Rumänien 2008: Ewig ist die Magie des Herzens

Es sind zwei recht unterschiedliche, aber durchaus prägende Musikstile, mit denen Rumänien die Grand-Prix-Szene bislang bereicherte: melodiöses, kompetent gesungenes Vocal House (‚Torneró‘, ‚Let me try‘), mit dem man Belgien erfolgreich den Rang ablaufen konnte – und verkitschtes, stimmstark vorgetragenes Muscial-Gesülze (‚Tell me why‘). Zur letzteren Sorte zählt der aktuelle Beitrag ‚Pe o Margine de Lume‘, der nicht nur vom Titel her an eine Margarinereklame erinnert.


Würd ich nicht vom Badelaken schubsen: Vlad

Vorgetragen wird der Breitwandschmachtfetzen von einer Nico und dem 27jährigen ausgebildeten Opernsänger Vlad Miriţă, der an der Bukarester Staatsoper unter anderem bereits den Ismael in ‚Nabucco‘ gab. Dementsprechend gut liegt ihm der Song, ein auf italienisch vorgetragenes, saccharinsüßes Gesülze, das mich gerade wahnsinnig macht, weil die Melodie des Refrains zu 95% bei einem älteren Grand-Prix-Titel geklaut ist, der mir ums Verrecken nicht einfallen will! Für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, setzt die aufrechtgehn-Redaktion hiermit eine Belohnung von 75 Cent aus! Gelöst: es ist bei ‚La Magia del Corazón‘ abgekupfert, mit dem der nicht minder schnuckelige David Bustamante 2002 in der ersten spanischen Operacion Triúnfo Dritter wurde. Jedenfalls sülzt der äußerst leckere Vlad sehr entspannt und kompetent vor sich hin, während die etwas verkrampft wirkende Nico drei Backgroundsängerinnen zur Unterstützung braucht. Aber wer achtet schon auf sie?


Das Original, zumindest, was den Refrain angeht

5 Gedanken zu “Rumänien 2008: Ewig ist die Magie des Herzens

  1. kitschiges Trostpflästerchen Üblicherweise stehe ich ja nicht auf so einen Kitsch – aber verglichen mit den himmelschreienden musikalischen Schwerstverbrechen, die im diesem Jahrgang schon verbrochen wurden, ist das ja geradezu eine Wohltat. Stimmsicher vorgetragen, mit ein paar dezenten, zeitgemäßen Beats aufgepeppt – die Nummer geht schon in Ordnung. Aber von welcher Nummer der Beitrag abgekupfert ist, weiß ich nicht – muss irgendwo vor meiner ESC-Zeitrechnung gewesen sein.

  2. Italienisch im Vormarsch? Nach Schweiz und wahrscheinlich San Marino der dritte Song auf italienisch dieses Jahr. Ist das eine Art grandioses Revival oder wird es doch nur mehr ein letztes, versuchsweises Aufbäumen werden? Haben die Letten da letztes Jahr doch was ausgelöst? In Bulgarien wäre es ja auch fast italienisch geworden. Zumindest sind nicht alle im gleichen Semi. Ansonsten netter Song und noch netterer Sänger. 8)

  3. Guter Tipp – aber der war’s nicht Stimmt schon, die beiden Songs sind von der Machart sehr ähnlich. Aber die Melodie, die mir durch den Kopf ging, war – wie ich grad bei oikotimes nachgelesen habe – (Siempre) la Magia del Corazon von David Bustamante (OT 2002). Ist bis auf die letzten zwei Töne wirklich deckungsgleich mit dem Refrain. Aber trotzdem danke!

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