Norwegen

Das erd­öl­rei­che und son­nen­licht­ar­me König­reich im hohen kal­ten Nor­den glänz­te anfäng­lich über wei­te Stre­cken mit letz­ten Plät­zen und lie­fer­te 1978 mit Jahn Tei­gen den wohl berühm­tes­ten Nil­poin­ter der Grand-Prix-Geschich­te, der dar­auf­hin im Land jedoch als legen­dä­rer Anti­held gefei­ert wurde.
1985, zeit­gleich mit dem Durch­bruch des hei­mi­schen Pop-Tri­os a‑ha auf dem euro­päi­schen Pop­markt, platz­te mit dem “Bob­by­schock” jedoch der Kno­ten. Seit­her hält die Nati­on gut mit den skan­di­na­vi­schen Nach­barn mit. Den Rekord für die meis­ten Roten Later­nen lässt sie sich aber wohl nie mehr nehmen.
Dabei seit: 1960; Sie­ge: 1985, 1995, 2009; Rote Later­nen: 11; Nul­poin­ter: 3.

ESC-Fina­le 1980: Was ist schon ein Jahr?

ESC-Fina­le 1980: Was ist schon ein Jahr?

Den Doppelsieg Israels in den beiden Vorjahren hatten viele Zuschauer/innen mit erbostem Gegrummel quittiert, alberne Vorwürfe der Preisklasse "Alles Politik!" oder "Schiebung!" ließen nicht lange auf sich warten (dass der irische Sieges-Hattrick in den Neunzigern für keinerlei Empörung mehr sorgte, erklärt sich durch das völlige Desinteresse der Medien und der Zuschauer am Eurovision Song Contest in diesem Zeitraum). Lehnte Israel deswegen die nochmalige Austragung des Wettbewerbs ab? Oder fehlte dem Sender IBA schlicht das Geld? Jedenfalls sprang diesmal nicht, wie sonst üblich, die BBC als Veranstalter ein, sondern die im Vorjahr zwölftplatzierten Holländer, die sich die Postkarten zwischen den Songs sparten und…
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ESC-Fina­le 1978: Mei­le um Mei­le um Meile

ESC-Fina­le 1978: Mei­le um Mei­le um Meile

Erstmalig in diesem Jahrzehnt (und letztmalig überhaupt) kam das in den sechziger Jahren so vom Eurovisionserfolg verwöhnte Frankreich wieder zu Gastgeberehren. Was das aus einer aufgedonnerten Schabracke und einem schätzungsweise weit über hundertjährigen Sportreporter mit dem schönen Namen Léon Zitrone bestehende Moderatorenpaar (ein Eurovisions-Novum: bis 1977 führte stets nur ein/e einzelne/r Gastgeber/in durch den Abend) zum Anlass nahm, die Zuschauer zu belehren, dass selbstverständlich ihr Land bislang am häufigsten gewonnen habe. Tja: Hochmut kommt vor dem Fall! Die Bildregie des französischen Fernsehens überzog die Sendung mit einem Weichzeichnerschleier nach Art der Zärtlichen Cousinen, der sämtliche Darbietungen optisch zu einem einzigen pastellfarbenen Matsch…
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ESC-Fina­le 1976: Die Par­ty ist vorbei

ESC-Fina­le 1976: Die Par­ty ist vorbei

Vor ihrer Grand-Prix-Teilnahme kannte man die Les Humphries Singers europaweit als erfolgreiche, multikulturelle Hippiegruppe, die mit 'Mamaloo' oder 'Mexiko' und ähnlichen Titeln eine Latte respektabler Hits vorweisen konnte. Hinterher verschwanden sie in der Versenkung. In Den Haag durfte die üblicherweise bis zu 16 Mann starke Kapelle allerdings auch nur in deutlich dezimierter Zahl auf die Bühne. Zu sechst nämlich, darunter Jürgen Drews (DVE 1990), während ihr Bandleader am Dirigentenpult stand, was ihrer Bühnenpräsenz gar nicht gut tat. Dazu kam der lendenlahme Siegel-'Sing Sang Song', sein erster Grand-Prix-Beitrag fürs Heimatland und ein wahrlich missratener Auftakt. So reichte es wieder nur für einen, diesmal berechtigten, hinteren…
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ESC-Fina­le 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

