ESC-Fina­le 1984: Im Augen­blick der Illusion

ESC-Fina­le 1984: Im Augen­blick der Illusion

Ein Katastrophenjahrgang, so das einhellige Urteil in der Pressenachschau. Dem konnte man als Zuschauer nur beipflichten: mittlerweile schickten fast alle Länder ausschließlich auf den vermuteten Jurygeschmack zugeschnittene Liedkost. Die bestand entweder aus seichten, künstlich munteren Plastikpopnummern mit ewiggleicher Choreografie oder aus altbackenen Balladen, in denen Sängerinnen aus der vierten und fünften Reihe versuchten, mit dünnen Stimmchen dick aufzutragen. Ernst zu nehmende, auch kommerziell erfolgreiche Popacts, die noch in den Siebzigern den Song Contest bevölkerten, suchte man vergebens. Einen Lichtblick bot lediglich Desirée Nosbusch, die trotz ihres jugendlichen Alters fünfsprachig und mit Witz und Esprit durch die Show führte, so als sei…
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Ein Lied für Luxem­burg 1984: Mit Stolz in mei­nen Augen

Ein Lied für Luxem­burg 1984: Mit Stolz in mei­nen Augen

Der 1979 mit dem Wechsel des Vorentscheids zum Bayerischen Rundfunk begonnene, knapp fünfjährige deutsche Lauf beim Grand Prix Eurovision neigte sich unaufhaltsam dem Ende entgegen. Die Beiträge der diesjährigen "Endausscheidung", vom BR aus dem heimischen Sendestudio ins prachtvolle Deutsche Theater verlegt und zu allem Übel moderiert durch den personifizierten Sprechdurchfall Sabine Sauer, zeichneten sich samt und sonders durch musikalische Grausamkeit und inhaltliche Belanglosigkeit aus. 'Wo warst Du, als ich starb?', diese von Frank Daniels (wer?) gestellte Frage konnte stellvertretend für den dahinsiechenden deutschen Schlager stehen. Und aus Sicht der Zuschauer:innen beantwortet werden mit: zu Hause, vor dem TV-Gerät. Und das…
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Aus Zwölf wird eins 1984: Sonst ver­lier’ ich noch den Verstand

Aus Zwölf wird eins 1984: Sonst ver­lier’ ich noch den Verstand

"Die Schatten der Vergangenheit sind nicht für uns da [...] / Vergangenes, das zählt nicht mehr, wir schieben es weg": sehr selten wurde in der deutschsprachigen Populärkultur der von aktiver Verdrängung geprägte Umgang mit der Nazi-Zeit so offensiv thematisiert wie beim österreichischen Eurovisionsvorentscheid im Jahre 1984. Allerdings sollte der vom Wiener Musiker Peter Janda ('Die Zeit ist einsam', 1986) komponierte und bei Ralph Siegels Firma Jupiter Records veröffentlichte Schlager 'Die Schatten der Vergangenheit' keinesfalls als Kritik an der Verweigerung der geschichtlichen Aufarbeitung zu verstehen sein. Sondern ganz im Gegenteil als nachgerade aggressive Aufforderung, die unerträglichen Bilder des Holocaust für immer…
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