Frau­en an den Herd: 1. Pro­be Russ­land

Es folgt der nächs­te hei­ße Anwär­ter auf die Euro­vi­si­ons­kro­ne 2012: die rus­si­schen Groß­müt­ter­chen aka Bura­novs­ki­ye Babush­ki. Nun lüf­tet sich auch end­lich das Geheim­nis, was es mit der komi­schen rie­si­gen Holz­kis­te auf sich hat, die bei der Mos­kau­er Vor­ent­schei­dung noch so sinn­los im Büh­nen­hin­ter­grund stand. Es han­delt sich näm­lich um einen Holz­ofen, in wel­chem die sor­gen­den Ammen lecke­re Kek­se für ihre Enkel, die sie zur ‘Par­ty for Every­bo­dy’ erwar­ten, backen. Natür­lich tra­gen die kre­g­len Senio­rin­nen wie­der ihre udmur­ti­schen Trach­ten. Und natür­lich prä­sen­tiert die knuf­figs­te und kleins­te von ihnen, die auch in Baku fast Alle in ihr Herz geschlos­sen haben, wie­der eine tap­si­ge Extra-Tanz­ein­la­ge. Als sie es vor zwei Jah­ren zum ers­ten mal bei der rus­si­schen Vor­ent­schei­dung ver­such­ten, gab es wohl Vor­be­hal­te, das Land kön­ne sich mit ihnen als rück­stän­dig prä­sen­tie­ren. Dabei ist es gera­de das roman­ti­siert länd­li­che Bild, das bei­spiels­wei­se auch den Ver­kaufs­er­folg von Zeit­schrif­ten wie Land­lust befeu­ert, wel­ches die heim­li­chen Sehn­süch­te vie­ler Zuschau­er nach dem ein­fa­chen Leben bedient. Und Russ­land zur Abwechs­lung mal wie­der Sym­pa­thi­en brin­gen könn­te.

httpv://youtu.be/H_WNdVKb7LQ
Ich hof­fe nur, sie backen kei­ne Bli­nis: BB (RU)

1 Gedanke zu “Frau­en an den Herd: 1. Pro­be Russ­land

  1. hmm, han­delt es sich um einen fall von alters­dis­kri­mi­nie­rung, wenn bei die­ser num­mer nie­mand kri­tik äußert? musi­ka­lisch ist das ja wohl nix (also, wem die har­mo­ni­schen schwie­rig­kei­ten der damen nicht aufs ohr knal­len,  dem ist sicher nicht zu hel­fen), berech­nend pro­du­ziert und mit länd­lich­keit und roman­tik hat das so wenig zu tun wie libe­r­ace mit hete­ro­se­xua­li­tät und zurück­hal­tung). eine dar­bie­tung, wie sie sie­ge­les­ker kaum sein könn­te: man schaut halt, aus wel­chem reper­toir-topf man sich bedie­nen kann, mischt das ein wenig mas­sen­taug­lich auf (ein biss­chen folk­lo­re geht immer, ein biss­chen uff­ta­ta auch, und dann noch etwas “moder­ni­tät” mit “boom boom”) und insze­niert es, sagen wir: medi­en­taug­lich (sym­pa­thi­sche min­der­heit, men­schen wie du und ich, ein hauch mit­leids­bo­nus und “sind-die-nicht-knuffig”-feeling). und fer­tig ist die gro­ße sau­se. in einem kom­men­tar zum däni­schen bei­trag hieß es, die sän­ge­rin sei “nicht echt”. mal abge­se­hen davon, dass das im show(!)-geschäft eigent­lich nor­mal ist: wo bleibt denn hier der ent­spre­chen­de ein­trag? die sechs damen schei­nen mir ganz sym­pa­thisch zu sein, ihre instru­men­ta­li­sie­rung für die­se pro­duk­ti­on aber nicht.vielleicht bin ich ja der ein­zi­ge, dem dabei jedes­mal ein fremd­schäm-schau­der über den rücken läuft. aber ich kann da kaum ruhig hin­schau­en.

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