Die Achtziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1980 bis 1989.

ESC-Fina­le 1989: Why do they always get it wrong?

ESC-Fina­le 1989: Why do they always get it wrong?

Ein Jahrgang, der mich wie kein zweiter gespalten hinterlässt: einerseits unglaublich reich an Spitzenerzeugnissen des Trashs und der unfreiwilligen Komik und damit ein ernsthafter Anwärter auf die Top Five meiner Lieblingscontests. Andererseits ruiniert durch rundweg skandalöse Juryentscheidungen und den ungerechtfertigsten Siegertitel aller Zeiten. Doch beginnen wir mit den amüsanten Seiten dieses Contests: das eidgenössische Fernsehen unterhielt die Zuschauer/innen zum Auftakt und in den Postkarten mit idyllischen Klischeebildern über Berge, Kühe, Berge, Käse, Berge, Uhren, Berge, Alphörner, Berge, das Heidi und Berge - was man sich eben unter der Schweiz so vorstellt! Bankenniederlassungen mit diskreten Konten für das Blutgeld aus den Diktaturen dieser Welt oder die…
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Ein Lied für Lau­sanne 1989: Wir sind so hoch geflogen

Ein Lied für Lau­sanne 1989: Wir sind so hoch geflogen

Nach dem Vorjahresfiasko mit ranziger Siegel-Schlagerware ging der Bayerische Rundfunk im Jahre 1989 endlich einen mutigen Schritt zur Auffrischung der deutschen Eurovisionsvorentscheidung. Zum einen verpflichtete er Hape Kerkeling als Moderator, der im Verbund mit den mehr oder minder prominenten Pat:innen der (nur noch) zehn Beiträge einen flachen Kalauer nach dem anderen ablieferte, dies jedoch mit sehr viel jugendlichem Charme. Bloß die rassistischen Ausrutscher rund um Songpate Roberto Blanco hätte es nicht gebraucht. Zum anderen, viel wichtiger noch, nahm der BR Abstand vom offenen Einsendeverfahren und bat stattdessen die zehn kommerziell erfolgreichsten deutschen Musikschaffenden des Vorjahres, jeweils einen Song aus eigener…
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ESC-Fina­le 1988: Gib mir mei­ne Chance

ESC-Fina­le 1988: Gib mir mei­ne Chance

Schon einmal, 1974, fungierte der Eurovision Song Contest als Sprungbrett für eine internationale Musikkarriere der Superlative: seinerzeit für das schwedische Quartett Abba. In Dublin, wo der Wettbewerb bereits zum dritten (wenn auch nicht zum letzten) Mal stattfand, legte eine im Heimatland bereits erfolgreiche, bei uns bis dato jedoch völlig unbekannte Frankokanadierin namens Céline Dion den Grundstein zu ihrer Weltkarriere. Sie holte den Sieg als Gastsängerin für die Schweiz mit dem Musterbeispiel eines klassischen frankophilen Gefühlssturms, 'Ne partez pas sans moi', für meinen Geschmack das schönste Exemplar dieser vielgeliebten, wenngleich mittlerweile hoffnungslos veralteten Musikgattung. (mehr …)
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Ein Lied für Dub­lin 1988: Das ist nicht viel

Ein Lied für Dub­lin 1988: Das ist nicht viel

'Ich wünsch Dir Liebe ohne Leiden' hieß ein wunderschöner Song aus dem Jahr 1984, den der große Udo Jürgens gemeinsam mit seiner Tochter Jenny sang, die sich in diesem Jahr daran versuchte (und überhob), die deutsche Grand-Prix-Vorentscheidung zu moderieren. "Ich wünsch mir Lieder ohne Leiden": dieser sehnliche Gedanke überkam die Zuschauer:innen des televisionären Elends hingegen angesichts des unbeschreiblich miserablen Songtableaus dieser Veranstaltung. Bei der sich, wie gewohnt, völlig unbekannte Hoffnungslose und abgehalfterte Schlagerstars die Klinke in die Hand gaben. So beispielsweise der bereits wieder am Ende seiner Hitparadenkarriere stehende Tommy Steiner, der berüchtigte 'Ficker von San Juan', der in den Neunzigern im…
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ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

