Amour à Retour (BA 2011)

Wie das immer so ist mit hohen Erwar­tun­gen: sie kön­nen nur ent­täuscht wer­den. Heu­te stell­te Dino Mer­lin, der dies­jäh­ri­ge Ver­tre­ter Bos­ni­ens und Kom­po­nist sol­cher fan­tas­ti­schen Song-Con­test-Per­len wie ‘Put­ni­ci’ (1999) und ‘Sva Bol Svi­je­ta’ (1993) sein Lied für Düs­sel­dorf vor. Und auch, wenn ich aus den letz­ten Jah­ren gelernt haben soll­te, bos­ni­sche Bei­trä­ge erst nach dem zwan­zigs­ten Anhö­ren zu bewer­ten: mei­ne ers­te Reak­ti­on ist “tja”

httpv://www.youtube.com/watch?v=urqhlnWLXxs
Dino Mer­lin: Love from behind

Dass man selbst aus ein­fa­chen Kon­ju­ga­ti­ons­übun­gen aus dem Fran­zö­sisch­lehr­buch der fünf­ten Klas­se (“wir haben, ihr habt, sie haben, sie haben das Haus”) einen erfolg­rei­chen Euro­vi­si­ons­bei­trag bas­teln kann, bewies Dino sei­ner­zeit eben­so ein­drucks­voll wie sein *ahem* Händ­chen für Mode. Doch Edin Der­vis­ha­li­do­vic, wie der Kom­po­nist mit rich­ti­gem Namen heißt, ist schon län­ger im Geschäft: bereits 1993 schrieb er den aller­ers­ten bos­ni­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag. Den Song, der die Legen­de begrün­de­te, dass nie­mand so schön lei­det wie die Bos­ni­er™: ‘Sva Bol Svi­je­ta’ (“Der Schmerz der gan­zen Welt”). Die bewe­gen­de Kriegs­hym­ne erreich­te lei­der nur den sech­zehn­ten Platz. Und sogar den Text der ers­ten Natio­nal­hym­ne sei­nes Lan­des nach der Los­lö­sung von Jugo­sla­wi­en ver­fass­te er: ‘Jed­na si jedi­na’ beschwor die Ein­heit des Lan­des, wes­we­gen sie frei­lich von den im Viel­völ­ker­staat Bos­ni­en leben­den Ser­ben und Kroa­ten abge­lehnt und 1999 durch eine ande­re ersetzt wur­de.

httpv://www.youtube.com/watch?v=LWGl3XMJm14
Ohne ihre schmie­de­ei­ser­nen Fri­su­ren gar nicht wie­der­zu­er­ken­nen: die Beau­ty Queens!

Enspre­chend hoch waren mei­ne Erwar­tun­gen in den dies­jäh­ri­gen bos­ni­schen Bei­trag. Um, natür­lich, auf gan­zer Linie ent­täuscht zu wer­den. Dabei ist ‘Love in Rewind’ kein schlech­tes Lied. Ein biss­chen alt­mo­disch, vom Sound her an ita­lie­ni­sche Bei­trä­ge aus den Acht­zi­gern erin­nernd, dafür aber beschwingt, mit einer hüb­schen Melo­die und einer Rückung. Sobald man es das zwei­te Mal hört, summt man es mit. Und geschick­ter Wei­se spiel­te uns das bos­ni­sche Fern­se­hen es heu­te Abend gleich vier mal vor, ein­mal in einer Instru­men­tal­fas­sung, zwei mal hin­ter­ein­an­der von einem lächer­lich-hys­te­risch her­um­sprin­gen­den Dino selbst und zum Abschluß noch mal von den ser­bi­schen Beau­ty Queens, deren Fas­sung mir deut­lich bes­ser gefiel. Das wäre über­haupt die Lösung: lasst Dino zuhau­se, gebt den Song den Frau­en und singt ihn vor allem auf Bos­nisch (zumal man Dinos Eng­lisch ja auch gar nicht ver­ste­hen kann)! Bit­te, Bos­ni­en?

httpv://www.youtube.com/watch?v=rZahWZcfa2M
Die Instru­men­tal­fas­sung von Kse­ni­ja Miloše­vic

Nun ja, jetzt blei­ben mir noch sechs Wochen, mir den Song schön zu hören, was mir sicher gelin­gen wird. Und wenn sie dann Dino vor sei­nem Auf­tritt eine Anstalts­pa­ckung Vali­um geben und die Schram­mel­gi­tar­re weg neh­men, auf dass er dar­auf nicht mehr wie auf Speed her­um­schrab­beln kann, könn­te es für Bos­ni­en sogar was mit dem Fina­le wer­den die­ses Jahr…

[UPDATE 26.02.]: Wie ich es mir ja schon gedacht habe: je öfter ich die Num­mer höre, des­to bes­ser gefällt sie mir. Inzwi­schen fin­de ich sogar die Over-the-Top-Per­for­mance mit dem syn­chro­ni­sier­ten Bein­auf­stamp­fen klas­se – das gibt dem Bei­trag so einen schö­nen Laka-Touch und macht den Auf­tritt unver­gess­lich! Nur das Schrab­beln in Licht­ge­schwin­dig­keit auf der Gitar­re irri­tiert mich wei­ter­hin. Das soll­te er noch mal über­den­ken. Und ich wür­de immer noch ger­ne eine bos­ni­sche Fas­sung davon hören. Ansons­ten aber: Bos­ni­en FTW!

