Schweden 2014: please undo this Result!

Ganz ehrlich, es ermüdet mich ja selbst, Jahr für Jahr die selbe unrealistische Forderung zu wiederholen, aber was bleibt mir angesichts des Ergebnis des gestrigen Melodifestivalen anderes übrig? Also, zum hundertsten Mal: bitte kollektiventmündigt endlich die Schweden! Die schlugen sich gestern im ultraknappen Fotofinish zwischen der bei den internationalen Jurys zweitplatzierten siebenhundertfachen Mello-Teilnehmerin Sanna Nielsen und der erfrischend rotzgörigen Ace Wilder mit hauchdünner Mehrheit auf die Seite der blonden Balladesse, die vor lauter Rührung bei der Siegerreprise den Text vergaß, und erteilten mit sage und schreibe zwei „Poäng“ Vorsprung das Plazet für ‚Undo‘, einem von insgesamt vier (!) Frederik-Kempe-Titeln im Mello-Finale, das sich damit so langsam an die dunklen Jahre des deutschen Ein Lied für… annähert, wo Ralph Siegel den Wettbewerb fast im Alleingang bestritt.


Einmal Standard-Sülze von der Stange: Sanna Nielsen

Dabei gab es selbst aus Kempes Feder Besseres, wenn es denn schon unbedingt ein Ballade sein musste: das zu Herzen gehende ‚Bröder‘ des superschnuckeligen Welpenblick-und-Piercing-Burschen Linus Svenning nämlich, dem die deutsche Jury denn auch zu Recht ihre Douze Points übereignete. Hier kann ich mich nur der Begründung des deutschen Delegationsleiters Torsten Amarell anschließen, der meinte, man müsse kein schwedisch verstehen, um die Botschaft des Songs zu begreifen. An dieser Stelle des Abends, ich kann es nicht verhehlen, war ich ein wenig stolz, Deutscher zu sein. Und gleichzeitig betrübt ob der Feststellung, dass selbst ich als bekennender Juryhasser wiederum feststellen musste, dass die internationalen Fans erneut das bessere Urteil fällten als die Einheimischen, auch wenn Linus in deren Gesamtranking am Ende doch nur auf dem fünften Platz landete, knapp hinter der ehemaligen Eurovisionssiegerin Helena Paparizou (GR 2005), die unglückseligerweise in der gleichen, press sitzenden Hausfrauenchic-Streifenbluse auftrat wie einst ihre Landsfrau Marinella (GR 1974) bei der ersten Eurovisionsteilnahme der Hellenen.


Es gibt einfach nichts Geileres als gefühlvolle böse Jungs: Linus Svenning

Linus landete damit zwei Ränge unter Kempes fabelhaftem Retro-Discoschlager ‚Blame it on the Disco‘, kompetent im siebenachtel-Playback dargeboten von den gefühlt achthundertfachen Mello-Teilnehmern Alcazar – genau wie bei ‚Undo‘ also derselbe Stiefel wie immer, inklusive der patentierten „klobigen“ (Schlagerboys) Kempe-Rückung, dafür aber wenigstens mit einer riesigen, begehbaren, schwebenden Discokugel. Knapp gescheitert ist somit der einzige musikalisch tatsächlich nennenswerte Beitrag des Abends, die elektro-bretternde Hartz-Vier-Hymne ‚Busy doin‘ nothin“ der wie ein neunzehnjähriges, prolliges Vorstadtflittchen aussehenden, tatsächlich aber bereits 31 Lenze zählenden Ace Wilder. Lag es an den Sträflingsklamotten ihrer vier kernigen Begleittänzer? Oder haben die Schweden mittlerweile schlicht den Faden verloren und erkennen Zeitgemäßes auch dann nicht mehr, wenn es ihnen direkt ins Gesicht springt? Keine Frage, dass ‚Undo‘ in Kopenhagen ins Finale einziehen wird, dafür ist der Song bei aller Schnarchnasigkeit zu stark. Auf mittlere Sicht könnte Schweden aber das Schicksal der Niederlande (prä Anouk) ereilen, wenn man dort weiterhin im Uninspirierten erstarrt.


Unter Fans stark umstritten und damit gut: Ace Wilder

Sanna Nielsen hat es im siebten Anlauf in Schweden geschafft.