Der Brüsseler Contest - ein einziges Déjà Vu: derselbe Sieger wie schon 1980; die gleichen deutschen Teilnehmer wie schon 1985, die wiederum dieselbe Platzierung erreichten wie bereits zwei Jahre zuvor, nämlich den zweiten Rang. Erneut erhielten wir nur einen Punkt aus der Schweiz - auch das war man gewohnt. Diesmal spielte es aber keine Rolle mehr: selbst mit zwölf helvetischen Zählern hätten Wind (DE 1985, 1992, DVE 1998, 1999) nicht mehr gewonnen. 'Lass die Sonne in Dein Herz', für dessen stumpfe Gleichschrittspräsentation Ralph Siegel eigens für teuer Geld eine "englische Choreografin, aus England" engagiert habe, wie er in einem ARD-Special stolz erzählte, hasste ich eigentlich immer…
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Ein Lied für Brüs­sel 1987: Geh ins Licht, Carol-Anne

Ein Lied für Brüs­sel 1987: Geh ins Licht, Carol-Anne

In diesem Jahr degenerierte die deutsche Eurovisionsvorentscheidung vollends zu einem Ralph-Siegel-Festspiel. Fast die Hälfte aller vorgestellten Titel, nämlich fünf von zwölf, stammten aus seiner Feder. Entweder hatte der Münchener Fließbandkomponist die Vorauswahljurys geschickt durch ihm hörige Menschen unterwandern lassen - oder, und das erscheint mir wahrscheinlicher, es wollte außer ihm tatsächlich niemand mehr mit dem Grand Prix in Verbindung gebracht werden. Nach dem es im Vorjahr keine Radio-Vorrunde gegeben hatte, mussten die Zuhörer:innen der ARD-Radiowellen diesmal wieder 20 Songs über sich ergehen lassen. Doch auch sie wiesen nur den Siegel-Titel 'Sonntag, Sonntag' von Heike Schäfer zurück. Sowie eine nachdenkliche Beziehungsballade…
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ESC-Fina­le 1986: Du weisst, ich lie­be das Leben

ESC-Fina­le 1986: Du weisst, ich lie­be das Leben

So viel Pomp, so viele schlechte Lieder! Der damalige Kronprinz und heutige König Norwegens, das nach 28 Teilnahmen und sechs Roten Laternen erstmals den Grand Prix austragen durfte, ließ es sich nicht nehmen, nebst Gemahlin und Kindern dem festlichen Ereignis beizuwohnen. Auch die Moderatorin der Show, Åse Kleveland, zählt fraglos zum Eurovisionsadel: zwanzig Jahre zuvor, 1966, war die Liedermacherin mit dem progressiven Folkstück 'Intet er nytt under Solen' beim Wettbewerb angetreten und belegte den dritten Platz. Danach distanzierte sie sich zwar zunächst vom Grand Prix, was sie aber nicht davon abhielt, nun mit dem gestrengen Auftreten und der Frisur einer Domina im malerischen Bergen durch einen Abend musikalischer…
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Ein Lied für Ber­gen 1986: Unse­re ein­zi­ge Welt

Ein Lied für Ber­gen 1986: Unse­re ein­zi­ge Welt

Sie begann schon gleich mit einer Panne, die vom Bayerischen Rundfunk leicht anrüchig als "Endausscheidung" apostrophierte Vorauswahl 1986: gerade groovten sich die deutschen Vorjahresvertreter Wind auf der Bühne des Deutschen Theaters zu München zum Vollplayback von 'Für alle' ein, da klemmte bereits nach wenigen Sekunden das Band. Es folgte hilflos-nervtötendes Moderationsgestammel von einer absurd auftoupierten Dame mit dem sehr sprechenden Namen Sabrina Lallinger, während ihre Komoderatorin, welcher die Aufgabe zuteil kam, die zwölf Lieder anzusagen, dabei dermaßen grauenhafte Limericks stolpernd vom Blatt ablesen musste, dass man sich die Einführung der Scharia in Deutschland herbeisehnte, um die hierfür verantwortlichen BR-Redakteure mit Stockschlägen…
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ESC-Fina­le 1985: Lass es schwingen

