Wind

Count­down Grand Prix 1999: Das ist nicht okay

Count­down Grand Prix 1999: Das ist nicht okay

Auch im Jahre Eins n.M. (nach dem Meister) brandeten die emotionalen Wellen erneut hoch auf bei der deutschen Grand-Prix-Vorentscheidung im doch eigentlich so kühlen Bremen. Das hatte diesmal allerdings weniger mit polarisierenden Teilnehmer:innen zu tun und erst recht nicht mit der überwiegend mauen musikalischen Güte der elf Beiträge. Sondern vielmehr mit einem fiesen (Münchener?) Maulwurf und einer betrogenen Siegerin. Sowie dem schlechten Einfluss von Deutschlands größtem und miesesten Schundblatt, mit dem der öffentlich-rechtliche NDR eine unheilvolle Allianz eingegangen war. Nach der erfolgreichen Kampagne des Vorjahres um Guildo Horn ("Darf dieser Mann für Deutschland singen?") hatte die Bild nämlich Blut geleckt. Das…
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Count­down Grand Prix 1998: Die Zeit voll Har­mo­nie und Glück

Count­down Grand Prix 1998: Die Zeit voll Har­mo­nie und Glück

Mit dem Isländer Paul Oscar, den das Erste als Stargast zur deutschen Grand-Prix-Vorentscheidung 1998 einfliegen ließ, und der schelmisch "alle Swüle" im Bremer Publikum grüßte, worüber sich der diesjährige Gastgeber Axel "Alexis" Bulthaupt besonders strahlend freute, hatte der Eurovision Song Contest, schon seit jeher die jährliche Fußballweltmeisterschaft queerer Menschen, im Vorjahr endlich sein offizielles Coming Out geschafft. Vor diesem Hintergrund erschien die Teilnahme von Rosenstolz an dieser als revolutionär in die Annalen der deutschen Grand-Prix-Geschichte eingehenden Veranstaltung nur folgerichtig. Das Berliner Duo, bestehend aus dem offen schwulen Keyboarder Peter Plate und der Sopranistin Anna R. (bürgerlich: Andrea Rosenbaum), galt mit…
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ESC-Fina­le 1992: Why her?

ESC-Fina­le 1992: Why her?

Im Gegensatz zu ihrem legendären italienischen Vorgänger zwar kompetent, doch nordisch unterkühlt und bar jeden Charismas: das schwedische Moderationspaar. Musikalisch blieb sehr wenig hängen vom Aufgebot dieses Abends, auch in den Charts resümierte dieses Jahrgang in einer kompletten Fehlanzeige. Und das verwunderte nicht, hatten die fast ausschließlich eigens für den Contest und den Geschmack der internationalen Juror:innen geschriebenen Lieder nun wirklich nicht das Geringste mehr mit aktuellem Hitparadenpop zu tun. Und so blieben mal wieder nur die optischen Eindrücke, die den Bericht lohnen. Wie beispielsweise der als Gimmick eingesetzte, kregle Zeichentrickvogel Song Trush, der jeweils die Postkarten vor den eigentlichen…
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Ein Lied für Mal­mö 1992: Der Mann, der sei­nen Job verlor

Ein Lied für Mal­mö 1992: Der Mann, der sei­nen Job verlor

In den Wiedervereinigungswirren nutzte der seit 1979 innerhalb der ARD für den Eurovision Song Contest zuständige Bayerische Rundfunk die Gunst der Stunde und schob die Verantwortung für die mittlerweile extrem ungeliebte, nur noch als ärgerliche Geldverschlingungsmaschine empfundene Veranstaltung eilends an den neu gegründeten Mitteldeutschen Rundfunk ab, noch heute der führende Schlagersender der Nation, der seine stramm rechte Gesinnung bereits im Namen trägt. Denn "mitteldeutsch" kann man das Sendegebiet des MDR nur dann nennen, wenn man Deutschland weiterhin in den Grenzen von 1939 denkt und die im Zweiten Weltkrieg verlorenen Gebiete jenseits der Oder irgendwann wieder heim ins Reich holten möchte.…
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ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

Der Brüsseler Contest - ein einziges Déjà Vu: derselbe Sieger wie schon 1980; die gleichen deutschen Teilnehmer wie schon 1985, die wiederum dieselbe Platzierung erreichten wie bereits zwei Jahre zuvor, nämlich den zweiten Rang. Erneut erhielten wir nur einen Punkt aus der Schweiz - auch das war man gewohnt. Diesmal spielte es aber keine Rolle mehr: selbst mit zwölf helvetischen Zählern hätten Wind (DE 1985, 1992, DVE 1998, 1999) nicht mehr gewonnen. 'Lass die Sonne in Dein Herz', für dessen stumpfe Gleichschrittspräsentation Ralph Siegel eigens für teuer Geld eine "englische Choreografin, aus England" engagiert habe, wie er in einem ARD-Special stolz erzählte, hasste ich eigentlich immer…
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Ein Lied für Brüs­sel 1987: Geh ins Licht, Carol-Anne

Ein Lied für Brüs­sel 1987: Geh ins Licht, Carol-Anne

In diesem Jahr degenerierte die deutsche Eurovisionsvorentscheidung vollends zu einem Ralph-Siegel-Festspiel. Fast die Hälfte aller vorgestellten Titel, nämlich fünf von zwölf, stammten aus seiner Feder. Entweder hatte der Münchener Fließbandkomponist die Vorauswahljurys geschickt durch ihm hörige Menschen unterwandern lassen - oder, und das erscheint mir wahrscheinlicher, es wollte außer ihm tatsächlich niemand mehr mit dem Grand Prix in Verbindung gebracht werden. Nach dem es im Vorjahr keine Radio-Vorrunde gegeben hatte, mussten die Zuhörer:innen der ARD-Radiowellen diesmal wieder 20 Songs über sich ergehen lassen. Doch auch sie wiesen nur den Siegel-Titel 'Sonntag, Sonntag' von Heike Schäfer zurück. Sowie eine nachdenkliche Beziehungsballade…
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Ein Lied für Göte­borg 1985: Sie läu­ten auch zur letz­ten Stunde

Ein Lied für Göte­borg 1985: Sie läu­ten auch zur letz­ten Stunde

Ein besonderer Zweikampf spielte sich ab bei der deutschen Grand-Prix-Vorentscheidung des Jahres 1985; einer, der das ganze unfassbare Elend der Veranstaltung vortrefflich illustriert. Der Kampf der Gigant:innen lautete nämlich Ralph Siegel versus Hanne Haller. Der Grand-Prix-Junkie und die gefühlssehnsüchtige Schranklesbe traten als Komponist:innen und Produzent:innen jeweils mit gleich zwei (Siegel) bzw. sogar drei (Haller) Acts an, die allesamt nicht weniger repräsentativ für die deutsche Musikszene hätten sein können (zum Vergleich: die erfolgreichste Single aus deutscher Produktion hieß 'You're my Heart, you're my Soul', bestverkauftes deutschsprachiges Lied war 'Rock me, Amadeus' von Falco). Auf Seiten der antretenden Interpret:innen fehlten bekannte Namen…
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