  • Endlich! Und dann noch mit so einer traumschönen Ballade! Wunderbar! (46%, 49 Votes)
  • Berührt mich jetzt nicht so, ist aber auch nicht wirklich schlecht. Und die Schweden wollten es so, also alles okay. (28%, 30 Votes)
  • Mist! Mit 'Undo' wird sie in Kopenhagen 'Busy doin' nothin'' sein, das Stück langweilt nämlich. (14%, 15 Votes)
  • Tja, das hat man davon, wenn man das Publikum entscheiden lässt! (11%, 12 Votes)

Total Voters: 106

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13 Gedanken zu “Schweden 2014: please undo this Result!

  1. Im 9/10-Playback wie es bei Ace Wilder eingesetzt wurde mag der Song gut gewirkt haben. Jetzt stelle man sich das Drama auf der ESC-Bühne vor, wenn auch der Background (der den Refrain ja eigentlich komplett allein singt) live vorzutragen wäre. Da war die stimmsichere Sanna Nielsen eindeutig die bessere Wahl. Außerdem ist 2014 bis jetzt ganz im Gegensatz zum Vorjahr arm an Balladen, da wissen wir gleich wer das Juryvoting im ersten Semi gewinnen wird.

  2. Muss es Sanna sein? Hat sie gewonnen, weil das jetzt Versuch Nummer 5648 war?
    Ich habe mich schon dabei erwischt, wie ich große Anstrengungen unternahm, um mich in sie zu verlieben, aber sie hat irgendetwas Abstoßendes an sich. Dann lieber Ace Wilder, wenn man schon nicht Linus Svenning wählt. Linus war bombastisch, auch wenn der Text von Fredrik Kempe geschrieben wurde (und nach einigen Therapiesitzungen mit Linus Svenning entstand, in denen er seinen Gefühlen für den toten Bruder freien Lauf ließ?).
    Und diesmal waren nicht die Juries alleine schuld. Auch die Anrufer mögen 0815, nachdem sie letztes Jahr – anders als die Juroren – vernünftig gewählt haben.

  3. Ich fand Ace relativ unauthentisch und in ihrem seltsamen, wenn auch modernen, Song nur den Refrain gelungen. „Bröder“ hingegen ging mir total aufn Sack mit der professionellen Gefühligkeit. Vielleicht stirbt ja bis nächstes Jahr sein Haustier, dann kann er es wieder versuchen.

    Ich finde, bei allem Missmut vergisst du das Mello-Gesamtpaket zu loben. Trotz der schlimmen Moderation war das Finale wieder grandioses Entertainment. Ich fand den Opener besonders gelungen. Freue mich schon auf Donnerstag 😉

  4. Ich hätte ja nicht zu hoffen gewagt, dass ich das tatsächlich mal erleben würde, aber der gestrige Supersamstag hat endlich mal diesen Namen wirklich verdient. Nun, die Norweger konnten ja nicht mehr viel falsch machen, da sie den einzigen halbwegs erträglichen Beitrag bereits im ersten Semifinale rausgekegelt hatten, und die blöden Dänen haben sich für den schrottigsten Beitrag entschieden, der überhaupt zur Wahl stand — uind das, obwohl mit der letztlich zweitplatzierten Rebekka Thornbech der eigentlich verdiente Sieger so
    knapp … (Forts. folgt)

  5. Ich kann den Artikel nur unterschreiben! Wobei sich der Stolz über die 12 deutschen Linus-Punkte damit aufgehoben hat, dass Ace bei „uns“ leer ausging. Dabei hätten 3 Punkte bereits gereicht. Da war dann doch wieder fremdschämen angesagt. Konfektion schlägt Frische. Das wird kein guter Jahrgang mehr, glaube ich. Schade, dass sich der ESC zurück zu entwickeln scheint anstatt vorwärts. 🙁

  6. Bäh, für mich persönlich ist dieses Ergebnis doppelt ärgerlich. Zum einen, weil ich diesen „kalten Spießertraum“ (Kommentar im Prinz-Blog) namens „Undo“ mit seiner biederen Interpretin von Anfang an nicht gemocht habe. Zum anderen, weil ich als beinharter Televoting-Verfechter das Ergebnis auch noch stillschweigend akzeptieren muss und nicht der Jury die Schuld geben kann. Es ist zum schreien.