ESC-Fina­le 1985: Lass es schwingen

Ein bedenkliches Zeichen: im zweiten Jahr in Folge machten beim Eurovision Song Contest nicht die (unterirdischen) Liedbeiträge von sich reden, sondern die Moderatorin der Show. Lil Lindfors, die anbetungswürdige coole schwedische Grand-Prix-Vertreterin von 1966 ('Nygammal Vals') und Gastgeberin des heutigen Abends, blieb bei der Anmoderation der Punktewertung wie zufällig an einem Treppengeländer hängen und riss sich den Rock ab, woraufhin die Welt sie sekundenlang im Unterhöschen bewundern durfte. Doch schnell löste sie ein paar Fäden, zog ein paar Stoffteile herunter und - schwupps! - stand sie wieder im schicklichen Beinkleid da. "Ich wollte Sie nur aufwecken", bemerkte sie süffisant. Der Weckruf erwies sich nach…
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Ein Lied für Göte­borg 1985: Sie läu­ten auch zur letz­ten Stunde

Ein Lied für Göte­borg 1985: Sie läu­ten auch zur letz­ten Stunde

Ein besonderer Zweikampf spielte sich ab bei der deutschen Grand-Prix-Vorentscheidung des Jahres 1985; einer, der das ganze unfassbare Elend der Veranstaltung vortrefflich illustriert. Der Kampf der Gigant:innen lautete nämlich Ralph Siegel versus Hanne Haller. Der Grand-Prix-Junkie und die gefühlssehnsüchtige Schranklesbe traten als Komponist:innen und Produzent:innen jeweils mit gleich zwei (Siegel) bzw. sogar drei (Haller) Acts an, die allesamt nicht weniger repräsentativ für die deutsche Musikszene hätten sein können (zum Vergleich: die erfolgreichste Single aus deutscher Produktion hieß 'You're my Heart, you're my Soul', bestverkauftes deutschsprachiges Lied war 'Rock me, Amadeus' von Falco). Auf Seiten der antretenden Interpret:innen fehlten bekannte Namen…
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ESC-Fina­le 1984: Im Augen­blick der Illusion

ESC-Fina­le 1984: Im Augen­blick der Illusion

Ein Katastrophenjahrgang, so das einhellige Urteil in der Pressenachschau. Dem konnte man als Zuschauer nur beipflichten: mittlerweile schickten fast alle Länder ausschließlich auf den vermuteten Jurygeschmack zugeschnittene Liedkost. Die bestand entweder aus seichten, künstlich munteren Plastikpopnummern mit ewiggleicher Choreografie oder aus altbackenen Balladen, in denen Sängerinnen aus der vierten und fünften Reihe versuchten, mit dünnen Stimmchen dick aufzutragen. Ernst zu nehmende, auch kommerziell erfolgreiche Popacts, die noch in den Siebzigern den Song Contest bevölkerten, suchte man vergebens. Einen Lichtblick bot lediglich Desirée Nosbusch, die trotz ihres jugendlichen Alters fünfsprachig und mit Witz und Esprit durch die Show führte, so als sei…
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Ein Lied für Luxem­burg 1984: Mit Stolz in mei­nen Augen

