Türkei

ESC-Fina­le 2000: Ich will, ich will eine Gurke

ESC-Fina­le 2000: Ich will, ich will eine Gurke

Freiheit fördert Kreativität. Kaum fiel die Sprachenregel, tauchten die ersten skurrilen linguistischen Mixe beim Song Contest auf, wie zum Beispiel ein auf italienisch und griechisch gesungener zyprischer Beitrag oder ein deutsches Lied in Babysprache ('Wadde hadde dudde da'), ein im Übrigen sehr professionell und modern produzierter, wenn auch etwas kalt wirkender Beitrag, wie die meisten in diesem Jahr. Der Wechsel von der Jury- zur reinen Zuschauerwertung brachte den erhofften Effekt und führte zu einer deutlichen Qualitätssteigerung. Fast alle Länder orientierten sich in Richtung der aktuellen Charts, wo tanzbarer, schneller Pop regierte. In einem Feld ähnlich klingender Songs fällt der auf, der sich unterscheidet:…
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ESC-Fina­le 1997: Ich brauch was Größeres

ESC-Fina­le 1997: Ich brauch was Größeres

In diesem Jahr fand die beinahe unumkehrbar geglaubte irische Siegesserie ihr abruptes Ende. Auch wenn es  für Marc Roberts und seine 'Mysterious Woman' noch zu einem zweiten Platz reichte: 70 Punkte Abstand zum Sieger sprachen eine deutliche Sprache. Und das sollte erst der Anfang sein! Nach dem Quoten- und Finanzdesaster des Vorjahres, bedingt durch das unfreiwillige Ausscheiden Deutschlands, begann hinter den Kulissen ein folgenreiches Umgestalten. Aufgrund hinhaltenden Widerstands der Grand-Prix-Traditionalisten kamen die dringend notwendigen Reformen zwar nur scheibchenweise - aufzuhalten waren sie aber nicht mehr. https://youtu.be/Gg1Gq2XdY-Q Vier mal dabei, bitte nicht wiederwählen: der bislang letzte Contest aus Irland. So galt ab…
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ESC-Fina­le 1996: Bin fieb­rig vor Verlangen

ESC-Fina­le 1996: Bin fieb­rig vor Verlangen

Für ein deutlich höheres Interesse als das eigentliche Teilnehmerfeld sorgte in diesem Jahr der Auswahlskandal im Vorfeld des Wettbewerbs. Nach der Erweiterung der EBU gen Osteuropa, wo beinahe stündlich neue Staaten entstanden, wollten heuer 30 Länder mitmachen beim Grand Prix Eurovision. Laut EBU-Reglement darf die Show erst um 21:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit anfangen. Das entspricht 20:00 Uhr britischer Zeit, dem Beginn der abendlichen Primetime bei der BBC, welche bei der Festlegung dieser Zeitmarke das Sagen hatte. Weswegen die ARD die Lücke zwischen dem Ende der tagesschau und dem Beginn der ESC-Übertragung stets mit dieser furchtbaren, verregneten Grand-Prix-Party von der Reeperbahn…
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ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

Mit einer Hymne auf das neu vereinte Europa ('Insieme: 1992') hatten die Italiener im Vorjahr dieses merkwürdige Wettsingen gewonnen, das bekanntlich auf dem Vorbild ihres heißgeliebten San-Remo-Festivals basiert. Da lag es auf der Hand, selbigem Vorbild zu huldigen und den Contest in nämlichem ligurischen Kurort auszutragen. Doch je näher das Ereignis heranrückte, desto stärker nagten die Zweifel: würde man mit diesem obskuren Eurotrashspektakel in der geheiligten Stätte des Ariston-Theaters zu San Remo nicht das Ansehen des im Lande wesentlich beliebteren Originals beschmutzen? Wollte man sich als selbst empfundener kultureller Nabel Europas wirklich diese Laus in den Pelz setzen? Also verlegte…
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ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

Deutschland schrieb in diesem Jahr Geschichte: mit der von mutigen DDR-Bürgern friedlich herbeidemonstrierten Revolution und der sich anschließenden, von den meisten Westlern wie mir gedanklich längst abgeschriebenen Wiedervereinigung. Allerdings auch mit den beiden ersten deutschen Eurovisionsteilnehmern, die beim Versuch des Singens kaum einen Ton sauber zu treffen vermochten. Hätte man einen Schock Hundewelpen 'Frei zu leben' jaulen lassen, das Ergebnis wäre gewiss musikalisch überzeugender ausgefallen. Doch nicht genug, dass sich einem beim Anhören die Fußnägel kräuselten, auch der Anblick des peinlichen Duos sorgte für Fremdschämattacken: Daniel Kovac erschien im C&A-Anzug, Chris Kempers mit tuffiger Dauerwelle und noch tuffigerer Kostümjacke, die…
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ESC-Fina­le 1989: Why do they always get it wrong?

ESC-Fina­le 1989: Why do they always get it wrong?

