Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hat­te die EBU in die­sem Jahr eigens erneut das Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren geän­dert, um die Sache span­nen­der zu gestal­ten. Und doch trat die lang­wei­ligs­te aller mög­li­cher Optio­nen ein: wie bereits seit Mona­ten von allen Wett­bü­ros eisern vor­her­ge­sagt, gewann heu­te Nacht der Nie­der­län­der Dun­can Lau­rence den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Der 24jährige Musi­ker ver­ein­te die in die­sem Jahr augen­schein­lich wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten für eine erfolg­rei­che Grand-Prix-Teil­nah­me: er ist männ­lich, voll­bär­tig, gut­aus­se­hend und er jaul­te wei­te Tei­le sei­ner gefühl­vol­len Kla­vier­bal­la­de ‘Arca­de’ in Fal­sett­stim­me. Sein Lied han­delt dem rei­nen Text nach von einer unglück­li­chen Bezie­hung, die der Prot­ago­nist nicht been­den kann, weil er süch­tig nach ihr ist; nach der Aus­sa­ge des Inter­pre­ten jedoch betraue­re er den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Eben­so zwie­späl­tig wie die Lyrics gestal­te­te sich auch Dun­cans Sieg, der mich genau­so rat­los und unbe­frie­digt zurück­lässt wie zuletzt der von Ell & Nik­ki in Düs­sel­dorf und der streng­ge­nom­men auch gar kei­ner war: sowohl beim Publi­kum als auch bei den Jurys lag in der Abstim­mung jeweils ein ande­rer Act vor­ne, der apar­te Hol­län­der gewann ein­zig auf­grund der mas­si­ven Unei­nig­keit der “pro­fes­sio­nel­len” Voter mit den Zuschauer/innen und konn­te sich als jeweils Dritt- bzw. Zweit­plat­zier­ter kumu­liert einen aus­ge­spro­chen schä­bi­gen Gesamt­sieg erschlei­chen.

Dun­can bei der Sie­ger­re­pri­se, die gleich viel bes­ser wirk­te als sei­ne Wett­be­werbsper­for­mance, wo er ver­krampft wie ein ver­bo­ge­ner Klei­der­ha­ken hin­ter dem Pia­no saß.

Anstel­le von wei­ner­li­cher Trau­er­ar­beit votier­ten die bei­den abstim­mungs­be­rech­ti­gen Blö­cke näm­lich eigent­lich für fröh­li­ches Lied­gut, nur lei­der jeweils für einen ande­ren Titel. Die klü­ge­re Wahl traf selbst­re­dend mal wie­der das Publi­kum, wel­ches das nor­we­gi­sche Trio Kei­i­no zu ihrem (und somit dem maß­geb­li­chen) Sie­ger mach­te und damit der Linie der letz­ten Jah­re folg­te, Pop­mu­sik mit gesell­schaft­li­chem Anspruch zu beloh­nen. ‘Spi­rit in the Sky’ ver­band einen erfri­schend klas­sisch kon­stru­ier­ten, leicht mit­sing­ba­ren, tanz­ba­ren und in hohem Maße Spaß machen­den Grand-Prix-Schla­ger mit Ele­men­ten sami­scher Musik, nament­lich dem glatz­köp­fi­gen Rap­per Fred Bul­jo, der, wie er im Queer.de-Inter­view erzähl­te, ursprüng­lich ange­heu­ert wur­de, um Sprech­ge­sangs­parts bei­zu­steu­ern. Doch “auf dem Weg zum Stu­dio haben wir gemerkt, dass ich aus mei­ner Kom­fort­zo­ne raus und end­lich joi­ken” woll­te, so der bul­li­ge Bul­jo. Er rann­te damit bei Tom Hugo, dem mit sei­nem Ehe­mann in Ber­lin leben­den Mas­ter­mind hin­ter dem eigens für den ESC kre­ierten Pro­jekt, offe­ne Türen ein, denn: “Wir sind erst dann wirk­lich gut, wenn wir in allen Lebens­be­rei­chen zu 100 Pro­zent wir selbst sein kön­nen.” Was auch für die drit­te im Bun­de, die Sän­ge­rin Alex­an­dra Rotan gilt, einem selbst­er­klär­ten Pop-Fan, die nach eige­ner Aus­sa­ge “nie­mals ger­ne Bal­la­den gesun­gen” hat, weil es “so lang­wei­lig ist”, die­se zu inter­pre­tie­ren. Ich lie­be sie! Wie viel Spaß die Drei mit ihrem Uptem­po­song hat­ten, über­trug sich trotz der gegen­über dem nor­we­gi­schen Vor­ent­scheid stark redu­zier­ten Büh­nen­show deut­lich: der Auf­tritt sprüh­te nur so vor fröh­li­cher Ener­gie!

Der Homo, das Pop-Mäd­chen und der Joi­ker: die Nor­we­ger hat­ten jede Men­ge Spaß auf der Büh­ne. Und die Zuschauer/innen auch.

Bekannt­lich jedoch dul­den die Jurys kei­nen Spaß. In einem ihrer berüch­tig­ten Straf­vo­tings setz­ten die, ich for­mu­lie­re das jetzt mit der wirk­lich größ­ten mir irgend­wie noch mög­li­chen Zurück­hal­tung, blö­den Arsch­gei­gen von der Bevor­mun­dungs­front die Publi­kums­fa­vo­ri­ten auf den fünf­zehn­ten (!) Rang in ihrer Wer­tung und ver­hin­der­ten damit effek­tiv den Sie­ges­zug des auf cle­ve­re Wei­se alt­her­ge­brach­te und kul­tu­rell ein­zig­ar­ti­ge Ele­men­te ver­bin­den­den Songs. Diver­si­tät, my Ass! Statt­des­sen bevor­zug­ten die Jurys zum gefühlt vier­hun­derts­ten Mal gefäl­li­ge Stan­gen­wa­re aus Schwe­den. Wie ori­gi­nell! Wobei sich das kei­nes­falls gegen den aus­ge­spro­chen ansehn­li­chen (die­ser vom Hun­dert­me­ter­lauf durch­trai­nier­te, statt­li­che Hin­tern: njamm!) John Lundvik und sein süf­fi­ges ‘Too late for Love’ rich­ten soll, das vor allem von sei­nem star­ken Gos­pel­chor mit den eigens aus den USA ein­ge­flo­ge­nen vier “Mamas” leb­te sowie von Johns lus­ti­gem Manie­ris­mus, das Mikro­fon am Ende jeder Stro­phe so weit wie nur eben mög­lich vom Mund weg­zu­stre­cken. Ein wie immer per­fekt glatt­po­lier­ter Euro­vi­si­ons­bei­trag aus dem Land der Elche also, mit dem neun­ten Platz im Publi­kums­vo­ting ange­mes­sen und gerecht ent­lohnt. Dass der auch in Tel Aviv erneut von einem schwe­di­schen Team rund um Mel­lo-Mas­ter­mind Chris­ter Björk­man pro­du­zier­te Wett­be­werb, gin­ge es nach den Jurys, jedoch Jahr für Jahr für Jahr für Jahr nur noch in Stock­holm statt­fän­de, stinkt lang­sam gewal­tig.

Wur­de laut Peter Urban nach sei­ner Adop­ti­on durch schwe­di­sche Eltern bei IKEA im Bäl­le­bad aus­ge­setzt: der klei­ne John Lundvik möch­te aus dem Små­land abge­holt wer­den!

Zumal das neue Ver­kün­dungs­ver­fah­ren, in dem auch die Ergeb­nis­se aus der Zuschau­er­ab­stim­mung in umge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge des Jury­vo­tings ver­le­sen wur­den, fälsch­li­cher­wei­se den Ein­druck erweck­te, es habe ein Zwei­kampf zwi­schen (den am Ende sechst­plat­zier­ten) Schwe­den und den Nie­der­lan­den statt­ge­fun­den. Immer­hin leg­te es die gro­tes­ken Wer­tungs­un­ter­schie­de zwi­schen den Jurys, die ihre Punk­te in wei­ten Tei­len offen­sicht­lich mal wie­der aus­wür­fel­ten, soweit sie nicht den übli­chen Nach­bar­schafts­stim­men-Mus­tern folg­ten, für deren Kor­rek­tur das Mani­pu­la­ti­ons­in­stru­ment einst­mals angeb­lich ein­ge­führt wur­de, und dem Publi­kum offen. Mit bit­te­ren Fol­gen für eini­ge Interpret/innen, die sich nach groß­zü­gi­gen Spen­den durch die Juror/innen im Ren­nen um die Kro­ne wäh­nen muss­ten, um dann vor den gna­den­lo­sen Augen der Kame­ras mit einer kal­ten Rea­li­täts­du­sche über­gos­sen zu wer­den. Am kras­ses­ten geriet dies bei der bedau­erns­wer­ten Tama­ra Todes­v­ka aus Nord­ma­ze­do­ni­en, die mit ‘Proud’ eine her­aus­ra­gen­de, stark gesun­ge­ne Fema­le-Empower­ment-Hym­ne ablie­fer­te und im Jury­vo­ting mit nur zwei Pünkt­chen Abstand ganz knapp hin­ter Lundvik lan­de­te, also bis zum Schluss als Thron­an­wär­te­rin galt. Dass das Publi­kum nur ein Vier­tel so viel Lie­be für sie übrig hat­te, wirk­te somit als eine bru­tal insze­nier­te, öffent­li­che Demü­ti­gung. So, wie es das noch immer regie­ren­de Patri­ar­chat mit auf­müp­fi­gen, stol­zen Frau­en halt ger­ne macht, ob nun unbe­ab­sich­tigt oder nicht. Bei allem Ver­ständ­nis für das Bedürf­nis der Show-Pro­du­zen­ten, Span­nung bis zur letz­ten Sekun­de zu erzeu­gen: die­ses die Interpret/innen nach­hal­tig beschä­di­gen­de Ver­fah­ren gehört umge­hend gekippt!