ESC-Fina­le 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

Grün ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Besonders optimistisch erschienen also die deutschen Vertreter Cindy & Bert zu diesem Grand Prix: Cindy in einem lindgrünen Maxikleid, Bert im popelgrünen Anzug mit giftgrün leuchtendem Sommerschal. Half aber nichts: die von einer ARD-Jury hinter verschlossenen Türen ausgewählte, schwächliche 'Sommermelodie' verendete auf dem letzten Platz. Aufgrund der fehlenden öffentlichen Vorentscheidung und des daraus folgenden mangelnden Interesses am internationalen Wettbewerb sahen das nur 28 % der deutschen TV-Zuschauer:innen. Was man insofern bedauern muss, da auf diese Art und Weise viele Deutsche den historischen Contest schlechthin verpassten. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1973: Du sagst nie­mals nein

ESC-Fina­le 1973: Du sagst nie­mals nein

Die Lustlosigkeit der deutschen Vorentscheidung rächte sich für uns. Die Protagonistin ahnte es bereits im Vorfeld: "Bringst Du Tränen von gestern zurück?", so eine der Fragen aus ihrer wunderbaren, im Vergleich mit den eher Aufbruchsstimmung verbreitenden Beiträgen der letzten Jahre jedoch etwas verzagt wirkenden Hymne 'Junger Tag', welche die Juroren mit einem klaren und eindeutigen "Ja!" beantworteten. Nach drei dritten Rängen in Folge konnte der nunmehrige (rechnerisch korrekte) neunte Platz nur als echte Enttäuschung gelten. Oder lag es an dem Spontanaugenkrebs verursachenden, grellgelben Folklorefummel, den die für Deutschland startende Dänin Gitte Hænning in Luxemburg trug? (mehr …)
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ESC-Fina­le 1971: Ein Staub­korn nur in der Unendlichkeit

ESC-Fina­le 1971: Ein Staub­korn nur in der Unendlichkeit

Heftige Auseinandersetzungen tobten Anfang der Siebzigerjahre hinter den Kulissen des Song Contests, unter anderem um das schon mehrfach geänderte Wertungssystem und über die Besetzung der Jurys. Noch immer gärte der Eklat des Vierfachsieges von 1969 nach, der im Vorjahr für einen Teilboykott durch fünf Länder gesorgt hatte. Selbst Deutschland, seit jeher die unerschütterlichste Eurovisionsnation, drohte mit dem Ausstieg aus der Gemeinschaftsveranstaltung, sollte sie sich nicht endlich dem Zeitgeist annähern. Doch der Grand Prix ist bekanntlich unkaputtbar, und so einigte man sich, ganz europäisch, auf einen Kompromiss. Dessen augenfälligstes Ergebnis war, dass die Jurys jetzt vor der Kamera und damit für…
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Melo­di Grand Prix 1971: Gebt den Kin­dern das Kommando

Melo­di Grand Prix 1971: Gebt den Kin­dern das Kommando

"Dann fangen wir an mit der am meisten geschmähten Fernsehsendung des Jahres:" mit diesen Worten begrüßte der Moderator des norwegischen Vorentscheids 1971, Jan Voigt, die heimischen TV-Zuschauer:innen. Er nahm damit Bezug auf die Debatte um den Siegertitel des Melodi Grand Prix (MGP) 1969 und das absurde Ergebnis beim Eurovision Song Contest in Madrid, das zu einem Boykott des Wettbewerbs durch die skandinavischen Länder im Jahre 1970 geführt hatte. Das Nachbeben spürte man bis in diese Sendung: gleich zu Beginn stellte Voigt die im Studio anwesenden und offen abstimmenden 14 norwegischen Juror:innen, davon ein Drittel weiblichen Geschlechts, namentlich vor. Für die…
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ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

