Ruslana

Ukrai­ne 2016: Now this is War

Es war ein äußerst denkwürdiger Vorentscheidungsabend in der Ukraine. Nicht so sehr wegen der sechs zur Auswahl stehenden Songs, fast alle von wirklich herausragender Qualität. Sondern vielmehr aufgrund der dreiköpfigen Jury, die sich über die Sendung hinweg dermaßen hart in die Wolle kriegte, dass stellenweise handgreifliche Ausschreitungen zu befürchten standen. Jeder fuhr hier seine eigene Agenda, und die schier endlosen Diskussionen zwischen den Panelisten führten nicht nur zu einer zirka zweistündigen Überziehung der angesetzten Sendezeit, sondern warfen auch ein bezeichnendes Licht auf das politisch geteilte Land. Am Ende gewann - dem Publikum sei Dank - denn auch der politischste Titel im Angebot, '1944'…
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Super­sams­tag 2016: Ret­tet die Schla­ger­di­ven

Er geht als Abend der Überforderung ein in die Annalen der Eurovisionsforschung, der gestrige Samstag: in zehn Ländern gleichzeitig liefen Grand-Prix-Vorentscheidungen. Darunter drei Finale, von denen eines, nämlich das italienische San-Remo-Festival, ohne Ergebnis zu Ende ging, weil die dortigen Sieger einen Kümmert pullten und das angebotene Ticket nach Stockholm erst mal ausschlugen, sich dann aber doch Bedenkzeit ausboten. Befassen wir uns hier nun aber zunächst mit sechs der sieben Nationen, in denen Vorrunden stattfanden (Island wird von mir, wie angekündigt, mit Nichtachtung gestraft). Die meisten Eurovisionsfans entschieden sich angesichts des massiven Überangebotes wohl für das beliebteste Format, nämlich das schwedische…
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ESC 2016 ohne Dosen­ap­plaus

"Keine Zensur" wolle man beim 61. Eurovision Song Contest in Stockholm vornehmen, sagte SVT-Chefin Hanna Stjärne gestern dem Aftonbladet. Damit bezog sie sich auf den gefakten Applaus vom Band, mit dem der österreichische Sender ORF bei der Liveübertragung aus Wien die in der Halle deutlich hörbaren Buhrufe des Publikums für die russische Sängerin Polina Gagarina übertönte. Einen solcherart empörenden Eingriff soll es 2016 nicht geben, die Schweden legten Wert auf "eine authentische Show", so Frau Stjärne. Auch der aus Norwegen stammende EBU-Verantwortliche Jan Ola Sand unterstützt das: der Dosenapplaus sei nicht auf Wunsch aus Genf erfolgt, stellte er in der Zeitung klar. Allerdings scheint…
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Rumä­ni­en 2015: Hört den Kin­dern ein­fach zu

Ein fabelhafter Vorentscheidungsabend ging vor wenigen Minuten in Rumänien zu Ende. Mit schiefen Tönen, Glitzer-Harnessen, flammensprühenden Muschis sowie einem grandiosen Ruslana-Gastspiel (UA 2004). Und einem, man höre und staune, übereinstimmenden Sieger im Jury- und Publikumsvoting: die Rockband Voltaj, von vorne herein als Favorit geltend, fährt mit ihrer formatradiofreundlichen Popballade 'De la capăt' - im Lande bereits vor dem Vorentscheid ein großer Hit - nach Wien. Dort wollen sie den Song aber leider auf englisch als 'All over again' vortragen. Wie esctoday.com informiert, sind Voltaj Botschafter der Charity-Organisation Habitat for Humanity, die Gelder für den Hausbau bzw. -renovierung in Rumänien sammelt, wo viele Menschen…
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Bel­gi­en schickt das Mut­ter­söhn­chen!

Wer es schon süß fand, wie die Elaiza-Frontfrau Ela nach ihrem Sieg im deutschen Unser Song für Dänemark ins Mikrofon quietschte, sie wolle jetzt "die Mama!" anrufen, der wird beim Contest in Kopenhagen einen Zuckerschock erleiden - alle anderen Zuschauer vielleicht nur einen Schock. Aber was für einen! Denn in Belgien ist soeben das von vielen Befürchtete, fast allen aber Erwartete eingetreten: Axel Hirsoux gewann mit seiner Ode an die 'Mother' den dortigen Eurosong - und das mit einem Erdrutschsieg! Guildohorneske sechzig Prozent der eingegangenen Anrufe konnte der Tenor mit der Ich-bin-zwei-Pavarottis-Figur auf sich vereinen, womit seine zeitgleiche Top-Position im Juryvoting schon…
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Aser­bai­dschan 2014: Ich will ’nen Cow­boy als Mann