Hei­ße Anwär­te­rin auf den Bar­ba­ra-Dex-Award: die als Kegel­rob­be kos­tü­mier­te Tama­ra Todes­v­ka.

Doch der 2019er Jahr­gang geht für etwas ganz ande­res in die Anna­len ein als für sei­nen blas­sen Ver­le­gen­heits­sie­ger oder das wür­de­lo­se Voting­ver­fah­ren: im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis blei­ben wird er näm­lich als die TV-Ver­an­stal­tung, bei wel­cher die ehe­ma­li­ge Queen of Pop nach 36 Jah­ren unfrei­wil­lig ihr Kar­rie­re­en­de ein­läu­te­te. Der Auf­tritt Madon­nas als Pau­se­nact im Fina­le des ESC füll­te seit Mona­ten die Zei­tungs­spal­ten und Blogs, und der nach etli­chem Hin und Her über die not­wen­di­gen Ver­trä­ge und Sicher­heits­vor­keh­run­gen in letz­ter Sekun­de zustan­de gekom­me­ne Gig wur­de vom Sen­der KAN gehand­habt, als sei mit der Ame­ri­ka­ne­rin eine Hei­li­ge­n­er­schei­nung über Tel Aviv gekom­men: unzäh­li­ge Ankün­di­gun­gen sowohl im zwei­ten Semi­fi­na­le am Don­ners­tag als auch in der Sen­dung am Sams­tag sowie ein über­flüs­si­ges Green-Room-Inter­view inklu­si­ve einer an Fremd­scham kaum zu über­bie­ten­den Karaōke-Ani­ma­ti­on der eigent­li­chen, zur Staf­fa­ge degra­dier­ten Stars des Abends, den 26 Finalist/innen näm­lich. Und dann das: bei der Live-Dar­bie­tung ihres mitt­ler­wei­le drei­ßig Jah­re alten Hits ‘Like a Pray­er’ röhr­te Madon­na wie ein abge­sof­fe­ner Die­sel­mo­tor. Beim nach­fol­gen­den Stück von ihrem neu­en Album klang dann dank mas­si­ven Auto­tu­ne-Ein­sat­zes alles wie­der gut (oder viel­mehr: nicht falsch), was es aber nur noch auf­fäl­li­ger mach­te. Pei­ni­gend, zuse­hen zu müs­sen, wie sich eins mei­ner größ­ten Pop-Ido­le, die Frau, deren Plat­ten ich seit ihrem ers­ten Album 1983 mit fast reli­giö­ser Hin­ga­be regel­mä­ßig kauf­te, von der ich einst Bett­wä­sche besaß und die ich stets als femi­nis­ti­sche Vor­kämp­fe­rin, pro­gres­si­ve Tabu-Bre­che­rin, LGBTIQ*-Alliierte und Künst­le­rin bewun­der­te, hier selbst ins Aus schoss. Seufz.

Erschüt­ternd: Madon­na schlach­tet ihren Hit ‘Like a Pray­er’.

Bedau­er­lich auch des­we­gen, weil das Madon­naga­te das rest­li­che, in sei­ner Gesamt­heit zwar deut­lich zu lan­ge, aber mit Lie­be und Herz­blut zusam­men­ge­stell­te Rah­men­pro­gramm des ver­an­stal­ten­den Sen­ders KAN über­la­ger­te, aus dem es zwei Ele­men­te beson­ders her­vor­zu­he­ben gilt. Näm­lich zum einen das rund­her­aus fan­tas­ti­sche, über zehn­mi­nü­ti­ge Ope­ning, das den Ein­marsch der 26 Teilnehmer/innen mit ein­ge­wo­be­nen Kurz­auf­trit­ten sämt­li­cher israe­li­scher Grand-Prix-Legen­den ver­knüpf­te und an dem sich allen­falls kri­ti­sie­ren lie­ße, dass die gewähl­te Flug­be­glei­ter/in­nen-Cho­reo­gra­fie es zwin­gend ver­langt hät­te, ‘Fly­ing the Flag’ wenigs­tens anzu­spie­len. Nicht min­der famos die Sing-mei­nen-Song-Pau­sen­ein­la­ge, bei der vier inter­na­tio­na­le Euro­vi­si­ons­i­ko­nen der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit die Titel der ande­ren kaper­ten und bei der sich ins­be­son­de­re die auf­se­hen­er­re­gend kos­tü­mier­te und mit extrem tie­fer Stim­me into­nie­ren­de Con­chi­ta Wurst als exzel­len­te Per­for­me­rin von Måns Zelmerlöws ‘Heroes’ her­aus­hob. Oh, und Son­der­punk­te gehen an die­ser Stel­le natür­lich an den Mode­ra­tor Assi Azar, der nicht nur (wenn auch lei­der ver­geb­lich) den “teuf­lisch talen­tier­ten” Schwe­den auf­for­der­te, sein Hemd aus­zu­zie­hen, son­dern auch für unfrei­wil­li­ge, fort­ge­setz­te Hei­ter­keit sorg­te, als er spä­ter am Abend wäh­rend der Annah­me der Jury-Voten die Punk­te-Spre­cher/in­nen aus aller Welt zu deren Kon­ster­na­ti­on hart­nä­ckig mit der Abschieds­for­mel “Good Night” begrüß­te.

Sing Hal­le­lu­jah: Gala Ata­ri mit den neu­en Milk (rechts) & Honey (links).

Die ger­ma­ni­schen Sis­ters, von den Buch­ma­chern in den Wet­ten auf den letz­ten Platz gesetzt, schaff­ten dank ein­zel­ner über­ra­schend groß­zü­gi­ger Jury-Punk­te­ga­ben im Gesamt­ran­king einen kaum für mög­lich gehal­te­nen 24. Platz. Wobei es sich genau genom­men um einen mani­pu­lier­ten Trost­preis von­sei­ten der EBU han­del­te: gleich acht unse­rer ins­ge­samt 32 Zäh­ler erhiel­ten wir aus Weiß­russ­land, deren Jury im Vor­feld des Fina­les auf­grund regel­wid­rig ver­öf­fent­lich­ter Ergeb­nis­se des Semi-Votings sus­pen­diert wur­de. Die deut­schen Punk­te ent­stamm­ten laut EBU statt­des­sen einem “aggre­gier­ten Algo­rith­mus”, mit ande­ren Wor­te: Jan Ola Sand zog sich die­se Mit­leids­spen­de ver­mut­lich höchst­per­sön­lich aus dem Hin­tern, eben­so übri­gens wie den ein­zi­gen Zwöl­fer für das Gast­ge­ber­land Isra­el. Ehr­li­cher ging das Publi­kum mit dem Bei­trag der bei­den zusam­men­ge­cas­te­ten Schein­schwes­tern um und schenk­te uns eine erneu­te Auf­nah­me in die Hall of Shame der Nul­poin­ter. Ver­dien­ter­ma­ßen übri­gens, denn das leie­rig-saft­lo­se Spiel­do­sen-Lied­chen ‘Sis­ter’ gehör­te nun wirk­lich zum Lahms­ten, was der Abend bot. Auch die mehr als schlich­te Büh­nen­prä­sen­ta­ti­on, bei der Schnee­weiß­chen und Rosen­rot haupt­säch­lich auf der Satel­li­ten­büh­ne ver­harr­ten, wo man sie ob der vie­len Tota­len kaum aus­ma­chen konn­te, wäh­rend auf der LED-Wand ihre über­le­bens­gro­ßen Kon­ter­feie prang­ten, sorg­te allen­falls für gepfleg­te Schnar­ch­an­fäl­le.

Bet­tel­ten förm­lich um Nil Points, und Euro­pa erhör­te sie: die deut­schen Schwes­tern.