  7. (Forts.) … vor der Tür geblieben ist, aber der Rest war erste Sahne:
    In Slowenien durchaus Brauchbares, und gewonnen hat dann tatsächlich der, den ich selbst auf dem Zettel hatte, in Portugal durchweg recht hohes Niveau, und weitergewählt meine Top 4 und ein indifferentes. Die Krönung kam dann, als ich die schwedischen Ergebnisse las. Nix gegen den Song von Ace Wilder, aber singen kann sie wirklich nicht, und Alcazar langweilt mich einfach. Kaum zu glauben, dass in Schweden mal was gut ausgeht.

  8. Mit hat auch Ace Wilder gut gefallen. Aber Sanna hat toll gesungen, und es ist eben keine Standardsülze von der Stange. Die Standardsülze haben Alcazar abgeliefert, die haben schon alles mögliche in der Disko gemacht, geheult, feuer gemacht, was weiß ich noch alles. Den Song hat man von ihnen schon tausendmal gehört, wer sich irgendwann nicht neu erfindet, der stagniert. Ich fand den Song von Alcazar altbacken und langweilig. Der hat mich überhaupt nicht mitgerissen. Als ich diesen Linus dachte ich ,oh kommt jetzt ein Hard Rock Song? Und dann dieses sehr einfühlsam gesungenes Lied. Hätte mehr als Platz 5 verdient. Aber Songs in Schwedisch scheinen beim Melodifestivalen dann doch einen schweren Stand zu haben.

  9. Oh heilige Scheiße, das habe ich ja komplett übersehen! Zero Points für Ace aus Deutschland? Dann schäme ich mich doch wieder, ein Deutscher zu sein, wie ja meistens. Oh Mann!

  10. Wollte ich auch sagen, stolz darauf zu sein das Bröder 12 bekam, dafür Ace von uns gar nichts bekam, und wir somit das einzigste Land waren das ihr keine Punkte gab, ist schon echt peinlich! Ich fand zwar Helena, Alcazar, Ace und Sanna super, und das war letztendlich auch die Top 4, leben kann ich somit mit allen. Mein Song fave war allerdings survivor mit busy doin nothin, mein Herz fave war aber Sanna, es sei ihr sehr gegönnt, sie hat es doch auch endlich verdient! <3

    Und wie gesagt hätte Ace von der deutschen Jury nur 3 Punkte bekommen, dann hätte sie gewonnen, somit lag es entweder an den Schweden, oder an den deutschen 😀 Wie man es dreht, es reicht nicht für Ace.

    Im übrigen halte ich es für den größten Fehler das Publikum noch entscheiden zu lassen wenn die Jury gevotet hat… ich denke wenn Sanna das Juryvoting gewonnen hätte, dann wäre Ace vor Sanna im Televoting gewesen, so haben aber die Sanna Fans nochmal kräftig gevotet um sie zur Siegerin zu machen.

  11. JAJA. Da darfste dich echt schämen. Wo haben denn die deutschen Juroren (wer ausser dem Punktepräsentator war da denn überhaupt dabei ?) hingehört, als sie abgestimmt haben. Wenn ein Lied an dem Abend nicht ging, dann war das diese unsägliche Schmalzballade über den verlorenen Sohn , – sorry- Bruder. Noch dazu dargeboten von einer in den Wasserfarbkasten gefallenen Borg-Drohne die Augenkrebs verursacht. Hat da ein Piercingstudio abgestimmt ?
    Ein paar Pünktchen für Ace hätten schlimmes verhindert und so wird jetzt Frau Nielsen – höchstwahrscheinlich – ganz weit vorne landen und einen lahmen Jahrgang noch lahmer machen.
    Lieber wäre mir eine Ace gewesen, die frischen Wind sät und wohl einen hinteren Platz geerntet hätte….

  12. Sanna? Ace? Ganz ehrlich? Mich packen die beide nicht. Im Gegensatz zum Linus und seinen Broeder. Das hätt ich toll gefunden… Ist auch balladesk. Ist auch Kempe. Gefällt mir aber… Und – ohje – sogar Alcazar hätte mir besser gefallen. Naja, wenn die Schweden es so wollen. Dann hat Sanna jetzt wenigstens Ihr Erfolgserlebnis. Es sei Ihr gegönnt.

  13. Ich muss sagen, dass ich im direkten Vergleich Ace-Sanna ganz klar Sanna den Vorzug gebe. Ja, Ace´s Song ist moderner, aber deswegen nicht wirklich besser.

    Und zu Linus: Ich kenne ja deine Schwäche für sanft-böse Jungs. *g* Aber mir geht es so ähnlich wie Torsten. Irgendwie war diese Gefühlsnummer doch total unauthentisch.

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