaates stellt. Vor seiner politischen Karriere, die er…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Tanz den Horn, Muttersöhnchen!

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Tanz den Horn, Muttersöhnchen!

Welch ein ereignisreiches Eurovisionswochenende! Es begann mit einem leider sehr traurigen Ereignis: nachdem in der Nacht von Freitag auf Samstag in der Nähe der italienischen Stadt Verona ein Reisebus mit ungarischen Schüler/innen verunglückte, verhängte die magyarische Regierung angesichts von 16 Todesopfern verständlicherweise Staatstrauer, woraufhin die eigentlich für Samstagabend geplante zweite Vorrunde der heimischen Eurovisionsvorentscheidung A Dal bis auf Weiteres um eine Woche verschoben wurde. Neben dieser Tragödie und den bereits verbloggten zwei nationalen Endausscheidungen vom Samstag in Weißrussland und Georgien blieb kaum noch Zeit für eine Sichtung der bereits am Freitagabend veröffentlichten zwölf Songs des für den 11. März 2017 terminierten isländischen Söngvakeppnin,…
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Ers­tes ESC-Semi 2016: Auf in den Kampf!

Ers­tes ESC-Semi 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte "Welcome, Europe!" die ersten Takte von 'The Final Countdown' der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell…
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Söng­va­kepp­nin 2016: She’s a Copy­cat, tryin’ to ste­al your Soul

Söng­va­kepp­nin 2016: She’s a Copy­cat, tryin’ to ste­al your Soul

Island schickt erneut Greta Salóme Stefánsdóttir zum Eurovision Song Contest. Die kennen wir noch aus Baku, wo sie 2012 gemeinsam mit Jónsi (IS 2004) ein sehr hübsches, wenn auch sehr klassisches Duett namens 'Never forget' sang. Diesmal reist sie jedoch alleine an, begleitet nur von den Stimmen in ihrem Kopf. Jedenfalls legt das der Titel ihres Beitrags 'Hear them calling' nahe. Den mittelflotten, mittelguten Popsong mit einer mittelguten Hookline und einer geschickt platzierten Klatschfalle kurz vor dem Ende verkauft die gute Greta hauptsächlich über eine, wollen wir mal sagen, äußerst stark von Måns Zelmerlöws 'Hero' inspirierte, auf dem Bühnenhintergrund laufenden Videochoreographie, mit…
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Semi­fi­nal-Super­sams­tag 2016: I love to hate you!

Semi­fi­nal-Super­sams­tag 2016: I love to hate you!

Nun liegt er hinter uns, der ausschließlich aus diversen Vorrunden (ganze sechs an der Zahl!) bestehende Supersamstag, an dem sich in ganz Skandinavien und weiten Teilen des ehemaligen Ostblocks etliche Sänger/innen battelten, ohne dass eine finale Entscheidung für Stockholm fiel. Und natürlich endete er fast überall mit maßlosen Enttäuschungen. Fangen wir gleich mit der schlimmsten davon an, damit wir sie aus dem Weg bekommen: Island! Zwölf Kandidat/innen gibt es im Söngvakeppni insgesamt, sechs davon traten gestern an, darunter die Einzige mit einem hörenswerten Beitrag und meinem aktuellen Lieblingsohrwurm aller Zeiten und Sonnensysteme: Sigga Eyrún mit 'Kreisí'. Der klingt, wie er heißt, also…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Cham­pa­gner für die Disco-Cowboys

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Cham­pa­gner für die Disco-Cowboys

Vor wenigen Tagen veröffentlichte das finnische Fernsehen YLE auf einen Schlag alle 18 Beiträge für die drei Vorrunden der Uuden Musiikin Kilpailu (UMK), inklusive dazugehöriger, in einem eigenen Youtube-Kanal bereit gestellter, professionell produzierter Musikvideos (und ja, ich schäme mich dafür, dass der ungleich finanzstärkere öffentlich-rechtliche Sender meines Landes nicht mal das hinbekommt). Einziger mir bekannter Name im Line-Up ist Tapio Huuska alias Cristal Snow, der 2008 schon mal am finnischen Vorentscheid teilnahm. Er hat mit 'Love is blind' eine klassische Liebesballade mit cleveren Textzeilen wie "You look like Jesus / but you taste like Sin" im Gepäck, für die ich wirklich gerne entflammen würde. Zumal…
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The King of Fun: zwei­tes ESC-Semi 2015

