Polen

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2021: When you know the Lips to sync

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2021: When you know the Lips to sync

Wenn wir aus der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde für den Eurovision Song Contest 2021 eine einzige zentrale Erkenntnis ableiten können, dann die, was für eine von Anfang an hirnrissige Idee der EBU es doch war, erstmalig in der Grand-Prix-Geschichte das Teilplayback zuzulassen, also Chorstimmen vom Band. Vonseiten der Schweden, die das beim Melodifestivalen schon seit geraumer Zeit praktizieren, seit Jahren beharrlich gepusht, musste nun Corona und die Möglichkeit für die Delegationen, die Anzahl der Personen auf der Bühne und damit das Ansteckungsrisiko zu verringern, als langersehnte Ausrede herhalten, diesen Unfug "probeweise" auch beim europäischen Wettbewerb durchzusetzen. Gerade am gestrigen, musikalisch im…
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Polen 2021: Are you taking the PiS?

Polen 2021: Are you taking the PiS?

Der frühere Wrestler, Sänger und TV-Moderator Rafał Brzozowski wird Polen beim Eurovision Song Contest 2021 mit dem Titel 'The Ride' vertreten. Das gab der Sender TVP heute Morgen bekannt. Der 39jährige ist ausgebildeter Sportlehrer, aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung musste er seine Karriere als Wrestler beenden. Er moderiert mehrere Shows im polnischen Fernsehen, beim Junior-ESC 2020 fungierte er als einer der Gastgeber. 2017 nahm er mit der musikalisch erbärmlichen und textlich umstrittenen Ballade 'Sky over Europe' an der Krajowe Eliminacje teil, wo er Zweiter wurde. Sein aktueller, aus schwedischer Fließbandfertigung stammender Beitrag geht in die entgegengesetzte, uptemporäre Richtung und kommt im gefälligen…
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Türk­vi­zyon-Fina­le 2020: Und täg­lich grüßt der Schnelldurchlauf

Türk­vi­zyon-Fina­le 2020: Und täg­lich grüßt der Schnelldurchlauf

Man hätte es ja ahnen können. Nicht umsonst heißt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Und von Recep bis Recap, dem englischen Wort für den Schnelldurchlauf, ist es nur ein Buchstabe. Dennoch erwies sich die gestern am frühen Abend nach über fünfjähriger Zwangspause und fünfstündiger Sendedauer zu Ende gegangene vierte Ausgabe der Türkvizyon selbst für den geduldigsten Eurovisionsfan, der schon durch die Stahlbäder des Festivali i Kënges, der Melodi pentru Europa und von San Remo gegangen ist, als extreme Geduldsprobe. Da das Einsammeln, Auszählen und wohl vor allem die grafische Darstellung der Jurystimmen beim Songcontest der Turkvölker sich um einige…
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Türk­vi­zyon 2020: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Türk­vi­zyon 2020: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Höchste Zeit für ein Update zum Songcontest der Turkvölker, dem Türkvizyon Şarkı Yarışması, der nach knapp fünfjähriger Pause heuer wieder stattfindet. Und zwar, so verkündete es der für die Organisation zuständige türkische Musiksender TMB vor Kurzem, am Sonntag, dem 20. Dezember 2020 (zur Uhrzeit und den Übertragungskanälen ist noch nichts Näheres bekannt). Ein ursprünglich avisiertes Semifinale scheint damit vom Tisch, was die Vermutung nahelegt, dass nicht mehr all zu viele weitere zu den bis dato verkündeten 19 Partizipant:innen aus dem turksprachigen Kulturraum hinzustoßen werden. Wobei verlässliche Vorhersagen bei diesem traditionell chaotisch organisierten und kommunizierten Wettbewerb praktisch unmöglich sind. Deutschland, eines…
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World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit zahllosen Beteiligten, dessen schaurig-morbider Faszination man sich über geschlagene vier Stunden nicht zu entziehen vermochte, so lässt sich das gestrige deutsche Eurovisions-Halbfinale 2020 beschreiben. Mit welchem die ARD versuchte, trotz der seuchenbedingten Absage des offiziellen europaweiten Wettbewerbs wenigstens auf nationaler Ebene ein adäquates Ersatz-Event auf die Beine zu stellen, wofür der Senderverbund gar nicht oft genug gelobt werden kann. Grundsätzlich nicht verkehrt auch die Idee zur Zusammenarbeit mit Funk, der hauseigenen Youtube-Spielwiese, mit welcher die Öffentlich-Rechtlichen darauf reagieren, dass Zuschauer:innen unter 30 mittlerweile durch klassisches lineares Fernsehen praktisch nicht mehr zu erreichen sind. Zu Funk gehören…
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Szan­sa na Suk­ces 2020: der Sieg der Lautstärke

