Schweden

Türk­vi­zyon 2020: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Türk­vi­zyon 2020: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Höchste Zeit für ein Update zum Songcontest der Turkvölker, dem Türkvizyon Şarkı Yarışması, der nach knapp fünfjähriger Pause heuer wieder stattfindet. Und zwar, so verkündete es der für die Organisation zuständige türkische Musiksender TMB vor Kurzem, am Sonntag, dem 20. Dezember 2020 (zur Uhrzeit und den Übertragungskanälen ist noch nichts Näheres bekannt). Ein ursprünglich avisiertes Semifinale scheint damit vom Tisch, was die Vermutung nahelegt, dass nicht mehr all zu viele weitere zu den bis dato verkündeten 19 Partizipant:innen aus dem turksprachigen Kulturraum hinzustoßen werden. Wobei verlässliche Vorhersagen bei diesem traditionell chaotisch organisierten und kommunizierten Wettbewerb praktisch unmöglich sind. Deutschland, eines…
Weiterlesen
Make a Chan­ge and go: das deut­sche ESC-Fina­le 2020

Make a Chan­ge and go: das deut­sche ESC-Fina­le 2020

Ein in jeder Hinsicht merkwürdiger Eurovisionsabend, den die ARD gestern auf die Beine stellte, und der es fertig brachte, einerseits Salz in die von der Corona-bedingten Absage des eigentlichen Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam verursachte Wunde zu streuen und gleichzeitig für linderndes Labsal zu sorgen. Ein wirklich großes Lob jedenfalls muss dem NDR ausgesprochen werden für die so eigensinnige wie richtige Entscheidung, aus der Simultanausstrahlung des vonseiten der EBU organisierten, zentralen Ersatzprogramms Europe shine a Light auszuscheren und stattdessen ein eigenes, deutsches ESC-Finale zu produzieren. Sowie das letzten Samstag auf dem Spartensender One vorausgegangene Halbfinale, bei welchem die Zuschauer:innen…
Weiterlesen
World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit zahllosen Beteiligten, dessen schaurig-morbider Faszination man sich über geschlagene vier Stunden nicht zu entziehen vermochte, so lässt sich das gestrige deutsche Eurovisions-Halbfinale 2020 beschreiben. Mit welchem die ARD versuchte, trotz der seuchenbedingten Absage des offiziellen europaweiten Wettbewerbs wenigstens auf nationaler Ebene ein adäquates Ersatz-Event auf die Beine zu stellen, wofür der Senderverbund gar nicht oft genug gelobt werden kann. Grundsätzlich nicht verkehrt auch die Idee zur Zusammenarbeit mit Funk, der hauseigenen Youtube-Spielwiese, mit welcher die Öffentlich-Rechtlichen darauf reagieren, dass Zuschauer:innen unter 30 mittlerweile durch klassisches lineares Fernsehen praktisch nicht mehr zu erreichen sind. Zu Funk gehören…
Weiterlesen
Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Ein Punkt. Ein einziges gottverdammtes Pünktchen trennte am Ende einer nervenaufreibenden Abstimmung beim diesjährigen Melodifestivalen die Siegerinnen von der Fan-Favoritin. Immerhin war es hier nicht die Schuld der internationalen Jury: die zeigte sich nämlich genau so gespalten wie das Publikum und bedachte beide Beteiligten mit der exakt gleichen Stimmenzahl. So, dass es alleine den schwedischen Televoter:innen oblag, für Klarheit zu sorgen. Und die entschieden sich mit einem wirklich nur hauchdünnen Vorsprung von 0,1% der abgegebenen Stimmen für The Mamas, den Begleitchor des Vorjahresvertreters John Lundvik, die heuer, geschrumpft vom Quartett zum Trio, selbst angetreten waren im Kampf um die Fahrkarte…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Child­ren of the Revolution

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Child­ren of the Revolution

Bevor es mit dem bereits am Donnerstag startenden, nächsten Vorentscheidungs-Wochenende wieder in die maximale Überforderung geht, gilt es, noch zwei Semis vom vergangenen Samstag nachzureichen. In Portugal bot das traditionsreiche Festival da Canção, wie wir es von dem kleinen Land gewohnt sind, mal wieder eine frappierende Mischung aus völlig aus der Zeit gefallenen Musical-Nummern, lendenlahmen Schnarchballaden, abseitigem Ethnofolk und bizarren Darbietungen. Acht Acts kämpften am späten Abend um vier Finalplätze. Und leider erlaubten sich (genau weiß man es noch nicht, die Split-Voting-Ergebnisse hält der Sender RTP unter Verschluss) entweder das Publikum oder, deutlich wahrscheinlicher, die Jury beim Heraussieben einen massiven…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vira­le Schlachten