The King of Fun: zwei­tes ESC-Semi 2015

Na, das war aber auch an der Zeit! Da musste erst ein kerniger siebzehnjähriger 'Golden Boy' aus Tel Aviv kommen, um den Fluch von 'Ding-Dong'-Dana (IL 1998, 2011) abzuschütteln und die Israelis nach einer fünfjährigen Durststrecke endlich wieder ins Gelobte Land zu führen. Dramaturgisch geschickt hatte sich der ORF die Verkündung des Finaleinzugs von Nadav Guedj bis ganz am Schluss aufgehoben, und der kollektive Erleichterungsschrei aus über zehntausend Fankehlen ließ die Wiener Stadthalle beinahe in ihren Grundfesten erbeben. Wäre Israel diesmal wieder kleben geblieben, hätte ich auch endgültig den Glauben an die Menschheit verloren. Doch dazu erwies sich die Mischung aus…
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Schwe­den und die HJ: ers­te Pro­ben zwei­tes Semi 2015

In Wien setzten sich am Mittwoch und Donnerstag die ersten Probedurchläufe fort, diesmal mit den Teilnehmer/innen des zweiten Semifinales vom kommenden Donnerstag. Eine Fortsetzung fand auch die Saga um die händchenhaltenden Ampelmännchen: ausgerechnet die sich selbst als "freiheitlich" titulierende FPÖ drohte an, die hübsche Geste gegenüber der Eurovisions-Kernzielgruppe (und Umsetzung der Toleranzbotschaft der aktuell regierenden Eurovisionskaiserin Conchita) zur Anzeige zu bringen. Es handele sich um "grüne Klientelpolitik und Steuergeldverschwendung in Reinkultur," so der FPÖ-Mann Toni Mahdalik laut Kronenzeitung. Da Beides nicht verboten ist, begründete die FPÖ die Anzeige offiziell mit einem "Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung" - und musste sich prompt belehren lassen,…
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Island 2015: San­na de Forest in Grün

Auch 2016 wollen uns die Isländer offensichtlich mit Gewalt von ihrer schönen Insel fernhalten: diesen Samstag entschieden sie sich mit María Ólafsdóttir für eine barfüßig auftretende Piepsmaus und eine tausend Mal gehörte Midtempoballade von der Stange. Dass Marías Performance wirkte, als habe Kristina Pelakova (SK 2010) 'Only Teardrops' (DK 2013) inszeniert, und sie mit dem Songtitel 'Unbroken' gar wortkompositorische Anleihen bei Sanna Nielsen (SE 2014) nahm, dürfte ihr in Wien nichts nützen: auch wenn seit 2011 alle zwei Jahre seichtes Mittelmaß gewinnt, langweilt der isländische Beitrag so sehr, dass es weh tut. Gerade, weil der Song so verzweifelt versucht, bloß niemandem weh zu…
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Ers­ter Super­sams­tag 2015: der Wind von Jönköping

Es war ein geschäftiger Samstagabend in Europa: neben dem dänischen MGP mit seinem vorhersehbaren Katastrophenergebnis fanden gestern in sechs weiteren Ländern Vorentscheidungsvorrunden statt. So beispielsweise in Finnland, wo sich im ersten Semi des Uuden Musiikin Kilpailu (UMK) erwartungsgemäß die aus vier gestandenen Kerlen mit Down-Syndrom bestehende Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) mit einem knackigen, dankenswerterweise kurzen Punksong durchsetzte. Sowie die musikalischen Coldplay-Eleven Satin Circus, deren Beitrag 'Crossroads' im Gegensatz zu dem suizidalen Gejammer der Briten immerhin über ein klein wenig Pep verfügte, und mit dem vollbärtigen Wuschelhaarträger Paul Uotila über einen der bestaussehendsten Leadsänger des Abends. Wobei ich das Lied besser fände,…
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Spa­ni­en 2015: Edur­ne und der “Qua­li­täts-Pop”