Es hätte eine Warnung sein können: bereits im Jahre 1968 erschien in Frankreich die mit dem (gefakten) Werbesticker "Offizielles Lied Liechtensteins für den Eurovision Song Contest 1969" versehene Single 'Un beau Matin', eine possierliche Parodie auf den europäischen Gesangswettbewerb, in der eine Sängerin namens Vichy mit hoher Stimme über einen zuckrigen Geigenteppich Harmlosigkeiten über dort teilnehmenden Nationen intonierte. Nun war der an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz liegende, winzige Stadtstaat nie Mitglied der EBU und durfte daher gar nicht teilnehmen. Dass man sich aber mittlerweile über die nach wie vor mit staatstragendem Pomp zelebrierte Veranstaltung so belustigte, war…
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Melo­di Grand Prix 1969: Kenn­wort Vorurteilsfrei

Melo­di Grand Prix 1969: Kenn­wort Vorurteilsfrei

Die zehnte Ausgabe des norwegischen Eurovisionsvorentscheids sorgte für eine wochenlange, erregt geführte öffentliche Debatte hart an der Grenze zu einem Krieg der Kulturen. Sowie gar zu einer zeitweiligen Verschlechterung des norwegisch-dänischen Verhältnisses. Dabei gestaltete sich die etwas über einstündige Sendung für sich genommen gar nicht so spektakulär, auch wenn der verantwortliche Sender NRK eine grundlegende Regeländerung vorgenommen hatte: anstatt des bislang praktizierten Verfahrens, jeden Beitrag in zwei unterschiedlich instrumentierten Fassungen mit verschiedenen Interpret:innen darzubieten, stellte man diesmal jedes Lied nur einmal vor. Dafür verdoppelte man das Feld: zusätzlich zu den fünf von einer Jury aus den 418 Einsendungen eines offenen…
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ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den angeblich von…
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Melo­di Grand Prix 1968: The Ven­ga­bus is coming

Melo­di Grand Prix 1968: The Ven­ga­bus is coming

Die norwegische Melodi Grand Prix lief 1968 exakt so ab wie auch die heimischen Vorentscheidungen in den Jahren zuvor: es gab fünf Songs und fünf Interpret:innen, die man alle bereits von vorausgegangenen Veranstaltungen kannte, inklusive des in Deutschland geborenen und nach dem zweiten Weltkrieg nach Oslo ausgewanderten Per Müller. Jeder der Beiträge kam zweifach zur Aufführung, einmal begleitet von einer kleinen Band und einmal von einem großen Orchester. Zehn regionale Jurys stimmten ab und am Ende gewann der sowohl von der MGP-Dauerteilnehmerin Kirsti Sparboe als auch von Odd Børre Sørensen interpretierte, jazzige Liebesschlager 'Jag har aldri vært så glad i…
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ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

Wahrlich keinen würdigeren Gastgeber hätte es für diesen, den Übergang zwischen Tradition und Moderne markierenden Eurovisionsjahrgang geben können als den ORF. Mit der Wahl des Festsaals der kaiserlichen Wiener Hofburg als Veranstaltungsort steuerten die Österreicher die uneinholbar nobelste Location, in welcher der Grand Prix jemals gastierte, zum Geschehen bei. Üppige Blumenarrangements auf der Bühne, gerne ins Bild gerückte gigantische Kronleuchter an den hohen Stuckdecken, die festliche Abendgarderobe des handverlesenen Saalpublikums, ein exzellentes Orchester und die traditionsreichen Wiener Hofknaben als Pausenprogramm sorgten im letzten Jahr des Schwarzweißfernsehens für einen regelrecht imperialen Glanz beim europäischen Chansonwettbewerb. Gleichzeitig bemühte man sich mit riesigen…
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Melo­di Grand Prix 1967: Hey, Mr. Tam­bou­rine Man!

Melo­di Grand Prix 1967: Hey, Mr. Tam­bou­rine Man!