Ein Jahrgang, der mich wie kein zweiter gespalten hinterlässt: einerseits unglaublich reich an Spitzenerzeugnissen des Trashs und der unfreiwilligen Komik und damit ein ernsthafter Anwärter auf die Top Five meiner Lieblingscontests. Andererseits ruiniert durch rundweg skandalöse Juryentscheidungen und den ungerechtfertigsten Siegertitel aller Zeiten. Doch beginnen wir mit den amüsanten Seiten dieses Contests: das eidgenössische Fernsehen unterhielt die Zuschauer/innen zum Auftakt und in den Postkarten mit idyllischen Klischeebildern über Berge, Kühe, Berge, Käse, Berge, Uhren, Berge, Alphörner, Berge, das Heidi und Berge - was man sich eben unter der Schweiz so vorstellt! Bankenniederlassungen mit diskreten Konten für das Blutgeld aus den Diktaturen dieser Welt oder die…
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ESC-Fina­le 1988: Gib mir mei­ne Chance

ESC-Fina­le 1988: Gib mir mei­ne Chance

Schon einmal, 1974, fungierte der Eurovision Song Contest als Sprungbrett für eine internationale Musikkarriere der Superlative: seinerzeit für das schwedische Quartett Abba. In Dublin, wo der Wettbewerb bereits zum dritten (wenn auch nicht zum letzten) Mal stattfand, legte eine im Heimatland bereits erfolgreiche, bei uns bis dato jedoch völlig unbekannte Frankokanadierin namens Céline Dion den Grundstein zu ihrer Weltkarriere. Sie holte den Sieg als Gastsängerin für die Schweiz mit dem Musterbeispiel eines klassischen frankophilen Gefühlssturms, 'Ne partez pas sans moi', für meinen Geschmack das schönste Exemplar dieser vielgeliebten, wenngleich mittlerweile hoffnungslos veralteten Musikgattung. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

Der Brüsseler Contest - ein einziges Déjà Vu: derselbe Sieger wie schon 1980; die gleichen deutschen Teilnehmer wie schon 1985, die wiederum dieselbe Platzierung erreichten wie bereits zwei Jahre zuvor, nämlich den zweiten Rang. Erneut erhielten wir nur einen Punkt aus der Schweiz - auch das war man gewohnt. Diesmal spielte es aber keine Rolle mehr: selbst mit zwölf helvetischen Zählern hätten Wind (DE 1985, 1992, DVE 1998, 1999) nicht mehr gewonnen. 'Lass die Sonne in Dein Herz', für dessen stumpfe Gleichschrittspräsentation Ralph Siegel eigens für teuer Geld eine "englische Choreografin, aus England" engagiert habe, wie er in einem ARD-Special stolz erzählte, hasste ich eigentlich immer…
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ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene "spontane" Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

1982: eine magische Zahl für Deutschland, ein nationales Trauma. Nicht nur, weil sich damals ein birnenförmiger Oggersheimer anschickte, das Land mit einer sechzehn Jahre währenden Schreckensherrschaft zu überziehen. Viel wichtiger: wir gewannen den Grand Prix! Zum ersten - und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Meyer-Landrut die Wachablösung vollzog und die Ära Siegel beendete, fest glaubte, auch zum letzten - Mal. Der Contest zog von den bisher meist als Austragungsort ausgewählten Hauptstädten in die tiefste britische Provinz nach Horrorgate Harrogate. Wie passend, denn provinziell mutete auch das musikalische Aufgebot an. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1981: Take you from behind

ESC-Fina­le 1981: Take you from behind

Die Deutschen schäumten vor Zorn, waren aufrichtig erbost! Im Land weilende Schweizer zeigten sich im April 1981 gut beraten, ihre Herkunft zu verschweigen. Nachdem wir schon im Vorjahr nur knapp an der Eurovisionskrone vorbeischrammten, gingen wir diesmal um so siegessicherer ins Rennen. Eine so wunderbare Rührschnulze mit Behindertenmitleidsbonus hatten wir extra gewählt, und die mit unüberhörbar fränkisch rollendem "R" intonierende ("Die Jungen dort drrraußen, die rrriefen nur hinter ihm her") Lena Valaitis sang sauber, wohltimbriert und voller Leidenschaft und Anmut die bittersüße Ballade vom blinden Jungen 'Johnny Blue' direkt in alle Herzen hinein. Selbst die Buchmacher sahen uns ganz vorne. (mehr …)
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ESC-Fina­le 1979: Er zeug­te sie­ben Kin­der in einer Nacht

ESC-Fina­le 1979: Er zeug­te sie­ben Kin­der in einer Nacht

Heftige Auseinandersetzungen entbrannten im Vorfeld dieses Jahrgangs um den deutschen Beitrag. Ausgerechnet nach Jerusalem mit einem Song zu fahren, der von einem gewalttätigen Imperatoren handelt und mit Textzeilen wie "Sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land" aufwartet, zeugte nicht eben von ausgeprägtem geschichtlichen Feingefühl. Es hagelte Proteste und Verbotsforderungen, man befürchtete eine Belastung der diplomatischen Beziehungen und die damalige Familienministerin Antje Huber (SPD) geißelte den Text gar als "dumm und geschmacklos". Ach was! (mehr …)
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ESC-Fina­le 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

ESC-Fina­le 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

Nach jahrelangen Diskussionen und etlichen Fehlversuchen setzte die EBU 1975, bei seiner zwanzigsten Ausgabe, ein komplett neues Wertungsverfahren für den beliebtesten Musikwettbewerb der Welt in Kraft. Ein so erfolgreiches, dass es sich bis heute hält: dass nämlich aus jedem Land die zehn beliebtesten Titel in aufsteigender Reihenfolge Punkte erhalten; die beiden Lieblingslieder sogar noch einen Bonus, um einen möglichst eindeutigen Sieger zu ermitteln. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 12, so lautet seither die magische Formel. Die sprichwörtlichen "Douze Points" fanden seither auch jenseits des Grand Prix Eingang in den Sprachgebrauch. Für Deutschland, das entscheidenden Einfluss auf…
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