Noch nachzureichen gilt es die ebenfalls gestern vom Sender TVE annoncierte spanische Vertreterin: die 29jährige Edurne García Almagro, die nur unter ihrem Vornamen auftritt, soll die iberischen Farben in Wien vertreten. Bekanntheit erlangte sie durch die Castingshow Operación Triunfo, aus der 2002 Rosa López hervorging, deren Fans damals sämtliche Eurovisionsforen trollten. 2005, als Edurne teilnahm, wurde die Show aber schon nicht mehr als Vorentscheidungsformat genutzt. Mit Auftritten in weiteren TV-Formaten wie You can dance, einer Daily Soap sowie der Hauptrolle im Musical Grease sicherte sich die schwerpunktmäßig in tanzbarem Pop machende Sängerin seither durchgehende Präsenz. Ihr ebenfalls uptemporärer, noch nicht veröffentlichter Eurovisionsbeitrag heißt 'Amanecer' und…
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Streit um islän­di­sche Frauenquote

Im Mai erst spielte Tom Neuwirth als bärtige Drag Queen Conchita Wurst auf wunderbarste Weise mit den Geschlechterrollenklischees und gewann damit den Eurovision Song Contest. Klassischer Geschlechterkampf scheint dagegen im (doch eigentlich als gesellschaftlich fortschrittlich geltenden) Land der Elfen und Trolle zu herrschen. So beschloss des isländische Fernsehen RÚV für seinen Grand-Prix-Vorentscheid Söngvakeppni 2015 zwar zunächst die Einführung einer Frauenquote: 50% der für die Vorauswahl zu berücksichtigenden Komponist/innen und Textdichter/innen sollten weiblich sein. Nach Protesten der sich bedroht fühlenden Männer zog der Sender aber den Schwanz ein und kassierte die Regel wieder. Zu den Beschwerdeführern zählte Friðrik Ómar Hjörleifsson, der 2008 gemeinsam…
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ESC-Fina­le 2014: The Secret is Love

ESC-Fina­le 2014: The Secret is Love

Schon der Einspieler hätte es erahnen lassen können, in dem die Dänen die Eurovisionstrophäe, das gläserne Mikrofon, vom 14 Kilometer entfernten Malmö nach Kopenhagen holten - mit abenteuerlichen Stunts in bester James-Bond-Manier und unterlegt von den jazzigen Klängen des 1963er Siegertitels 'Dansevise' vom dänischen Filmmusikkomponisten Jørgen Ingman. Dennoch: dass am Ende dieses grandiosen Abends eine österreichische Diva mit Bart und einer shirleybasseyesken Bond-Ballade selbige Trophäe mit einem triumphalen "We are unstoppable!" in die Luft recken würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Doch Europa zeigte sich an diesem denkwürdigen, geschichtsträchtigen Samstag toleranter und offener als erwartet. Und…
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Pol­la­pönk und das ver­lo­re­ne Mikrofon

Zu den Überraschungsqualifikanten aus dem ersten Semi 2014 zählen die isländischen Teletubbies von Pollapönk mit ihrer Anti-Diskriminierungs-Hymne 'No Prejudice'. Dabei hatten die bunten Vier während ihres Auftrittes mit einem kleinen Missgeschick zu kämpfen: Po-llapönk, der rot Gekleidete, stieß bei seinem kurzen Sprint von seinem Stammplatz zum vordersten Punkt der Bühne versehentlich mit seiner Gitarre den Mikrofonständer um und musste dann innerhalb weniger Sekunden auf dem dunklen Bühnenboden sein Mikro wiederfinden. Es gelang im letzten Augenblick, so dass er gerade noch rechtzeitig in den finalen Refrain mit einstimmen konnte. Aber auch nach dem Auftritt kam es noch zu einem kleinen Unfall,…
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Ers­tes ESC-Semi 2014: Drei Mal dabei, bit­te weiterwählen!

Ers­tes ESC-Semi 2014: Drei Mal dabei, bit­te weiterwählen!