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vira­le Schlachten

Mit der üblichen Verspätung folgt heute noch der Nachschlag zum vergangenen Supersamstag, an dem neben gleich drei nationalen Finalen weitere vier Vorrunden und Semis über die Bühne gingen. Beginnen wir im hohen Norden beim isländischen Söngvakeppnin, wo sich im zweiten Semi zwei der Favorit:innen auf den Sieg im Finale nächsten Samstag durchsetzten. Der eine von ihnen, der fantastische Daði Freyr, gewinnt gerade international Momentum: sowohl der einflussreiche deutsche Satiriker und Talkshow-Host Jan Böhmermann als auch der neuseeländische Schauspieler Russell Crowe (sowie der deutsche ESC-Verantwortliche Thomas Schreiber) teilten heute auf Twitter den superlustigen, herrlich selbstironischen Videoclip zu 'Think about Thinks'. So…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Bevor heute in wenigen Minuten der nächste Supersamstag beginnt, gilt es noch etliche Perlen vom letzten Wochenende nachzuliefern, an welchem ich im Zuge des längsten Vorentscheidungstages der bisherigen Eurovisionshistorie aus arbeitskapazitären Gründen leider gezwungen war, etliche Vorrunden und Semis zu vernachlässigen. Den herbsten Verlust gab es dabei in der Ukraine zu beklagen. Dort hatten wir das seltene Vergnügen, einem knapp vierminütigen schamanistischen Ritual beiwohnen zu dürfen, zu dem uns Katya Chilly und ihr Geistheilerzirkel einluden. Der bestand aus einem pittoresk gekleideten Druiden, der völlig in sich versunken heilige Verse murmelte; drei Damen, die den, wenn man so will, entfernt an…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Spüren Sie ihn auch, liebe Leser:innen, den steigenden Adrenalinspiegel? Kein Wunder: pünktlich zum 1. Februar erhöhte die laufende Vorentscheidungssaison 2020 am gestrigen Supersamstag europaweit die Drehzahl und bombardierte uns mit gleich vier Semifinalen, darunter der ersten Runde des schwedischen Melodifestivalen. Überall, so scheint es, kommt man mittlerweile in die Gänge. Außer in Deutschland. In Hamburg schreckte man gestern nur kurz aus dem eurovisionären Dornröschenschlaf auf und postete folgende Nicht-Info zum heimischen Vorentscheid: https://twitter.com/eurovisionde/status/1223639746259439620?s=20 Und ehrlich gesagt: egaler könnte es mir mittlerweile nicht mehr sein, erwarte ich vom NDR schon längst nichts mehr außer gelegentlichen versehentlichen Zufallstreffern. Daher flugs wieder zurück…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach…
Weiterlesen
Zwei­tes ESC-Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Zwei­tes ESC-Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madonna wird am Samstag im Finale des Eurovision Song Contest 2019 auftreten. Die seit Monaten als Gerücht gestreute, in den letzten Tagen mit einem entweder unnötigen oder gefakten Drama um nicht unterschriebene Verträge gehypte und gestern bestätigte Nachricht, dass die EBU der amerikanischen Großmutter des Pop, die hierfür sogar noch eine von einem israelischen Industriellen finanzierte Millionengage einstreicht, in der zuschauerstärksten TV-Show der Welt kostenlos die Möglichkeit zur Bewerbung ihres neuesten Albums einräumt, nahm am gestrigen Donnerstagabend gefühlt ein Viertel der Sendezeit, mindestens jedoch der Moderation ein und degradierte die achtzehn im Kampf um den Finaleinzug angetretenen Acts zur bloßen…
Weiterlesen
Rank and File 2019: Platz 8 – Too late for Love

Rank and File 2019: Platz 8 – Too late for Love

Eigentlich möchte ich schwedische Eurovisionsbeiträge gar nicht mehr in meiner Top Ten haben. Weil mir die Dominanz der Skandinavier/innen auf allen Ebenen des europäischen Liedersingens so auf den Keks geht, das seit dem Millennium zusehends zu einer Art verlängertem Melodifestivalen verkommt. Tja. Platz 8: Schweden - John Lundvik: Too late for Love (Zu spät für die Liebe) Aber leider können sie halt nun mal verdammt effizienten Pop produzieren, die Menschen aus dem Wasa-Land. Von Ungefähr kommt ihre Vormachtstellung beim ESC nicht! 'Too late for Love' ist ein weiteres Musterbeispiel: natürlich hat man fluffige, uptemporäre Lieder wie dieses gerade aus Schweden…
Weiterlesen
Melo­di­fes­ti­va­len 2019: I belie­ve I can fly

