Schweiz

Hei­mat der EBU-Zen­tra­le, Ver­an­stal­ter und Sie­ger des ers­ten Grand Prix von 1956: die Eid­ge­nos­sen­schaft kann als Heim­stät­te des Euro­vi­si­on Song Con­test bezeich­net wer­den. Bis auf vier unfrei­wil­li­ge Rele­ga­tio­nen immer dabei, schnei­det das für sei­ne oft­mals beson­ders reiz­lo­sen Bei­trä­ge bekann­te Land dabei meist schlecht ab. Bleibt seit Ein­füh­rung der Semis über­wie­gend dort kle­ben. Neu­tra­li­tät ist halt nicht unterhaltsam.
ESC-Sie­ge: 1956, 1988
Rote Later­nen: 1964, 1967, 1974, 1998, 2004, 2010, 2011, 2015, 2016 

ESC-Semi 2007: Wo ist Andorra?

ESC-Semi 2007: Wo ist Andorra?

Natürlich hätte ich auf die Enttäuschung vorbereitet sein müssen. Schließlich bin ich lange genug Fan, um zu wissen, dass die fiesen, geschmacksgestörten Televoter im Semifinale immer die besten Songs aussortieren. Ganze 28 Länder traten in diesem Jahr in der Qualifikationsrunde gegeneinander an, so viele wie noch nie seit der Einführung der Semis. Lediglich zehn Slots für das Finale am Samstag gab es, aber 16 von mir favorisierte Titel, die unbedingt hätten weiterkommen müssen! Selbst unter Zuhilfenahme der Finger konnte ich mir also ausrechnen, dass ein Gutteil meiner Lieblinge auf der Strecke bleiben werden. (mehr …)
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Lys Assia mag Sex im Alter

Lys Assia mag Sex im Alter

Grand-Prix-Veteranin Lys Assia mag auch mit 83 Jahren noch nicht auf Sex verzichten, wie sie den Neuen Luzerner Zeitung verriet. Problematisch sei es nur, in ihrem Alter noch geeignete Männer zu finden. Aber zum Trost gibt es ja noch Dackeldame Cindy. Sex gehöre auch im Alter zur Lebensqualität, zitiert der Onlinedienst Zisch aus dem NLZ-Interview: "Genausowenig wie ich mir meinen Dackel Cindy wegdenken kann, kann ich mir den Sex wegdenken." Das ist jetzt vielleicht etwas unglücklich formuliert,  und bevor sich die Tierschützer:innen aufregen: ich glaube nicht, dass die Siegerin von 1956 und dreimalige Teilnehmerin am Eurovision Song Contest eine lesbisch-sodomitische Beziehung zu…
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Bobo: Stich in die Braut!

Bobo: Stich in die Braut!

Nachdem ein paar religiös fehlgeleitete Schweizer:innen DJ Bobos Eurovisionsbeitrag 'Vampires are alive' wegen satanischer Botschaften verbieten lassen wollen, macht das Boulevardblatt 20 Minuten die Probe aufs Exempel und stellt den Song zum rückwarts Anhören ins Netz. Das schockierende Ergebnis: Bobo huldigt dem Terrorismus! Zur Vorgeschichte: fast fünfzigtausend Unterschriften konnte die Eidgenössische Demokratische Union (EDU), eine fundamentalistische Splittergruppe, für eine Petition sammeln, mit welcher sie den Schweizer Bundesrat aufforderte, für eine Absetzung des designierten helvetischen ESC-Beitrags 2007 zu sorgen, da er religiöse Gefühle verletze, die Jugend gefährde und darin enthaltene Textzeilen wie "From Heaven to Hell, enjoy the Ride" den Teufel…
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Schwei­zer Vor­ent­scheid 2007: Tanz der Toten

