Wodka trinkt man pur und kalt (MK 2011)

In Mazedonien ging vor wenigen Minuten ein über vierstündiger, dem Hörensagen nach (ich hab’s nicht live verfolgt) von technischen Pannen und unterirdischen Beiträgen heimgesuchter Vorentscheidungsmarathon zuende, den wohl nur die hartgesottensten Grand-Prix-Masochisten durchgehalten haben dürften. Übereinstimmender Sieger der Jury und der Televoter wurde der spät startende, gutaussehende Vlakto Ilievski mit dem lustigen Trinklied ‚Rusinka‘ – kein Wunder, vermutlich waren zu diesem Zeitpunkt alle Beteiligten aus lauter Verzweiflung schon rotzbesoffen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=k2kaXb1potk
Es geht um Raki und Wodka, und nach jeweils zehn davon ist diese Nummer bestimmt noch besser!

Clevere Strategie der Mazedonier, denn komasaufen muss man dieses Jahr ja nun, um der von der Fülle der Depressionsballaden ausgehenden Suizidgefahr zu entrinnen. Da kommt so eine lustige Nummer wie ‚Rosinka‘ natürlich gerade recht! Einziger Nachteil: die Menschen könnten anschließend zu betrunken sein, um noch telefonisch die Dankbarkeitsvote abzugeben. Man wird sehen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=RPuFC7JurTc
In Mazedonien würde ich keine Chicken McNuggets essen!

Nicht vorenthalten möchte ich Euch natürlich (danke für die Hinweise!) die gleich zu Beginn der dortigen Vorentscheidung zu sehende Kultknallernummer dieses Jahres, ach was: des Jahrtausends, gegen die Jamala und alle Anderen einpacken können. Offensichtlich als Spätfolge der Vogelgrippe erschien dort nämlich ein als Hühnchen verkleideter alter Mann mit einem Gesichtsausdruck, als habe er eine Wette verloren, auf der Bühne, um seine ultraschräge Nummer ‚Kukuriku‘ zu gackern. Tatsächlich ist der Mann aber Leadsänger bei Mazedoniens dienstältester Punkrockband names Rok Agresori und liefert alle zwei bis drei Jahre beim dortigen Vorentscheid solche Nummern ab. Ich glaube, geileren Trash hat es im Umfeld der Eurovision noch nie gegeben! Danke, Mazedonien!

httpv://www.youtube.com/watch?v=3vE1H-oUfek
Mazedonischer Hip-Hop über Facebook und Kommunismus. Very strange…

httpv://www.youtube.com/watch?v=CbPI3g0Oz4c
Mazedonische Dudelsäcke können rocken wie die Sau! Ram tam tam!

Abschließend dann noch die großartigen, offiziellen Videoclips der beiden besten Beiträge:

httpv://www.youtube.com/watch?v=NRG2lY9CuL8
Rusinka

httpv://www.youtube.com/watch?v=55GJERWuKSI
Kukuriku

6 Gedanken zu “Wodka trinkt man pur und kalt (MK 2011)

  1. Da schickt Mazedonien – ausgerechnet Mazedonien! – endlich einmal statt einem langbeinigen Hungermodel, öden Gitarrenschrammlern oder der 100. Ballade dieses Jahrgangs einen gut aussehenden jungen Mann mit feinstem Ethno-Trash und der Herr hier muss es sich immer noch schön trinken, tzzz …

  2. Nein, nein – ich finde die Nummer ja klasse! 😀 Aber die Steilvorlage mit dem Schönsaufen konnte ich mir halt einfach nicht entgehen lassen! Es ist halt nun mal ein Sauflied, und das klingt mit ordentlich Promille im Blut halt nun mal noch besser als nüchtern! 🙂 Aber in der Tat bin ich positiv überrascht – das erste Mal seit Menschengedenken, dass ich bei einem mazedonischen Beitrag nicht sofort schreiend wegrennen muss! 🙂

  3. Rusinka Ja, der Song ist nicht schlecht – so einen Beitrag hätte ich von Moldau erwartet. Zdob

  4. Das Grauen hat einen Namen Ich weiß zwar nicht, welchen, aber irgendwie muss der makedonische Tontechniker ja heißen. Ich gehe davon aus, dass die konkurrierenden Künstler ihn im Nachgang in einer konzertierten Aktion gemeinschaftlich verdroschen haben. Gegen die unterirdische Sound-Abmischung war ja die georgische Putzkammer ein Paradies. Dabei hatte es der ‚Mixer des Todes‘ offensichtlich speziell auf die Sänger (um die es ja gerade geht!) abgesehen. Ständig zu leise oder komplett abgedrehte Mikrofone, dann wieder Dauerrückkopplungen. Bei jedem neu beginnenden Song dachte ich zuerst, jetzt ist es besser, aber sobald dann der Gesang einsetzte (oder eben nicht! Trotz sichtbarer Lippenbewegungen des Sängers), wurde ich wieder eines besseren belehrt. Also entweder ist die gesamte Veranstaltung als eine Art Dschungelcamp oder Spiel ohne Grenzen für die Teilnehmer gedacht gewesen, oder es steckt ein kräftiges Schmiergeld feindlicher Mächte dahinter. Bewundernswert, wie tapfer die Darsteller das ausgehalten haben, ohne eine Miene zu verziehen. Wodka? Gegen Ende der Veranstaltung wurde es dann tendenziell besser. Vermutlich hat der Sieger also seinen Triumph vor allem dem späten Startplatz zu verdanken.

  5. Der Song gefällt mir! Zwar ziemlich primitiv – aber hey, die Hütte brennt! Gewinnen wird er natürlich nicht – und ich glaube, dass ist auch besser so: denn das das mazedonische Fernsehen finanziell schwer angeschlagen ist, wurde gestern bei dieser technisch unbeschreiblich erbärmlichen Vorentscheidungs-Show überdeutlich.

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