Hoch oben im Norden gelegen, gehört das Königreich Norwegen nicht unbedingt zu den sonnenverwöhntesten Ländern Europas, und die Düsternis der Umgebung schlägt sich natürlich aufs Gemüt seiner Bewohner:innen und in der Folge auch in den Songtexten der Grand-Prix-Beiträge der Halbinsel nieder. So zum Beispiel beim 'Dukkemann', dem Siegertitel des Melodi Grand Prix (MGP) 1967, vordergründig ein fröhlich klingendes Lied über eine Marionette, ein beim Eurovision Song Contest bekanntlich gerne genommenes Thema. Was Kirsti Sparboe da in einem Outfit darbot, das nur als Kreuzung aus angeglimmerten Sträflingsklamotten und Schlafanzug bezeichnet werden kann und bereits den befremdlichen Golden-Girls-Chic der späten Achtziger vorwegnahm,…
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ESC-Fina­le 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

ESC-Fina­le 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

Das zehnjährige Jubliäum des Eurovision Song Contests nahm die EBU zum Anlass, im Frühjahr 1966 bei den teilnehmenden TV-Anstalten Wünschen und Ideen für die zukünftige Gestaltung des Wettbewerbs zu sammeln. Dabei zeigten sich regional unterschiedliche Schwerpunkte, wie Gordon Roxburgh in der Fibel Songs for Europe auflistet: so insistierten die skandinavischen Sender, dass der "musikalischen Qualität" der Beiträge die absolute Priorität einzuräumen sei. Die westeuropäischen Anstalten wie die ARD, das belgische BRT, der ORF und das französische Fernsehen wollten vor allem die als zu hoch empfundene Teilnehmerzahl von zuletzt 18 Nationen reduzieren und schlugen verschiedene Formate für Semifinale vor, wie sie…
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Melo­di Grand Prix 1966: We’­re not gon­na take it

Melo­di Grand Prix 1966: We’­re not gon­na take it

Sie hatte ein ganz klein wenig was von einem feministischen Folk-Festival, die norwegische Eurovisions-Vorentscheidung Melodi Grand Prix (MGP) im Jahre 1966. Was nicht nur daran lag, dass ausschließlich Frauen sangen. Nein, auch der eine oder andere der insgesamt fünf dort vorgestellten Titel verströmte einen leisen, leichten Hauch von Auflehnung und Rebellion, sei es durch seine Instrumentierung, seinen Text oder seine Interpretation. Interessanterweise stammten diese Lieder allesamt aus der schöpferischen Hand eines einzelnen Mannes, nämlich des norwegischen Komponisten und Eurovisions-Vertreters von 1964, Arne Bendiksen. Was auch vor dem weiteren Hintergrund bemerkenswert erscheint, dass eine sendereigene Jury diese fünf - in jeweils…
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Melo­di Grand Prix 1965: Nur die aller­bes­te Melkmaschine

Melo­di Grand Prix 1965: Nur die aller­bes­te Melkmaschine

Erfrischend kurz war er, der sechste Norsk Melodi Grand Prix: nur etwas über eine halbe Stunde brauchte man für die Anmoderation und die Vorstellung der fünf zur Wahl stehenden Titel, dargeboten jeweils von zwei verschiedenen Interpret:innen in unterschiedlichen Instrumentierungen. Was dem Sender NRK die Chance gab, vermittels einer geschickten Choreographie von dem dürren musikalischen Angebot abzulenken: im ersten Durchgang präsentierte man die Lieder mit einer auf das Notwendigste reduzierten Begleitband, gewissermaßen in einer besonders intimen Fassung. Nachdem sich das Publikum so einen Überblick über das Menü verschaffen und jede:r für sich persönlich schon mal den am wenigsten furchtbarsten Titel bestimmen…
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Melo­di Grand Prix 1964: Für immer jung

