Jugoslawien

<span class="caps">ESC</span> 1991: Hier decke ich den Tisch

ESC 1991: Hier decke ich den Tisch

Mit einer Hymne auf das neu vereinte Europa ('Insieme: 1992') hatten die Italiener im Vorjahr dieses merkwürdige Wettsingen gewonnen, das bekanntlich auf dem Vorbild ihres heißgeliebten San-Remo-Festivals basiert. Da lag es auf der Hand, selbigem Vorbild zu huldigen und den Contest in nämlichem ligurischen Kurort auszutragen. Doch je näher das Ereignis heranrückte, desto stärker nagten die Zweifel: würde man mit diesem obskuren Eurotrashspektakel in der geheiligten Stätte des Ariston-Theaters zu San Remo nicht das Ansehen des im Lande wesentlich beliebteren Originals beschmutzen? Wollte man sich als selbst empfundener kultureller Nabel Europas wirklich diese Laus in den Pelz setzen? Also verlegte…
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<span class="caps">ESC</span> 1990: Für uns, Lie­be ohne Gren­zen

ESC 1990: Für uns, Lie­be ohne Gren­zen

Deutschland schrieb in diesem Jahr Geschichte: mit der von mutigen DDR-Bürgern friedlich herbeidemonstrierten Revolution und der sich anschließenden, von den meisten Westlern wie mir gedanklich längst abgeschriebenen Wiedervereinigung. Allerdings auch mit den beiden ersten deutschen Eurovisionsteilnehmern, die beim Versuch des Singens kaum einen Ton sauber zu treffen vermochten. Hätte man einen Schock Hundewelpen 'Frei zu leben' jaulen lassen, das Ergebnis wäre gewiss musikalisch überzeugender ausgefallen. Doch nicht genug, dass sich einem beim Anhören die Fußnägel kräuselten, auch der Anblick des peinlichen Duos sorgte für Fremdschämattacken: Daniel Kovac erschien im C&A-Anzug, Chris Kempers mit tuffiger Dauerwelle und noch tuffigerer Kostümjacke, die…
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<span class="caps">ESC</span> 1987: Is het een orka­an?

ESC 1987: Is het een orka­an?

Der Brüsseler Contest - ein einziges Déjà Vu: derselbe Sieger wie schon 1980; die gleichen deutschen Teilnehmer wie schon 1985, die wiederum dieselbe Platzierung erreichten wie bereits zwei Jahre zuvor, nämlich den zweiten Rang. Erneut erhielten wir nur einen Punkt aus der Schweiz - auch das war man gewohnt. Diesmal spielte es aber keine Rolle mehr: selbst mit zwölf helvetischen Zählern hätten Wind (DE 1985, 1992, DVE 1998, 1999) nicht mehr gewonnen. 'Lass die Sonne in Dein Herz', für dessen stumpfe Gleichschrittspräsentation Ralph Siegel eigens für teuer Geld eine "englische Choreografin, aus England" engagiert habe, wie er in einem ARD-Special stolz erzählte, hasste ich eigentlich immer…
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<span class="caps">ESC</span> 1983: Wie­der holen ist gestoh­len

ESC 1983: Wie­der holen ist gestoh­len

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene "spontane" Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun. (mehr …)
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<span class="caps">ESC</span> 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

ESC 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

1982: eine magische Zahl für Deutschland, ein nationales Trauma. Nicht nur, weil sich damals ein birnenförmiger Oggersheimer anschickte, das Land mit einer sechzehn Jahre währenden Schreckensherrschaft zu überziehen. Viel wichtiger: wir gewannen den Grand Prix! Zum ersten - und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Meyer-Landrut die Wachablösung vollzog und die Ära Siegel beendete, fest glaubte, auch zum letzten - Mal. Der Contest zog von den bisher meist als Austragungsort ausgewählten Hauptstädten in die tiefste britische Provinz nach Horrorgate Harrogate. Wie passend, denn provinziell mutete auch das musikalische Aufgebot an. (mehr …)
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<span class="caps">ESC</span> 1976: Die Par­ty ist vor­bei

