Israel

Alle zwan­zig Jah­re siegt das Nah­ost­land beim ESC, so will es das Gesetz. Isra­el schenk­te uns das Gen­re der Kib­buz-Dis­co, die Block­t­anz­cho­reo­gra­fie und die ers­te trans­se­xu­el­le Grand-Prix-Siegerin.
Dabei seit: 1973; Sie­ge: 1978, 1979, 1998, 2018; Rote Later­nen: keine.

Wie schnell die Zeit ver­geht: 1. Pro­be Israel

Heute berufsbedingt leider mit deutlicher zeitlicher Verzögerung die Videos vom zweiten Probentag. Los ging's mit Izabo aus Israel, die für das indiepoppige 'Time' den perfekten Bühnenhintergrund präsentierten: eine Collage aus animierten Uhren jeder Art, vom riesigen Wecker bis zu lustig auf- und abspringenden Dalì-Taschenuhren. Dafür verzichtete man glücklicherweise auf die Zirkusleute aus dem Vorschauvideo: die vier Bandmitglieder spielten einfach ihre Instrumente und sangen, verstärkt durch einen männlichen und eine weibliche Backing, die mit hübschem Synchronarmschwingen und einem finalen Kuss für die nötigen Showeffekte sorgten. Das fließt alles wunderbar rund zusammen, wirkt weder kitschig noch langweilig und unterstützt den lässig swingenden…
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Isra­el: Time won’t give me Time (IL 2012)

Heute stellte das israelische Fernsehen ganz offiziell den Beitrag des Landes vor. Und ironischerweise - der Song heißt 'Time' - handelt es sich dabei mittlerweile um einen ganz alten Hut. Denn eine Demoversion des fabelhaften, ein wenig an Mika erinnernden Mixes aus Siebzigerjahre-Disco, Falsettstimmen, Indie-Gitarren und orientalischen Sounds schwirrte bereits seit Wochen durchs Netz. Nun gibt es aber die final abgemischte Fassung. Und was soll man sagen: unter den bislang feststehenden Titeln haben die Israelis so ziemlich den modernsten und hippsten. 'Time' ist klugerweise ein bisschen mainstreamiger als das, was die Band Izabo Youtube zufolge sonst so macht, aber immer…
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Izabo für Israel

Die Indie-Band Izabo vertritt das Land der aufblasbaren Hammer in Baku. Die vom israelischen Fernsehen intern bestimmte Kappelle, die laut der alleswissenden Müllhalde während ihres 23jährigen Bestehens ganze zwei Alben veröffentlichte und deren Stil als "brillante, treibende Kombination aus psychedelischem Rock, Disco und Punk mit arabischer Würzung" beschrieben wird, bringt den Titel 'Time' zu Gehör. Wann dieser der Öffentlichkeit vorgestellt wird, blieb zunächst unklar. Ihr bisheriges Portfolio bestätigt zumindest die Definition der Musikgattung "Indie" durch einen Eurovisionsfan im ESCN-Forum: "Das heißt, dass dem Song ein Refrain fehlt". httpv://youtu.be/nZOaXwEFVwA 'Morning Hero', ihr Hit aus dem Jahre 2003.
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: von popo­wa­ckeln­den Polizisten

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: von popo­wa­ckeln­den Polizisten

Die Vorentscheidungssaison 2012 läuft auf vollen Touren: Zypern ist im Discoschlampenmodus, Dänemark wild zum Sieg entschlossen, Litauen setzt auf Masse und Irland findet keine Gegner:innen für Jedward. Aber das Wichtigste zuerst: Gerüchten zufolge heißt der Beitrag der bei der österreichischen Vorentscheidung erneut antretenden, grandiosen Bauerndiscoburschen Trackshittaz 'Woki mit deim Popo' ('Wackel mit deinem Popo'). Ich nehme meine zuletzt geäußerten Zweifel, ob Lukas Plöchl & Co. nochmals so ein Brett wie 'Oida taunz!' hinlegen könnten, hiermit offiziell zurück. Spitze, Jungs! Sie reihen sich damit ein in ein europaweites, beachtliches Angebot an Uptemposongs - sollte also Hoffnung bestehen, dass 2012 kein juryoptimiertes Schnarchfest wird?…
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And I’m com­ing now! (IL 2011)