Sie sind doch einfach jedes Mal für Überraschungen gut, diese Qualifikationsrunden und insbesondere die Antworten, die Europas Zuschauer und Juroren auf die Frage geben, welche der gezeigten Performances sie am Samstag im Finale wiedersehen wollen. So gut wie niemand hatte wohl ernsthaft Valentina Monetta auf seinem Tippzettel, und nachdem der unter langjährigen Leidensgenossen nur noch "der Unvermeidliche" genannte Ralph Siegel diesmal auch noch prominent am Flügel saß, als sei er die Reinkarnation von Andrew Lloyd-Webber (UK 2009), sah ich offen gestanden endgültig schwarz für die sanmarinesische Lys Assia (CH 1956-1958). Ob die Verleihung der Finalkarte nun den Lohn für die Persistenz der…
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Ers­te Pro­ben 1. Semi 2014

Gestern und heute Vormittag probten die sechzehn Teilnehmer des ersten Semis vom kommenden Dienstag das erste Mal in den rustikalen B&W-Hallerne auf der vom dänischen Fernsehen stilistisch als hübscher Mix aus dem deutschem Toaster-Innenleben von 1983 und einem Zauberwürfel designten Eurovisionsbühne. Es handelt sich dabei vor allem um die ersten Stellproben für Kamera und Licht, noch weit von der fertigen Show entfernt, ohne Notwendigkeit, sich bereits jetzt stimmlich und / oder tänzerisch zu verausgaben und meist auch noch ohne die für den Auftritt vorgesehenen Bühnenkostüme. Zudem ließ die EBU in diesem Jahr erstmalig keine der bereits am Wochenende zahlreich angereisten…
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Wie ärger­lich: Alba­ni­en ver­saut sich den Song

Seit wenigen Minuten ist die von Anfang an fest eingeplante englischsprachige Fassung des albanischen Beitrags 'Zemërimi i një Nate' von Herciana Matmuja, akkurat in 'One Night's Anger' übersetzt, bekannt. Musikalisch gab es keine all zu großen Änderungen - bis auf eine, allerdings entscheidende: der dreißigsekündige, mit großer Streicherbesetzung und harten Rockgitarren live gespielte Prolog zum eigentlichen, dreiminütigen Lied fällt ersatzlos weg. Und damit leider auch der beste Part des Beitrags, der dem Zuhörer schon mal die Ohren öffnete und die Neugier auf den folgenden Titel weckte. Der plätschert nun anderthalb Minuten unentschieden und strukturlos vor sich hin; bis dann endlich…
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Geor­gi­en 2014: Dafuq?

Liebe Leserinnen und Leser, Sie sehen mich verwirrt. Nein, nicht wegen des Überraschungssieges von Elaiza beim deutschen Vorentscheid oder des dortigen, hochkomplizierten Abstimmungsverfahrens. Die Georgier tragen Schuld an meinem Zustand der geistigen Desorientiertheit. Denn sie präsentierten heute ihren Beitrag 'Three Minutes to Earth', dargeboten vom schon seit längerem feststehenden Fusion-Jazz-Trio The Shin und von der Popsängerin Mariko Ebralidze. Das dazugehörige Video zeigt eine von grünem Nebel durchwaberte Szene in Stadtpark von Tiflis, wo bekifft wirkende, aber gut aussehende junge Pärchen auf der Bank sitzen oder wie eingefroren herumstehen (der weibliche Part meist unerklärlicherweise als Squaw verkleidet - ist denn dort grad…
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Island: Insel der sin­gen­den Parlamentarier

Seit diesem Wochenende darf sich Island als meine neue offizielle europäische Lieblingsnation fühlen. Nicht nur bescherten uns die stets ein wenig abseits des Mainstreams liegenden Insulaner den bis dato zauberhaftesten Beitrag der aktuellen Saison: vier musizierende Kindergärtner, passend Pollapönk (Kleine Rabauken) benannt, mit nordischen Rauschebärten und in unifarbenen Trainingsanzügen, die eine simple, dank vieler "Rallalalalala"s bestens mitsingbare Fun-Punk-Hymne mit einer wunderbaren Botschaft intonieren: 'Enga Fordóma' heißt nicht, wie ich zunächst vermutete, 'Phimose', sondern 'Gegen Vorurteile' und fordert all die bösen Schläger auf Schulhöfen und sonstwo auf, das Verspotten von Stotterern und anderer irgendwie von der Norm Abweichender zu unterlassen. Geht…
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Island 2014 und die Kindergartenpunks