Ein Lied für Luxem­burg 1984: Mit Stolz in mei­nen Augen

Der 1979 mit dem Wechsel des Vorentscheids zum Bayerischen Rundfunk begonnene, knapp fünfjährige deutsche Lauf beim Grand Prix Eurovision neigte sich unaufhaltsam dem Ende entgegen. Die Beiträge der diesjährigen "Endausscheidung", vom BR aus dem heimischen Sendestudio ins prachtvolle Deutsche Theater verlegt und zu allem Übel moderiert durch den personifizierten Sprechdurchfall Sabine Sauer, zeichneten sich samt und sonders durch musikalische Grausamkeit und inhaltliche Belanglosigkeit aus. 'Wo warst Du, als ich starb?', diese von Frank Daniels (wer?) gestellte Frage konnte stellvertretend für den dahinsiechenden deutschen Schlager stehen. Und aus Sicht der Zuschauer:innen beantwortet werden mit: zu Hause, vor dem TV-Gerät. Und das…
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Aus Zwölf wird eins 1984: Sonst ver­lier’ ich noch den Verstand

Aus Zwölf wird eins 1984: Sonst ver­lier’ ich noch den Verstand

"Die Schatten der Vergangenheit sind nicht für uns da [...] / Vergangenes, das zählt nicht mehr, wir schieben es weg": sehr selten wurde in der deutschsprachigen Populärkultur der von aktiver Verdrängung geprägte Umgang mit der Nazi-Zeit so offensiv thematisiert wie beim österreichischen Eurovisionsvorentscheid im Jahre 1984. Allerdings sollte der vom Wiener Musiker Peter Janda ('Die Zeit ist einsam', 1986) komponierte und bei Ralph Siegels Firma Jupiter Records veröffentlichte Schlager 'Die Schatten der Vergangenheit' keinesfalls als Kritik an der Verweigerung der geschichtlichen Aufarbeitung zu verstehen sein. Sondern ganz im Gegenteil als nachgerade aggressive Aufforderung, die unerträglichen Bilder des Holocaust für immer…
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ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene "spontane" Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun. (mehr …)
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Ein Lied für Mün­chen 1983: Ver­band uns wirk­lich nur die Nacht?

Ein Lied für Mün­chen 1983: Ver­band uns wirk­lich nur die Nacht?

Im Jahr Eins n.N. (nach Nicole) hielt sich Ralph Siegel aus der deutschen Vorentscheidung komplett heraus. Kein "Projekt Titelverteidigung" wie drei Jahrzehnte später bei einem anderen großen Eurovisionsegomanen: Onkel Ralph wusste, dass sich die Magie des Augenblicks nicht einfach wiederholen lässt. Ansonsten blieb alles wie gehabt: abgehalfterte Schlagerstars und unbekannte Sternchen sangen (noch immer unter der selben Lichtorgel wie schon 1979!) eine Auswahl ermüdender Schlichtschlager. Während da draußen gerade die Neue Deutsche Welle mit der ungezügelten Kraft eines Tsunamis durch die Charts brandete und sehr zum Missfallen von Dieter-Thomas Heck selbst in seiner ZDF-Hitparade der 'Major Tom' mit seiner 'Sennerin…
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Aus Zwölf wird eins 1983: die Müh­le der stür­mi­schen Gefühle

Aus Zwölf wird eins 1983: die Müh­le der stür­mi­schen Gefühle

"Pssscht! Ein bisschen leiser!": mit diesem gleich zweimal im Tonfall zwischen Verärgerung und Verzweiflung vorgetragenen Imperativ versuchte (die deutschen TV-Zuschauer:innen aus der langlebigen ZDF-Rateshow Dalli dalli bekannte) Brigitte Xander, die in einem rosafarbenen Fledermausärmel-Ungetüm von Abendkleid durch die Show führte, die entfesselte Rasselbande im nachgerade schäbig improvisiert wirkenden Green Room des österreichischen Vorentscheids 1983 wenigstens temporär zum Schweigen zu bringen. Was zu den wenigen lustigen Momenten dieser insgesamt eher steifen Show gehörte, bei der erneut zwölf größtenteils unterirdische Schlager um die Fahrkarte ins relativ nahe München rangen, wo der Eurovision Song Contest in diesem Jahr gastieren sollte. In der bayerischen…
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ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

