Litauen

Ins­be­son­de­re, wenn man die litaui­schen ESC-Vor­ent­schei­dun­gen mit­ver­folgt, bekommt man es gele­gent­lich mit der Angst um die geis­ti­ge Gesund­heit sei­ner Bewohner:innen zu tun, so schräg geht es dort regel­mä­ßig zu. Euro­pa emp­fing die Bal­ten 1994 gleich ein­mal mit einer Null-Punk­te-Dusche, und seit­her wur­den die Ergeb­nis­se nicht sehr viel bes­ser. Iro­nie des Schick­sal: als Litau­en 2020 mit The Roop erst­mals einen vali­den Anwär­ter auf die ESC-Kro­ne auf­bot, fiel der Con­test coro­nabe­dingt aus.
Dabei seit: 1994; Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: 2; Nul­poin­ter: 1.

Zwei­tes ESC-Semi 2010: Sca­red to lose my Fun

Zwei­tes ESC-Semi 2010: Sca­red to lose my Fun

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber: das habt Ihr nun davon, liebe Juryfreunde! Kaum knackte das diabolische Bevormundungsgremium auch die Qualifikationsrunden, waren wir wieder genau dort angekommen, von wo der Wettbewerb einst in eine knapp zehnjährige Hochphase zeitgenössischer Popmusik aufbrach: es ist wieder 1996! Und wir sind zurück beim Eurovision Schnarch Contest, wo es keine Rolle spielt, wie beschissen man singt und wie stark man die Töne versemmelt, Hauptsache man präsentiert eine lahme, tödlich einschläfernde Ballade! Doch nicht nur musikalisch wurden wir heuer Zeuge des Eurovision Horror Contest: nach dem fachgerechten Würgen zarter Frauenhälse im ersten Semi lautete das Leitthema dieser…
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ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde. Im Gegenteil: auch die Juror:innen setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO). Meine Vermutung, zubrotfreudige Juror:innen könnten gar die Verantwortung für das…
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Lie­tu­vos Dainų Dai­na 2009: Feu­er brennt nicht nur im Kamin

Lie­tu­vos Dainų Dai­na 2009: Feu­er brennt nicht nur im Kamin

Weiter zu Litauen: der dortige haushohe Sieger heißt eigentlich Dima Savrovas, nennt sich allerdings Sasha Son und gibt sich optisch als die osteuropäische Antwort auf Justin Timberlake. Seine gefühlvolle Klavierballade 'Pasiklydes Zmogus' verfügt wenigstens noch über eine gewisse ihr innewohnende Dramatik - jedenfalls in der (anderthalb mal so lang wie zulässigen) litauischen Originalfassung. Doch natürlich wird sich das Land mutwillig sämtliche Chancen mit einer sterilen und seelenlosen Übersetzung in die vermeintliche Weltsprache des Pop, Englisch, verderben. Da heißt der Song dann 'Love' und dürfte im Meer der diesjährigen Balladen untergehen. Gut behütet: der Son (mehr …)
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Kein Euro­vi­si­ons­boy­kott durch das Baltikum

Der angedachte baltische Eurovisionsboykott fällt aus. Wie esctoday berichtet, entschied sich der estnische Sender ETV, nun doch am Gesangswettstreit in Mai in Moskau teilzunehmen, nachdem sich in einer Umfrage des TV-Senders zwei Drittel der befragten Esten ebenfalls dafür aussprachen. Der Vorsitzende des ETV-Verwaltungsrates, Margus Allmikaa, geißelte seine Landsleute daraufhin zwar als "naiv", wenn sie glaubten, man könnte Politik und Musik trennen, ordnete sich der Mehrheitsentscheidung aber unter. Damit bleibt das am Krieg beteiligte Georgien das einzige Land, das Konsequenzen aus dem Großmachtsgehabe Putins zieht. Da wollen sie dann doch alle hin, den Kaviar schmecken: nach Moskau (mehr …)
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Euro­vi­zi­ja 2008: Hin­term Ozean