Szan­sa na Suk­ces 2020: der Sieg der Lautstärke

Wenn ein noch absurderes Vorentscheidungssystem existiert als das slowenische, dann das polnische. Wiewohl das Format Szansa na Sukces dem Sender TVP gleich zwei Siege in Folge beim Junior-ESC bescherte. Unter grotesk hohem Blutzoll: gleich 21 junge, aktuelle Künstler:innen stellten sich heuer in drei Vorrunden zum nationalen Vorentscheid zur Wahl. Sie durften dort allerdings nicht ihre eigenen Lieder singen, sondern mussten sich an thematisch vorgegebenen, steinalten Oldies versuchen, die natürlich nicht dem musikalischen Stil der Teilnehmer:innen entsprachen und damit über keinerlei Aussagekraft verfügten. Dennoch bildeten sie die Grundlage für die Auslese: nur die drei Anpassungsfähigsten überlebten das völlig unnötige Blutbad. Und…
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Das Bela­rus-Gate: zu dumm zum Manipulieren

Das Bela­rus-Gate: zu dumm zum Manipulieren

Peinlich: der EBU unterlief beim Zusammenrechnen der Jury-Ergebnisse im Finale des diesjährigen Eurovision Song Contest ein derartig frappierender Fehler, dass die Wertung heute korrigiert werden musste. In einem Statement bestätigte die EBU, was ein nerdiger Grand-Prix-Fan bereits am Sonntag entdeckt hatte: bei der Ermittlung des "aggregierten" weißrussischen Jury-Ersatzergebnisses erhielten versehentlich nicht die besten Zehn Punkte, sondern die Schlechtesten. Dies ändert zwar nichts am Gesamtsieg des niedlichen Niederländers Duncan Laurence, bedeutet aber unter anderem, dass nicht, wie in der Live-Show verkündet, der schnucklige Schwede John Lundvik Jurysieger wurde, sondern die taffe Tamara Todevska aus Nordmazedonien mit ihrer fantastischen Female-Empowerment-Hymne 'Proud'. Die…
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Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sahnemantel

Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sahnemantel

Ein weiterer Eurovisionsjahrgang liegt hinter uns. Einer, bei dem, so der kluge Kommentar der ORF-Beobachter Sophia Felbermair und Christian Körber, die "nachdenklichen Männer, die doch Gefühle zeigen" die Medaillenplätze belegten und so den gesellschaftlichen Gegenentwurf bildeten zum Modell der toxischen Männlichkeit, wie es sich derzeit leider vor allem in der Politik manifestiert. Zeit, die Geschehnisse abzuschließen mit der traditionellen Betrachtung des Split-Voting-Ergebnisses in den beiden Qualifikationsrunden. Und die führt uns zunächst einmal zurück nach Wien anno 2015, fand doch heuer eine unfreiwillige Neuauflage der deutsch-österreichischen Doppelnull im Jahre 1 n.C. (nach Conchita) statt. Denn nicht nur die germanischen Casting-Sisters kassierten…
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Ers­tes ESC-Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Ers­tes ESC-Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zweifach erfuhr die fabelhafte Dana International, die 1998 beim Eurovision Song Contest in Birmingham den mit weitem Abstand bedeutsamsten Sieg in der über sechzigjährigen Geschichte des Grand Prix errang, die ihr gebührende Ehrung im gestrigen ersten Semifinale 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Interval Act auftrat. Der für seine 40 Lenze erstaunlich jung aussehende Assi Azar, einer der überflüssigerweise erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benannte die offensichtlich in den selben Jungbrunnen gefallene LGBTQI*-Ikone in seiner Anmoderation als sein persönliches Idol. War es doch ihr seinerzeitiger Sieg, der dem damals Zwanzigjährigen aus dem Versteck half und ihm die…
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Rank and File 2019: Platz 9 – Pali się