18 Gedanken zu “Amour à Retour (<span class="caps">BA</span> 2011)”

  1. Oha Da bin ich aber mal auf den Song gespannt. Dino Mer­lin ist zwei­fels­oh­ne einer der bes­ten bos­ni­schen Musi­ker und dar­über hin­aus auch auf dem gan­zen Bal­kan bekannt und beliebt.

  2. Bos­nia 12 pts Der Bei­trag ist sicher im Fina­le – ein wirk­lich schö­ner Song und Dino zeigt Enter­tai­ner­qua­li­tä­ten. Zudem kann er wirk­lich sin­gen, was in Zei­ten der Stellas,Jedwards und Lenas schein­bar schon etwas beson­de­res ist – selbst bei einem Song Con­test. War­um soll­te der Song auf bos­nisch bes­ser sein? Es ist ja eben kei­ne bal­kan­ty­pi­sche Herz/Schmerzballade und von daher auch mit Sicher­heit Euro­pa­kom­pa­ti­bel. Der ESC ist zwar immer noch unbe­re­chen­bar, aber die Bos­ni­er spie­len die­ses Jahr auf Sieg. Die Olsens wur­den ja auch unter­schätzt.

  3. Aber bei den Olsens sprang eben auch der berühm­te Fun­ken Magie von der Büh­ne ins Publi­kum. Nach die­sen drei Minu­ten has­te gewusst: Das spielt ganz vor­ne mit. Wie Dino Mer­lin damit auf Sieg spie­len möch­te, erschließt sich mir momen­tan noch nicht. Enter­tai­ner­qua­li­tä­ten, weil er ein biss­chen auf der Büh­ne rum­joggt? Nicht jede Form von Bewe­gung ent­spricht Enter­tai­ner­qua­li­tä­ten. Das Lied­chen ist nett, ohne Zwei­fel. Aber bis­her hab ich bei fast allen Komponisten/Produzenten der aktu­ell fest­ste­hen­den Bei­trä­ge, sie hät­ten sich nicht wirk­lich bis zum Schluss ange­strengt. Irgend­wie habe ich bei vie­len Songs den Ein­druck, man hät­te mehr raus­ho­len kön­nen. Ohne erklä­ren zu kön­nen, was genau man hät­te mehr raus­ho­len kön­nen. Aber ich bin ja auch kein Komponist/Produzent. So far: Bos­nia – ‘n paar Pünkt­chen

  4. Aus irgend­ei­nem Grund glau­be ich, dass die Key­boar­de­rin – wenn über­haupt – nur unwe­sent­lich bes­ser Key­board spielt als ich, und ich kann’s über­haupt nicht. 😀 Ich fra­ge mich die gan­ze Zeit, ob das frei­wil­li­ge oder unfrei­wil­li­ge Komik ist, mit der die Damen- und Herr­schaf­ten da auf­war­ten. Das Gitar­ren­ge­schram­mel sieht in der Tat gro­tesk aus wie so vie­les bei die­ser – kann man es so nen­nen? – Cho­reo­gra­phie. Eigent­lich wür­de der Song allei­ne schon für das komi­sche Geham­pel in den Skur­ril­vi­si­on Song Con­test gehö­ren…

  5. mal sehen Als ich den Titel zum ers­ten Mal gehört/gesehen habe, fand ich ihn schreck­lich. Aller­dings habe ich bereits beim zwei­ten Hören gemerkt, dass er durch­aus etwas hat. Nicht unbe­dingt mein Geschmack, aber nicht sooo schlecht. Das blö­de Rum­ge­ham­pel kön­nen sie sich aller­dings wirk­lich spa­ren. Aber das ist sicher sowie­so noch nicht die fina­le Show. Ach, und übri­gens: nor­ma­ler­wei­se bin ich ein ziem­li­cher Ver­fech­ter der Lan­des­spra­chen – wenn das Lied was ent­spre­chend typi­sches hat. Und bei die­sem Mach­werk ist es mir ehr­lich gesagt ziem­lich egal, ob es bos­nisch, eng­lisch oder mei­net­we­gen in Espe­ran­to daher­kommt.