Schwei­zer Vor­ent­scheid 2007: Tanz der Toten

Der Schweizer DJ Copycat Bobo bedient sich für seinen Eurovisionsbeitrag bei Michael Jacksons 'Thriller' und macht daraus eine lustige Musical-Nummer. 'Vampires are alive' heißt das Stück, und wie alles von René Baumann ist es ein Popzitat - in diesem Fall eben aus dem Fundus des King of Pop - aus dem Bobo wie immer harmlosen Kinderfasching macht. Im SonntagsBlick verriet DJ BoBo vorab sein Geheimrezept: "Unser Song tönt genau so, wie es im Balkan gut ankommt. Keine Romantik, nichts Herzerwärmendes, nur wuchtige Beats, stampfender Disco-Pop – das kommt in Russland, Polen und Ungarn sehr gut an." Und da mittlerweile drei…
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ESC-Fina­le 2006: Hard Rock? Hallelujah!

ESC-Fina­le 2006: Hard Rock? Hallelujah!

Dass ich das noch erleben durfte: die Finnen gewinnen! Athen warf ein bis dato unumstößliches Grand-Prix-Gesetz über den Haufen. Was kommt als nächstes? Ein Sieg Portugals? Andorra im Finale? Eine osteuropäische Sängerin, deren Rock die Scham bedeckt? Man darf gespannt sein! Die meistens Fans in der Athener Olympiahalle reagierten geschockt, als der Sieg der Monsterrocker sich abzeichnete. Nur wenige zeigten sich (wie ich) begeistert, unterstützten jede Zwölf-Punkte-Wertung für Lordi mit einem spontanen "Lapponia"-Gesang oder rockten bei der Siegerreprise auf dem Stuhl stehend mit. https://youtu.be/SGnnH2gbsdE Dabei ist 'Hard Rock Hallelujah' unter der harmlos-albernen Monstermaskierung ein echter Gute-Laune-Schlager, zu dem man herrlich…
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ESC-Semi 2004: Take my Shoes and go straight

ESC-Semi 2004: Take my Shoes and go straight

Wer nicht zu den allereingefleischtesten Eurovisionsfans gehört, für den könnte der Begriff "Semi" bis heute Neuland sein. Kein Wunder: die deutschen Medien - inklusive der ARD - schweigen diese Neuerung beharrlich tot. Seit dem massenhaften Zustrom osteuropäischer Länder mussten bislang jedes Jahr etliche Antrittswillige aussetzen, was in den regelmäßig betroffenen Ländern zu einem starken Rückgang des öffentlichen Interesses führte. Als Abhilfe schuf die EBU 2004 ein brandneues Vorsortierfahren: die Qualifikationsrunde a.k.a. Semi, durch das alle durchmussten, die 2003 schlechter als Platz 10 abgeschnitten hatten. Mit Ausnahme der Big Four: Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland, die aufgrund ihrer Finanzkraft und Zuschauermassen stets…
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ESC-Fina­le 1992: Why her?

ESC-Fina­le 1992: Why her?

Im Gegensatz zu ihrem legendären italienischen Vorgänger zwar kompetent, doch nordisch unterkühlt und bar jeden Charismas: das schwedische Moderationspaar. Musikalisch blieb sehr wenig hängen vom Aufgebot dieses Abends, auch in den Charts resümierte dieses Jahrgang in einer kompletten Fehlanzeige. Und das verwunderte nicht, hatten die fast ausschließlich eigens für den Contest und den Geschmack der internationalen Juror:innen geschriebenen Lieder nun wirklich nicht das Geringste mehr mit aktuellem Hitparadenpop zu tun. Und so blieben mal wieder nur die optischen Eindrücke, die den Bericht lohnen. Wie beispielsweise der als Gimmick eingesetzte, kregle Zeichentrickvogel Song Trush, der jeweils die Postkarten vor den eigentlichen…
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ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

