IE 1966: From Hero to Zero

Ein Jahr nach sei­ner kom­pe­ten­ten Pre­mie­ren­per­for­mance als ers­ter iri­scher Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter nahm Butch Moo­re 1966 erneut an der Vor­ent­schei­dung der Grü­nen Insel teil. Und lan­de­te mit ‘I see your Face’ mit null Punk­ten auf dem letz­ten Platz. Das nen­ne ich mal einen schnel­len Abstieg! Noch här­ter traf es den im Lan­de popu­lä­ren Son­ny Know­les, der mit gleich zwei Bei­trä­gen leer aus­ging, dar­un­ter dem auf Gälisch gesun­ge­nen ‘Chuaigh mé suas don chluiche mór’. Für einen zwei­ten Platz und eine klei­ne­re Hit­pa­ra­den­no­tie­rung reich­te es hin­ge­gen für das Folk­trio The Lud­lows. Nein, kei­ne Ver­wand­ten der kul­ti­gen rhein­land-pfäl­zi­schen Schrott­händ­ler­fa­mi­lie – der Name bezieht sich auf die US-ame­ri­ka­ni­sche Koh­len­grä­ber­ge­mein­de Lud­low und ein dor­ti­ges Gru­ben­un­glück, wel­ches ihr Vor­bild Woo­dy Guthrie zu einem Song ver­ar­bei­te­te. Das melan­cho­li­sche, supersanft plin­kern­de und wun­der­schön har­mo­nisch gesun­ge­ne ‘The Wind trough the Raf­ters’ lie­ße sich sinn­ge­mäß wohl mit ‘Es stürmt durchs Gebälk’ über­set­zen: eher ein Titel für den Herbst als für den im Früh­ling statt­fin­den­den Wett­be­werb. Den gewann – per Post­kar­ten­ent­scheid – mit Dickie Rock (exzel­len­ter Por­no­na­me!) der damals belieb­tes­te iri­sche Band­lea­der, dem sei­ne här­tes­ten Fans bei sei­nen Auf­trit­ten ger­ne mal ein “Spit on me, Dickie!” ent­ge­gen schrien, wie David Bla­ke Knox in sei­nem Buch Ire­land and the Euro­vi­si­on kol­por­tiert. Oha, Fetisch­freu­de also – ich glaub, ich mag die Iren! Auch Herr Rock, der hier solo antrat, ent­bot für Euro­pa kei­nen sei­ner übli­chen Rock’n’Roll-Songs, son­dern eine extrem kon­ven­tio­nel­le Bal­la­de, mit der er einen sechs­ten Platz im Luxem­burg und eine Num­mer 1 in den iri­schen Charts erziel­te. Mit sei­ner Tanz­ka­pel­le, der Mia­mi Show­band, war er dort bis 1972 Dau­er­gast und erklomm sie­ben Mal die Spit­zen­po­si­ti­on. Danach trenn­ten sich die Wege, zwei Mia­mi-Mit­glie­der fie­len 1975 einem ter­ro­ris­ti­schen Angriff der unio­nis­ti­schen Uls­ter Vol­un­teer Force zum Opfer.

Alfred E. Neu­mann hat ange­ru­fen und will sein Gesicht zurück: Dickie Rock.

Vor­ent­scheid IE 1966

Sams­tag, 22. Janu­ar 1966, im RTÉ-Fern­seh­stu­dio in Dub­lin. Fünf Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Bren­dan O’Reil­ly.
#Interpret/inTitelPunk­tePlatz
01Deird­re Wyn­neThere’s no Sen­se in being a Fool0405
02Dickie RockCome back to stay2001
03The Lud­lowsA Sailor will sail0308
04Butch Moo­reI see your Face0010
05Son­ny Know­lesThe Menace from Ennis0010
06Deird­re Wyn­neWhy don’t you say it’s so0803
07Dickie RockCan’t make up my Mind0405
08Butch Moo­reWhy don’t I belie­ve in her0704
09Son­ny Know­lesChuaigh mé suas don chluiche mór0010
10The Lud­lowsThe Wind thro’ the Raf­ters0902
11Dickie RockOh why0109
12Deird­re Wyn­neHaven’t you0405