Melo­di Grand Prix 1964: Für immer jung

Man könnte es als eine Art von Lehrstunde zum Thema Generationenkonflikt bezeichnen, was sich beim norwegischen Eurovisionsvorentscheid von 1964 abspielte. Und was auf seine eher spielerische Weise das reflektierte, was in der echten Popwelt draußen seit kurzer Zeit in Form des massiven Durchmarsches von Bands wie den Beatles passierte, begleitet von hysterischem Verhalten der jugendlichen Fans, die in ihrem Übermut ganze Konzertsäle zerlegten, sowie vom völligen Unverständnis und der schroffen Ablehnung der "langhaarigen Gammler" durch die Erwachsenengeneration, die in ihnen eine Bedrohung für die bestehende gesellschaftliche Ruhe und Ordnung sah. Lustigerweise repräsentierte beim Melodi Grand Prix (MGP) ein Mann gleich…
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ESC-Fina­le 1963: Melo­die einer Nacht

ESC-Fina­le 1963: Melo­die einer Nacht

Die von etlichen europäischen Sendeanstalten (einschließlich der ARD) aus finanziellen Gründen sehr gefürchtete Eurovisionsregel, wonach der Sieger des Wettbewerbs im Folgejahr prinzipiell den Contest austragen soll (nicht: muss), existiert bereits seit seit dem zweiten Jahr seines Bestehens, also seit 1957. Doch nicht jeder glückliche Gewinner verhält sich regelkonform: dem schlechten Beispiel der Niederlande folgend, weigerte sich heuer das innerhalb von nur sechs Jahren bereits zum dritten Male (nämlich 1958, 1960 und 1962) viktoriöse Frankreich, die Show zu organisieren und alleine finanziell zu stemmen. Das mondäne Cannes, wo der Wettbewerb bereits 1959 und 1961 stattgefunden hatte, entwickelte sich - nicht zuletzt aufgrund der jährlichen…
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Melo­di Grand Prix 1963: Blon­di­ne in Fesseln

Melo­di Grand Prix 1963: Blon­di­ne in Fesseln

„Es ist offensichtlich das Ergebnis einer Qualitätsbewertung,“ so selbstkritisch-maliziös kommentierte der Pressechef des veranstaltenden norwegischen Rundfunks NRK gegenüber der Tageszeitung Dagbladet den Umstand, dass der Sender den Melodi Grand Prix (MGP) 1963 nicht (auch) im Radio übertrug, wie in den Vorjahren üblich, sondern ausschließlich im Fernsehen, das zu diesem Zeitpunkt alleine schon aus technischen Gründen nur ein knappes Viertel der norwegischen Haushalte erreichte. Auch die Zeitung hämte, dass den Radio-Zuhörer:innen da wohl einiges erspart geblieben sei, und das Konkurrenzblatt Aftenposten ergänzte Salz-in-die-Wunden-streuend, "alle fünf Kompositionen," die ein lediglich dreiköpfiges Senderkomitee aus 221 Einsendungen auswählte, "könnten leichthin bereits vor dreißig Jahren…
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ESC-Fina­le 1962: Ring a tipi tii ding

ESC-Fina­le 1962: Ring a tipi tii ding

Luxemburg, das 1962 als Gastgeber für den Eurovision Song Contest fungierte, gilt im Allgemeinen als finanziell wohlsituierte europäische Steuerfluchtoase. Um so merkwürdiger muteten die anhaltenden Stromschwankungen und mehrfachen Lichtausfälle im RTL-Auditorium während der Grand-Prix-Übertragung an, die den Zuschauer:innen infrastrukturell eher den Eindruck eines Dritte-Welt-Landes (oder der heutigen USA) vermittelten. Wohl auch, um Kosten zu sparen, gestaltete der Sender des Großherzogtums den Ablauf der Show ziemlich zügig, die Lieder folgten fast nahtlos aufeinander. Das Anziehen des Tempos übertrug sich in wohltuender Weise ebenfalls auf das senderseitig gestellte, erstaunlich druckvoll und präzise aufspielende Orchester. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, Rhythmusinstrumente wie…
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Melo­di Grand Prix 1962: Auf den Hund gekommen

