Niederlande: Grand Prix beschäftigt das Parlament

Endlich mal ein Politiker, der sich um die wirklich wichtigen Dinge kümmert: der niederländische Abgeordnete Jasper van Dijk von den Sozialdemokraten will eine parlamentarische Debatte über die dortige Vorentscheidung beantragen. Grund: fünf der sechs diese Woche vorgestellten KandidatInnen entstammen der Castingshow The Voice of Holland, produziert von Jon de Mol. Dessen Firma Endemol organsiert in diesem Jahr im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Senders TROS auch die niederländische Vorentscheidung. Der Kandidatenkür voraus ging eine offene Bewerberrunde mit insgesamt über 500 Einsendungen, darunter beispielsweise die großartigen Bearforce1. Dass daraus nun fast ausschließlich Interpreten hervorgingen, die mit dem Produzenten der Sendung bereits vertraglich verbandelt sind, erscheint in der Tat ein wenig… wie soll ich sagen: wulffig. Meint auch Herr van Dijk: „Das ist eine Jon-del-Mol-Party“, beklagt er.

httpv://youtu.be/0WFC02u_2gY
Es ist genug, findet auch Conny Vandenbos

Es ist dies übrigens nicht der erste Fall, in dem sich Parlamente um die Eurovisionsvorentscheidungen kümmern müssen. Im Jahre 2002 führte die Juryentscheidung für das Drag-Queen-Trio Sestre bei der slowenischen EMA zu heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen inklusiver homophober Ausfälle, die sogar die Menschenrechtskommission der EU auf den Plan riefen. Im Jahre 2006 sorgte ein nicht beilegbarer Disput über das Abstimmungsverhalten der montenegrischen Juroren bei der Vorentscheidung Serbien-Montengros für den Rückzug des Staatenbundes beim Eurovision Song Contest. Wenige Wochen später spaltete sich der 600.000 Einwohner kleine Staat per Referendum ab und erreichte seither kein einziges Mal das Eurovisionsfinale, während Serbien als eigenständiges Land bei der ersten Teilnahme 2007 siegte. Scheint, dass gerade kleinere Länder den Eurovision Song Contest ernst nehmen. Eurovisionsfans appellieren bereits an das schwedische Parlament, sich für die Einführung einer mandatorischen Rückung bei den Beiträgen des Melodifestivalen stark zu machen…

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