So langsam glaube ich dann doch, dass die Demokratie ein Irrweg ist: nur dank des vereinten Votings einer Fachjury (40% Gewicht) und drei Laienjurys (OGAE Israel, eine Selektion sexy Soldaten und noch eine Gruppe mit je 4% Gewicht) konnte sich meine persönliche Eurovisionsheldin Dana International soeben bei der Kdam gegen den horriblen Publikumsgeschmack (48% Televoting) durchsetzen, die eine grausam exekutierte Jade-Ewen-Kopie vorzogen. Aber egal: meine liebste Diva reist nun nach Düsseldorf, mit der drolligen Discohymne 'Ding Dong' im Gepäck. Die Welt ist wieder schön! httpv://www.youtube.com/watch?v=JmBMQJlzTa4 It is making me high: Dana International (mehr …)
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Israe­li­scher Vor­ent­scheid 2010: Kon­tra, re und dann zur Kasse

Israe­li­scher Vor­ent­scheid 2010: Kon­tra, re und dann zur Kasse

Der Auf-die-Folter-Spann-Preis für den längsten Zeitraum zwischen der Nominierung des Vertreters für Oslo und der Bekanntgabe des Songs geht (mit Bronze- und Silbermedaillen für die Türkei und Bosnien) in diesem Jahr an Israel. Bereits im Dezember stand der ganz zufälliger Weise hundertprozentig ins Alexander-Schnuckeliges-Bübchen-Rybak-Schema passende Sängerknabe Harel Ska'at als Interpret fest, nachdem sein anzüglich-lustiger Name schon Tage vor seiner Akklamation durch die IBA im Internet die Runde machte. Eurovisionsgerüchte stimmen eben immer. Dann passierte erst mal lange Zeit nichts. Vor wenigen Tagen stellte der Sender dann die vier möglichen Songs für Oslo ins Netz - und, oh Wunder, sie klangen alle…
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ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde. Im Gegenteil: auch die Juror:innen setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO). Meine Vermutung, zubrotfreudige Juror:innen könnten gar die Verantwortung für das…
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Ers­tes ESC-Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groove

Ers­tes ESC-Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groove

Gerüchtehalber sechs Millionen Euro hatten sich die Russen im Vorjahr ihren auf Sieg getrimmten Beitrag 'Believe' kosten lassen. Bei der Ausrichtung des Wettbewerbs in Moskau protzten sie entsprechend hemmungslos: die größte Bühne aller Zeiten, die beeindruckendste Lichttechnik, die spektakulärsten Pausenacts. 42 Millionen Euro sollen sie für die Show ausgegeben haben, fast das Doppelte des üblichen Budgets. Und lieferten dennoch international ein beschämendes und unangenehmes Bild ab, aufgrund der rabiat exekutierten Auflösung des zeitgleich zum Eurovisionsfinale stattfindenden Moskauer CSD durch Sondereinsatzkräfte der Polizei. Und durch das wohl unfähigste Moderatorenteam der Grand-Prix-Geschichte. https://www.youtube.com/watch?v=ulVSOEuntOc Andrej Malakow, den männlichen Part, taufte meine liebe Kollegin Mery auf den…
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Isra­el 2009: Ein biss­chen Frieden

Isra­el 2009: Ein biss­chen Frieden

Mitten im Krieg um den Gaza-Streifen sendet das israelische Fernsehen mit seiner Eurovisionsnominierung ein schwach glimmendes Friedenslicht. Anfang Januar ernannte die IBA die international erfolgreiche Sängerin Achinoam Nini, auch bekannt als Noa, zu ihrer Eurovisionsvertreterin. Die von ihrem zweiten bis zum siebzehnten Lebensjahr in der New Yorker Bronx aufgewachsene Sängerin, die sich für einen Dialog zwischen Israelis und Arabern einsetzt, machte ihren Auftritt von der Teilnahme der befreundeten Sängerin Mira Awad abhängig, einer Israelin mit arabischen Wurzeln. Noa, Kind jemenitischer Juden, fasste ihren Lösungsansatz für eine Aussöhnung der verfeindeten Völker in einem TV-Interview wie folgt zusammen: "Wir (beide) müssen uns…
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Ers­tes ESC-Semi 2008: Frag nach Samen

Ers­tes ESC-Semi 2008: Frag nach Samen

The more, the merrier: wegen der weiterhin anschwellenden Zahl der mitmachwilligen Länder - in diesem Jahr war man bei der Rekordzahl von 43 Anmeldungen angelangt! - teilte die EBU die Qualifikation nunmehr auf zwei Halbfinale auf. Durch die müssen seither alle, mit Ausnahme der großen Fünf (DE, ES, FR, IT, UK) und des jeweiligen ausrichtenden Landes, sprich der Vorjahressieger. Mit der Aufteilung der Halbfinalisten auf mehrere, am bisherigen Abstimmungsverhalten orientierten Ländertöpfe versuchte man außerdem, dem allseits beklagten Blockvoting entgegenzuwirken. https://www.youtube.com/watch?v=qmD2vV1ffwU&list=PL1E26C28E87EFFF6F Alle Semifinalbeiträge am Stück als Playlist. Die Verdoppelung der Semis war ein geschickter Schachzug der EBU: zwar flogen damit noch…
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Isra­el 2008: Diva!