Bezeich­nend zudem das Image, das die Bei­den (sicher unfrei­wil­lig und unter­be­wusst) in der ein­lei­ten­den Post­kar­te abga­ben: wäh­rend sich die israe­li­schen Was­ser­bal­lett-Nixen stell­ver­tre­tend für alle finan­zi­ell oder poli­tisch ange­schla­ge­nen euro­päi­schen Natio­nen im See abzap­pel­ten und gewis­ser­ma­ßen ums Über­le­ben kämpf­ten, saßen die Schwes­tern brä­sig und selbst­zu­frie­den im rie­si­gen Ret­tungs­boot, in wel­ches sie aber natür­lich nie­man­den hin­ein lie­ßen. Ein pas­sen­de­res (und unsym­pa­thi­sche­res) Bild Deutsch­lands hät­te man gar nicht zeich­nen kön­nen. Mit den gerech­ten null Punk­ten erhielt der NDR die Quit­tung für sei­ne fehl­ge­lei­te­te Stra­te­gie: denn dass das Schwei­zer Fern­se­hen, dem die Song­schrei­ber ‘Sis­ter’ zunächst anbo­ten, für den Titel “nie­mand geeig­ne­ten fand”, wie Peter Urban fabu­lier­te, und ihn des­we­gen nach Ham­burg wei­ter­reich­te, lag ja nicht am man­geln­den Gesangs­ta­lent inner­halb der Eid­ge­nos­sen­schaft, son­dern am bes­se­ren Gespür der Hel­ve­ten für zeit­ge­mä­ßen und erfolg­ver­spre­chen­den Pop. Wie sie mit der inter­nen Nomi­nie­rung des ehe­ma­li­gen DSDS-Gewin­ners, gelern­ten Mau­rers und talen­tier­ten Tän­zers, Sän­gers und Char­me­bol­zens Luca Hän­ni demons­trier­ten, der im durch­sich­ti­gen Netz­shirt über­zeu­gend durch sei­nen blitz­blan­ken ‘Des­pa­ci­to’-Auf­guss führ­te.

Wer wür­de nicht ger­ne mit ihm “get­tin’ row­dy row­dy”? Das Schwei­zer Form­fleisch­schnit­zel Luca Hän­ni prä­sen­tier­te die wohl unschmut­zigs­te Dir­ty-Dan­cing-Vari­an­te aller Zei­ten.

Ein ähn­lich ein­gän­gi­ges Ange­bot hät­ten wir mit Aly Ryans ‘Wear your Love’ eben­falls vor­wei­sen kön­nen, doch solan­ge der NDR die Ver­ant­wor­tung für den hei­mi­schen Vor­ent­scheid inne­hat, scheint ein sol­cher ohne brä­si­gen Alb­um­füll­ti­tel aus der Grab­bel­kis­te inter­na­tio­na­ler Seri­en­schrei­ber­teams unvor­stell­bar. Und dank des noto­risch schlech­ten Geschmacks der ARD-Zuschau­er/in­nen schafft es die­ser Quark dann halt auch regel­mä­ßig wei­ter. Wie DWDL rap­por­tiert, kün­dig­te Tho­mas Schrei­ber bereits an, das Ver­fah­ren für 2020 zu “über­den­ken”. Wobei für eine struk­tu­rel­le Neu­aus­rich­tung gar kei­ne Not­wen­dig­keit bestün­de, wenn man nur zwei klei­ne Details des bis­he­ri­gen Pro­zes­ses änder­te: zum einen, in dem man künf­tig so wie beim Melo­di­fes­ti­va­len das Tele­vo­ting nach Alters­grup­pen gewich­tet und damit den Ein­fluss des jün­ge­ren, pop­mu­si­kaf­fi­ne­ren Publi­kums stärkt. Und zum ande­ren, in dem man den NDR von jeg­li­cher (!) musi­ka­li­scher Ent­schei­dungs­ge­walt im Aus­wahl­ver­fah­ren für den Vor­ent­scheid fern­hält, und zwar auch schon im Vor­feld, und die Sich­tung aller (!) Ein­rei­chun­gen aus­schließ­lich in die Hän­de des Fan-Panels legt, des­sen Zusam­men­set­zung natür­lich eben­falls nicht mehr nach geschmacks­po­li­zei­li­chen Vor­ga­ben durch den Sen­der erfol­gen dürf­te, son­dern rein nach demo­sko­pi­schen Gesichts­punk­ten. Bit­te, ger­ne gesche­hen.

Huch, wes­we­gen singt denn Kers­tin Ott für das Ver­ei­nig­te König­reich?

Mit uns ganz hin­ten lan­de­ten mal wie­der die wei­te­ren Big-Five-Mit­glie­der Groß­bri­tan­ni­en und Spa­ni­en. An die­sem kol­lek­ti­ven, ledig­lich von sel­te­nen Aus­rei­ßern unter­bro­che­nen Schei­tern der Haupt­zah­ler­län­der wird sich natür­lich nie etwas ändern, solan­ge deren Final­pri­vi­leg bestehen bleibt und sie sich, anders als die durch die Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de gehen­den Natio­nen, kei­ner­lei Mühe geben müs­sen. Klar, natür­lich kann man einen abge­leg­ten, schwach­brüs­ti­gen Gos­pel-Pop-Song des mit dem bes­se­ren der bei­den ähn­lich struk­tu­rier­ten, selbst­ver­fass­ten Titel im glei­chen Wett­be­werb auf­tre­ten­den Schwe­den ein­kau­fen, so wie die BBC es für den so bemüht wie hilf­los agie­ren­den Micha­el Rice mach­te. Dann darf man sich aber auch nicht wun­dern, wenn das Publi­kum den Qua­li­täts­un­ter­schied erkennt und ent­spre­chend abstimmt. Der Ibe­rer Miki Nuñez hin­ge­gen, des­sen Stamp­fer ‘La Ven­da’ im Tele­vo­ting einen respek­ta­blen Mit­tel­feld­platz zu errin­gen ver­moch­te, geriet wie so vie­le sei­ner Lands­leu­te zum Opfer der hier­für kol­lek­tiv zu ver­prü­geln­den Spaß­brem­sen von der Jury, die ihm zor­nig die Rote Later­ne zuwie­sen, weil er es wag­te, etwas Pepp und Far­be in die Show zu brin­gen. Dabei hat­te das spa­ni­sche Team Mikis Dar­bie­tung eigens von der pein­li­chen Polo­nä­se­haf­tig­keit des Vor­ent­schei­dungs­auf­tritts befreit und ihn dan­kens­wer­ter­wei­se in eine bis auf die letz­te Sekun­de durch­ge­tak­te­te Cho­reo­gra­fie gepresst.

Die Macher des Fes­ti­vals Bur­ning Man haben ange­ru­fen und wol­len ihr Wahr­zei­chen, die gigan­ti­sche Holz­fi­gur zurück: der offen­sicht­lich bis in die Haar­spit­zen zuge­koks­te Miki beim Final­auf­tritt.

Der Spa­ni­er stand bei­spiel­haft für einen der bei­den maß­geb­li­chen Mode­trends die­ses Jahr­gangs, der neben dem Tra­gen leuch­tend wei­ßer Kla­mot­ten im Vor­zei­gen der ansehn­lich trai­nier­ten Ober­arm­mus­keln bestand. Zur Bizeps-Frak­ti­on zähl­ten neben den bereits erwähn­ten Her­ren aus Schwe­den und der Schweiz auch der von sei­ner eige­nen, unbe­streit­ba­ren Schön­heit maß­los gelang­weil­te Aser­bai­dscha­ner Chin­giz Mus­ta­fay­ev mit sei­nem nett anzu­hö­ren­den, lyrisch aller­dings vor toxi­scher Männ­lich­keit nur so trie­fen­den Titel sowie sein rus­si­scher Kol­le­ge Ser­gey Laza­rev, der Publi­kums­sie­ger von 2016, der alles Men­schen­mög­li­che ver­such­te, dies­mal auch die Jurys zu über­zeu­gen. Das ging schief: sei­ne ein­zig und allei­ne auf eine beein­dru­cken­de Vokal­akro­ba­tik mit ganz vie­len, ganz lan­gen, ganz lau­ten Tönen hin kom­po­nier­te, düs­te­re Power­bal­la­de ‘Scream’ hielt dem Ver­gleich mit sei­nem dama­li­gen, im posi­ti­ven Sin­ne tra­shi­gen Grand-Prix-Schla­ger ‘You are the only One’ nicht stand und sack­te nicht nur beim Publi­kum auf einen vier­ten Rang ab, son­dern auch bei den angeb­li­chen Musik-Pro­fes­sio­nel­len, die ihm sogar nur halb so vie­le Punk­te spen­dier­ten, was durch die Wun­der der Mathe­ma­tik ins­ge­samt zu einem Bron­ze­platz reich­te. Viel­leicht atme­te sei­ne auf­wän­di­ge Dop­pel­gän­ger-Show doch ein klei­nen Ticken zuviel der nar­ziss­ti­schen Selbst­be­spie­ge­lung?