Mit einer Hymne auf das neu vereinte Europa ('Insieme: 1992') hatten die Italiener im Vorjahr dieses merkwürdige Wettsingen gewonnen, das bekanntlich auf dem Vorbild ihres heißgeliebten San-Remo-Festivals basiert. Da lag es auf der Hand, selbigem Vorbild zu huldigen und den Contest in nämlichem ligurischen Kurort auszutragen. Doch je näher das Ereignis heranrückte, desto stärker nagten die Zweifel: würde man mit diesem obskuren Eurotrashspektakel in der geheiligten Stätte des Ariston-Theaters zu San Remo nicht das Ansehen des im Lande wesentlich beliebteren Originals beschmutzen? Wollte man sich als selbst empfundener kultureller Nabel Europas wirklich diese Laus in den Pelz setzen? Also verlegte…
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ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

Deutschland schrieb in diesem Jahr Geschichte: mit der von mutigen DDR-Bürgern friedlich herbeidemonstrierten Revolution und der sich anschließenden, von den meisten Westlern wie mir gedanklich längst abgeschriebenen Wiedervereinigung. Allerdings auch mit den beiden ersten deutschen Eurovisionsteilnehmern, die beim Versuch des Singens kaum einen Ton sauber zu treffen vermochten. Hätte man einen Schock Hundewelpen 'Frei zu leben' jaulen lassen, das Ergebnis wäre gewiss musikalisch überzeugender ausgefallen. Doch nicht genug, dass sich einem beim Anhören die Fußnägel kräuselten, auch der Anblick des peinlichen Duos sorgte für Fremdschämattacken: Daniel Kovac erschien im C&A-Anzug, Chris Kempers mit tuffiger Dauerwelle und noch tuffigerer Kostümjacke, die…
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ESC-Fina­le 1988: Gib mir mei­ne Chance

ESC-Fina­le 1988: Gib mir mei­ne Chance

Schon einmal, 1974, fungierte der Eurovision Song Contest als Sprungbrett für eine internationale Musikkarriere der Superlative: seinerzeit für das schwedische Quartett Abba. In Dublin, wo der Wettbewerb bereits zum dritten (wenn auch nicht zum letzten) Mal stattfand, legte eine im Heimatland bereits erfolgreiche, bei uns bis dato jedoch völlig unbekannte Frankokanadierin namens Céline Dion den Grundstein zu ihrer Weltkarriere. Sie holte den Sieg als Gastsängerin für die Schweiz mit dem Musterbeispiel eines klassischen frankophilen Gefühlssturms, 'Ne partez pas sans moi', für meinen Geschmack das schönste Exemplar dieser vielgeliebten, wenngleich mittlerweile hoffnungslos veralteten Musikgattung. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1986: Du weisst, ich lie­be das Leben

ESC-Fina­le 1986: Du weisst, ich lie­be das Leben

So viel Pomp, so viele schlechte Lieder! Der damalige Kronprinz und heutige König Norwegens, das nach 28 Teilnahmen und sechs Roten Laternen erstmals den Grand Prix austragen durfte, ließ es sich nicht nehmen, nebst Gemahlin und Kindern dem festlichen Ereignis beizuwohnen. Auch die Moderatorin der Show, Åse Kleveland, zählt fraglos zum Eurovisionsadel: zwanzig Jahre zuvor, 1966, war die Liedermacherin mit dem progressiven Folkstück 'Intet er nytt under Solen' beim Wettbewerb angetreten und belegte den dritten Platz. Danach distanzierte sie sich zwar zunächst vom Grand Prix, was sie aber nicht davon abhielt, nun mit dem gestrengen Auftreten und der Frisur einer Domina im malerischen Bergen durch einen Abend musikalischer…
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ESC-Fina­le 1977: Kojak, Hijack, me and you