ESC 1965: Die Hit­ze der Jungs

Logo des Eurovision Song Contest 1965
Die Pop-Revo­lu­ti­on

Im zehn­ten Jahr sei­nes Bestehens schien der Euro­vi­si­on Song Con­test end­gül­tig bei sich ange­kom­men zu sein, die gröbs­ten Kin­der­krank­hei­ten eini­ger­ma­ßen aus­ge­merzt: unver­zeih­li­che archi­va­ri­sche Lücken durch eine feh­len­de Auf­zeich­nung der Live-Sen­dung wie noch 1956 und 1964 soll­ten künf­tig nicht mehr vor­kom­men; die Fra­ge, wer auf der Büh­ne die Sie­ges­tro­phäe über­reicht bekommt – Interpret/in oder → Komponist/in – sorg­te nicht mehr für Ver­wir­rung und pein­li­che Situa­tio­nen wie noch 1957; die Wer­tung unter­lag zwar noch stän­di­gen Ver­fah­rens­än­de­run­gen, hat­te sich aber als unver­zicht­ba­rer Teil der Sen­dung eta­bliert; die Zahl der teil­neh­men­den euro­päi­schen Staa­ten zeig­te einen erfreu­lich sta­bi­len Auf­wärts­trend von sie­ben im Anfangs­jahr zu aktu­ell 18 Natio­nen und die BBC hat­te 1963 ers­te Mei­len­stei­ne in Sachen Insze­nie­rung gesetzt, wel­che die im Jubi­lä­ums­jahr erst­ma­li­ge gast­ge­ben­de ita­lie­ni­sche TV-Anstalt RAI aller­dings nicht auf­griff. Viel­mehr wirk­te die Show aus Nea­pel extrem sta­tisch: alle Teilnehmer/innen muss­ten hin­ter einem klo­bi­gen Ste­reo-Mikro­fon Auf­stel­lung neh­men und durf­ten sich so gut wie nicht bewe­gen, wäh­rend die Kame­ras sie über­wie­gend vom Hals auf­wärts ein­fin­gen. Dazu kam eine Beleuch­tung, die so grell wirk­te, als habe sich die RAI für die Ver­an­stal­tung bei der NATO ein Dut­zend Rake­ten­such­schein­wer­fer aus­ge­lie­hen, mit denen man nicht nur das knapp 1.000 gela­de­ne Gäs­te fas­sen­de TV-Stu­dio, son­dern zur Not auch den Nacht­him­mel von ganz Nord­ita­li­en tag­hell hät­te illu­mi­nie­ren kön­nen.

Wegen irgend­wel­cher bescheu­er­ten Copy­right-Scher­gen gibt’s den ESC 1965 lei­der nicht kom­plett am Stück zu sehen, son­dern nur (in Tei­len) als Play­list. Wie oft muss ich es noch beto­nen: wir haben TV-Gebüh­ren bezahlt, die Show gehört uns! 

Wei­ter­le­senESC 1965: Die Hit­ze der Jungs

IE 1965: The Rain! The Rain! Cry­ing!

Erst im zehn­ten Jahr sei­nes Bestehens debü­tier­te die mit ins­ge­samt sie­ben Sie­gen bis heu­te erfolg­reichs­te Nati­on beim Euro­vi­si­on Song Con­test. 1956 bei der Grand-Prix-Pre­miè­re in Luga­no konn­te Irland indes noch gar nicht dabei sein: da ver­füg­te die streng katho­li­sche und sei­ner­zeit noch ein wenig rück­stän­di­ge Insel­na­ti­on näm­lich noch nicht über eine eige­ne Rund­funk­sta­ti­on. Erst 1961 grün­de­te sich das Staats­fern­se­hen RTÉ, und vier Jah­re spä­ter fühl­te man sich dann fit genug, sich am kul­tu­rel­len Kräf­te­mes­sen der euro­päi­schen Natio­nen zu betei­li­gen. “Zu die­sem Zeit­punkt schien die Euro­vi­si­on in den Augen der Iren eine sehr anspruchs­vol­le Ange­le­gen­heit zu sein,” schreibt der Autor David Bla­ke Knox in sei­nem 2015 erschie­ne­nen Buch ‘Ire­land and the Euro­vi­si­on’, und die Aus­wahl des kel­ti­schen Ver­tre­ters vor allem von dem Wunsch beseelt, er oder sie möge die Nati­on vor der Welt­öf­fent­lich­keit “nicht bla­mie­ren”. So muss­ten sich die zwölf Teilnehmer/innen des ers­ten iri­schen Vor­ent­scheids – größ­ten­teils die Lead­sän­ger der damals hoch­gra­dig popu­lä­ren Tanz­ka­pel­len – dem Anlass ent­spre­chend in Smo­king oder Abend­kleid wer­fen und durf­ten nicht ihr übli­ches Reper­toire zu Gehör brin­gen, das neben Cover­ver­sio­nen aktu­el­ler Hits vor allem aus Coun­try & Wes­tern und hei­mi­schem Folk bestand.

Dickie Rock (→ IE 1967) war einer der popu­lärs­ten Teil­neh­mer beim iri­schen Vor­ent­scheid 1965. Sein übli­ches Reper­toire (hier sein Hit ‘One by one’ aus dem glei­chen Jahr) durf­te er jedoch eben­falls nicht brin­gen.

Wei­ter­le­senIE 1965: The Rain! The Rain! Cry­ing!