  6. hmmm… in Espe­ran­to Ein Lied in Espe­ran­to – das wäre doch mal etwas – und tat­säch­lich zu die­sem Song könn­te das pas­sen. Ich mag die­ses Stück sehr – und gera­de die­ses unko­or­di­nier­te ‘Geham­pel’ ist es, was die Sache char­mant macht. Bei dem Benut­zen der Instru­men­te habe ich aller­dings auch an mei­ne Luft-Gitar­re und mein Schreib­tisch-Kla­vier gedacht 😉 🙂 Trotz­dem ist Bos­ni­en bei mir heu­er oben dabei!

  7. Herr Blue: Ich fin­de das ganz flott. Frau Krupp: Ich auch. Ehr­lich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Gum­mi­glied­ma­ßen zu haben schei­nen. Blue & Krupp: Also Dau­men hoch für die­sen Song.

  8. Lie­ße sich was draus machen.… Hmmmm. Also den Song fin­de ich eigent­lich ganz gut. Mir gefällt die Melo­die und Dinos Stim­me fin­de ich sowie­so gut. Ich muss aber zuge­ben, dass die­ses Geham­pel wirk­lich nicht so doll ist. Und in Lan­des­spra­che wür­de es auch authen­ti­scher rüber­kom­men, den­ke ich. Von daher hof­fe ich, dass der Gute die ‘Cho­reo’ noch­mal über­denkt. 😉

  9. Skur­ril­vi­si­on? Und der unter­schei­det sich dann vom ‘nor­ma­len’ ESC inwie­fern? 😉

  10. Tablet­ten? Hat Herr Mer­lin sei­ne Tablet­ten nicht gekriegt? Oder war­um ham­pelt er wie ein ver­gif­ter Affe über die Büh­ne? Also lie­ber Bos­ni­er, Tablet­ten für den Dino nicht ver­ges­sen. Denn sonst kommt sowas dabei raus, ist ja schlimm so was mit anse­hen zu müs­sen. Der Song? Okay.

  11. ojeo­je Nach mehr­ma­li­gem hören und *seufz* auch sehen fällt mein Urteil voll­kom­men gespal­ten aus. Das Lied gefällt mir von Mal zu Mal bes­ser, weil es sowas unprä­ten­ti­ös fröh­li­ches hat und mich tät­säch­lich auch etwas an die Gebr. Olsen erin­nert. Aber nur, wenn ich die Augen schlie­ße.… Bit­te bit­te lasst den Herrn still auf einem Hocker sit­zen (mei­net­we­gen bin­det ihn auch fest) und sperrt den Rest der Gur­ken­trup­pe in den tiefs­ten bos­ni­schen Kel­ler. Die­ses alber­ne Rum­ge­hop­se macht den schö­nen Song total kaputt und zieht ihn m.E. abso­lut ins Lächer­li­che. Lena hat letz­tes Jahr auch gewon­nen, weil sie kei­ne 5 Satel­li­ten um sich rum­zap­peln hat­te… Wenn schon Cho­reo­gra­fie, dann bit­te eine, die den Namen ver­dient (dabei muss ich immer an die drol­li­ge Apri­ko­sen­num­mer aus Arme­ni­en den­ken und den Lach­an­fall, den ich des­we­gen hat­te)

  12. der alte Fuchs! So lang­sam hat er mich auch. Das Lied ist so der­ma­ßen ein­gän­gig und hat tat­säch­lich was, trotz oder gar wegen sei­ner Ein­fach­heit. Ges­tern habe ich mir sei­nen Auf­tritt beim kroa­ti­schen Semi­fi­na­le end­lich mal auf nor­ma­ler Fern­seh-Bild­schirm­grö­ße statt You­tube ange­schaut (das Semi war nicht erst ges­tern, aber ich hat­te es am Sams­tag auf­ge­zeich­net) und muss sagen, selbst das Geham­pel wirkt mitt­ler­wei­le pas­send (er hat aller­dings weni­ger auf der Gitar­re rum­ge­schrab­belt). Nur: beim ESC hören vie­le die Bei­trä­ge ja zum ers­ten Mal. Und ob das da so schnell zün­det?

  13. Platz 1 für Boschnak-Kar­des­ler bin tür­ke und woll­te eigent­lich das Lied von der Tür­kei suchen im Netzt bis ich auf die­ses Lied gesto­ßen bin und muss sagen.…. wie vom Hocker um gehau­en.… ein­fach GENIAL_Spitzenmäßig. super… gön­ne den Bos­ni­er den Platz 1!

  14. Klas­se! 6. Platz für Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na Hab den Song erst bei den Semi­fi­nals gehört und fand ihn da schon klas­se. Hör ihn nun immer wie­der und bin ganz begeis­tert – zumal Dino bei den Halb­fi­nal sowie Final-Sen­dun­gen nicht so rum­ge­ham­pelt ist 😉 Wür­de den Song auch sehr gern in sei­ner Lan­des­spra­che hören. Scha­de daß es nicht für den 1. Platz ger­reicht hat.

Oder was denkst Du?