Ukraine

Per­len der Vor­ent­schei­dung: Ukrai­ne 2011

Dieser Titel ('Smile' von Jamala) nahm an der fünften Vorrunde der ukrainischen Vorentscheidung teil - ich hoffe und bete, dass er es bis ins Finale schafft und gen Düsseldorf entsandt wird! Unbedingt bis Minute 2:00 durchhalten, auch wenn es schmerzt - Ihr werdet reich entlohnt! Jamala, offensichtlich die ukrainische Amy Winehouse (jedenfalls was den übermäßigen Konsum bewußtseinsverändernder Substanzen angeht), zieht hier alle Register und präsentiert in kompakten drei Minuten alles, was an einem Eurovisionssong falsch sein kann. So falsch, dass es schon wieder gut ist. Zu weihnachtlichen Glockenklängen fährt die Kamera auf eine ekstatisch zuckende Transe zu, die ihre Auspolsterung…
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Ukrai­ni­scher Vor­ent­scheid 2010: The Ant is near!

Ukrai­ni­scher Vor­ent­scheid 2010: The Ant is near!

Wie man eine Eurovisionskatastrophe durch hektische Rettungsversuche immer nur noch schlimmer macht, beweist die Ukraine. Endgültiger Stand ist, dass Alyosha das Land mit dem Titel 'Sweet People' vertritt. Bis dahin war es ein sehr langer Weg. Oder vielmehr: eine sich anfangs langsam, dann immer schneller und überstürzter drehende Abwärtsspirale. Nachfolgend der Versuch einer Chronologie der Ereignisse. Ich hoffe, Sie bringen ein bisschen Zeit und Geduld mit! Denn es spielten sich unglaubliche Vorgänge ab im flächenmäßig größten europäischen Staat: kaum übernahm in dem innenpolitisch zerrissenen Land, in dem seit seiner Loslösung von der GUS eine Regierungskrise die nächste jagt, mal wieder…
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ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde. Im Gegenteil: auch die Juror:innen setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO). Meine Vermutung, zubrotfreudige Juror:innen könnten gar die Verantwortung für das…
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Zwei­tes ESC-Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Zwei­tes ESC-Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Schizophren: die unglaublich lustige Comedy-Techno-Nummer 'Tingaliin', mit denen die Schweden beim diesjährigen Melodifestivalen zur Einstimmung auf Moskau spaßeshalber sämtliche Russlandklischees auf den Arm nahmen, zog eine diplomatische Krise zwischen beiden Ländern und den offiziellen Protest des dortigen Botschafters nach sich. Als Eröffnungsact des zweiten Semis präsentierten die Russen dann selbst exakt die gleichen tanzenden Bären, Matroschkas und Kalinka-Chöre, über die sie sich zuvor beklagt hatten. Nur, dass der Moskauer Act anscheinend bierernst gemeint war. Womit sich erneut zeigte: wer nicht über sich selbst lachen kann, dem ist auch sonst nicht zu trauen. http://youtu.be/XYJwnCsMBfo Verstehen Sie Spaß? Schwedens lustiger MF-Act Komoderatorin…
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Ukrai­ni­scher Vor­ent­scheid 2009: Just may­be, she’s crazy

Ukrai­ni­scher Vor­ent­scheid 2009: Just may­be, she’s crazy

So langsam etabliert sich eine eigene ukrainische Eurovisionsschule. Die soeben von der Jury zur Siegerin erklärte Svetlana Loboda vereint eine Vielzahl bisheriger Grand-Prix-Elemente der Orangenen: so kehren Teile von Ruslanas Xena-Lederstreifen-Outfits (2004, Element #1) bei ihr und ihren wohlgeformten Hochleistungstänzern (#2) zurück, während ihr billiges Animationsbustier mit den kecken Lapdance-Troddeln bei Madonna ca. 1986 abgeschaut ist. Dazu kommt eine dermaßen grauenhafte englische Aussprache (#3), dass Tina "Hide it, you Muscle Mary" Karol (2006) dagegen wie ein Native Speaker wirkt. Kommt aber bei dem eher rudimentären Text (#4) der flotten, durchaus eingängigen Uptemponummer (#5) eh nicht drauf an. Und, als typisch ukrainisches…
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Rus­si­scher Vor­ent­scheid 2009: Du sollst doch nicht um Dei­nen Jun­gen weinen

Rus­si­scher Vor­ent­scheid 2009: Du sollst doch nicht um Dei­nen Jun­gen weinen

Sie kam, sang und siegte: erst zwei Tage vor dem gestrigen Vorentscheidungsfinale vom Sender noch ganz schnell ins Partizipantenfeld gemogelt, überzeugte die durch ihren Sieg in der russischen Castingshow Star Factory bekannte 21jährige ukrainische Sängerin Anastasia Prihodko sowohl die Televoter, die sie mit 26% der Stimmen an die Spitze setzten, als auch die Fachjury, die anschließend noch mal unter den drei Höchstplatzierten auswählte (auch bekannt als das weißrussische Verfahren). Ihr dramatischer Rocksong 'Mama' war zuvor von der ukrainischen Vorentscheidung ausgeschlossen worden - eine Entscheidung, gegen die das Management der Sängerin laut einem Bericht von escKaz Rechtsmittel anstrengte. Nun darf sie…
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Ukrai­ne schmeisst rus­si­sche TV-Sen­der aus dem Kabelnetz