Macht alles für die Ziel­grup­pe: erst streckt Sehr­gay sei­nen kna­cki­gen Po auf­rei­zend in die Kame­ra, dann ver­spricht er gar, zu schlu­cken.

Ein gewis­ser Selbst­ver­liebt­heits­vor­wurf stand nach sei­nem Sieg beim fran­zö­si­schen Vor­ent­scheid Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on auch gegen den blut­jun­gen You­tube-Star Bil­al Hassa­ni im Raum, zumal er sich in sei­nem musi­ka­lisch eher dün­nen Lied­chen aus­schließ­lich mit sei­nen eige­nen Befind­lich­kei­ten als auf­grund sei­ner Homo­se­xua­li­tät, sei­ner Andro­gy­ni­tät und sei­nem marok­ka­ni­schen Migra­ti­ons­hin­ter­grund gesell­schaft­lich Aus­ge­grenz­ter beschäf­tig­te und sich in trot­zi­gem Stolz gar selbst zum ‘König’ krön­te. Doch wie schon die ‘Diva’ Dana Inter­na­tio­nal tat er das ja nicht für sich allein, son­dern für alle Anders­ar­ti­gen. Sei­ne gegen­über der Desti­na­ti­on stimm­lich mas­siv ver­bes­ser­te Dar­bie­tung griff dies äußert geschickt und glaub­wür­dig auf, in dem sich Bil­al von zwei außer­ge­wöhn­lich muti­gen Tän­ze­rin­nen beglei­ten ließ: der stark über­ge­wich­ti­gen Liz­zy How­ell und der tau­ben Lin Ching Lan, die wie unser Held trotz aller Ableh­nung und äußer­li­chen Anfein­dun­gen fest an sich glau­ben und sich nicht von ihrem Weg abbrin­gen las­sen. Eine berüh­ren­de, ja inspi­rie­ren­de Prä­sen­ta­ti­on der drei in der dies­jäh­ri­gen Pflicht­far­be weiß antre­ten­den Vor­bil­der. Da trug der per Schrift­gra­fik im Büh­nen­hin­ter­grund ein­ge­blen­de­te, sich an die Ziel­grup­pe rich­ten­de Schluss­ap­pell “We are all Queens” bei­na­he schon ein biss­chen zu dick auf.

Schö­nes Haar ist dir gege­ben: Bil­al mit sei­ner Fest­tags­pe­rü­cke. Sieht toll aus!

Am bes­ten unter den fixen Fina­lis­ten lief es mit Ita­li­en für das zwei­te Big-Five-Land, das zu sei­nem Sta­tus als Ein­wan­de­rungs­na­ti­on stand und mit dem eben­falls (wenn auch nicht offen) schwu­len Mah­mood einen wei­te­ren Ver­tre­ter mit ara­bi­schen Wur­zeln schick­te. Von die­sen han­del­te sein lyrisch packen­der wie musi­ka­lisch pfif­fi­ger Song ‘Sol­di’, bezie­hungs­wei­se von dem mehr als schwie­ri­gen Ver­hält­nis zu sei­nem sich früh in der Kind­heit ver­pisst haben­den ägyp­ti­schen Vater. Ent­ge­gen der bekann­ten und bedau­er­li­chen Ten­denz des Mit­tel­meer­lan­des, das Sta­ging zu ver­sem­meln, lie­fer­te das ita­lie­ni­sche Team dies­mal auch optisch ab. Mah­moods Kind­heits­trau­ma pack­te er in eine wüten­de Ankla­ge, die der Bad Boy auf authen­ti­sche Wei­se aggres­siv rap­pend und fins­ter ein­her­bli­ckend vor­trug. Die ein­drück­lichs­te sei­ner Text­zei­len, “È dif­fi­ci­le sta­re al mondo / Quan­do per­di l’orgoglio” ließ er ins Eng­li­sche über­setzt auf die LED-Wand pro­ji­zie­ren, mit Bil­dern sei­nen gespal­te­nen Haup­tes illus­trier­te er sei­ne inne­re Zer­ris­sen­heit. Dazu beglei­te­ten ihn drei schwarz gewan­de­te, extrem mas­ku­lin anzu­schau­en­de Tän­zer. Die­ses geball­te Paket an Tes­to­ste­ron­über­schuss kon­ter­ka­rier­te Mah­mood geschickt mit dop­pel­ten Hand­klat­schern, seit jeher ein Qua­li­täts­sie­gel für fabel­haf­te Grand-Prix-Musik und ein deut­li­ches Signal an die Zuschauer/innen: der beißt nicht, der will nur spie­len. Und spä­tes­tens, als am Ende sei­nes Auf­tritts alle Anspan­nung von ihm abfiel und er sich zu einem brei­ten Lächeln hin­rei­ßen ließ, lagen ihm euro­pa­weit die Her­zen zu Füßen.

Wie auf­merk­sam: die RAI ver­pack­te Mah­mood bereits vor­ab als Weih­nachts­ge­schenk. Den dürf­te man mir ger­ne unter den Baum legen!

Wie man es nicht macht, stell­te statt­des­sen die für Grie­chen­land antre­ten­de Kate­ri­na Dus­ka unter Beweis, die sich hem­mungs­los dem Hang der Hel­le­nen zum gigan­ti­schen Büh­nen­gim­mick hin­gab. In ihrem Fall han­del­te es sich um eine rie­si­ge, schaum­kuss­för­mi­ge Dreh­wand, die mei­ne Freun­de, mit denen ich das ers­te Semi schau­te, zum Spon­tan­aus­ruf “da steht eine rie­si­ge Tit­te auf der Büh­ne!” hin­riss. Eine nicht mehr unzu­se­hen­de Beob­ach­tung, die noch zusätz­li­che Nah­rung erhielt, als Kate­ri­nas Backings kur­ze Zeit spä­ter einen gigan­ti­schen Ball hin­ter ihr her­vor­zau­ber­ten: frag­los die Sili­kon­ein­la­ge, die sie nun im Zuschau­er­raum zu ent­sor­gen gedach­ten. Die wie eine Berg­zie­ge mit Hals­ent­zün­dung knö­deln­de Inter­pre­tin hüll­te sich ihrer­seits in ein puf­fi­ges Bro­ka­t­un­ge­tüm, das noch nicht mal der abge­feim­tes­te tür­ki­sche Hoch­zeits­klei­der­la­den sich getrau­en wür­de, anzu­bie­ten. Dazu beglei­te­ten sie ein paar gelb chif­fo­nier­te Krä­hen und zwei Fech­te­rin­nen. War­um? Das weiß der Him­mel. Auf die Kraft der Mam­mae setz­te auch die Alba­ne­rin Joni­da Mali­qi, wenn­gleich auf sehr viel sub­ti­le­re Wei­se: die stol­ze Ski­pe­ta­rin, wel­che den gol­de­nen Gesichts­schmuck des im ers­ten Semi aus­ge­schie­de­nen Por­tu­gie­sen Con­an Osí­ris im Haar auf­trug, beug­te sich zum Song­fi­na­le mehr­fach mit dem Ober­kör­per vor, um ihren appe­tit­li­chen Aus­schnitt in die Kame­ra zu hal­ten. So wie sei­ner­zeit die pol­ni­schen But­ter­mädge, nur viel dezen­ter.

Schlech­ter Trash: Kate­ri­ne und die sprich­wört­li­che Küchen­spü­le.

Hata­ri im Green Room beim Fina­le 2019 © ESC kom­pakt

Doch es gab auch guten Trash: Geschmack bewie­sen die Zuschauer/innen, in dem sie sowohl die aus­tra­li­sche Stan­gen­schwin­ge­rin Kate Mil­ler-Heid­ke als auch den san­ma­ri­ne­si­schen Dis­co-Dad­dy Ser­hat, der am Sams­tag stimm­lich deut­lich weni­ger neben der Spur lag als noch in sei­nem Semi­fi­na­le am Diens­tag, in ihrer Top Ten plat­zier­ten. Die Down-Under-Diva nahm sich den hier geäu­ßer­ten Rat zu Her­zen, dass sich das musi­ka­li­sche Mensch­lich­keits­ver­bre­chen Pope­ra allen­falls dann tole­rie­ren lässt, wenn man es so camp wie mög­lich prä­sen­tiert. Und das tat sie mit ihrer Witch-on-a-Stick-Per­for­mance, auch wenn die­se in der Wie­der­ho­lung unver­meid­li­cher­wei­se eini­ges von ihrem Unter­hal­tungs­wert ein­büß­te. Dass die Zweit­plat­zier­ten des aus­tra­li­schen Vor­ent­scheids, die fan­tas­ti­schen Elec­tric Fields, mit Eis­prin­zes­sin­nen­kro­ne auf dem Haupt die Punk­te­spre­cher gaben und dass das Kät­chen in Tel Aviv einen Ehren­schlag­stock von Hata­ri ver­lie­hen bekam, trug ihr zudem einen Cool­ness­bo­nus ein. Sie ist eine von uns! Das islän­di­sche Akti­ons­kunst­kol­lek­tiv sorg­te schließ­lich in der letzt­mög­li­chen Sekun­de für den schon seit ihrer Akkla­ma­ti­on bei der Söng­vakepp­nin ver­spro­che­nen Skan­dal, in dem es wäh­rend der Punk­te­ver­ga­be im Green Room ein “Paläs­ti­na”-Ban­ner in die Kame­ra hielt, was die israe­li­schen Zuschauer/innen in der Hal­le mit empör­tem Buhen quit­tier­ten.