Euro­vi­zi­ja 2008: Hin­term Ozean

Litauen schickt die männliche Entsprechung zu Carolin Fortenbacher zum Eurovision Song Contest: Jeronimas Milius, im richtigen Leben Sänger einer Metal-Rock-Band, gewann mit dem ranzigen, klaviergesättigten Musicalsong 'Nomads in the Light' soeben die litauische Eurovizija. Er schlug unter anderem Aisté Pilvelytė (1999). Damit bleibt Litauen seiner lieb gewonnenen Tradition treu, ausschließlich grausames Zeugs zum Grand Prix zu senden. Alles an Jeronimas Auftritt ist entsetzlich: der Song, der süßliches Pianogeklimper mit halbgaren Rockgitarren und billigen Synthietönen zu einer klebrigen Melasse verkocht; sein unsauberes, knödelndes Gejaule, das einen klassischen Tenor vortäuschen soll, stattdessen aber klingt, als singe ein Mops, dem man einen Trichter…
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ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

Ein kollektives, erleichtertes Seufzen ging durch Europa: nach fünf Jahren Vorherrschaft der Show über die Musik siegte endlich wieder ein Lied! Ein sanftes, melodiöses, in der Landessprache gesungenes noch dazu. Eines ganz ohne Choreografie! Allerdings: so ganz stimmte das nicht. Molitva' gewann natürlich auch aufgrund seiner Show - nur, dass diese halt sehr viel unaufdringlicher daherkam als beispielsweise bei den finnischen Monsterrockern. Genau diese charmante Präsentation zärtlicher Solidarität zwischen fünf gut aussehenden und einer stimmgewaltigen Frau (nicht zu vergessen der subtil lesbische Unterton) hob den serbischen Beitrag aus der Flut aufwändiger Tanzchoreografien heraus und führte ihn zum hoch verdienten Sieg.…
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Sechs­ter Super­sams­tag: Eine Bloo­dy Mary, bitte!

Sechs­ter Super­sams­tag: Eine Bloo­dy Mary, bitte!

So langsam geht's auf die Zielgeraden: das früher einmal glanzvolle Eurovisionsland Kroatien hat sich für schlimmen Softrock entscheiden, Litauen folgt dem spanischen Pfad des Easy Listening. Die Zeitansage ist spannender als das... (HR) Okay, fangen wir der Fairness halber mal mit dem Positiven an. Dado Topic, geschätzte 105, sieht nicht nur aus wie der kroatische Keith Richards, er hat auch eine wirklich beeindruckende Reibeisenstimme. So, als gurgle er jeden Tag mehrfach mit 40 rostigen Nägeln und mehreren Flaschen Jack Daniels. Was auch das Aussehen erklären würde. Die Sängerin der Band Dragonfly sieht aus wie ein aus den Achtzigern übriggebliebenes Rockchick…
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ESC-Fina­le 2006: Hard Rock? Hallelujah!

ESC-Fina­le 2006: Hard Rock? Hallelujah!

Dass ich das noch erleben durfte: die Finnen gewinnen! Athen warf ein bis dato unumstößliches Grand-Prix-Gesetz über den Haufen. Was kommt als nächstes? Ein Sieg Portugals? Andorra im Finale? Eine osteuropäische Sängerin, deren Rock die Scham bedeckt? Man darf gespannt sein! Die meistens Fans in der Athener Olympiahalle reagierten geschockt, als der Sieg der Monsterrocker sich abzeichnete. Nur wenige zeigten sich (wie ich) begeistert, unterstützten jede Zwölf-Punkte-Wertung für Lordi mit einem spontanen "Lapponia"-Gesang oder rockten bei der Siegerreprise auf dem Stuhl stehend mit. https://youtu.be/SGnnH2gbsdE Dabei ist 'Hard Rock Hallelujah' unter der harmlos-albernen Monstermaskierung ein echter Gute-Laune-Schlager, zu dem man herrlich…
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ESC-Fina­le 1994: Sie zu berüh­ren ist Sünde

ESC-Fina­le 1994: Sie zu berüh­ren ist Sünde

Ralph Siegel hält sich gerne zugute, dass er den europäischen Musikgeschmack kenne, oder vielmehr den der Jurys. Und ganz kann man ihm da nicht widersprechen: MeKaDo, deren 'Party'-Versuch sich als eines der wenigen schnelleren Stücke des Abends erwies und noch heute als garantierter Tanzflächenfüller bei jeder Eurovisionsdisco funktioniert, erreichten in Dublin den dritten Platz. Der deutsche Grand-Prix-Großvater dürfte sich wohl als Einziger richtig darüber gefreut haben. Denn zu Hause rief das gute Abschneiden Deutschlands nach langer Durststrecke nur noch Ratlosigkeit, Ablehnung und Desinteresse hervor. Ein peinliches Popstück, das niemand kaufen wollte und für das auch keiner abgestimmt hatte, bescherte uns…
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