Es gibt einige Gemeinsamkeiten zwischen Island, wo heute Abend das Finale des Söngvakeppni 2014 stattfand, und Malta, das bereits vor einer Woche entschied: beides sind selbstständige Inselstaaten, beide verfügen über die Einwohnerzahl einer mittleren Ruhrgebietsstadt und - im Verhältnis dazu - über eine erstaunlich lebendige Musikszene. Außerdem ziehen beide Länder ihre nationale Vorentscheidung, die ihnen jeweils Einschaltquoten nur knapp unterhalb von 100% beschert, unnötig in die Länge, um mehr Werbespots unterbringen zu können. Und in beiden Staaten sorgt die Beteiligung der Jury dafür, dass der klare Publikumsfavorit meistens den Kürzeren zieht. So auch heute Abend in Reykjavik, wo der absolute…
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Zwei­ter Super­sams­tag 2014: vom Punk und dem All

Neben dem gefühlt achtzehnstündigen Vorentscheidungsfinale in Malta und der unterhaltsamen zweiten Runde des Mello traten beim gestrigen Supersamstag auch in Ungarn und Island erneut eine Handvoll Acts um die Chance auf eine Fahrkarte nach Kopenhagen an. Beginnen wir diesmal mit dem Söngvakeppnin, das mit drei von fünf zwar die gleiche Finalistenquote vorweisen kann wie A Dal, dafür aber die interessanteren Titel. Dazu gehört zweifelsohne das einfach gestrickte und dank der Hookline "Ralla lalalala" problemlos mitgrölbare 'Enga fordóma' (doch nicht etwa ein Song über Phimose?) von Pollapönk. Die vier Herren, dem Vernehmen nach im Hauptberuf Grundschullehrer, tragen nicht nur einen lustigen Namen und äußerst…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: von Meer­jung­frau­en und Kuchen

Einige neue (und einige bereits bekannte) Vorentscheidungsperlen bescherte uns der gestrige erste Supersamstag, abseits der bereits kommentierten Länder, wie meine heutige Nachschau ergab. Beginnen wir mit Ungarn, wo sich in der zweiten von drei Vorrunden von A Dal weitere zehn Kombattanten dem Urteil einer fünfköpfigen Jury und der Zuschauer stellten. Nicht in die Endrunde schaffte es die Band Belmondo: vier ganz kernige gestandene Kerle und, dem optisch-akustischen Eindruck nach, ein Transmann am Klavier (anders kann ich mir die Diskrepanz zwischen äußerer Erscheinung und Stimme nicht erklären). Ihre nette Rockballade 'Miért ne higgyem?' erfand das Genre nicht neu und wirkte insgesamt…
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Emme­lie de Forest steigt auf Platz 5 der deut­schen Charts ein

Mittlerweile scheinen es die Plattenfirmen mit der zeitnahen Bereitstellung der digitalen Downloads zu kapieren: insgesamt 13 von 26 Eurovisionstiteln steigen in die offiziell am Freitag erscheinende deutsche Top 100 ein. Erwartungsgemäß führt Eurovisionssiegerin Emmelie de Forest die Liste an: ihr gelang mit 'Only Teardrops' der höchste Neueinstieg auf Rang 5. Damit überrundet sie sogar Cascadas beste Platzierung noch um eine Position. 'Glorious' war bereits letzte Woche im Vorfeld des Song Contest auf #78 in die Charts zurückgekehrt. Die weiteren Neueinsteiger: auf #24 Margaret Berger, auf #39 ByeAlex, der die deutschen Douze Points erhielt, sowie zehn Plätze tiefer Anouks sterbende Vögel. Kleine…
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