Eurovision Deathmatch #5: Cry me a River

Im fünften Zweikampf unseres Leser/innen-Spiels widmen wir uns einer bei vielen Fans äußerst beliebten Spezies: der schreienden Frau. Lautstärke und langgezogene Töne bringen nicht nur viele Jurorenherzen zum Schmelzen, sondern sorgen auch bei etlichen Eurovisionistas für Ohrgasmen. Eine Technik, die gerade die Albanerinnen besonders gut beherrschen, und so sollte es nicht verwundern, dass unsere erste heutige Kämpferin für das Land der Skipetaren antritt. Die in den USA lebende Kosovarin behauptet in ihrer ethno-angehauchten, hochdramatischen Ballade ‚World‘ zwar, des Kampfes müde zu sein und stellt die nicht ganz neue und nicht ganz unberechtigte Frage: „What’s this fight all for“? Doch so ganz möchte man der 28jährigen diese Antikriegs-Attitüde nicht abnehmen. Würde sie sonst mitten im Song zu einem über zwanzigsekündigen, technisch einwandfrei abgelieferten Schrei ansetzen, bei dem man im Geiste förmlich erspüren kann, wie sich im Hintergrund die Jury-Punkte aufaddieren? Und auch den Spagat zwischen ihren unbelehrbar auf das vermeintlich wettbewerbsfähigere Englisch fixierten Landsleuten und den Jahr für Jahr um Landessprachlichkeit bettelnden internationalen Grand-Prix-Fans meistert sie grandios, in dem sie den anglifizierten Text einfach mit albanischem Zungenschlag intoniert und so beiden Seiten entgegenkommt. Clever!

Schwebt stets im Abendkleid durch die kosovarischen Wälder: Lindita (AL)

Clever agiert auch Linditas georgische Gegenspielerin Tamara Gachechiladze. Die hörte beim Vorentscheid des Kaukasusstaates noch auf den Vornamen Tako, benannte sich nach unschmeichelhaften Vergleichen mit dem mexikanischen Gebäck bzw. der deutschen Ramsch-Klamotten-Kette aber flugs um. Auch sie kreischt sich in ‚Keep the Faith‘ die Seele aus dem zarten Leib, wobei sie im Text ihres Beitrags betont, keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gehen zu wollen und um ihren Glauben zu kämpfen. Zieh Dich also warm an, Lindita! Dazu läuft im Hintergrund eine nicht von ungefähr an Michael Jacksons größenwahnsinniges ‚Heal the World‘ erinnernde Video-Clip-Kollage mit verstörenden Bildern von Umweltverschmutzung und Kriegen. Darunter, leicht zu übersehen, ein nur für wenige Sekunden eingeblendeter Zeitungsausschnitt mit der Schlagzeile „Russia invades Georgia“ – ein deutlich subtilerer Versuch der Kritik an dem als zunehmend übergriffig empfundenen ehemaligen Sowjetreich als 2009, wo sie als Teil des Trios 3G mit dem von der EBU zensierten ‚We don’t wanna put in‘ ebenfalls ihr Missfallen am Zaren zu Ausdruck bringen wollte. Ihr Pech: diesmal dürfte die Provokation in Kiew aufgrund der voraussichtlichen Abwesenheit Russlands ins Leere laufen. Tamara konterkariert die unschönen Bilder mit einem bildschönen, enganliegenden Goldkleid mit eingelassener Beleuchtung, welches ihr besonderen Glanz verleiht.

Schüttel Dein Haar, wildes Mädchen: Tamara (GE)

Und so geht die Frage an meine Leser/innen: welche der beiden Damen kreischt schöner? Wirkt kampfeslustiger? Überzeugt eher? Es dürfte eine blutige Schlacht um Leben und Tod werden zwischen den zwei stimmstarken Diven – nun seid Ihr gefragt. Abgestimmt werden kann bis Donnerstag, 15 Uhr.

EDM #5: Cry me a River. Welche Kämpferin ist die Stärkere?

  • Albanien: Lindita Hamali - World (63%, 71 Votes)
  • Georgien: Tamara Gachechiladze - Keep the Faith (37%, 41 Votes)

Total Voters: 112

Loading ... Loading ...

Ergebnis: auch dieses Match ging ziemlich eindeutig aus, mit mehr als 60% der Stimmen konnte Lindita ihre georgische Widersacherin Tamara glatt an die Wand singen. Vielen Dank fürs Mitmachen! Im nächsten Zweikampf geht es, passend zum frühsommerlichen Wetter, um fröhliches Lagerfeuergeklampfe.

4 Gedanken zu “Eurovision Deathmatch #5: Cry me a River

  1. „What’s this fight all for?“ – Ich würde mal sagen: Für’n A…..llerwertesten.
    Schreiende Männer sind mir wesentlich lieber. Nicht unbedingt bei der Tätigkeit des Singens. Für Lindita und Tamara hingegen wüsste ich einen besseren Platz: Ganz unten in einem dreigeschössigen Keller. Bis morgen überlege ich, welches das kleinere Übel ist und erhoffe mir heute Nacht keine Alpträume. Schlimm, ganz schlimm…..

  2. Danke, dass ich jetzt endlich weiß, was Lindita singt! Ich habe immer verstanden „What’s the final world“.

  3. Oh, ist das fies, die beiden jetzt schon aufeinanderprallen zu lassen. In meiner persönlichen Rangfolge der diesjährigen Eurovisionsbeiträge sind das nämlich die Plätze 1 (GE) und 2 (AL), direkt vor Italien. Aber in Realität wird das vermutlich wieder mal Wunschdenken bleiben … Seufz

Oder was denkst Du?