Nicht als Spaß­act ange­tre­ten: Hata­ri hat­ten eine Bot­schaft. Scha­de, dass die­se durch ihre Akti­on unter die Räder kam.

Der seit Jahr­zehn­ten unge­lös­te, für bei­de Sei­ten ans Exis­ten­zi­el­le gehen­de Kon­flikt sorg­te bekannt­lich bereits im Vor­feld die­ses Jahr­gangs für Boy­kott­for­de­run­gen, gera­de auch auf der Elfen­in­sel. Des­sen Sen­der RÚV sag­te die Teil­nah­me am heu­ri­gen ESC dann auch erst zu, als fest­stand, dass der Wett­be­werb nicht im als Haupt­stadt umstrit­te­nen Jeru­sa­lem statt­fin­det. Hata­ri mach­ten öffent­lich nie einen Hehl aus ihrer Kri­tik am Gast­ge­ber­land in Bezug auf des­sen Umgang mit den Paläs­ti­nen­sern, hiel­ten sich vor Ort aber mit ent­spre­chen­den Äuße­run­gen zurück. Bis ges­tern Nacht, als sie – wie übri­gens auch Madon­na, die zwei ihrer Tän­zer mit je einer israe­li­schen und einer paläs­ti­nen­si­schen Flag­ge bestickt hat­te – den ansons­ten von der EBU sorg­sam tot­ge­schwie­ge­nen Kon­flikt doch noch für ein paar Sekun­den sicht­bar mach­ten. Über mög­li­che Kon­se­quen­zen bis hin zu einer ein­jäh­ri­gen Sper­re der Islän­der soll nun beim nächs­ten Tref­fen der Refe­rence-Group ent­schie­den wer­den. Der RÚV-Chef Magnús Geir Þór­ðar­son hält eine Dis­qua­li­fi­ka­ti­on sei­nes Sen­ders aber für “unwahr­schein­lich”. Blöd halt nur, dass auf­grund die­ser Akti­on nie­mand mehr über den musi­ka­lisch wie text­lich auf­rüt­teln­den Bei­trag Hata­ris spricht, der mit dem brand­ge­fähr­li­chen Vor­marsch der Rechts­po­pu­lis­ten in Euro­pa ein essen­ti­el­les The­ma anspricht.

Mehr als vier Stun­den dau­er­te die Show am Sams­tag, auch dank eines ein­stün­di­gen (!) Voting­fens­ters. So sehr ich den ESC lie­be: Kür­zun­gen sind drin­gend ange­zeigt!

ESC 2019, Fina­le

Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Sams­tag, der 18. Mai 2019, 21 Uhr, aus dem Expo Con­ven­ti­on Cen­ter in Tel Aviv, Isra­el. 26 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Bar Refae­li, Erez Tal, Assi Azar und Lucy Ayoub.
#LKInter­pretTitelPkt. TVPkt. JuryPkt. ges.Pl. ges.
01MTMichae­la PaceCha­me­le­on02008710714
02ALJoni­da Mali­qiKthe­ju Tokës04704309017
03CZLake Mala­wiFri­end of a Fri­end00715015711
04DESis­tersSis­ter00002402425
05RUSer­gey Laza­revScream24412637003
06DKLeo­no­ra Jep­senLove is fore­ver05106912012
07SMSer­hat HacıpaşalıoğluSay na na na06501207719
08MKTama­ra Todevs­kaProud05824730507
09SEJohn LundvikToo late for Love09324133405
10SIZala Kralj + Gašper ŠantlSebi05904610515
11CYTam­ta Goduad­zeReplay03207710913
12NLDun­can Lau­renceArca­de26123749801
13GRKate­ri­na Dus­kaBet­ter Love02405007421
14ILKobi Mari­miHome03500003523
15NOKei­i­noSpi­rit in the Sky29104033106
16UKMicha­el RiceBig­ger than us00300801126
17ISHata­riHat­rið mun sig­ra18604623210
18EEVic­tor Cro­neStorm04802807620
19BYZenaLike it01301803124
20AZChin­giz Mus­ta­fay­evTruth10020230208
21FRBil­al Hassa­niRoi03806710516
22ITMah­moodSol­di25321947202
23RSNeve­na Božo­vićKru­na05403508918
24CHLuca Hän­niShe got me21215236404
25AUKate Mil­ler-Heid­keZero Gra­vi­ty13115328409
26ESMiki NúñezLa Ven­da05300105422

22 Gedanken zu “Fina­le 2019: <span class="caps">ESC</span> is a losing Game”

  1. Mei, mei, mei … so viel Ver­bit­te­rung und Über­trei­bung, wegen Madon­na, bei ESC??? Mein Guter … willst Du uns ernst­haft erzäh­len, Dir sei in den letz­ten 36 Jah­ren nicht bewusst gewe­sen, dass die Frau gar nicht sin­gen kann ;)? Ganz was Neu­es, gell ;)?!

    Zuge­ge­ben, der Auf­tritt wur­de etwas gehypt, aber mee­ei­i­ne Güüüüü­te – des­halb wur­de kein Mensch degra­diert, der ESC ent­wür­digt, noch Madon­nas Kar­rie­re­en­de ein­ge­leu­tet. Wes­halb? Der Rest der Welt wuss­te näm­lich bereits, dass sie nicht sin­gen kann ;). Als sie damals in San­re­mo, als Pau­se­nact, auf­trat, war das den ita­lie­ni­schen Medi­en bes­ten­falls eine Neben­zei­le, in der Bericht­erstat­tung, wert. Hier, wur­de sie schon sehr gehypt … aber, was soll’s?

    Im Grun­de genom­men sind alle Green Room Inter­views mehr als über­flüs­sig. Was erzäh­len sie denn da Welt­be­we­gen­des? “Ich bin sehr ner­vös … ja, es ist noch Alles offen … Grü­ße an mei­ne Kin­der, mei­ne Fans und natür­lich mei­nen Schwipp­sch­wa­ger!”.

    Dun­can war auch nicht mein Favo­rit … aber er ist mir lie­ber, als ein erneu­ter schwe­di­scher Sieg. Die schwe­di­sche Num­mer war so ein­falls­los, anbie­dernd … gräss­lich.

    Chin­gis war der geils­te Mann, der jemals auf einer ESC Büh­ne stand. Ein abso­lu­ter Traum­mann ;). Allein der Pre­view­clip war schon heiß, dann dass top­less Video … und sei­ne Moves auf dem ESC Sta­ge ;). Ein­fach end­geil ;).

    Deutsch­land war scheuss­lich. Habe mich für die blon­de fremd­ge­schämt.

    Nord­ma­ze­do­ni­en hat mich über­rascht. Habe nicht mit der hohen Plat­zie­rung gerech­net. Mir hat­te Ser­bi­en bes­ser gefal­len, von den bei­den ex-YU Län­dern … auch, wenn das eben­falls eher lau­warm war. Das Teil­neh­mer­feld war stark, wie schon lan­ge nicht mehr. Ein guter ESC.

  2. Kann mir bit­te jemand die Jury-Vor­lie­be für Nord­ma­ze­do­ni­en erklä­ren? Mich hin­ter­ließ ihr Ergeb­nis doch sehr sprach­los.

  3. Also ich fin­de es ganz erfri­schend, dass mal wie­der ein “nor­ma­ler” Bei­trag gewon­nen hat, kein bedeu­tungs­schwan­ge­rer. Nichts gegen gesell­schaft­li­che / poli­ti­sche The­men, aber muss eine Unter­hal­tungs­sen­dung, die der ESC ohne Fra­ge schließ­lich ist, davon regel­recht voll­ge­la­den sein?
    Der Begriff mit dem For­ma­t­ra­dio in Bezug auf “Arca­de” stimmt ja durch­aus, es ist der deut­lich kom­mer­zi­ells­te Titel. Schlimm fin­de ich das ganz und gar nicht. Es sei Dun­can Lau­rence gegönnt, soll­te der Song ein Hit wer­den. Auch das wäre mal wie­der ein net­ter Effekt, den es in den letz­ten Jah­ren nicht (mehr) gab, was dem Wett­be­werb nicht schlecht täte. Denn ein Nischen­pro­gramm soll der ESC schließ­lich auch nicht sein.