Melo­di Grand Prix 1962: Auf den Hund gekommen

"Am besten wäre es, sie schickten den Hund," mit dieser harschen Kritik am norwegischen Melodi Grand Prix (MGP) 1962 bezog sich die dänische Tageszeitung Verdens Gang auf die Jazzsängerin Laila Dalseth, eine von zwei Interpretinnen des Siegersongs dieser Vorentscheidung, die bei ihrem Auftritt einen niedlichen Welpen im Arm trug. Eine sympathiepunkteförderliche Strategie, die beim Eurovision Song Contest selbst bekanntermaßen streng verboten ist. Und so durfte dann auch statt der für ihre Verdienste ums norwegische Jazzwesen mehrfach preisgekrönten Dalseth die Operettensängerin und Schauspielerin Inger Jacobsen nach Luxemburg fahren, wo sie mit lediglich zwei Pünktchen unter "ferner liefen" landete. Jacobsen hatte bereits…
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Melo­di Grand Prix 1961: Bit­te bitte

Melo­di Grand Prix 1961: Bit­te bitte

"Anstatt die beste Melodie zu finden, bestand die Aufgabe der Jury darin, zu bestimmen, welche die am wenigsten schlechte war," so beschrieb sehr pointiert eine norwegische Tageszeitung das Elend bei der zweiten Ausgabe des heimatlichen Vorentscheidungsformats Melodi Grand Prix (MGP) im Jahre 1961. Das hing, wie in Deutschland, unter anderem mit dem Einfluss der Lobbys zusammen: genau wie die ARD handhabte der Sender NRK die Eurovision und die nationale Vorrunde als Komponistenwettbewerb, für die der norwegische Songschreiberverband das alleinige Vorschlagsrecht besaß. Knapp 350 Lieder waren nach entsprechender Aufforderung beim Sender eingetrudelt, und der Vorsitzende der NRK-Auswahljury, Ragnar Kierulf, bestätigte, es sei ausgesprochen…
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ESC-Fina­le 1960: I shall die, die, die

ESC-Fina­le 1960: I shall die, die, die

Es ist ein offenes Eurovisionsgeheimnis: nicht alle Delegationsleiter:innen freuen sich unbedingt, wenn ihre Künstler:innen den Grand Prix gewinnen! Schließlich verbindet sich beim Song Contest mit dem Sieg die feste Erwartung, im nächsten Jahr die Show zu organisieren, womit massive Kosten auf die betroffene TV-Station zukommen. Heutzutage wird ein kleinerer Anteil davon durch die Startgebühren der einzelnen Länder aufgefangen, doch in den Anfangsjahren musste die ausrichtende Rundfunkanstalt die Sendung finanziell noch komplett alleine stemmen. Den Niederländern, die 1959 zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gewonnen hatten, ging Sparsamkeit über Nationalstolz: sie sagten schlicht "nee". Selbstlos sprang (übrigens nicht zum letzten…
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Melo­di Grand Prix 1960: Nur Sams­tag Nacht

Melo­di Grand Prix 1960: Nur Sams­tag Nacht

Was für ein grandioser Start! Das 1960 erstmalig am Eurovision Song Contest teilnehmende Norwegen, bis heute Rekordhalter im Sammeln von Roten Laternen, bediente sich bereits von Anfang an des über die Jahre immer mal wieder inhaltlich sanft angepassten, aber stets unter dem gleichen Namen laufenden Vorentscheidungsformates Melodi Grand Prix (MGP). Dem ging zur Premiere ein im Radio ausgetragenes Semi voraus, bei dem lediglich zwei Sänger:innen, nämlich der Schnulzier und Kabarettist Jens Book-Jenssen und Inger Jacobsen, sämtliche elf Titel interpretierten. Geplant war, dass fünf Beiträge ins Finale einziehen sollten, aufgrund von Punktegleichheit der drei Viertplatzierten wurden daraus jedoch sechs. Darunter fanden sich…
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