Melo­di­fes­ti­va­len 2019: I belie­ve I can fly

Wer hat an der Uhr gedreht? Mit dem Finale des schwedischen Melodifestivalen ging am gestrigen Samstagabend bereits die letzte öffentliche Vorentscheidung der Saison 2019 über die Bühne. Trotz - oder vielmehr wegen - des erneut geänderten Auszählungsverfahrens im Televoting, das die Stimmen des Publikums nunmehr nach verschiedenen Altersklassen gewichtet und damit den starken Einfluss der netzaffinen Jugend zurückdrängt, die seit der Einführung der Voting-App ihre Punkte gleichmäßig auf sämtliche Titel verteilte und damit die Entscheidungsgewalt faktisch in die Hände der Jury legte, geriet die Votingsequenz des MF 2019 zur langweiligsten seit Menschengedenken. Der bereits vorab in allen Umfragen stark favorisierte…
Weiterlesen
Vier­ter Super­sams­tag 2019: raus mit den Sitzhomos

Vier­ter Super­sams­tag 2019: raus mit den Sitzhomos

Bevor sie ganz unter den Tisch fallen: neben den fünf nationalen Vorentscheidungen des vergangenen Wochenendes mit ihren fünf furchtbaren Beiträgen für Tel Aviv fanden am vergangenen Samstag in zahlreichen Ländern diverse Semifinale statt, die nun hier in Windeseile abgearbeitet sein wollen. Beginnen wir bei den Gastgebern des letzten Jahres: in der ersten von zwei Vorrunden des portugiesischen Festival da Canção kam der Favorit Conan Osíris erwartungsgemäß eine Runde weiter, landete mit dem rundweg experimentell-bizarren 'Telemóveis' ('Mobiltelefon') jedoch bei der augenscheinlich ausschließlich mit Kulturbanausen besetzten Jury lediglich auf dem vierten Rang. Das wesentlich sachverständigere Publikum bedachte ihn hingegen mit der Höchstwertung. Der…
Weiterlesen
Drit­ter Super­sams­tag 2019: eine Chan­ce für den Hass

Drit­ter Super­sams­tag 2019: eine Chan­ce für den Hass

Richtig rund ging es am gestrigen Supersamstag: neben den Vorentscheidungs-Finalen in Australien, Italien und Montenegro fanden in fünf weiteren Ländern Vorrunden statt. Wir beginnen unsere Reise im hohen Norden, wo das erste von zwei Semis des isländischen Söngvakeppnin Anlass zum hoffnungsvollen Frohlocken gab. Unter den zwei ins Finale delegierten Beiträgen befindet sich nämlich mit 'Hatrið mun sigra' ('Der Hass wird siegen') mein persönlicher Lieblingstitel der gesamten Eurovisionssaison 2019. Die Industrial-Band Hatari (die Hassenden) liefert damit die wütend-düstere Hymne zur aktuellen Endzeitstimmung, die einen beim Anblick des Zustands Europas und der Welt unabwendbar überfällt, verpackt in eine frappante musikalische Mischung aus Rammstein…
Weiterlesen
Zwei­ter Super­sams­tag 2019: Wo sind die Katzen?

Zwei­ter Super­sams­tag 2019: Wo sind die Katzen?

Wie in einer der inflationär ausgestrahlten nachmittäglichen Zoo-Sendungen in den dritten Programmen der ARD ging es stellenweise zu beim gestrigen zweiten, ausschließlich aus Semis bestehenden Supersamstag der Eurovisionssaison 2019. So beispielsweise in Lettland, wo das zweite Pusfināls der Supernova stattfand, die bekanntlich keine solche ist ohne den legendären Riga-Biber alias Mārtiņš Kozlovskis, ein Schauspieler und Comedian, der in den vergangenen Jahren, im Kostüm des die Kanäle der lettischen Hauptstadt heimsuchenden Nagers steckend, für skurrile Unterhaltung in den Werbepausen sorgte. Diesmal allerdings nahm er am Wettbewerb teil, unter seinem Musiker-Namen Kozmens und in Begleitung der Band Dziļi Violets (Deep Purple). Ihr Beitrag 'Tautasdziesma'…
Weiterlesen
Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheimvertrag mit dem Karma? Oder wie schafft Israel es sonst, seine Eurovisionssiege mit einer derartigen mathematischen Präzision in Abständen von jeweils exakt 20 Jahren über die Grand-Prix-Geschichte zu verteilen? Und das auch noch mit einem jeweils ziemlich ähnlichen Konzept: 1978 schaffte es Izhar Cohen auf dem Höhepunkt der Discowelle mit einem tanzbaren, von der universalen Liebe unter den Menschen handelnden Kinderlied namens 'A Ba Ni Bi' und einer sensationellen Marge-Simpson-Frisur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämpferischen Transsexuellen Dana International mit dem Tanzflächenfüller 'Diva' der bis heute wichtigste, weil ein…
Weiterlesen
Zwei­tes ESC-Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Zwei­tes ESC-Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tatsächlich geschafft. Der mutmaßliche, sinistere Plan der Russen, erstmalig seit der Einführung der Qualifikationsrunden im Jahre 2004 in einer solchen auszuscheiden, ging auf. Zum zweiten Mal hintereinander wies das kaltherzige Europa die im Rollstuhl sitzende Interpretin Julia Samoylova ab: 2017 aus politischen Gründen, 2018 aus purer Bösartigkeit und in Negierung des von der EBU verbreiteten Märchens der Inklusion, die beim Eurovision Song Contest eben nur für bärtige Frauen gilt. So vermutlich die Melodie des Liedes, welches Putins Staatsmedien ab sofort verbreiten dürften. Dabei tat das russische Team selbst alles, um den Finaleinzug zu verhindern: es versorgte seine…
Weiterlesen
Auf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lissabon