1982: eine magische Zahl für Deutschland, ein nationales Trauma. Nicht nur, weil sich damals ein birnenförmiger Oggersheimer anschickte, das Land mit einer sechzehn Jahre währenden Schreckensherrschaft zu überziehen. Viel wichtiger: wir gewannen den Grand Prix! Zum ersten - und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Meyer-Landrut die Wachablösung vollzog und die Ära Siegel beendete, fest glaubte, auch zum letzten - Mal. Der Contest zog von den bisher meist als Austragungsort ausgewählten Hauptstädten in die tiefste britische Provinz nach Horrorgate Harrogate. Wie passend, denn provinziell mutete auch das musikalische Aufgebot an. (mehr …)
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Aus Zwölf wird Eins 1982: Jede Zel­le an jeder Stelle

Aus Zwölf wird Eins 1982: Jede Zel­le an jeder Stelle

Um die dramatische Bandbreite des Unterschieds zwischen dem Grand Prix Eurovision und des realen Popgeschehens in den Achtzigerjahren zu illustrieren, sei es mir an dieser Stelle bitte gestattet, eine persönliche Anekdote zu erzählen. Den Winterurlaub 1981/1982 verbrachte der Blogbetreiber (damals 14) nämlich gemeinsam mit der Familie skifahrend in Österreich (über die katastrophalen ökologischen Folgen dieses Freizeitvergnügens sprach seinerzeit noch kein Mensch). Dort schallte uns seinerzeit aus jedem Radio, in jeder Jausenstation und beim Einkaufsbummel im örtlichen A&O-Markt im gefühlt viertelstündlichen Abstand immer wieder diese eine ikonische Textzeile entgegen: "Drah di ned um", rappte da ein junger Wiener, "der Kommissar geht…
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Ein Lied für Har­ro­ga­te 1982: Ich bin nur ein Mädchen

Ein Lied für Har­ro­ga­te 1982: Ich bin nur ein Mädchen

Bereits ins vierte Jahr ging nun die Regentschaft des Bayerischen Rundfunks beim deutschen Grand-Prix-Vorentscheid, und so langsam machte sich eine immergleiche, fade Routine breit. Ob es den Auswahl- und Abstimmungsmodus betraf, die Anzahl der Teilnehmer:innen, das Bühnenbild: alles exakt wie schon in den Jahren zuvor. Erneut führte die damenhafte Carolin Reiber mit aufgesetztem Pathos durch den Abend, und auch wenn sie mit stolzgeschwellter Brust verkündete, dass die Auswahljury diesmal über 800 Titel zu sichten hatte, befand sich das vom BR letztlich präsentierte Musikprogramm doch fest im Würgegriff weniger altgedienter Schlagerschaffender. Denn die an einer Hand abzählbaren Neue-Deutsche-Welle-Songs flogen allerspätestens in…
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ESC-Fina­le 1981: Take you from behind

ESC-Fina­le 1981: Take you from behind

Die Deutschen schäumten vor Zorn, waren aufrichtig erbost! Im Land weilende Schweizer zeigten sich im April 1981 gut beraten, ihre Herkunft zu verschweigen. Nachdem wir schon im Vorjahr nur knapp an der Eurovisionskrone vorbeischrammten, gingen wir diesmal um so siegessicherer ins Rennen. Eine so wunderbare Rührschnulze mit Behindertenmitleidsbonus hatten wir extra gewählt, und die mit unüberhörbar fränkisch rollendem "R" intonierende ("Die Jungen dort drrraußen, die rrriefen nur hinter ihm her") Lena Valaitis sang sauber, wohltimbriert und voller Leidenschaft und Anmut die bittersüße Ballade vom blinden Jungen 'Johnny Blue' direkt in alle Herzen hinein. Selbst die Buchmacher sahen uns ganz vorne. (mehr …)
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Ein Lied für Dub­lin 1981: Lie­der kön­nen grau­sam sein