  4. Die Jury-Vor­lie­be für Nord­ma­ze­do­ni­en lässt sich ganz ein­fach mit der Fema­le Empower­ment-Bot­schaft des Lie­des erklä­ren. Voll­kom­men klar, dass das ein Jury­lieb­ling sein wür­de. Eben­so klar, dass der trash­tas­ti­sche nor­we­gi­sche Bei­trag bei den Jurys durch­fal­len und beim Publi­kum abräu­men wür­de. Es ist ja sogar San Mari­no auf dem 10. Platz(!) im Tele­vo­ting gelan­det.

    Zum deut­schen Bei­trag: Ich habe ges­tern nach dem ESC das offi­zi­el­le Musik­vi­deo ent­deckt, dass genia­ler­wei­se 4 Tage vor dem ESC-Fina­le ver­öf­fent­licht wur­de, und da wur­de gezeigt, wie man den Bei­trag per­fekt hät­te insze­nie­ren kön­nen. Es ist mir voll­kom­men unver­ständ­lich, wie man statt­des­sen die­ses Nichts auf die Büh­ne brin­gen konn­te. Immer­hin war es sehr süß, wie sie sich hin­ter­her gefreut haben. Die bei­den haben sich offen­bar sehr gut ver­stan­den und viel Spaß mit­ein­an­der gehabt. Schön für sie, dass sie eine gute Zeit zusam­men hat­ten, bevor sie dann wie­der in der Ver­en­kung ver­schwin­den wer­den.

  5. Das Ergeb­nis eine Kopie des letz­ten Jah­res,
    die zwei Jury­sie­ger sind im Tele­vo­te abge­schmiert,
    und die bei­den Nach­plat­zier­ten NL und IT nach vor­ne gewan­dert.
    Bei der Tele­vo­te-Punk­te­ver­ga­be von Nor­we­gen muss­te ich echt lachen, der gute alte Euro­trash ist nicht tot­zu­krie­gen! 😀
    Freu mich schon auf die Nach­be­trach­tung hier!

  6. … Car­lot­ta und Lau­ra […] haben 1a gesun­gen. Sie haben eine sehr sym­pa­thi­sche, sehr leben­di­ge, sehr glaub­wür­di­ge Per­for­mance auf der Büh­ne abge­lie­fert.“
    „Wir haben ja das­sel­be gemacht wie im Jahr zuvor. Unser Aus­wahl­ver­fah­ren, mit dem wir Micha­el Schul­te und sein Lied gefun­den haben und im ver­gan­ge­nen Jahr den vier­ten Platz in Lis­sa­bon erreicht haben, das haben wir 1:1 fort­ge­setzt und das hat die­ses Jahr nicht funk­tio­niert.“
    Sagt NDR-Unter­hal­tungs­chef Tho­mas Schrei­ber nach dem Deba­kel und nach der Schmach von Tel Aviv.
    Genau das Gegen­teil aber ist der Fall. Die bei­den Sis­ters wir­ken äußerst unsym­pa­thisch und im Zusam­men­spiel und ‑klang alles ande­re als har­mo­nisch oder schon gar nicht „sehr lebend“, son­dern eher geküns­telt. Das Lied ist schlicht­weg eine Frech­heit. Zum ande­ren kam die­ses ster­bens­öde Nichts von Lied über die Wild-Card-Schie­ne ins Aus­wahl­ver­fah­ren, man sich den lang­wei­li­gen Sums von den Schwei­zern andre­hen las­sen. Im deut­schen Vor­ent­scheid wur­de alles getan, die bei­den Sis­tern (hat eine von denen was mit einem vom NDR?) zu pushen. So allein über den Start­platz und die Jury­zu­sam­men­set­zung.
    Die Prä­sen­ta­ti­on mit den Play­back­ge­sich­tern auf der LED-Wand wirk­te kom­plett unin­spi­riert. War­um muss man das Pfann­ku­chen­ge­sicht der einen, die zudem noch geschminkt war, als wär’s der ers­te Ver­such eine Teen­agers, sich einen Lid­strich zu zie­hen, in Clo­se-ups sehen und dann noch mal rie­sen­groß und gepho­to­shop­ped als Back­drop? Gut geht anders.

    Sor­ry, Ger­ma­ny … zero Points vom Publi­kum ist der gerech­te Lohn für eine Schmie­ren­pos­se und kom­plet­ten Unver­mö­gen.

    Ich wer­de zudem auch nicht müde zu beto­nen, dass Peter Urban eine uner­träg­li­che Laber­ta­sche ist und dass er doch bit­te end­lich, end­lich sei­nen Ruhe­stand genie­ßen möge! Tex­te feh­ler­frei abzu­le­sen, dazu soll­te ein Kom­men­ta­tor imstan­de sein. Was wir bereits in den Semis gehört haben, muss er nicht 1:1 wie­der­ho­len. Gähn! Sei­ne voll­kom­men unmaß­geb­li­che Mei­nung sol­le er für sich behal­ten. Die küm­mer­li­chen Punk­te der Jurys als gro­ßen Erfolg und schö­nes Ergeb­nis zu fei­ern – ja geht’s noch. Ich hof­fe, die­ser Schön­red­ner hat das letz­te Mal den ESC kom­men­tiert.

  7. @Tamara: du hast Recht, “Schum­mel­sie­ger” ist eine unan­ge­mes­se­ne Wort­wahl. Er hat ja nach dem aktu­el­len Ver­fah­ren fair gewon­nen. Sor­ry dafür, da hat sich in mir der Only-Teard­rops-Effekt sei­nen Weg gebahnt: ich fin­de die nie­der­län­di­sche Bal­la­de ja ganz nett, aber kei­nes­falls des Sie­ges wür­dig. Wie schon bei Emme­lie bringt es mich halt gegen sie auf, dass Dun­can seit Mona­ten gehypt wur­de und dann auch durch­mar­schier­te. Aber das ist natür­lich nur mei­ne per­sön­li­che Befind­lich­keit. Ich habe es jetzt auf “Ver­le­gen­heits­sie­ger” geän­dert, das trifft es in mei­nen Augen eher, denn er hat ja tat­säch­lich nur gewon­nen, weil Publi­kum und Jury sich nicht einig wur­den.

  8. Aber da kann doch er nichts für. Er hat super abge­lie­fert, als es drauf ankam, alles ande­re haben Jurys und Tele­vo­ter zu ver­ant­wor­ten. Ein abso­lut tol­ler und wür­di­ger Sie­ger!

    Im übri­gen fand ich den ers­ten Tele­vo­ting­platz für mei­nen abso­lu­ten Lieb­lings­bei­trag in die­sem Jahr (nota bene!) durch­aus schmei­chel­haft, das war schon reich­lich schief gesun­gen, hat aber am meis­ten Spaß gemacht vom gesam­ten Abend (Tausch­kon­zert mal aus­ge­nom­men). Daher sind mei­ne 20 SMSe alle­samt Rich­tung Neder­land gewan­dert, und gera­de bin ich ein­fach nur superhap­py mit dem Ergeb­nis.

    War eine tol­le Show, viel­leicht etwas zu viel Pau­sen­pro­gramm, und auf La Cic­co­ne hät­te ich gern ver­zich­tet.

    Die Sis­ters waren nicht so schlecht wie befürch­tet, aber grot­ti­ges Sta­ging. Man muss halt auf­fal­len. Aber da bro­delt es ja gera­de schon.

    Momen­tan bin ich noch etwas reiz­über­flu­tet, muss erst­mal wie­der run­ter­kom­men und das gan­zen dann in den nächs­ten Tagen mit etwas Abstand betrach­ten. Im Moment genie­ße ich erst­mal das Gefühl, dass der Bei­trag, den ich am zweit­meis­ten mag und für den ich mein Geld raus­ge­hau­en hab, auch tat­säch­lich gewon­nen hat. 🙂

  9. Ich bin sooo froh wie schon lan­ge nicht mehr beim ES!!. Das ers­te Mal seit 2010 hat mein Favo­rit gewon­nen, auch die tol­len Plät­ze für Ita­li­en und die Schweiz freu­en mich.