Die Spannungen zwischen der Ukraine und dem großen Bruder Russland treiben immer neue Blüten. Nun erließ das ukrainische Parlament ein Gesetz, mit dem alle TV-Sender aus dem Reiche Putins aus dem Kabelnetz des Landes verbannt werden sollen. Offizielle Begründung: Einnahmeverluste in den Werbepausen beim Eurovision Song Contest! Denn die prorussischen Einwohner in den östlichen Gebieten der Ukraine schauen sich die Live-Übertragung auf RTR Planeta, einem russischen Kabelsender, an und drücken so die Einschaltquote. Damit gingen dem ukrainischen Staatssender Werbeeinnahmen verloren. Ein Zusammenhang der Aktion mit den anstehenden Neuwahlen wird indes bestritten. Da gibt es nur eins zu sagen! (mehr …)
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ESC-Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

ESC-Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

Zwölf Anläufe hatte der flächengrößte und einwohnerstärkste Teilnehmerstaat des Eurovision Song Contest für seinen ersten Grand-Prix-Sieg gebraucht. Seinen Führungsanspruch und seine kulturelle Zugehörigkeit zu Europa wollte Russland damit unterstreichen - und vertiefte doch nur die Gräben, denn kaum ein Siegertitel rief im Westen so eine starke Ablehnung hervor wie Dima Bilans musikalisch malades und überanstrengt dargebotenes 'Believe', welches der Sargnagel für das hundertprozentige Zuschauervoting sein sollte. Für den russischen Plattenmillionär, dem bei seinem Erstversuch 2006 mit dem deutlich besseren 'Never let you go' nur die finnischen Monsterrocker Lordi in die Quere kamen, reichte es lediglich für einen schwachen Rang 54 in…
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Ukrai­ne 2008: Ladys­ha­ver at Shady Pines

Ukrai­ne 2008: Ladys­ha­ver at Shady Pines

Philip Kirkorov (die russische Gruseltranse von 1997) hat seinen nächsten Eurovisionsbeitrag unter: die vom ukrainischen Sender direkt nominierte Ani Lorak bringt in Belgrad seinen C.C.Catch-Gedächtniskracher 'Shady Lady' zu Gehör. Unter fünf Liedvorschlägen vereinte der lustige Disco-Heuler heute die meisten Stimmen auf sich. Ani war schon 2004 und 2005 kurz davor, wurde aber jeweils von Ruslana und Greenjolly (mit der Hymne der Orangenen Revolution) geschlagen. Diesmal musste sie sich erst gar keiner Konkurrenz stellen. Die 29jährige Nelly-Furtado-Doppelgängerin ist einer der größten Stars des Landes. Ani wurde als Carolina Myroslavivna Kuiek geboren. Der Legende nach stand für sie bereits mit vier Jahren fest,…
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ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

ESC-Fina­le 2007: Okay. Hap­py End.

Ein kollektives, erleichtertes Seufzen ging durch Europa: nach fünf Jahren Vorherrschaft der Show über die Musik siegte endlich wieder ein Lied! Ein sanftes, melodiöses, in der Landessprache gesungenes noch dazu. Eines ganz ohne Choreografie! Allerdings: so ganz stimmte das nicht. Molitva' gewann natürlich auch aufgrund seiner Show - nur, dass diese halt sehr viel unaufdringlicher daherkam als beispielsweise bei den finnischen Monsterrockern. Genau diese charmante Präsentation zärtlicher Solidarität zwischen fünf gut aussehenden und einer stimmgewaltigen Frau (nicht zu vergessen der subtil lesbische Unterton) hob den serbischen Beitrag aus der Flut aufwändiger Tanzchoreografien heraus und führte ihn zum hoch verdienten Sieg.…
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Bobo: Stich in die Braut!

Bobo: Stich in die Braut!

Nachdem ein paar religiös fehlgeleitete Schweizer:innen DJ Bobos Eurovisionsbeitrag 'Vampires are alive' wegen satanischer Botschaften verbieten lassen wollen, macht das Boulevardblatt 20 Minuten die Probe aufs Exempel und stellt den Song zum rückwarts Anhören ins Netz. Das schockierende Ergebnis: Bobo huldigt dem Terrorismus! Zur Vorgeschichte: fast fünfzigtausend Unterschriften konnte die Eidgenössische Demokratische Union (EDU), eine fundamentalistische Splittergruppe, für eine Petition sammeln, mit welcher sie den Schweizer Bundesrat aufforderte, für eine Absetzung des designierten helvetischen ESC-Beitrags 2007 zu sorgen, da er religiöse Gefühle verletze, die Jugend gefährde und darin enthaltene Textzeilen wie "From Heaven to Hell, enjoy the Ride" den Teufel…
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ESC-Semi 2006: I’ll fuck­ing win