Ach, wie soll da ein Mensch durchblicken in Aserbaidschan! Nach monatelangen Vorrunden, in denen zahllose Kandidaten bekannte Hits verstümmelten, trafen im heutigen Finale von Böyük Səhnə die letzten drei Überlebenden aufeinander, um vor einer fünfköpfigen Jury (unter Beteiligung von Eldar Qasımov [AZ 2011, Ell & Nikki] und dem schwedischen Komponisten Stefan Örn [u.a. 'Running scared']) um das Ticket nach Kopenhagen wettzusingen. Jeder der drei Kombattanten musste drei Songs, größtenteils ebenfalls Coverversionen, präsentieren. Am Ende gewann Dilarə Kazimova - wenig überraschend, denn bei der heutigen Show handelte es sich um eine Aufzeichnung vom Samstag, und ihr Sieg sickerte bereits gestern durch. Unter den…
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USFD, Ukrai­ne: der frü­he Vogel fängt den Wurm

Während die ukrainische Eurovisionssiegerin von 2004, Ruslana, wie bereits während der Orangenen Revolution im darauffolgenden Winter, auch derzeit wieder Tag und Nacht in Eiseskälte auf dem Platz der Unabhängigkeit in der Hauptstadt steht und die erneuten Proteste gegen den prorussischen Präsidenten Janukowitsch anfeuert, schauen Grand-Prix-Fans aus einem anderen Grund gen Kiew: diesen Samstag steigt dort die nationale Vorentscheidung des traditionell gut abschneidenden Landes. Und zwar zu einer unsagbar unchristlichen Zeit, nämlich um 11:15 Uhr vormittags! Zwanzig Acts konkurrieren um die Fahrkarte nach Kopenhagen, darunter die Zweitplatzierte des Junior-ESC von 2008, Viktoria Petrik ('Matrosy'), die es, kaum 16 geworden, nun mit…
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Rus­la­na: Wild Poli­tics

Das musste ja so kommen: Ruslana geht in die Politik! Bei der Orangenen Revolution in der Ukraine hatte die Eurovisionssiegerin von 2004 bereits in vorderster Front mitgemischt und sich als eine der prominentesten und fleißigsten Unterstützerinnen des neuen Präsidenten Juschtschenko gezeigt. Bei der jetzt anstehenden Parlamentswahl tritt sie nun auf dem fünften Listenplatz von Juschtschenkos Partei 'Unsere Ukraine' an. Womit ziemlich sicher sein dürfte, dass die Gute ihre wilden Tänze demnächst im Parlament aufführen kann. More Power to the People: Ruslana (UA) (mehr …)
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2005: Why don’t you kill me?

ESC Fina­le 2005: Why don’t you kill me?

Angedroht war, dass die letztjährige Siegerin, die von Staatschef Wiktor Juschtschenko zur Eurovisionsbeauftragten ernannte Volksheldin Ruslana, durch den Abend führen solle. Die Galionsfigur der Orangenen Revolution sagte aber in letzter Sekunde ab. Weil sie so viel zu tun habe, dass sie sich nicht richtig vorbereiten könne, so die offizielle Begründung. Jegliche Spekulation über einen Zusammenhang mit ihren eher fragmentarischen Englischkenntnissen ist hingegen so bösartig wie wohl begründet. Ob Mascha und Pascha, die Ersatzmoderatoren, nun so viel besser Englisch sprachen? Es gab an diesem Abend keine rechte Antwort darauf. Denn sie zwitscherte ihre Texte zwischen stets zum debilen Dauergrinsen gebleckten Perlweißzähnen heraus…
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2004: Just may­be I’m cra­zy

ESC Fina­le 2004: Just may­be I’m cra­zy

Man möge es mir nachsehen: diesen Jahrgang kann ich nicht nach den üblichen Maßstäben beurteilen. Denn zum ersten Mal verfolgte ich das Geschehen nicht mehr zu Hause am Fernseher, sondern live vor Ort in der Halle. Ein völlig anderes Erlebnis, das ich jedem nur empfehlen kann! Die EBU hatte just in jenem Jahr erstmals dem eigentlichen Grand Prix eine Qualifikationsrunde vorgeschaltet, die ich als bekennender Trashgourmet seither noch mehr liebe als das Finale, weil sich dort die tragischeren Beiträge sammeln. In dieser Endrunde nun tummelten sich die Big Four und die zehn bestplatzierten Länder aus 2003. Sowie eben die zehn Besten…
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<span class="caps">ESC</span> Semi 2004: Take my Shoes and go strai­ght

ESC Semi 2004: Take my Shoes and go strai­ght

Wer nicht zu den allereingefleischtesten Eurovisionsfans gehört, für den könnte der Begriff "Semi" bis heute Neuland sein. Kein Wunder: die deutschen Medien - inklusive der ARD - schweigen diese Neuerung beharrlich tot. Seit dem massenhaften Zustrom osteuropäischer Länder mussten bislang jedes Jahr etliche Antrittswillige aussetzen, was in den regelmäßig betroffenen Ländern zu einem starken Rückgang des öffentlichen Interesses führte. Als Abhilfe schuf die EBU 2004 ein brandneues Vorsortierfahren: die Qualifikationsrunde a.k.a. Semi, durch das alle durchmussten, die 2003 schlechter als Platz 10 abgeschnitten hatten. Mit Ausnahme der Big Four: Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland, die aufgrund ihrer Finanzkraft und Zuschauermassen stets…
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