    Das Deba­kel für Deutsch­land war lei­der eines mit Ansa­ge!! Ohne die sehr merk­wür­dig zustan­de­ge­kom­me­nen Jury­punk­te aus Weiß­russ­land wären wir noch einen Platz wei­ter run­ter­ge­rutscht. Bei der Ver­kün­dung der Null­num­mer aud dem Publi­kums­vo­ting muss­te ich ehr­lich gesagt laut lachen, kei­ne Ahnung, es über­kam mich ein­fach. Aber wofür soll­te man da als Zuschau­er auch anru­fen?? Die bei­den “Schwes­tern” waren ein­fach nur unsym­pa­thisch, der Song ein fader Album­track mit abge­lutsch­ter Bot­schaft, und die­se komi­schen Pro­jek­tio­nen mit den rie­si­gen Gesich­tern waren auch eher ver­stö­rend als beein­dru­ckend. Dass nur weni­ge Start­plät­ze wei­ter Nord­ma­ze­do­ni­en mit the­ma­tisch ähn­li­chen, aber deut­lich bes­se­ren Num­mer antrat war auch nicht för­der­lich. Die ewig glei­chen State­ments danach kann ich auch nicht mehr hören, fin­de dass sowohl Schrei­ber als auch Peter Urban end­lich in den Ruhe­stand geschickt gehö­ren!! Ach ja, über­gibt die Ver­ant­wor­tung für den ESC bit­te an eine ande­re Anstalt wie den WDR.

    Nun wie­der zu den ande­ren Teil­neh­mern. Auch wenn mich Oli­ver jetzt lyn­chen möch­te, aber ich per­sön­lich bin froh dass Nor­we­gen nicht gewon­nen hat!! Sor­ry, aber das Teil klingt wie eine Num­mer die selbst Red­nex zu tra­shig und pein­lich gewe­sen wäre.

    Den gro­ßen Hype um Schwe­den habe ich auch nicht ver­ste­hen kön­nen. War zwar alles sau­ber pro­du­ziert und vor­ge­tra­gen, aber mich hat es wie so oft bei den schwe­di­schen Bei­trä­gen ein­fach nicht erreicht. Den­noch tat mir John bei der Wer­tung ziem­lich leid, die­se Art der Ver­kün­dung gehört drin­gend ein­ge­mot­tet.

    Ser­gey scheint dage­gen gebo­ren für den drit­ten Platz zu sein. Ich war ja schon 2016 kein gro­ßer Fan, und die­ser fade Musi­calschin­ken mit der ego­zen­tri­schen Insze­nie­rung tat nichts dazu um mich vom Gegen­teil zu über­zeu­gen.

    Zu Islands Song habe ich mich schon genug geäu­ßert, die Akti­on mit der Flag­ge war dage­gen ziem­lich dane­ben!!

    Die meis­ten ande­ren Songs haben in etwa ähn­lich abge­schnit­ten wie von mir ver­mu­tet, auch der erneut letz­te Platz vom UK geht fin­de ich völ­lig in Ord­nung.

    Das Rah­men­pro­gramm war mir dage­gen deut­lich zu lang, beson­ders der Auf­tritt der ehe­ma­li­gen Queen of Pop hät­te man ganz ger­ne aus­fal­len las­sen kön­nen.

    Ins­ge­samt fand ich den dies­jäh­ri­gen ESC ent­ge­gen mei­ner Ver­mu­tung am Anfang der Sai­son dann doch ganz ordent­lich, die Israe­lis waren tol­le Gast­ge­ber mit tol­len Ide­en wie den Post­cards. Bin schon gespannt wie die Nie­der­län­der es nächs­tes Jahr machen und vor allem wo der ESC statt­fin­den wird. Ams­ter­dam?? Rot­ter­dam?? Den Haag?? Oder ganz woan­ders?? Wir kön­nen auf jeden Fall gespannt sein.

  10. Das Ergeb­nis eine Kopie des letz­ten Jah­res,
    die zwei Jury­sie­ger sind im Tele­vo­te abge­schmiert,
    und die bei­den Nach­plat­zier­ten NL und IT nach vor­ne gewan­dert.”

    Nicht nur das, es fand sich ja sogar eine ähn­lich gestrick­te, ange­gos­pel­te Num­mer in bei­den Jah­ren an der Spit­ze der Jury-Wer­tung. Die inter­na­tio­na­len Her­ren und Damen zei­gen sich damit echt ziem­lich bere­chen­bar. Im Gegen­satz zu dem doch über­ra­schen­den Tele­vo­ting-Sie­ger.

  11. Tja. Herz­lich will­kom­men in mei­nem 2017, Herr Rau. (Was zuge­ge­ben nicht ganz kor­rekt ist – mei­ne Reak­ti­on auf Sobrals Sieg war nicht leich­te Ver­wir­rung, son­dern abso­lu­te, tota­le Rat­lo­sig­keit, ver­bun­den mit “ich gön­ne es dem Land, aber muss­te es die­ses Lied sein?”)

    Ich kann mit einem nie­der­län­di­schen Sieg jeden­falls wun­der­bar leben – bes­ser jeden­falls als mit einem schwe­di­schen. (Wobei das nach den Punkt­zah­len eh nicht drin war.) Bei einem der­art mas­si­ven Split zwi­schen den Wer­tun­gen gewinnt halt auch mal Kom­pro­miss­ma­te­ri­al. Hat­te eigent­lich irgend­je­mand Nor­we­gen oder Nord­ma­ze­do­ni­en auf dem Zet­tel? Ich jeden­falls nicht, aber die Liveper­for­mance der Ers­te­ren am Sams­tag erklärt ihren Publi­kums­sieg doch recht zwang­los.

    Lus­ti­ger­wei­se scheint es so, dass das weiß­rus­si­sche Jury­er­geb­nis von der EBU tat­säch­lich auf den Kopf gestellt wur­de – jemand auf Twit­ter hat errech­net, dass das Ersatz­re­sul­tat (die weiß­rus­si­sche Jury wur­de vom Fina­le aus­ge­schlos­sen, weil der Vor­sit­zen­de vor­her über die Ergeb­nis­se des Semis geplau­dert hat) aus einem Schnitt der ande­ren Län­der des glei­chen Setz­topfs bei der Aus­lo­sung bestand, der aber von hin­ten nach vor­ne auf­ge­rollt wur­de. Nicht nur, dass Weiß­russ­land mit dem “rich­ti­gen” Ergeb­nis vor Deutsch­land gelan­det wäre (weil wir kei­ne Punk­te aus BY gekriegt hät­ten), Nord­ma­ze­do­ni­en hät­te auch die Jury­vo­te gewon­nen, weil in der “rich­ti­gen” Lis­te Schwe­den Neun­ter war und Nord­ma­ze­do­ni­en Zwei­ter (hin­ter Mal­ta, was ich jetzt mal unkom­men­tiert las­se…). Oh, und Isra­el hät­te mit 0 Jury­punk­ten da gestan­den.

  12. War was? Wir haben ges­tern noch ein­mal die Songs des ESC nach­ge­hört und gese­hen. Das Bes­te waren noch die Ein­la­gen von Con­chi­ta und “Friends”. Für mich war es ein ESC der Belang­lo­sig- und Mut­lo­sig­kei­ten. Und wenn einer mal sich trau­te, dann wur­de er ent­spre­chend abge­straft (Por­tu­gal, Ungarn) oder (wie immer) nicht ange­mes­sen gewür­digt (Ita­li­en!!!).
    Denn Letz­te­re hät­ten es wirk­lich ver­dient. Tat­säch­lich ein außer­ge­wöhn­li­cher Song mit gutem Inhalt, einer viel­sei­ti­gen Musik­li­nie, die tat­säch­lich ein­mal Neu­es bot und einem cha­ris­ma­ti­schem Sän­ger. Das Sie­ger­lied kann gut auf NDR 2 in Dau­er­schlei­fe gespielt wer­den als geho­be­nes Mit­tel­maß (“Melo­di­en, die sich die Hörer wün­schen”), mehr aber auch nicht. Außer Island wird mir nicht viel mehr im Gedäch­nis blei­ben (obwohl ich bei Ver­gleich mit “Lor­di” Letz­te­res immer noch wit­zi­ger und mit­rei­ßen­der fin­de). Der Rest ist über­wie­gend nur noch Mit­tel­maß, tau­send Mal schon gehört, bei Nor­we­gen, dem “Publi­kums­lieb­ling” reich­te es nur ein Jahr um den “Monster”-Titel Finn­lands scham­los abzu­kup­fern. Hat anschei­nend kei­ner gemerkt.
    Dass sich der “Her­zens­bre­cher” Herr Ser­had in die­sem Umfeld beweg­te, wäre zu ver­kraf­ten und als lus­ti­ges (?) “iro­ni­sches” (???) Lied­chen abzu­ha­ken gewe­sen. Wenn es doch nur ein paar posi­ti­ve Aus­rei­ßer gege­ben hät­te !
    Ach ja, Peter Urban. Ich habe ihn vor ein paar Mona­ten in einer Ver­an­stal­tung gese­hen, in der er über sein musi­ka­li­sches Leben berich­te­te. Ein inter­es­san­ter, ein “ver­dien­ter” Mann. Sicher­lich immer noch Jemand, der abends im Radio sei­ne Lieb­lings­songs vor­stellt und Neu­es aus der Musik­sze­ne berich­tet. Aber als deut­scher Kom­men­ta­tor soll­te er sich wirk­lich zurück­zie­hen. Er ist wirk­lich ein Schön­red­ner, der wie­der bes­se­ren Wis­sens eine Mei­nung abson­dert, die mit den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen so gar nichts mehr zutun hat. Ich glau­be; ich hof­fe, er weiß das noch sel­ber. Hier braucht es jetzt eine(n) frische(n), freche(n) und wache(n) Kommentator(en), der Ahnung und Mei­nung hat.