Isra­el 2008: Diva!

Nachdem Israel schon traditionell als allererstes Land bereits Mitte November Boaz Mauda, den aktuellen Gewinner von Israel sucht den Superstar, als seinen Vertreter für Belgrad bekannt gab, ließ man sich mit dem Song Zeit. Viel Zeit. Nun haben's die Israelis geschafft: unter fünf Titeln, allesamt mehr oder minder dröge Balladen, wählte das Publikum den von Dana International (IL 1998) mitkomponierten Beitrag 'Ke'ilo kan' aus. Wer nun einen flotten Discoschlager erwartet, sieht sich getäuscht: bei 'Ke'ilo kan' handelt es sich um eine sanft einschläfernde Ballade, von einem Castingshow-Sternchen mit der Bühnenausstrahlung eines Holzklotzes vorgetragen. Schließt man die Augen, würde man zudem eher…
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ESC-Semi 2007: Wo ist Andorra?

ESC-Semi 2007: Wo ist Andorra?

Natürlich hätte ich auf die Enttäuschung vorbereitet sein müssen. Schließlich bin ich lange genug Fan, um zu wissen, dass die fiesen, geschmacksgestörten Televoter im Semifinale immer die besten Songs aussortieren. Ganze 28 Länder traten in diesem Jahr in der Qualifikationsrunde gegeneinander an, so viele wie noch nie seit der Einführung der Semis. Lediglich zehn Slots für das Finale am Samstag gab es, aber 16 von mir favorisierte Titel, die unbedingt hätten weiterkommen müssen! Selbst unter Zuhilfenahme der Finger konnte ich mir also ausrechnen, dass ein Gutteil meiner Lieblinge auf der Strecke bleiben werden. (mehr …)
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Isra­el 2007: Kaputt kaboom

Isra­el 2007: Kaputt kaboom

Israel hat sich für einen Song mit politischem Inhalt entschieden. Die EBU wird ihn - entgegen erster entsprechender Pressemeldungen - voraussichtlich dennoch nicht disqualifizieren. 'Push the Button' heißt der Beitrag, und das klingt ja erst mal nach einer lustigen Girlgroup-Popnummer. Doch weit gefehlt. Weder musikalisch (die Teapacks machen eine sehr eigene Form der Popmusik, die sich sämtlichen gängigen Elementen wie wahrnehmbarem Refrain, Melodie oder erkennbarer Songstruktur verweigert; dafür arbeiten sie mit der Quetschkommode) noch inhaltlich könnte das weiter entfernt sein. Der auf englisch, französisch und hebräisch gesungene (bzw. gesprochene) Text ist eine klare und unmissverständliche Ansage gegen den "Terror von Fanatikern",…
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ESC-Fina­le 2003: Die Kotzn in da Wiesn

ESC-Fina­le 2003: Die Kotzn in da Wiesn

Seit seiner Erstteilnahme 1994 war Russland vom Ehrgeiz beseelt: mit Alla Pugatschowa (1997) hatte man bereits seinen größten Star geschickt, mit Alsou (2000) bereits einen zweiten Platz erreicht. Der Sieg zweier abtrünniger ehemaliger Sowjetrepubliken in Folge bestärkte die ehemalige, gerade wieder erstarkende Weltmacht nun um so mehr, ihren Führungsanspruch als größtes und einwohnerstärkstes Land der EBU auch auf popkulturellem Gebiet zu demonstrieren. Ein Sieg sollte her, auch wenn man dazu schweres Geschütz auffahren müsste. Und das hatten die Russen diesmal, in Form der als Lesben-Lolitas vermarkteten Skandalgören Jelena Katina und Julia Wolkowa, besser bekannt als t.A.T.u., die mit 'All the…
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ESC-Fina­le 2000: Ich will, ich will eine Gurke