Ein Lied für Dub­lin 1981: Lie­der kön­nen grau­sam sein

Business as usual beherrschte die deutsche Vorentscheidung im Jahre 1981. Der Bayerische Rundfunk führte nach dem nur haarscharf verpassten Beinahesieg von Katja Ebstein (die zum Dank heuer stockend moderieren durfte) das Konzept der beiden letzten Jahre unverändert fort. Selbst die Studiodekoration blieb die gleiche. Stutzig machte indes das weitestgehende Fehlen prominenter Namen und das miserable künstlerische Niveau - dass es im Verlaufe des anstehenden Jahrzehnts in noch abgründigere Tiefen sänke, vermochte man sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen. Das hatte mit einem popmusikalischen Generationswechsel zu tun, den man in München hartnäckig ignorierte. Während in den Verkaufscharts mit Ideal…
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Öster­reich 1981: Alles fad und leer

Öster­reich 1981: Alles fad und leer

"Dem Sänger wurde auch weiter das Vertrauen ausgesprochen," so skizziert die Autorin Christine Ehrhardt in dem sehr lesenswerten Sammelband Eurovision Song Contest: Eine kleine Geschichte zwischen Körper, Geschlecht und Nation die Stimmung in den österreichischen Medien im Vorfeld des allerersten öffentlichen Grand-Prix-Vorentscheids unserer wunderbaren Nachbarnation im Frühjahr 1981. Bei dem dergestalt Vertrauenswürdigen handelte es sich um den damaligen Twen Marty (gebürtig: Martin) Brem, der im Vorjahr beim Wettbewerb in Den Haag als Teil der eigens für den Contest zusammengestellten Retortenformation Blue Danube ('Du bist Musik') gemeinsam mit Marc Berry und weiteren Mitstreiterinnen den achten Rang ersungen hatte: nicht das bislang…
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ESC-Fina­le 1980: Was ist schon ein Jahr?

ESC-Fina­le 1980: Was ist schon ein Jahr?

Den Doppelsieg Israels in den beiden Vorjahren hatten viele Zuschauer/innen mit erbostem Gegrummel quittiert, alberne Vorwürfe der Preisklasse "Alles Politik!" oder "Schiebung!" ließen nicht lange auf sich warten (dass der irische Sieges-Hattrick in den Neunzigern für keinerlei Empörung mehr sorgte, erklärt sich durch das völlige Desinteresse der Medien und der Zuschauer am Eurovision Song Contest in diesem Zeitraum). Lehnte Israel deswegen die nochmalige Austragung des Wettbewerbs ab? Oder fehlte dem Sender IBA schlicht das Geld? Jedenfalls sprang diesmal nicht, wie sonst üblich, die BBC als Veranstalter ein, sondern die im Vorjahr zwölftplatzierten Holländer, die sich die Postkarten zwischen den Songs sparten und…
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Ein Lied für Den Haag 1980: Grel­le Blit­ze schre­cken mich

Ein Lied für Den Haag 1980: Grel­le Blit­ze schre­cken mich

Seit dem Vorjahr zeichnete nun für den Grand Prix innerhalb der ARD der bayerische Rundfunk verantwortlich, und das sollte für ein Dutzend Vorentscheide so bleiben - eine für Deutschland bei diesem Wettbewerb durchaus prägende Zeit. Aus der Rudi-Sedlmeyr-Halle im Münchener Olympiazentrum, die in nicht all zu ferner Zukunft noch mal eine Rolle spielen sollte, war man ins Fernsehstudio nach Unterföhrung umgezogen, und der BR ließ bei der Leuchtdekoration keine Gelegenheit zur Eigenreklame aus. Die Senderegie lag in den Händen eines einstigen Vorentscheidungsteilnehmers, nämlich Rainer Bertram, der sich ab Ende der Fünfziger als Schlagersänger versuchte, jedoch nur 1963 mit 'Gib mein…
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