Rank and File 2019: Platz 9 – Pali się

Auf wenig Gegenliebe stieß der nächste Titel im aufrechtgehn.de-Ranking bislang in den internationalen Fan-Foren. Von daher bin ich mal auf Eure Reaktionen gespannt auf meinen Platz 9: Polen - Tulia: Pali się (Es brennt) Zugegeben: auch bei dem vom unter der Knute der autokratischen polnischen Rechts-Regierung stehenden Sender TVP intern ausgewählten Beitrag handelt es sich um einen Marmite-Song, also ein Lied, das man augenblicklich hasst oder liebt. Von denen gibt es 2019 gar nicht so wenige, und das alleine ist schon mal ein sicheres Zeichen für einen guten Jahrgang. Die vier stets in traditionellen Trachten auftretenden Damen um die Namenspatronin…
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Das Bes­te und die Res­te: mehr Lie­der für Tel Aviv

Das Bes­te und die Res­te: mehr Lie­der für Tel Aviv

Mit Riesenschritten nähern wir uns dem Ende der Vorentscheidungssaison 2019. Mit dem Finale des schwedischen Melodifestivalen steht an diesem Samstag der letzte öffentliche Vorentscheid an. Ausgerechnet all jene Nationen, die zu faul oder zu geizig waren, einen solchen zu organisieren, haben sich nun verabredet, Fans und Eurovisionsblogger in den Stressinfarkt zu schicken, in dem sie all ihre - teils seit vielen Wochen im Tresor gebunkerten - Beiträge mehr oder minder gleichzeitig veröffentlichten. Den Beginn in unserer kleinen Werkschau macht das mittlerweile auch vonseiten der EBU offiziell umbenannte Nordmazedonien, das als einzige der beteiligten Nationen einen validen Grund vorweisen kann, seinen…
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Inter­pre­ten­kür 2019: Polen lie­fert den Sound­track des Rollbacks

Inter­pre­ten­kür 2019: Polen lie­fert den Sound­track des Rollbacks

Nach einiger Verzögerung gegenüber dem ursprünglich avisierten Veröffentlichungstermin gab das polnische Fernsehen TVP am gestrigen Donnerstag seine Vertreterinnen für den Eurovision Song Contest 2019 bekannt: das Damenquartett Tulia, bestehend aus den Sängerinnen Patrycja Nowicka, Dominika Siepka, Joanna Sinkiewicz und der Namenspatronin Tulia Biczak. Das erst 2018 gegründete, im Lande ausgesprochen erfolgreiche Quartett, das sich der traditionellen slawischen Stimmtechnik des Weißen Gesangs bedient, interpretiert gerne Pop- und Rockklassiker im folkloristischen Stil, hat aber auch eigene Folkrocksongs im Repertoire und liefert damit, vermutlich unbeabsichtigt, so etwas wie den Soundtrack zum aktuellen ultrakonservativen gesellschaftlichen und politischen Rollback (nicht nur) in ihrem Heimatland. Dazu passt auch…
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Zwei­tes ESC-Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Zwei­tes ESC-Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tatsächlich geschafft. Der mutmaßliche, sinistere Plan der Russen, erstmalig seit der Einführung der Qualifikationsrunden im Jahre 2004 in einer solchen auszuscheiden, ging auf. Zum zweiten Mal hintereinander wies das kaltherzige Europa die im Rollstuhl sitzende Interpretin Julia Samoylova ab: 2017 aus politischen Gründen, 2018 aus purer Bösartigkeit und in Negierung des von der EBU verbreiteten Märchens der Inklusion, die beim Eurovision Song Contest eben nur für bärtige Frauen gilt. So vermutlich die Melodie des Liedes, welches Putins Staatsmedien ab sofort verbreiten dürften. Dabei tat das russische Team selbst alles, um den Finaleinzug zu verhindern: es versorgte seine…
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Auf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lissabon