Auf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lissabon

Sanft gestaltete sich der Start in Tag heute Morgen für die nach Lissabon gereisten Blogger/innen. Denn der vierte Probentag begann mit dem georgischen Beitrag. Die Kaukasusrepublik schickt in diesem Jahr bekanntlich die offiziell so benannte Ethno-Jazz Band Iriao - und betreibt mit dieser Auslobung klaren Etikettenschwindel. Schließlich hat das, was die für den ESC-Auftritt vom Septett zum Quintett geschrumpfte Formation in Portugal singt, weder etwas mit Ethno zu tun, noch mit Jazz. Stattdessen nehmen die Fünf, wie mir diesbezüglich bewanderte Quellen glaubhaft versicherten, die Melodie irgendeines uralten christlichen Kirchenliedes und tarnen diese mit Harmoniegesang in Landessprache. Das Ganze tun sie in…
Weiterlesen
Melo­di­fes­ti­va­len 2018: Lass die Neon-Son­ne in Dein Herz

Melo­di­fes­ti­va­len 2018: Lass die Neon-Son­ne in Dein Herz

Mit dem erwarteten Sieg des Favoriten Benjamin Ingrosso ging am gestrigen Samstagabend das Finale des schwedischen Melodifestivalen zuende. So überraschungsarm das Ergebnis, so unspannend sein Song 'Dance you off': ein gemächlich vor sich hin pluckerndes, dampfstrahlgebügeltes Musikbett, über dem eine infantil hochgepitchte, komplett emotionslose Stimme schwebt. Mit anderen Worten: die Art von Track, die ein DJ am frühen Abend auflegt, wenn das Personal die Überzahl der Menschen im Club stellt und die zahlenden Gäste erst tröpfchenweise eintrudeln; wenn es also Verschwendung wäre, bereits jetzt einen echten Tanzflächenfüller aufzulegen. Dazu bewegt sich ein charismafreies Milchbübchen halbherzig vor einem Hintergrund aus bunten,…
Weiterlesen
Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Bin ich mittlerweile einfach zu verwöhnt, zu überkritisch? Ist es vermessen von mir, zu verlangen, dass das Rad mit jeder Performance neu erfunden wird? Kann ich mich mit meiner ständigen Originalitätserwartung einfach nicht mehr erfreuen an solide gemachten Liedern und Auftritten? Oder woran liegt es, dass mir das Melodifestivalen, der heilige Gral der Eurovisionsvorentscheidungen, in diesem Jahr so über die Maßen lahm vorkommt, die Songs so schwach, die Darbietungen so uninspiriert? So, als läge eine einzige, abgrundtiefe Müdigkeit über dem schwedischen Vorauswahlverfahren, ein Mehltau, über den keine Choreografie, kein Glanz und Glitter mehr hinwegtäuschen kann? Am augenfälligsten wehte dieser Eindruck…
Weiterlesen
Vier­ter Super­sams­tag 2018: ent­mün­digt die Esten!

Vier­ter Super­sams­tag 2018: ent­mün­digt die Esten!