ESC-Fina­le 2000: Ich will, ich will eine Gurke

Freiheit fördert Kreativität. Kaum fiel die Sprachenregel, tauchten die ersten skurrilen linguistischen Mixe beim Song Contest auf, wie zum Beispiel ein auf italienisch und griechisch gesungener zyprischer Beitrag oder ein deutsches Lied in Babysprache ('Wadde hadde dudde da'), ein im Übrigen sehr professionell und modern produzierter, wenn auch etwas kalt wirkender Beitrag, wie die meisten in diesem Jahr. Der Wechsel von der Jury- zur reinen Zuschauerwertung brachte den erhofften Effekt und führte zu einer deutlichen Qualitätssteigerung. Fast alle Länder orientierten sich in Richtung der aktuellen Charts, wo tanzbarer, schneller Pop regierte. In einem Feld ähnlich klingender Songs fällt der auf, der sich unterscheidet:…
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ESC-Fina­le 1998: Schön­heit, Größe

ESC-Fina­le 1998: Schön­heit, Größe

Ein Jahrgang für die Geschichtsbücher. Eine Zäsur. Der wichtigste Sieg in der Eurovisionsgeschichte. Der Superlative lassen sich viele bemühen, doch keines vermag die historische Dimension des von der britischen Kommentatorenlegende Terry Wogan moderierten Contests richtig zu fassen. Endlich war das Televoting für alle[ref]Mit Ausnahme zweier Länder, die noch über kein ausreichend stabiles Mobilfunknetz verfügten[/ref] Pflicht. Endlich konnten sich bei der Abstimmung die bei den Zuschauern mehrheitsfähigen Stücke durchsetzen und nicht diejenigen, die einem konservativ-verstaubten Musikverständnis obskurer "Experten"-Teams entsprachen. Endlich Schluss mit der Bevormundung, den krassen Fehlurteilen und dem Geschacher hinter den Kulissen. Endlich Demokratie! https://youtu.be/L1shaSDClF8 In einer Doppelrolle: Terry Wogan…
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ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

Mit einer Hymne auf das neu vereinte Europa ('Insieme: 1992') hatten die Italiener im Vorjahr dieses merkwürdige Wettsingen gewonnen, das bekanntlich auf dem Vorbild ihres heißgeliebten San-Remo-Festivals basiert. Da lag es auf der Hand, selbigem Vorbild zu huldigen und den Contest in nämlichem ligurischen Kurort auszutragen. Doch je näher das Ereignis heranrückte, desto stärker nagten die Zweifel: würde man mit diesem obskuren Eurotrashspektakel in der geheiligten Stätte des Ariston-Theaters zu San Remo nicht das Ansehen des im Lande wesentlich beliebteren Originals beschmutzen? Wollte man sich als selbst empfundener kultureller Nabel Europas wirklich diese Laus in den Pelz setzen? Also verlegte…
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ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

Deutschland schrieb in diesem Jahr Geschichte: mit der von mutigen DDR-Bürgern friedlich herbeidemonstrierten Revolution und der sich anschließenden, von den meisten Westlern wie mir gedanklich längst abgeschriebenen Wiedervereinigung. Allerdings auch mit den beiden ersten deutschen Eurovisionsteilnehmern, die beim Versuch des Singens kaum einen Ton sauber zu treffen vermochten. Hätte man einen Schock Hundewelpen 'Frei zu leben' jaulen lassen, das Ergebnis wäre gewiss musikalisch überzeugender ausgefallen. Doch nicht genug, dass sich einem beim Anhören die Fußnägel kräuselten, auch der Anblick des peinlichen Duos sorgte für Fremdschämattacken: Daniel Kovac erschien im C&A-Anzug, Chris Kempers mit tuffiger Dauerwelle und noch tuffigerer Kostümjacke, die…
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ESC-Fina­le 1989: Why do they always get it wrong?

ESC-Fina­le 1989: Why do they always get it wrong?

Ein Jahrgang, der mich wie kein zweiter gespalten hinterlässt: einerseits unglaublich reich an Spitzenerzeugnissen des Trashs und der unfreiwilligen Komik und damit ein ernsthafter Anwärter auf die Top Five meiner Lieblingscontests. Andererseits ruiniert durch rundweg skandalöse Juryentscheidungen und den ungerechtfertigsten Siegertitel aller Zeiten. Doch beginnen wir mit den amüsanten Seiten dieses Contests: das eidgenössische Fernsehen unterhielt die Zuschauer/innen zum Auftakt und in den Postkarten mit idyllischen Klischeebildern über Berge, Kühe, Berge, Käse, Berge, Uhren, Berge, Alphörner, Berge, das Heidi und Berge - was man sich eben unter der Schweiz so vorstellt! Bankenniederlassungen mit diskreten Konten für das Blutgeld aus den Diktaturen dieser Welt oder die…
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ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