Auf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lissabon

Sanft gestaltete sich der Start in Tag heute Morgen für die nach Lissabon gereisten Blogger/innen. Denn der vierte Probentag begann mit dem georgischen Beitrag. Die Kaukasusrepublik schickt in diesem Jahr bekanntlich die offiziell so benannte Ethno-Jazz Band Iriao - und betreibt mit dieser Auslobung klaren Etikettenschwindel. Schließlich hat das, was die für den ESC-Auftritt vom Septett zum Quintett geschrumpfte Formation in Portugal singt, weder etwas mit Ethno zu tun, noch mit Jazz. Stattdessen nehmen die Fünf, wie mir diesbezüglich bewanderte Quellen glaubhaft versicherten, die Melodie irgendeines uralten christlichen Kirchenliedes und tarnen diese mit Harmoniegesang in Landessprache. Das Ganze tun sie in…
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Kra­jo­we Eli­mi­nac­je 2018: Zwei zum Preis von einem

Kra­jo­we Eli­mi­nac­je 2018: Zwei zum Preis von einem

Ein schwacher Silberstreif in der endlosen Düsternis: so könnte man die gestrige polnische Vorentscheidung Krajowe Eliminacje bezeichnen. Zehn fast durchgängig okaye, also ohne größere Schmerzen anhörbare Popsongs mit einer ansehnlichen stilistischen Bandbreite fuhr der Sender TVP in Warschau auf. Und das reichte an diesem Superkatastrophensamstag der eurovisionären Schrecknisse bereits, sich positiv herausheben aus der unendlichen europaweiten Finsternis. Dank der klugen Wahl der polnischen Televoter/innen - auch nichts, das man zwangsläufig voraussetzen kann - siegte mit dem passend betitelten 'Light me up' eine Art von Liedkonglomerat. Anfänglich noch ein hundsordinärer, radiokompatibler Poprocksong, von dem langhaarigen, spindeldürren, knopfäugigen Schweden Lukas Meijer ein wenig winselig…
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Euro­vi­si­on Death­match #9: The dire Wire is on Fire

Nichts klassifiziert einen Song so sehr als "typisch Grand Prix" wie der immer wieder gerne genommene Fire-Desire-Reim. Besonders Länder wie Malta und Rumänien machten sich in der Vergangenheit schon des Öfteren dieses Verbrechens schuldig. Doch die stehen beim heutigen Eurovision Deathmatch gar nicht in der Arena, denn zwischenzeitlich legten andere Nationen diesbezüglich noch einen drauf. So wie beispielsweise Bulgarien, das unseren ersten Kombattanten schickt, den intern ausgewählten Kristian Kostov, nicht nur der jüngste Teilnehmer des aktuellen Jahrgangs, sondern auch der erste in diesem Jahrtausend Geborene - Gott, ich bin so alt *grein*! Kristian führt einen sprechend betitelten Beitrag namens 'Beautiful Mess' mit sich: eine mit glockenheller,…
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Kra­jo­we Eli­mi­nac­je 2017: die Krä­he auf dem Drahtseil

Kra­jo­we Eli­mi­nac­je 2017: die Krä­he auf dem Drahtseil

Für einen kleinen Moment glimmte noch schwach Hoffnung auf, als das polnische Fernsehen bei der heutigen Eurovisionsvorentscheidung Krajowe Eliminacje einen Schnelldurchlauf der bereits in den anderen europäischen Nationen ausgewählten Grand-Prix-Beiträge zeigte. Würden, so wie bei Unser Song 2017, als diese Werkschau für einen plötzlichen, dramatischen Stimmungsumschwung hinsichtlich des auszuwählenden Lieds sorgte, auch die Polen instinktiv begreifen, dass die Quote für düstere, dramatische Balladen im Jahrgang 2017 bereits deutlich übererfüllt ist? Um es kurz zu machen: sie taten es nicht. Übereinstimmend bestimmte die fünfköpfige, zu 50% wertungsberechtigte Jury die hagere Blondine Kasia Moś mit ihrem nervtötenden (wenn auch sauber intonierten) Geschrei über eine 'Fleshlight', Verzeihung, das…
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Türk­vi­zyon 2016: auch Polen debütiert