ESC-Fina­le 1977: Kojak, Hijack, me and you

Der diesen Wettbewerb ausrichtende britische Sender hatte in diesem Jahr kein glückliches Händchen: nur zwei Stunden vor der geplanten Ausstrahlung seiner Vorentscheidung A Song for Europe traten die Kameraleute der BBC in einen unbefristeten Streik, weswegen auch der ursprünglich für den 2. April 1977 terminierte Song Contest verschoben werden musste. Dann fielen die Postkarten zwischen den Songs, die - wie schon 1970 - in den jeweiligen Teilnehmerländern aufgezeichnet werden sollten, Budgetkürzungen zum Opfer. Zwar drehte die BBC stattdessen mit den angereisten Delegationen in einem Londoner Restaurant, entschloss sich dann aber, das Filmmaterial nicht einzusetzen: Bilder von den Sänger/innen, wie sie auf Kosten der Gebührenzahler speisen, kämen…
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ESC-Fina­le 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

ESC-Fina­le 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

Nach jahrelangen Diskussionen und etlichen Fehlversuchen setzte die EBU 1975, bei seiner zwanzigsten Ausgabe, ein komplett neues Wertungsverfahren für den beliebtesten Musikwettbewerb der Welt in Kraft. Ein so erfolgreiches, dass es sich bis heute hält: dass nämlich aus jedem Land die zehn beliebtesten Titel in aufsteigender Reihenfolge Punkte erhalten; die beiden Lieblingslieder sogar noch einen Bonus, um einen möglichst eindeutigen Sieger zu ermitteln. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 12, so lautet seither die magische Formel. Die sprichwörtlichen "Douze Points" fanden seither auch jenseits des Grand Prix Eingang in den Sprachgebrauch. Für Deutschland, das entscheidenden Einfluss auf…
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ESC-Fina­le 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

ESC-Fina­le 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

Grün ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Besonders optimistisch erschienen also die deutschen Vertreter Cindy & Bert zu diesem Grand Prix: Cindy in einem lindgrünen Maxikleid, Bert im popelgrünen Anzug mit giftgrün leuchtendem Sommerschal. Half aber nichts: die von einer ARD-Jury hinter verschlossenen Türen ausgewählte, schwächliche 'Sommermelodie' verendete auf dem letzten Platz. Aufgrund der fehlenden öffentlichen Vorentscheidung und des daraus folgenden mangelnden Interesses am internationalen Wettbewerb sahen das nur 28 % der deutschen TV-Zuschauer:innen. Was man insofern bedauern muss, da auf diese Art und Weise viele Deutsche den historischen Contest schlechthin verpassten. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1973: Du sagst nie­mals nein

ESC-Fina­le 1973: Du sagst nie­mals nein

Die Lustlosigkeit der deutschen Vorentscheidung rächte sich für uns. Die Protagonistin ahnte es bereits im Vorfeld: "Bringst Du Tränen von gestern zurück?", so eine der Fragen aus ihrer wunderbaren, im Vergleich mit den eher Aufbruchsstimmung verbreitenden Beiträgen der letzten Jahre jedoch etwas verzagt wirkenden Hymne 'Junger Tag', welche die Juroren mit einem klaren und eindeutigen "Ja!" beantworteten. Nach drei dritten Rängen in Folge konnte der nunmehrige (rechnerisch korrekte) neunte Platz nur als echte Enttäuschung gelten. Oder lag es an dem Spontanaugenkrebs verursachenden, grellgelben Folklorefummel, den die für Deutschland startende Dänin Gitte Hænning in Luxemburg trug? (mehr …)
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ESC-Fina­le 1971: Ein Staub­korn nur in der Unendlichkeit

ESC-Fina­le 1971: Ein Staub­korn nur in der Unendlichkeit

Heftige Auseinandersetzungen tobten Anfang der Siebzigerjahre hinter den Kulissen des Song Contests, unter anderem um das schon mehrfach geänderte Wertungssystem und über die Besetzung der Jurys. Noch immer gärte der Eklat des Vierfachsieges von 1969 nach, der im Vorjahr für einen Teilboykott durch fünf Länder gesorgt hatte. Selbst Deutschland, seit jeher die unerschütterlichste Eurovisionsnation, drohte mit dem Ausstieg aus der Gemeinschaftsveranstaltung, sollte sie sich nicht endlich dem Zeitgeist annähern. Doch der Grand Prix ist bekanntlich unkaputtbar, und so einigte man sich, ganz europäisch, auf einen Kompromiss. Dessen augenfälligstes Ergebnis war, dass die Jurys jetzt vor der Kamera und damit für…
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ESC-Fina­le 1970: Schmet­ter­lin­ge und Bienen

