Donnawedda: VoXXclub unter den ESC-Kandidaten!

Seit wenigen Tagen läuft in Köln das Bootcamp mit den 20 von einem Fan-Panel ausgewählten engeren Anwärter/innen für den deutschen Eurovisions-Vorentscheid 2018, von denen es am Ende bekanntlich nur fünf in die Sendung schaffen werden. Seit gestern berichten die Prinz-Blogger aus dem Trainingslager, und so dringen mittlerweile auch die ersten Namen nach draußen. Sammelten sich am Freitag dort vor allem die The Voice-Castingshow-Hasbeens  (mit der Erststaffelsiegerin Ivi Quainoo als prominentestem Exemplar), so begann der heutige Band-Tag mit einer echten Sensation in Form der Neue-Volksmusik-Boyband VoXXclub. Die ursprünglich mal sechs, mittlerweile aber nur noch fünf gestandenen Burschen rollen seit ihrer Gründung im Jahre 2012 die TV-Musikantenscheunen und Skihüttenpartys im deutschsprachigen Raum mit ihrem bewusst kommerziell kalkulierten Mix aus stampfenden Schlagerbeats, zeitgemäß aufbereiteten Heimatklängen, süffigen Mitsingmelodien und sensationell synchron getanzten Schuhplattl-Choreografien auf und stoßen naturgemäß auf ein geteiltes Echo: von den einen als niveauloser Ausverkauf gebrandmarkt, feiern ihre Fans sie als Erneuerer des Genres.

VoXXclub im Jahre 2014, da noch zu sechst, mit ihrer Version des auch schon vom Austropop-Pionier und ESC-Nilpointer Wilfried Scheutz (→ AT 1988) aufgemöbelten steinalten Tiroler Volksliedes ‚Ziwui‘.

Erst in diesem Herbst schoben die schmucken jungen Herren, die es bis dato auf drei veröffentlichte Alben bringen, ihre aktuelle Single ‚Donnawedda‘ hinterher, einen musikalisch wie textlich nicht allzu anspruchsvollen, astreinen Stimmungsstampfer, der sich fürs Oktoberfest-Bierzelt genau so gut eignet wie für die Schlagersause bei fortgeschrittenem Alkoholpegel, und dessen in einem durchgehenden Take abgedrehter Videoclip ganz nonchalant und selbstverständlich die gesellschaftliche Vielfalt in die Neue Volksmusik schmuggelt und auch schwarze sowie lesbische Almbewohner/innen mitfeiern lässt. Anfang Oktober 2017 veröffentlicht, würde sich der Titel rein technisch sogar noch als deutscher ESC-Beitrag eignen. Wer sich, wie ich, an den feschen Mannsbildern aus dem DACH-Raum nicht satt sehen kann, wird übrigens entzückt sein, zu lesen, dass die Fünf erst vor ein paar Tagen einen Benefiz-Kalender mit Nacktaufnahmen auf den Markt geworfen haben (wenn auch leider die entscheidenden Details – wie z. B. der kleine Korbinian – auf den geschmackvollen Fotos nicht zu sehen sind), von dessen Einnahmen ein Euro pro Kalender an die Bergbauernhilfe geht.

Scheißen sich nix: die Almdudler-Schlageretten von VoXXclub mit ihrer aktuellen Single.

Ob die Fünf es in den grob für Ende Februar 2018 terminierten Vorentscheid schaffen, liegt nun in den Händen der aus ehemaligen Eurovisions-Juroren bestückten internationalen Jury und des deutschen Eurovisionspanels, die im Anschluss an den derzeit laufenden Workshop anhand der dort produzierten Kurzclips aus den 20 Hoffnungsvollen die letzten Fünf auswählen müssen. Und hier dürfte die entscheidende Stolperstufe liegen: dass der Aprés-Ski-Sound von VoXXclub bei dem ein oder anderen österreichischen oder schweizerischen Juroren gut ankommt, dürfte fraglos der Fall sein. Aber auch bei Schwed/innen oder Spanier/innen? Und in Osteuropa? Das vom NDR auf der Roadshow erläuterte neue Abstimmungsverfahren, das kontroverse Acts belohnt, könnte immerhin zu ihrem Vorteil arbeiten: finden sich genügend Fans unter den Juroren, fallen die unvermeidlichen Hater nicht weiter ins Gewicht. Aus meiner Sicht liegt in einem Act wie VoXXclub eine Chance für Deutschland: die Jungs sind ein absoluter Hingucker, sie können performen und eine grandiose Bühnenshow hinlegen. Und wir entböten mit ihnen etwas Authentisches und gleichzeitig Eingängiges.

1974 galt die (rockige) Neuaufbereitung von Volksmusik als progressiv.

VoXXclub als möglicher deutscher ESC-Act? Das wäre...

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7 Gedanken zu “Donnawedda: VoXXclub unter den ESC-Kandidaten!

  1. Als ESC-Titel eignet sich der abgewandelte uralte „Zillertaler Hochzeitsmarsch“ nicht wirklich. Da stehen wohl die ESC Statuten im Weg. Seit ewigen Jahrzehnten kreist diese Melodie durch die alpenländischen Bierzelte.

  2. @ melodifestivalenfan

    Ewige Jahrzehnte heißt aber nicht so lange wie damals bei den Priestern „Ave maris stella“, oder? Dann muss wohl echt was Neues her.

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