Türk­vi­zyon 2016: auch Polen debütiert

Die Gerüchte existierten schon länger, heute bestätigten sie sich: neben Lettland, Schweden, den Niederlanden und Moldawien treten auch unsere polnischen Nachbarn 2016 erstmals beim osmanischen Gegenentwurf zum Eurovision Song Contest, der Türkvizyon, an. Und auch hier bewahrheitet sich erneut, dass der türkische Eurovisionsableger in besonderer Zahl besonders ehrgeizige Kombattant/innen anzieht, die sich in den verschiedenen nationalen Grand-Prix-Vorentscheidungen noch nicht durchsetzen konnten: Olga Shimanskaya (in deutscher Schreibung: Olga Schimanskaja) vertritt nämlich den Weichselstaat in Istanbul, ihres Zeichens Leadsängerin des weißrussischen (!) Musikprojektes Napoli. Das versuchte es seit 2014 durchgehend beim Vorentscheid in Minsk und erzielte 2016 - da bereits vom Trio zur Solosängerin…
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Zwei­tes ESC-Semi 2016: der sich den Wolf tanzt

Zwei­tes ESC-Semi 2016: der sich den Wolf tanzt

"Måns ist sehr enttäuscht": das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte - im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper…
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Klei­der­ka­ta­stro­phen und Gän­se­haut: die Pro­ben zum zwei­ten Semi 2016

Und weiter geht's mit der noch ausstehenden Kommentierung zu den ersten Probedurchläufen des zweiten Semifinales. Der Lette Justs darf dieses mit seinem von der Vorjahresteilnehmerin Aminata geschriebenen Elektrokracher 'Heartbeat' eröffnen, ebenso wie die Proben am Mittwoch. Dort gab er schon mal alles, was ihm zwar Lob bei den Bloggern eintrug, sich im dritten Durchgang dann aber stimmlich bemerkbar machte. Haushalten mit den Kräften ist hier die Devise! Leider müssen wir erneut auf den Riga-Biber verzichten, ansonsten gibt es eine visuell etwas aufgebügelte Version des Vorentscheidungsauftritts, was auch gut funktioniert. Nur die Paola-Gedächtnis-Föhnwelle von Justs stört mich nach wie vor. Kann…
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Kei­ne Ster­ne in Tel Aviv: die ers­ten ESC-Remi­xe sind da!

Mit dem schwedischen Melodifestivalen, traditionell immer nur wenige Tage vor dem offiziellen Abgabetermin aller Beiträge bei der EBU terminiert, ging gestern Abend die Vorentscheidungssaison für den Eurovisionsjahrgang 2016 zu Ende. Noch aber wartet die Welt mit angehaltenem Atem auf zwei offene Beiträge und zwei ESC-Versionen bereits gewählter Titel. Während bereits seit geraumer Zeit feststeht, dass die Albanerin Enada Tarifa ihr in der Originalfassung sterbensschönes 'Përrallë' in Stockholm in einer (noch nicht veröffentlichen) anglifizierten Version als 'Fairytale Love' verhunzt, stieg in Rom noch immer kein weißer Rauch auf: ob die San-Remo-Zweite Francesca Miechelin 'Nessun Grade di Separazione', wie von den Fans…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Von blon­dier­ten Bar­bies und toten Schlagerdiven

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Von blon­dier­ten Bar­bies und toten Schlagerdiven