ESC 1976: Die Par­ty ist vor­bei

Vor ihrer Grand-Prix-Teilnahme kannte man die Les Humphries Singers europaweit als erfolgreiche, multikulturelle Hippiegruppe, die mit 'Mamaloo' oder 'Mexiko' und ähnlichen Titeln eine Latte respektabler Hits vorweisen konnte. Hinterher verschwanden sie in der Versenkung. In Den Haag durfte die üblicherweise bis zu 16 Mann starke Kapelle allerdings auch nur in deutlich dezimierter Zahl auf die Bühne. Zu sechst nämlich, darunter Jürgen Drews (DVE 1990), während ihr Bandleader am Dirigentenpult stand, was ihrer Bühnenpräsenz gar nicht gut tat. Dazu kam der lendenlahme Siegel-'Sing Sang Song', sein erster Grand-Prix-Beitrag fürs Heimatland und ein wahrlich missratener Auftakt. So reichte es wieder nur für einen, diesmal berechtigten, hinteren…
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<span class="caps">ESC</span> 1971: Glück ist Hering in Dill­sos­se

ESC 1971: Glück ist Hering in Dill­sos­se

Heftige Auseinandersetzungen tobten Anfang der Siebzigerjahre hinter den Kulissen des Song Contests, unter anderem um das schon mehrfach geänderte Wertungssystem und über die Besetzung der → Jurys. Auch Deutschland drohte mit dem Ausstieg aus der Gemeinschaftsveranstaltung, sollte sie sich nicht endlich mehr dem Zeitgeist annähern. Doch der Grand Prix ist bekanntlich unkaputtbar, und so einigte man sich, ganz europäisch, auf einen Kompromiss. Dessen augenfälligstes Ergebnis war, dass die Juroren jetzt vor der Kamera und damit für alle sichtbar ihre Punkte verteilten statt wie bislang im Hinterzimmer. Zumindest in diesem Jahr sorgte das tatsächlich für annehmbare Abstimmungsergebnisse, vermutlich aus Angst der Juroren vor…
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<span class="caps">ESC</span> 1969: Er mach­te Fröh­li­che melan­cho­lisch

ESC 1969: Er mach­te Fröh­li­che melan­cho­lisch

Das hatten sich die den 1969er Grand Prix eröffnenden Jugoslawen sehr clever gedacht. In acht europäischen Sprachen, einschließlich eines "Guten Tag", begrüßten sie die Zuschauer/innen zum Auftakt des mit weitem Abstand absurdesten (und somit großartigsten) Contestjahrgangs aller Zeiten in der spanischen Hauptstadt Madrid, wo bereits die merkwürdige Bühnendekoration, eine krude Mischung aus althergebrachten Blumenbeeten, sakral anmutenden Orgelpfeifen und einer futuristischen Metallskulptur aus der Künstlerhand Salvador Dalís, auf das noch folgen sollende Chaos einstimmte. https://youtu.be/o3h2jZK8Xec Vorbildlich: nach nur fünf Minuten singt schon der erste Teilnehmer beim ESC 1969 (kompletter Contest) 'Pozdrav Svijetu' ('Grüße an die Welt'), die hemmungslose - wenn auch wunderbar…
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<span class="caps">ESC</span> 1968: Hap­pi­ness had­n’t been inven­ted

ESC 1968: Hap­pi­ness had­n’t been inven­ted

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den → Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den sehr offensichtlich…
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Jugo­vi­zi­ja 1967: Das ist mei­ne klei­ne Welt

