Isra­el 2009: Ein biss­chen Frie­den

Mit­ten im Krieg um den Gaza-Strei­fen sen­det das israe­li­sche Fern­se­hen mit sei­ner Euro­vi­si­ons­no­mi­nie­rung ein schwach glim­men­des Frie­dens­licht. Anfang Janu­ar ernann­te die IBA die inter­na­tio­nal erfolg­rei­che Sän­ge­rin Achi­no­am Nini, auch bekannt als Noa, zu ihrer Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin. Die von ihrem zwei­ten bis zum sieb­zehn­ten Lebens­jahr in der New Yor­ker Bronx auf­ge­wach­se­ne Sän­ge­rin, die sich für einen Dia­log zwi­schen Israe­lis und Ara­bern ein­setzt, mach­te ihren Auf­tritt von der Teil­nah­me der befreun­de­ten Sän­ge­rin Mira Awad abhän­gig, einer Israe­lin mit ara­bi­schen Wur­zeln. Noa, Kind jeme­ni­ti­scher Juden, fass­te ihren Lösungs­an­satz für eine Aus­söh­nung der ver­fein­de­ten Völ­ker in einem TV-Inter­view wie folgt zusam­men: “Wir (bei­de) müs­sen uns ent­schul­di­gen, unse­re gegen­sei­ti­gen Rech­te aner­ken­nen und tei­len, was wir gemein­sam haben”.


Aus­ge­wo­gen hebrä­isch – ara­bisch – eng­lisch: Noa & Miras Frie­dens­fle­hen

Noa, die sich auch an der Frie­dens­kund­ge­bung vom 4. Novem­ber 1995 in Tel Aviv betei­lig­te, bei der ein israe­li­scher Extre­mist den Minis­ter­prä­si­den­ten und Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger Jitz­chak Rabin töte­te, nahm mit Mira Awad bereits 2002 eine gemein­sa­me Neu­in­ter­pre­ta­ti­on des Beat­les-Songs ‘We can work it out’ auf, eben­falls als State­ment für eine jüdisch-ara­bi­sche Aus­söh­nung gedacht.


Mira & Noa: We can work it out (nie­der­län­di­sche TV-Doku­men­ta­ti­on)

The­re must be ano­t­her Way’ setz­te sich beim Kdam im 60/40-Jury/­Te­le­vo­te-Mix gegen drei ande­re Titel, alle­samt kei­ne unbe­ding­ten Knal­ler, durch. Dem Ver­neh­men nach stimm­ten die Zuschau­er mehr­heit­lich für das etwas flot­te­re ‘Will you dance with me’, der ein­zi­ge der vier Vor­ent­schei­dungs­bei­trä­ge, bei dem man nicht inner­halb von 15 Sekun­den ein­schläft, wur­den aber von der Jury über­stimmt. Alter­na­ti­ve Wege und Frie­dens­mis­sio­nen in allen Ehren, aber die­se Num­mer zieht die Wurst nicht vom Tel­ler. Sie prä­sen­tiert sich weder pathe­tisch-hym­nisch noch nach­denk­lich-melan­cho­lisch, weder beson­ders folk­lo­ris­tisch noch in irgend einer Wei­se ein­präg­sam-pop­pig. Sie ist, lei­der, schlicht­weg lang­wei­lig. Scha­de!

7 Gedanken zu “Isra­el 2009: Ein biss­chen Frie­den

  1. Ja, es muss einen ande­ren Weg geben…aber hof­fent­lich nur einen von Isra­el nach Mos­kau. Und es wäre gut, die bei­den wür­den ihn nie fin­den! Mei­ne Güte, ich hab mich rich­tig gefreut, als ich erfah­ren habe Noa nimmt am Wett­be­werb teil. Wenn ich aber das hier mit den Lie­dern der CD ver­glei­che, die ich zuhau­se hab, von denen jedes tau­send­mal musi­ka­lisch inter­es­san­ter ist, kann ich immer noch nicht glau­ben, was ich gra­de hören muss­te. So belang­los kann sich der Wunsch nach Frie­den also anhö­ren…

  2. Obwohl der text wohl das inter­es­san­tes­te an die­sem lied sein soll­te, ist der song ein­fach zu nichts­sa­gend als dass ich den über­haupt gog­geln möch­te. Falls Mira Awad in Moscow das glei­che ‘kleid’ tra­gen soll­te wür­de sie, mei­ner ansicht nach, aber zumin­des­tens den Bar­ba­ra Dex Award ver­die­nen.

  3. nur weil bei die­sem lied kei­ne schwu­len typen über die büh­ne hüp­fen heißt das nicht das es schlecht ist. ein net­tes lied­chen für die völ­ker­ver­stän­di­gung muß nicht immer laut und mega­pop­pig sein! den regie­run­gen von IL und PAL wür­de ich ein der­ar­ti­ges frie­dens­lied zwar nicht abneh­men. aber den bei­den top sän­ge­rin­nen sehr wohl. und die­se bei­den frau­en las­sen sich bestimmt weder für die eine noch für die ande­re regie­rung -vor den wagen span­nen-. es geht hier um frie­den den im grun­de ja die ein­fa­chen bür­ger eines jeden staa­tes wün­schen. dabei­sein beim euro­vi­si­ons-misst ist ja auch alles, man muß nicht unbe­dingt gewin­nen aber die wür­de mit einem schö­nen lied auf­recht erhal­ten.

  4. Knül­ler gehen jeden­falls anders. Nicht jedes Frie­dens­lied muss gleich unsäg­lich lahm sein, aber offen­bar hilft es. Ob nun lahm und pathe­tisch (sie­he ‘Ein biss­chen Frie­den’) oder wie hier lahm ohne Pathos gibt sich nicht all­zu­viel. Wird aus einem Land ohne Expats und ohne freund­li­che Nach­barn eher schwie­rig.

  5. obwohl der song sel­ber kein ech­ter knal­ler ist, klin­gen die bei­den stim­men zusam­men wirk­lich klas­se. allein schon dafür ein kom­pli­ment.

  6. Einer der bes­ten Euro­Vi­si­on-Songs aller Zei­ten! Die­ser Song ist bereits jetzt ein Klas­si­ker und es wäre eine Schan­de, wenn er nicht in Mos­kau gewinnt. Mira Awad, neka te cuva gos­pod!

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