ESC-Fina­le 1970: Schmet­ter­lin­ge und Bienen

Ein neues Jahrzehnt, ein neuer Aufbruch. Das bekam das Publikum schon bei der deutschen Vorentscheidung zu spüren, die sowohl inhaltlich und optisch als auch musikalisch einer kleinen Revolution gleichkam. Revolutionär auch unsere Vertreterin in Amsterdam, Katja Ebstein. Aus der Liedermacherszene kommend und beseelt von sozialkritisch-aufklärerischer Attitüde, sang die spätere SPD-Wahlkämpferin und Heinrich-Heine-Rezitatorin einen von ihrem damaligen Ehemann Christian Bruhn geschriebenen Tröstungsschlager namens ‘Wunder gibt es immer wieder’. Ein unvergesslicher Evergreen, weil er sich musikalisch wie textlich sehr deutlich von der bisher üblichen, biederen Schlager-Standardware unterschied. Ein gewaltiges, spannungsgeladenes Intro mit einer Blue Note als Hinhörer; der gedehnte und damit dramatisch wirkende Gesang…
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ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

Es hätte eine Warnung sein können: bereits im Jahre 1968 erschien in Frankreich die mit dem (gefakten) Werbesticker "Offizielles Lied Liechtensteins für den Eurovision Song Contest 1969" versehene Single 'Un beau Matin', eine possierliche Parodie auf den europäischen Gesangswettbewerb, in der eine Sängerin namens Vichy mit hoher Stimme über einen zuckrigen Geigenteppich Harmlosigkeiten über dort teilnehmenden Nationen intonierte. Nun war der an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz liegende, winzige Stadtstaat nie Mitglied der EBU und durfte daher gar nicht teilnehmen. Dass man sich aber mittlerweile über die nach wie vor mit staatstragendem Pomp zelebrierte Veranstaltung so belustigte, war…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1969: Sie kann nicht schö­ner sein

Con­cours Euro­vi­si­on 1969: Sie kann nicht schö­ner sein

Gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Schweiz als Standort der ausrichtenden EBU sowie als Erfinder, Ausrichter und Sieger des allerersten Grand Prix Eurovision nicht ganz ohne Grund als ideelle Heimat des Eurovision Song Contest betrachtet, kommt man nicht umhin, die Eidgenoss:innen für ihren mehr als laxen Umgang mit der Historie ihrer eigenen nationalen Vorentscheide zu tadeln. Zugegeben, auch in Deutschland klaffen in der ersten Dekade des Wettbewerbs archivarische Lücken. Doch in der kulturell dreigeteilten Alpennation treten diese auch beim Übergang in die Hochphase des Wettbewerbs Anfang der Siebzigerjahre erneut offen zutage. Und das ausgerechnet beim im Gegensatz zur bisher…
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ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den angeblich von…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1968: Als Jod­le­rin umstritten

Con­cours Euro­vi­si­on 1968: Als Jod­le­rin umstritten

Er erwies sich mal wieder als große Wundertüte aus gewesenen, kommenden und nie so richtig stattfindenden Stars, der Schweizer Vorentscheid 1968. Immerhin, seinen Rhythmus hatte der Concours Eurovision zwischenzeitlich gefunden: wie schon in den letzten fünf Jahren bestand auch diese Ausgabe aus sechs verschiedenen Künstler:innen mit jeweils einem Song; zu Gehör kamen - streng paritätisch - jeweils zwei französische Chansons, zwei italienische Canzone und zwei deutsche Lieder. Den gallischen Part besorgten die nur kurzzeitig in Erscheinung getretene Sängerin Irène Berthier und der vor allem als Textdichter bekannte Franzose Charles Level. Ende der Fünfziger noch selbst als Frontmann einer Cover-Band unterwegs, verlegte…
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ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