Jugo­vi­zi­ja 1967: Das ist mei­ne klei­ne Welt

Fünf Regionalsender des jugoslawischen Fernsehens JRT beteiligten sich im Februar 1967 an dem in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana abgehaltenen Eurovisionsvorentscheid Jugovizija. Jeder von ihnen schickte drei Lieder ins Rennen, und da nicht im gleichen Umfang mitmachwillige Interpret:innen zur Verfügung standen, kam es, dass der in Mazedonien geborene Folksänger, Schauspieler ('Mazedonische Bluthochzeit') und Dichter Zafir Hadžimanov gleich für drei Stationen an den Start ging, nämlich TV Skopje, TV Belgrad und TV Zagreb. Was insofern Sinn machte, da der mit der in Zagreb geborenen Popsängerin Senka Veletanlić verheiratete Zafir die meiste Zeit seines Lebens in der serbischen Metropole lebte, also einen Bezug…
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Jugo­vi­zi­ja 1966: Caset­ta in Cana­dà

Jugo­vi­zi­ja 1966: Caset­ta in Cana­dà

Im großzügigen, 1.600 Zuschauer:innen fassenden Dom Sindikata zu Belgrad, einem klassischen sozialistischen Prunkbau mitten im Stadtzentrum, fand der Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 1966, die Jugovizija, statt. Den Heimvorteil bis zum Maximum nutzend, durfte der serbische Sänger Dragan Stojnić gleich drei der insgesamt 13 Lieder beisteuern. Der 2003 verstorbene Stojnić hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, seinen slawischen Landsleuten das gallische Chanson näher zu bringen, seine Karriere begann dementsprechend mit einem Cover des französischen Eurovisionssongs von 1963, 'Elle était si jolié' von Alain Barrière, in seiner Fassung 'Bila je tako lijepa'. Auch sein Jugovizija-Beitrag 'Duga je Noć' ('Die Nacht ist…
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<span class="caps">ESC</span> 1965: Die Hit­ze der Jungs

ESC 1965: Die Hit­ze der Jungs

Im zehnten Jahr seines Bestehens schien der Eurovision Song Contest endgültig bei sich angekommen zu sein, die gröbsten Kinderkrankheiten einigermaßen ausgemerzt: unverzeihliche archivarische Lücken durch eine fehlende Aufzeichnung der Live-Sendung wie noch 1956 und 1964 sollten künftig nicht mehr vorkommen; die Frage, wer auf der Bühne die Siegestrophäe überreicht bekommt - Interpret:in oder Komponist:in - sorgte nicht mehr für Verwirrung und peinliche Situationen wie noch 1957; die Wertung unterlag zwar noch ständigen Verfahrensänderungen, hatte sich aber als unverzichtbarer Teil der Sendung etabliert; die Zahl der teilnehmenden europäischen Staaten zeigte einen erfreulich stabilen Aufwärtstrend von sieben im Anfangsjahr zu aktuell 18 Nationen…
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Jugo­vi­zi­ja 1965: Immer mehr vom Meer sehn

Jugo­vi­zi­ja 1965: Immer mehr vom Meer sehn

Es waren in den Sechzigerjahren mehr oder minder stets dieselben Namen, die auf der Teilnehmer:innenliste der jugoslawischen Eurovisionsvorentscheidung auftauchten. Früher oder später gewann dann auch fast Jede:r von ihnen mal und durfte den Vielvölkerstaat beim Eurovision Song Contest vertreten. Eine, die das trotz beinahe durchgehender Präsenz bei der Jugovizija nie ganz schaffte, und das, obwohl sie laut Wikipedia die erfolgreichste Schlagersängerin des Balkanstaates ist, war Gabi Novak. Klingt ziemlich germanisch, dieser Vorname, werden Sie sich jetzt vielleicht denken, und liegen damit völlig richtig: die gute Gabi kam nämlich 1936 als Kind eines kroatischen Vaters und einer deutschen Mutter in Berlin…
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Jugo­vi­zi­ja 1964: Schnee­flöck­chen, Weiß­röck­chen