So, ein verregneter Sonntagnachmittag, noch ein paar Minuten bis zum Beginn des rumänischen Vorentscheidungsfinales: kurz Zeit also, über einige Phänomene der letzten Tage zu sinnieren. Beginnen wir zunächst mit dem scheinbar merkwürdigen Abstimmungsverhalten in einigen Ländern und den dazugehörigen Hintergründen. Da ist das allgemein unerwartete und schockierende Ergebnis in Polen, wo die Zuschauer/innen eine zottelige Jack-Sparrow-Kopie wählten und den von vielen Fans bereits als möglichen Siegertitel des ESC 2016 gehandelten Song 'Cool me down' von Margaret verschmähten. Was vielleicht weniger verwundert, wenn man sich vor Augen führt, dass der Sender TVP beim gestrigen Televoting pro Anschluss lediglich einen Anruf wertete. Sicherlich fairer…
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Kra­jo­we Eli­mi­nac­je 2016: wer hat nur die­sen Spa­cken gewählt?

Kra­jo­we Eli­mi­nac­je 2016: wer hat nur die­sen Spa­cken gewählt?

Den vermutlich größten Schockmoment der laufenden Eurovisionssaison bescherten gestern Abend die polnischen Televoter/innen dem fassungslos japsenden restlichen Europa. Seit der Bekanntgabe des neunköpfigen Teilnehmerfeldes der Krajowe Eliminacje war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Eurovisionslegende Edyta Górniak (PL 1994) und einer gewissen Margaret vorhergesagt worden. In sicherer Erwartung des Sieges der letztgenannten Sängerin und ihres rihannesken 'Cool me down' lag das Land in den Wettquoten bereits ganz oben - bis zur Bekanntgabe des Televoting-Ergebnisses. Die alleine stimmberechtigten Anrufer/innen wählten nämlich zum kollektiven Entsetzen aller Zuschauer/innen außerhalb Polens mit knapp 36% den ehemaligen X-Factor-Teilnehmer Michał Szpak, optisch am ehesten als Jack-Sparrow-Parodie in einer schlimmen Milli-Vanilli-Gedächtnisjacke zu beschreiben, zu…
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Polen: EU-Prü­fung, aber kein ESC-Ausschluss

Polen: EU-Prü­fung, aber kein ESC-Ausschluss

"Polen droht Ausschluss vom Eurovision Song Contest": mit dieser Schlagzeile machte Spiegel Online heute Mittag auf. Die im Artikel geäußerte Behauptung, die EBU prüfe derzeit, ob das umstrittene neue polnische Mediengesetz, das die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks TVP bedroht und den Sender faktisch unter Aufsicht der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit stellt, gegen die Statuten der Rundfunkunion verstoße, was zu einem "Ausschluss vom ESC" führen könne, basierte dabei auf einer entsprechenden Meldung des amerikanischen Blogs Politico. Und wurde aus Genf umgehend zurückgewiesen: "TVP und Polskie Radio bleiben Vollmitglieder der EBU. Dieser Status steht nicht zur Debatte, ebensowenig wie ihre Beteiligung (...) am Eurovision…
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Polen: Con­chi­ta-Geg­ner ist neu­er Senderchef

Polen: Con­chi­ta-Geg­ner ist neu­er Senderchef

Das war es dann wohl mit den selbstironischen Buttermädgen: in Anwendung des hoch umstrittenen neuen polnischen Mediengesetzes, das den öffentlich-rechtlichen Rundfunk des Landes direkt der staatlichen Kontrolle unterstellt, wurde dieser Tage Jacek Kurski als neuer TVP-Senderchef ernannt. Der steht dem Vorsitzenden der regierenden nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński, sehr nahe, und hat als dessen selbst ernannter "Bullterrier" die Aufgabe, den Sender auf Parteilinie zu bringen. So untersagte er dem Moderator einer politischen Talkshow, den ursprünglich in die Sendung eingeladenen Präsidenten des polnischen Verfassungsgerichtes, dessen Befugnisse die PiS ebenfalls stark beschneiden will, zu Wort kommen zu lassen, wie die Süddeutsche…
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