A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

Kein Pro­blem soll­te es für die BBC im Jah­re 1969 dar­stel­len, erneut einen aktu­el­len Pop­star von der A‑Liste als Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­tin zu fin­den: die als Marie McDo­nald McLaugh­lin Lawrie gebo­re­ne schot­ti­sche Sän­ge­rin Lulu hat­te bereits als Fünf­zehn­jäh­ri­ge mit einer robus­ten Cover­ver­si­on der Isley-Bro­thers-Num­mer ‘Shout’ ihren ers­ten von zahl­rei­chen Top­hits. Meh­re­re von ihr in Fol­ge auf­ge­nom­me­ne deutsch­spra­chi­ge Sin­gles flopp­ten zwar, dafür lan­de­te sie 1968 bei uns mit ‘I’m a Tiger’ ihren größ­ten kom­mer­zi­el­len Erfolg, auch wenn die­ser heut­zu­ta­ge weni­ger prä­sent ist als ihre Zusam­men­ar­beit mit der Boy­band Take That im Jah­re 1993 mit der Neu­auf­la­ge des Dis­co­klas­si­kers ‘Relight my Fire’. Prak­ti­scher­wei­se hat­te die BBC bereits zuvor Lulu ihre eige­ne regel­mä­ßi­ge TV-Show gege­ben, in wel­cher sie nun Woche für Woche einen von sechs hand­ver­le­se­nen mög­li­chen Euro­vi­si­ons­bei­trä­gen prä­sen­tie­ren konn­te. Die ent­stamm­ten einem Pool von 208 ein­ge­sand­ten Lied­vor­schlä­gen und drei wei­te­ren Titeln aus der Feder von Lulus Stamm­kom­po­nis­ten, aus wel­chem ein neun­köp­fi­ges Komi­tee unter Vor­sitz des BBC-Unter­hal­tungs­chefs Tom Slo­an eben jene sechs Songs for Euro­pe heraussuchte.

Am Stück: die sechs ASFE-Songs von 1969.

Nicht in die End­aus­wahl schaff­ten es Gor­don Rox­burghs fach­kun­di­ger Fibel Songs for Euro­pe zufol­ge unter ande­rem ein Stück aus der Feder von Andrew Lloyd Web­ber und Tim Rice, das spä­ter als ‘King Herod’s Song’ im Hit­mu­si­cal ‘Jesus Christ Super­star’ Wie­der­auf­er­ste­hung fei­ern soll­te, sowie das uptem­po­rä­re ‘Hel­lo World’, ein Top-20-Hit für die Tre­me­loes. Zu den Titeln, die Lulu vor­trug, gehör­te hin­ge­gen die aller­ers­te musi­ka­li­sche Zusam­men­ar­beit von Ber­nie Tau­pin und Elton John, die in der Fol­ge gemein­sam unzäh­li­ge inter­na­tio­na­le Best­sel­ler wie ‘Cand­le in the Wind’ oder ‘Niki­ta’ ver­fas­sen soll­ten. ‘I can’t go on living without you’, Eltons Lied für Lulu, soll­te hier­zu nicht zäh­len: es beleg­te in der Post­kar­ten­ab­stim­mung scho­ckie­ren­der­wei­se den letz­ten Rang. Wobei, so über­ra­schend ist das Ergeb­nis viel­leicht nicht. Nach dem Sieg des Bier­zelt­stamp­fers ‘Pup­pet on a String’ beim ESC 1967 hat­te sich bei der BBC eine kla­re Vor­stel­lung davon eta­bliert, wie ein erfolg­ver­spre­chen­der Euro­vi­si­ons­song klin­gen müs­se: “Die Melo­die ist wich­ti­ger als der Text,” so erklär­te es Tom Slo­an in einem Radio-Times-Inter­view. “Die Juro­ren hören die Songs nur ein­mal, so dass die Wir­kung sofort ein­tre­ten muss. Ein Lied, das man beim ers­ten Hören mit­sum­men kann, ist ein guter Song for Euro­pe”.

Vom abge­lehn­ten Vor­ent­schei­dungs­bei­trag zum Show­stop­per: Jesus Christ, was has­se ich Musicals!

Das allei­ne abstim­mungs­be­rech­tig­te bri­ti­sche Publi­kum folg­te die­ser Linie: auf den zwei­ten Rang wähl­te es den kor­rekt benann­ten ‘March!’, des­sen Kom­po­nist Ken Howard zugab, dass er den Titel “defi­ni­tiv eigens für die Euro­vi­si­on” schrieb. “Wir gin­gen davon aus, dass es in allen teil­neh­men­den Län­dern Mili­tär­ka­pel­len gibt und betrach­te­ten dies als kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner. Lulu war außer­dem gut bei schmis­si­gem Mate­ri­al”. Das stell­te die im Jah­re 2021 für ihre Ver­diens­te ums hei­mi­sche Pop-Wesen zur könig­li­chen Rit­te­rin geschla­ge­ne Schot­tin, die gerüch­te­hal­ber selbst lie­ber eine Bal­la­de gesun­gen hät­te, dann auch beim ein­deu­ti­gen Sie­ger­ti­tel unter Beweis: ‘Boom Bang a Bang’ war der humpt­ata­haf­tes­te Zir­kus­schla­ger, den die Insel jemals zum euro­päi­schen Wett­sin­gen dele­gier­te. Lulu bölk­te ihn (rich­ti­ger­wei­se) mit der stimm­li­chen Fines­se einer Dampf­ram­me her­aus, schmiss die Ärm­chen im Takt und ver­dreh­te ihre rie­si­gen Kul­ler­au­gen. Ein (geteil­ter) Grand-Prix-Sieg und ein euro­pa­wei­ter Top-Ten-Hit – inklu­si­ver einer Num­mer 2 in den hei­mi­schen Charts – ent­lohn­ten sie für ihre Anstren­gun­gen und bestä­tig­ten die Brit:innen in ihrem Glau­ben, dass man für das Fest­land stets musi­ka­li­sches “Dum­bing Down” betrei­ben müsse.

Im Ver­gleich zu Madrid noch gera­de­zu dezent: Lulu beim ASFE-Auftritt.

Vor­ent­scheid UK 1969

A Song for Euro­pe. Sams­tag, 22. Febru­ar 1969, aus dem TV-Stu­dio der BBC in Lon­don. Eine Teil­neh­me­rin. Mode­ra­ti­on: Micha­el Aspel.
#Interpret/inTitelPost­kar­tenPlatz
01LuluAre you rea­dy for Love5.5605
02LuluMarch38.4182
03LuluCome Sep­tem­ber11.3623
04LuluI can’t go on living without you5.0876
05LuluBoom Bang-a-bang56.4761
06LuluBet yer8.3064

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 04.07.2021

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