Jugo­vi­zi­ja 1964: Schnee­flöck­chen, Weiß­röck­chen

Wie in der gesamten Anfangsphase des Grand Prix ist auch für das Jahr 1964 die Faktenlage leider nicht besonders ertragreich, was den Eurovisionsvorentscheid des damals noch unter Tito vereinten südslawischen Vielvölkerstaates angeht. Immerhin kennen wir, und das ist bei der Jugovizija der Sechzigerjahre keine Selbstverständlichkeit, die komplette Teilnehmer:innenliste inklusive der Lieder. Doch das nützt nicht viel, findet sich doch bis auf die lieblich plinkernde Schneeflockenballade 'Kakor bela Snežinka' des slowenischen Sängers Stane Mancini (ob eine Verwandtschaft zur 2012er Repräsentantin Hannah Mancini besteht, ist mir leider nicht bekannt: vom Alter her könnte Stane ihr Großvater sein) und das offizielle Siegerlied keiner der acht…
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Jugo­vi­zi­ja 1963: Hüpf auf mein Schiff, Baby

Jugo­vi­zi­ja 1963: Hüpf auf mein Schiff, Baby

Ein dreifaches Hoch auf die segensreichen Wirkungen des Internets und die fleißigen Nerds, die es füttern! Zeigte sich die Datenlage bezüglich der Eurovisionsvorentscheidungen im seinerzeit noch vereinten Jugoslawien der Sechzigerjahre zu Beginn meiner Jugovizija-Recherchen noch als ziemlich bruchstückhaft, und klaffte im Jahre 1963 gar einst ein kratergroßes schwarzes Loch in der Kenntnislandschaft, so konnten mittlerweile dank der unermüdlichen Arbeit verschiedener Fanclubs und ehrenamtlicher Wikipedianer die meisten Wissenslücken geschlossen werden. Die bosnische Ausgabe des Internetlexikons benannte schon länger Majda Sepe, Sabahudin Kurt (ESC 1964) und Anica Zubović als Teilnehmer:innen dieses Jahrgangs, bei dem sich erstmals alle acht Landessender des damaligen - je nach politischer…
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Jugo­vi­zi­ja 1962: Beds are bur­ning

Jugo­vi­zi­ja 1962: Beds are bur­ning

Nicht hundertprozentig geklärt ist die Datenlage bezüglich des zweiten jugoslawischen Eurovisionsvorentscheids, der Jugovizija 1962. In Zagreb fand sie statt, so viel weiß man. Mit TV Sarajewo reichte erstmalig auch der bosnische Landessender Beiträge zur der Vorauswahl ein, an welcher außerdem, wie schon im Vorjahr, die Sendeanstalten aus Slowenien, Serbien und Kroatien teilnahmen. Eine aus allen beteiligten Regionen paritätisch besetzte Jury bestimmte den Siegersong 'Ne pali Svetla u Sumrak' ('Lass das Licht aus in der Dämmerung') von Lola Novaković: eine verträumte kleine Ballade, in welcher die 2016 verstorbene, in den Sechzigern auf dem Balkan sehr erfolgreiche serbische Sängerin und Schauspielerin über die…
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Jugo­vi­zi­ja 1961: Mor­gen fängt das Leben erst an

Jugo­vi­zi­ja 1961: Mor­gen fängt das Leben erst an

Viel Geld und technisches Know-How hatten die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg den staatlichen westeuropäischen Sendeanstalten zukommen lassen, um sie für die Propagandaschlacht im nachfolgenden Kalten Krieg gegen den feindlichen kommunistischen Osten zu rüsten. Auch der Eurovision Song Contest sollte nach den Vorstellungen des hierbei federführenden US-Geheimdienstes dem kulturellen Aneinanderrücken der "freiheitlichen" (lies: kapitalistischen) Staaten dienen und mit seinem nach eigenem Empfinden glamourösen und unterhaltsamen Programm, das man, soweit es die Antennen zuließen, gerne auch ins sozialistische Ausland ausstrahlte, um dort Neid und Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu schüren, die klare Überlegenheit des Westens in Sachen Pop demonstrieren. Dies jedenfalls ist der…
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