Reihenweise fanden am gestrigen Supersamstag neben den abschließenden Entscheidungen in Dänemark und Italien noch Semifinale quer durch Europa statt, bei denen sich die abstimmungsberechtigten Zuschauer/innen und Juror/innen mal wieder von ihrer schlechtesten Seite zeigten und eine katastrophale Fehlentscheidung nach der anderen trafen. Am wenigstens ausgeprägt erstaunlicherweise diesmal in Schweden, wo sich das zweite Semifinale des allgemein beliebten Melodifestivalen musikalisch noch schwächer präsentierte als das eigentlich schon unterirdische erste vom vorvergangenen Samstag. Mit den Augenschmäusen Limaoo und Samir & Victor wählten die Skandinavier/innen drei kernige Knaben mit träshigen Titeln ins Finale weiter, wogegen sich natürlich nicht das Geringste einwenden lässt. In…
Weiterlesen

Drit­ter Super­sams­tag 2018: die hei­ße Schlacht am kal­ten Büffett

Mit einem erschreckend faden ersten Semi des schwedischen Melodifestivalen begann gestern Abend die offizielle Vorentscheidungs-Hauptsaison 2018. In Karlstad versammelten sich sieben Acts im Kampf um den Finaleinzug, die hoffen ließen, dass der Mello-Macher Christer Björkman (→ SE 1992) sich die guten Songs für die noch folgenden drei Vorrunden aufgehoben hat. Auf dem letzten Platz landete, völlig zu Recht, die Schlagerlegende Kikki Danielsson (→ SE 1982, 1985), die es hinsichtlich ihres barocken Umfangs mittlerweile mit der viel zu früh verstorbenen deutschen Grand-Prix-Kollegin Joy Fleming (→ DE 1975) aufnehmen kann, stimmlich allerdings eher an die späte Bonnie Tyler (→ UK 2013) erinnerte. Eingehüllt…
Weiterlesen
Alex Flo­rea bezich­tigt Sal­va­dor Sobral des Theaterspiels

Alex Flo­rea bezich­tigt Sal­va­dor Sobral des Theaterspiels

Nach dem Schweden Robin Bengtsson hat sich nun auch der rumänische Rapper Alex Florea ('Yodel it!') kritisch über den am vergangenen Samstag siegreichen Portugiesen Salvador Sobral geäußert. Wie Wiwibloggs rapportiert, äußerte er heute früh in einem live ausgestrahlten Video-Interview mit der rumänischen Tageszeitung Adevarul Zweifel an den gesundheitlichen Problemen des schlumpfigen Hipsters und verbreitete die Theorie, es handele sich dabei um Mitleids-"Marketing", wie es in Castingshows an der Tagesordnung sei: "Seine Hintergrundstory funktionierte, das Publikum hat es geschluckt," so Florea. Sobral war auf Anraten seiner Ärzte erst später als seine Konkurrent/innen nach Kiew angereist und etlichen Proben ferngeblieben, in den Medien machten…
Weiterlesen
Getrof­fe­ne Elche blö­ken: Robin Beng­ts­son kri­ti­siert Sobral

Getrof­fe­ne Elche blö­ken: Robin Beng­ts­son kri­ti­siert Sobral

Es sei ein Sieg der "echten Musik," so formulierte es der portugiesische Gewinner des Eurovision Song Contest 2017, Salvador Sobral, bei seiner Siegeransprache am vergangenen Samstagabend, über das, was er als wegwerfbare "Fast-Food-Musik" bezeichnete: den inhaltsleeren Mainstreampop nämlich, der keinerlei authentische Geschichte erzähle oder keine Gefühle transportiere. Und, sind wir ganz ehrlich: die Meisten von uns werden in diesem Moment intuitiv an den klassischen, hochglanzpolierten Schwedenschlager gedacht haben, der seit Jahren den Grand Prix nicht nur für sein Heimatland dominiert. Das ging wohl auch dem diesjährigen schwedischen Vertreter Robin Bengtsson so, der mit 'I can't go on', einem geradezu prototypischen Beispiel…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2017: Gift im Instrument

ESC-Fina­le 2017: Gift im Instrument

Es war ein denkwürdiger Abend der Verzauberung am gestrigen Samstag in Kiew. Ein Mann schaffte es, einem ganzen Kontinent den Kopf zu verdrehen und Millionen von Menschen tief in ihren Herzen berühren. Und das mit einer extrem zurückgenommenen Inszenierung und einem völlig aus der Zeit gefallenen Lied, das klang, als sei es für eine romantische Filmschnulze aus den Fünfzigerjahren geschrieben worden, bei dem man im eigenen Kopfkino die junge Audrey Hepburn mit tränenvernebeltem Blick durch das schwarzweiß fotografierte Lissabon spazieren sehen konnte. Salvador Sobral, so der Name des koboldhaften jungen Portugiesen, verweigerte sich als Einziger der 26 Finalacts der Nutzung…
Weiterlesen