  13. Im Grun­de genom­men bin ich Zufrie­den mit dem Jahr­gang 2019.
    Ich hät­te zwar den ein oder ande­ren Bei­trag ger­ne am Sams­tag noch ein­mal gese­hen aber füg­te mich dem Schick­sal.
    Das Voting emp­fan­den wir als extrem span­nend, da ich zum Bei­spiel von locke­ren 200 Punk­ten für den Schwe­den vom Publi­kum aus­ge­gan­gen bin. Bei sel­bi­gen Voting für die Tsche­chen habe ich mich zwar leicht gewun­dert (“locker 150!) um dann mit offe­nen Mund auch bei Nord Maze­do­ni­en da zu sit­zen. Wenn die Jury schon sooooo Sie bepunk­tet kriegt “Die” doch locker vom Publi­kum …. und mehr!
    Ich hat­te auch ein wenig Panik nach der ers­ten Voting Pau­se da ich mich über­haupt nicht mit NORD Maze­do­ni­en beschäf­tigt hat­te. Ich kenn da nie­man­den und mich dort nicht aus!
    Da ich die­ses Art des Voting-Sys­tem schon etwas “sadis­tisch” emp­fand (Ohhh,die Gesich­ter!) ver­ste­he ich nicht @Oliver, das du das im nächs­ten Jahr nicht mehr haben willst? 😉

  14. War­um das Fina­le zeit­lich kür­zen, kann von mir aus auch 6h dau­ern, ist doch nur ein­mal im Jahr. Und dabei bedeu­tend kurz­wei­li­ger als San Remo.
    Man soll­te viel öfter das Inter­vall Pro­gramm von ehe­ma­li­gen Teil­neh­mern bestrei­ten las­sen, Madon­na war über­flüs­sig. Noch über­flüs­si­ger war jedoch Vera Ser­dut­ch­ka. Erst mit dafür sor­gen, dass die Ukrai­ne nicht mit­macht und dann selbst auf­tre­ten. Der Bei­geschmack ist mir zu bit­ter.
    Zum Glück hat Schwe­den nicht gewon­nen, das wäre genau­so lang­wei­lig wie Bay­ern Mün­chen.

  15. @Mogulla: Ich fürch­te ja, die (tat­säch­lich voll­kom­men uner­träg­li­che) Schön­red­ne­rei hin­sicht­lich des deut­schen Bei­trags ist eher dem dünn­häu­ti­gen Umgang des NDR mit dem The­ma geschul­det als tat­säch­lich auf Peter Urbans Mist gewach­sen. Man sieht das ja auch, wenn man öffent­li­che Äuße­run­gen von Tho­mas Schrei­ber mit­ver­folgt, der die von ihm ver­ant­wor­te­ten Titel stets mas­siv gegen jede Form von Kri­tik ver­tei­digt und immer erst mit eins, zwei Jah­ren Abstand zugibt, dass das wirk­lich Mist war, was wir geschickt haben. Da herrscht in Ham­burg wohl so eine Art Wagen­burg­men­ta­li­tät und jeder deut­sche Kom­men­ta­tor, der wäh­rend der Sen­dung den deut­schen Bei­trag nicht besin­nungs­los beju­belt, wäre wohl sofort sei­nen Job los und käme auf die schwar­ze Lis­te.
    Immer­hin ist ja die Art und Inten­si­tät der Jubel­ari­en ein äußerst ver­läss­li­cher Anzei­ger für den Miss­erfolg: je aus­führ­li­cher Peter Urban wäh­rend der Show davon berich­tet, wie sym­pa­thisch sich die deut­schen Interpret/innen vor Ort gezeigt hät­ten und wie beliebt sie im Kol­le­gen­kreis sei­en, um so siche­rer kann man mit einem Platz unter den letz­ten Vier rech­nen. 😉

  16. Dann dürf­ten Peter Urban und Tho­mas Mohr dem­nächst nichts mehr mit dem ESC zu tun haben, denn Bei­de haben in Inter­views den Fin­ger fett in die Wun­de gelegt.

  17. Auch ich bin etwas rat­los zurück­ge­blie­ben. Ich fin­de, die Jurys haben durch­aus ihre Berech­ti­gung, aber die äußerst kras­se Über­schät­zung von Schwe­den kann ich schwer nach­voll­zie­hen. Tama­ra muss man zugu­te hal­ten, dass sie wirk­lich sehr gut gesun­gen hat. Ich fin­de die Melo­die ein wenig banal, aber das Arran­ge­ment gibt dem Song die nöti­ge Stär­ke wie­der.

    Nor­we­gen habe ich zwar stär­ker wahr­ge­nom­men, aber auch ich hät­te es nicht unbe­dingt auf mei­nen ers­ten Platz gesetzt. Das sieht ein Zuschau­er, der den Song zum ers­ten Mal hört, natür­lich anders.

    Über Deutsch­land ist schon genug geschrie­ben wor­den… außer­dem hat sich Peter Urban die­ses Jahr auf­fal­lend oft ver­spro­chen. Ein Bei­spiel wäre die Ver­wechs­lung von Aus­tra­li­en und Öster­reich.

    Sehr gefreut habe ich mich über die Rück­kehr von Ila­nit, Gali Ata­ri und Izhar Cohen. Der Pau­sen­fül­ler mit Gali war ja bei­spiel­los und dar­über habe ich mich sehr gefreut.

    Übri­gens fand ich nicht nur das nor­we­gi­sche Lied gru­se­lig, fol­gen­de Inter­pre­ten waren es eben­so: Leo­no­ra, Kobi und Mah­mood. Mir ist es recht, wenn mir die drei nachts nicht über den Weg lau­fen.

  18. Ich fin­de es nur ange­mes­sen wenn der deut­sche Kom­men­ta­tor den deut­schen Bei­trag posi­tiv bewer­tet, und sei es eine Art Zweck­op­ti­mis­mus. So viel Unter­stüt­zung und Loya­li­tät erwar­te ich von allen die zur jewei­li­gen Dele­ga­ti­on gehö­ren, zumin­dest bis nach dem Ende der Ver­an­stal­tung, allein um den jewei­li­gen Künst­lern den Rücken zu stär­ken.

  19. @Vondenburg: ja, aber erst nach dem ESC, nicht in der Sen­dung. Das Urban-Inter­view habe ich nicht gese­hen, Tho­mas Mohr hat ja in der Tat sehr klu­ge Sachen gesagt. Aber eben erst hin­ter­her, beim Kater­früh­stück. Da, wo es die brei­te Mas­se nicht mehr mit­be­kommt. Der Kom­men­tar von Sven zeigt ja auch, dass einen gewis­sen Teil der Zuschau­er­schaft gibt, die Kri­tik am eige­nen Bei­trag vor oder wäh­rend des ESC für Ver­rat hält, und genau des­we­gen muss sich Peter Urban in sei­nen Kom­men­ta­ren wäh­rend der Show halt in der­ar­tig schmerz­brin­gen­der Schön­red­ne­rei üben, weil man die Schuld am schlech­ten deut­schen Abschnei­den nicht bei Frau Mer­kel oder den undank­ba­ren euro­päi­schen Nach­barn suchen wür­de, son­dern bei ihm. Und das müss­te jeder ande­re deut­sche Kom­men­ta­tor auch.

  20. @aufrechtgehn:
    Das Inter­view mit Peter Urban war sogar vor­her:
    https://escxtra.com/2019/05/17/peter-urban-u-k-still-suffers-from-wogan-comments-interview/
    Im Prin­zip hat Sven schon Recht, wenn er sagt, dass das eigent­li­che Team zusam­men hin­ter der Sache ste­hen müs­sen, schon allei­ne um die eigent­li­chen Künst­ler zu schüt­zen. Die Fra­ge ist doch die dar­auf­fol­gen­de Ana­ly­se. (Btw. der Schrei­ber hat sich die­ses Mal da extrem zurück gehal­ten und nur das Ver­hal­ten und die Qua­li­tät der bei­den Sän­ge­rin­nen gelobt. Könn­te also durch­aus sein, dass er da schon bei sich die­ses Mal die Pro­ble­me sieht. Da müs­sen wir mal die nächs­ten Tage und Wochen schau­en was pas­siert)

  21. Peter Edel­weiss, Sie spre­chen mir aus der See­le!
    Kann ich 1:1 unter­schrei­ben!!

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