Wahrlich keinen würdigeren Gastgeber hätte es für diesen, den Übergang zwischen Tradition und Moderne markierenden Eurovisionsjahrgang geben können als den ORF. Mit der Wahl des Festsaals der kaiserlichen Wiener Hofburg als Veranstaltungsort steuerten die Österreicher die uneinholbar nobelste Location, in welcher der Grand Prix jemals gastierte, zum Geschehen bei. Üppige Blumenarrangements auf der Bühne, gerne ins Bild gerückte gigantische Kronleuchter an den hohen Stuckdecken, die festliche Abendgarderobe des handverlesenen Saalpublikums, ein exzellentes Orchester und die traditionsreichen Wiener Hofknaben als Pausenprogramm sorgten im letzten Jahr des Schwarzweißfernsehens für einen regelrecht imperialen Glanz beim europäischen Chansonwettbewerb. Gleichzeitig bemühte man sich mit riesigen…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1967: My Life on the D‑List

Con­cours Euro­vi­si­on 1967: My Life on the D‑List

Wie bereits des Öfteren in der Vergangenheit präsentierte sich auch dieser schweizerische Vorentscheid als eine Art von Vertriebenentreffen für Stars von der D-Liste. Lauter Schlagersängerinnen gaben sich hier die Klinke in die Hand, deren Namen Glanz in die Augen von dezidierten Jägern und Sammlern rarer Vinyl-Schätzchen zaubern, gerade weil sich selbst ihre wenigen Erfolgstitel auf keinem Sampler wiederfinden und erst recht nicht auf irgendwelchen Schlagerpartys gespielt werden. Brigitte Petry ist so ein Beispiel: geboren in Berlin, Hauptstadt der DDR, veröffentlichte sie ihrem Wikipedia-Eintrag zufolge 1961 eine einzige Single auf dem Amiga-Label, bevor sie ihr Wirken ins befreundete sozialistische Ausland verlegte,…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1966: Seit wann nimmst Du denn zwei­te Wahl?

Con­cours Euro­vi­si­on 1966: Seit wann nimmst Du denn zwei­te Wahl?

Nach und nach füllen sich die archivarischen Lücken rund um den schweizerischen Concours Eurovision: so kennen wir dank der fleißigen Arbeit des Webarchivs von Eurovision World mittlerweile die Namen aller sechs mal wieder fast ausschließlich aus dem Ausland importierten Teilnehmer:innen am eidgenössischen Vorentscheid 1966. Wobei diese niemanden vom Sockel hauen: Joël Holmès war ein französischer Chansonnier im Spätherbst seiner bescheidenen Karriere, Brigitt Petry eine heute weitestgehend vergessene deutsche Schlagersängerin. Und als das Interessante am (wie fast alle Songs leider nicht im Netz auffindbaren) Titel 'Die Straße voller Lichter' erweist sich dessen Komponist, der eidgenössische Bandleader Hazy Osterwald. Dazu kam noch die…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1965: Ich bereue nichts

Con­cours Euro­vi­si­on 1965: Ich bereue nichts

Sechs Lieder rangen um das Ticket nach Neapel beim schweizerischen Vorentscheid von 1965, dargeboten von fünf Sängerinnen - jawohl, ausschließlich Damen traten an in Locarno, und keine einzige von ihnen besaß helvetische Wurzeln. Was man, wenn man möchte, so werten könnte, dass in Sachen Frauenquote und Integrationsbereitschaft schon damals den gesellschaftlich fortschrittlichen Schweizer:innen keiner was vormachte. Oder was man als neuerlichen Beweis lesen kann, dass in der Eidgenossenschaft das musikalische Talent doch eher rar gesät ist. Die gebürtige Israelin Carmela Corren, die gleich alle beide (im Netz leider nicht auffindbare) deutschsprachige Beiträge vortrug, beendete hier jedenfalls ihre eurovisionäre Tournee durch…
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