ESC-Semi 2006: I’ll fuck­ing win

Westeuropäische Grand-Prix-Fanclubs bestehen in der Regel - in exakter Umkehrung der üblichen Bevölkerungsanteile - zu 95% aus schwulen Männern. Und die haben, logischerweise, einen völlig anderen Musikgeschmack als das beim Eurovision Song Contest abstimmende Massenpublikum an den Bildschirmen. Natürlich scherzten die im Athener Olympiastadion versammelten Fans noch vor Beginn des Halbfinales, dass man hinterher, wenn die zehn Finalisten feststünden, wohl mal wieder kopfschüttelnd in der Halle säße. Und genau so kam es auch. https://youtu.be/itM8IzJakNU Die beiden größten Schocks stellten das Ausscheiden der Fan-Favoritin Kate Ryan[ref]Die Belgierin hatte einst mit blasphemischen Coverversionen von unantastbaren Mylène-Farmer-Songs in ganz Westeuropa Hitparadenerfolge gefeiert und…
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Rus­la­na: Wild Politics

Rus­la­na: Wild Politics

Das musste ja so kommen: Ruslana geht in die Politik! Bei der Orangenen Revolution in der Ukraine hatte die Eurovisionssiegerin von 2004 bereits in vorderster Front mitgemischt und sich als eine der prominentesten und fleißigsten Unterstützerinnen des neuen Präsidenten Juschtschenko gezeigt. Bei der jetzt anstehenden Parlamentswahl tritt sie nun auf dem fünften Listenplatz von Juschtschenkos Partei 'Unsere Ukraine' an. Womit ziemlich sicher sein dürfte, dass die Gute ihre wilden Tänze demnächst im Parlament aufführen kann. In einem Interview im österreichischen Standard anlässlich des Jahrestages der Revolution hatte sie alle Einwände über die breite Enttäuschung in der Bevölkerung über die verfahrene politische…
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ESC-Fina­le 2005: Why don’t you kill me?

ESC-Fina­le 2005: Why don’t you kill me?

Angedroht war, dass die letztjährige Siegerin, die von Staatschef Wiktor Juschtschenko zur Eurovisionsbeauftragten ernannte Volksheldin Ruslana, durch den Abend führen solle. Die Galionsfigur der Orangenen Revolution sagte aber in letzter Sekunde ab. Weil sie so viel zu tun habe, dass sie sich nicht richtig vorbereiten könne, so die offizielle Begründung. Jegliche Spekulation über einen Zusammenhang mit ihren eher fragmentarischen Englischkenntnissen ist hingegen so bösartig wie wohl begründet. Ob Mascha und Pascha, die Ersatzmoderatoren, nun so viel besser Englisch sprachen? Es gab an diesem Abend keine rechte Antwort darauf. Denn sie zwitscherte ihre Texte zwischen stets zum debilen Dauergrinsen gebleckten Perlweißzähnen heraus…
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ESC-Fina­le 2004: Just may­be I’m crazy

ESC-Fina­le 2004: Just may­be I’m crazy

Man möge es mir nachsehen: diesen Jahrgang kann ich nicht nach den üblichen Maßstäben beurteilen. Denn zum ersten Mal verfolgte ich das Geschehen nicht mehr zu Hause am Fernseher, sondern live vor Ort in der Halle. Ein völlig anderes Erlebnis, das ich jedem nur empfehlen kann! Die EBU hatte just in jenem Jahr erstmals dem eigentlichen Grand Prix eine Qualifikationsrunde vorgeschaltet, die ich als bekennender Trashgourmet seither noch mehr liebe als das Finale, weil sich dort die tragischeren Beiträge sammeln. In dieser Endrunde nun tummelten sich die Big Four und die zehn bestplatzierten Länder aus 2003. Sowie eben die zehn Besten…
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ESC-Semi 2004: Take my Shoes and go straight

ESC-Semi 2004: Take my Shoes and go straight

Wer nicht zu den allereingefleischtesten Eurovisionsfans gehört, für den könnte der Begriff "Semi" bis heute Neuland sein. Kein Wunder: die deutschen Medien - inklusive der ARD - schweigen diese Neuerung beharrlich tot. Seit dem massenhaften Zustrom osteuropäischer Länder mussten bislang jedes Jahr etliche Antrittswillige aussetzen, was in den regelmäßig betroffenen Ländern zu einem starken Rückgang des öffentlichen Interesses führte. Als Abhilfe schuf die EBU 2004 ein brandneues Vorsortierfahren: die Qualifikationsrunde a.k.a. Semi, durch das alle durchmussten, die 2003 schlechter als Platz 10 abgeschnitten hatten. Mit Ausnahme der Big Four: Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland, die aufgrund ihrer Finanzkraft und Zuschauermassen stets…
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