Der Brüsseler Contest - ein einziges Déjà Vu: derselbe Sieger wie schon 1980; die gleichen deutschen Teilnehmer wie schon 1985, die wiederum dieselbe Platzierung erreichten wie bereits zwei Jahre zuvor, nämlich den zweiten Rang. Erneut erhielten wir nur einen Punkt aus der Schweiz - auch das war man gewohnt. Diesmal spielte es aber keine Rolle mehr: selbst mit zwölf helvetischen Zählern hätten Wind (DE 1985, 1992, DVE 1998, 1999) nicht mehr gewonnen. 'Lass die Sonne in Dein Herz', für dessen stumpfe Gleichschrittspräsentation Ralph Siegel eigens für teuer Geld eine "englische Choreografin, aus England" engagiert habe, wie er in einem ARD-Special stolz erzählte, hasste ich eigentlich immer…
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ESC-Fina­le 1985: Lass es schwingen

ESC-Fina­le 1985: Lass es schwingen

Ein bedenkliches Zeichen: im zweiten Jahr in Folge machten beim Eurovision Song Contest nicht die (unterirdischen) Liedbeiträge von sich reden, sondern die Moderatorin der Show. Lil Lindfors, die anbetungswürdige coole schwedische Grand-Prix-Vertreterin von 1966 ('Nygammal Vals') und Gastgeberin des heutigen Abends, blieb bei der Anmoderation der Punktewertung wie zufällig an einem Treppengeländer hängen und riss sich den Rock ab, woraufhin die Welt sie sekundenlang im Unterhöschen bewundern durfte. Doch schnell löste sie ein paar Fäden, zog ein paar Stoffteile herunter und - schwupps! - stand sie wieder im schicklichen Beinkleid da. "Ich wollte Sie nur aufwecken", bemerkte sie süffisant. Der Weckruf erwies sich nach…
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ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene "spontane" Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

1982: eine magische Zahl für Deutschland, ein nationales Trauma. Nicht nur, weil sich damals ein birnenförmiger Oggersheimer anschickte, das Land mit einer sechzehn Jahre währenden Schreckensherrschaft zu überziehen. Viel wichtiger: wir gewannen den Grand Prix! Zum ersten - und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Meyer-Landrut die Wachablösung vollzog und die Ära Siegel beendete, fest glaubte, auch zum letzten - Mal. Der Contest zog von den bisher meist als Austragungsort ausgewählten Hauptstädten in die tiefste britische Provinz nach Horrorgate Harrogate. Wie passend, denn provinziell mutete auch das musikalische Aufgebot an. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1981: Take you from behind

ESC-Fina­le 1981: Take you from behind

Die Deutschen schäumten vor Zorn, waren aufrichtig erbost! Im Land weilende Schweizer zeigten sich im April 1981 gut beraten, ihre Herkunft zu verschweigen. Nachdem wir schon im Vorjahr nur knapp an der Eurovisionskrone vorbeischrammten, gingen wir diesmal um so siegessicherer ins Rennen. Eine so wunderbare Rührschnulze mit Behindertenmitleidsbonus hatten wir extra gewählt, und die mit unüberhörbar fränkisch rollendem "R" intonierende ("Die Jungen dort drrraußen, die rrriefen nur hinter ihm her") Lena Valaitis sang sauber, wohltimbriert und voller Leidenschaft und Anmut die bittersüße Ballade vom blinden Jungen 'Johnny Blue' direkt in alle Herzen hinein. Selbst die Buchmacher sahen uns ganz vorne. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1979: Er zeug­te sie­ben Kin­der in einer Nacht

ESC-Fina­le 1979: Er zeug­te sie­ben Kin­der in einer Nacht

Heftige Auseinandersetzungen entbrannten im Vorfeld dieses Jahrgangs um den deutschen Beitrag. Ausgerechnet nach Jerusalem mit einem Song zu fahren, der von einem gewalttätigen Imperatoren handelt und mit Textzeilen wie "Sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land" aufwartet, zeugte nicht eben von ausgeprägtem geschichtlichen Feingefühl. Es hagelte Proteste und Verbotsforderungen, man befürchtete eine Belastung der diplomatischen Beziehungen und die damalige Familienministerin Antje Huber (SPD) geißelte den Text gar als "dumm und geschmacklos". Ach was! (mehr …)
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