Die Sechziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1960 bis 1969.

<span class="caps">ESC</span> 1969: Er mach­te Fröh­li­che melan­cho­lisch

ESC 1969: Er mach­te Fröh­li­che melan­cho­lisch

Das hatten sich die den 1969er Grand Prix eröffnenden Jugoslawen sehr clever gedacht. In acht europäischen Sprachen, einschließlich eines "Guten Tag", begrüßten sie die Zuschauer/innen zum Auftakt des mit weitem Abstand absurdesten (und somit großartigsten) Contestjahrgangs aller Zeiten in der spanischen Hauptstadt Madrid, wo bereits die merkwürdige Bühnendekoration, eine krude Mischung aus althergebrachten Blumenbeeten, sakral anmutenden Orgelpfeifen und einer futuristischen Metallskulptur aus der Künstlerhand Salvador Dalís, auf das noch folgen sollende Chaos einstimmte. https://youtu.be/o3h2jZK8Xec Vorbildlich: nach nur fünf Minuten singt schon der erste Teilnehmer beim ESC 1969 (kompletter Contest) 'Pozdrav Svijetu' ('Grüße an die Welt'), die hemmungslose - wenn auch wunderbar…
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Ein Lied für Madrid 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Ein Lied für Madrid 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Als Lehrstunde des germanischen öffentlich-rechtlichen Unterhaltungselends kann ohne jede Frage die Vorentscheidung des Jahres 1969 dienen. Die Show lief vermutlich exakt so ab, wie sich das Deutschlands oberster Grand-Prix-Beamte, Hans-Otto Grünefeldt vom Hessischen Rundfunk, immer vorgestellt hatte. So verwendete er quälend lange Sendeminuten darauf, den Zuschauer/innen haarklein auseinanderzusetzen, dass dies hier ein → Komponistenwettbewerb sei, in welcher Form die Vorauswahl der neun an diesem Abend zu Gehör zu bringenden Schlichtschlager erfolgte, und dass die Auftrittsreihenfolge der drei Sänger/innen, die sich "freundlicherweise zur Verfügung gestellt" hatten, den Mist wegzusingen, unter notarieller Aufsicht ausgelost wurde. https://youtu.be/sRMh61e6EFM Der letzte TV-Auftritt Alexandras vor ihrem tragischen Tod fand…
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<span class="caps">ESC</span> 1968: Hap­pi­ness had­n’t been inven­ted

ESC 1968: Hap­pi­ness had­n’t been inven­ted

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den → Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den sehr offensichtlich…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Deut­scher Vor­ent­scheid 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Auch 1968 blieb es hinsichtlich der Ermittlung des deutschen Grand-Prix-Beitrages beim strikt internen Auswahlverfahren. Allerdings bequemte sich der zuständige Hessische Rundfunk nach den Pleiten der letzten Jahre mit angestaubten Durchhalteschlagern endlich zum längst überfälligen Modernitätssprung. Als Komponisten des aktuellen Beitrags verpflichtete man den Easy-Listening-Genius Horst Jankowski, Schöpfer des fabelhaften, schwungvoll-poppigen Instrumentaltitels 'Schwarzwaldfahrt' (ein US-Hit im Jahre 1965!). Er schrieb das nicht minder schwungvolle und poppige 'Ein Hoch der Liebe'; verpasste dem Stück einen Text, in dem es, wie fast immer im Schlager, unterschwellig ums Poppen ging; verzierte den Refrain mit polyglotten Einsprengseln in englisch, französisch und spanisch und bestand - Gipfel der…
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<span class="caps">ESC</span> 1967: Sicher vor der sen­gen­den Son­ne

ESC 1967: Sicher vor der sen­gen­den Son­ne

Schon seit vielen Jahren war den Holländern kein Sieg beim Grand Prix mehr gelungen. Und das, obwohl sie doch in den Anfangsjahren des Wettbewerbs regelmäßig im Wechsel mit Frankreich den ersten Platz belegten! Auch die diesjährige Vertreterin Thérèse Steinmetz, die in Wien als erste Kombattantin auf die mit modernen Drehspiegeln ausstaffierte Bühne im ansonsten extrem barocken Festsaal der kaiserlichen Hofburg - bis heute ungeschlagen die nobelste Location, in welcher der Eurovisionszirkus jemals gastierte! - musste, landete weit abgeschlagen auf dem vierzehnten Rang. Skurril - denn vom lautmalerischen 'Ring Dinge Ding' ist es, zumindest phonetisch, nicht sehr weit zu 'Ding A Dong', mit dem die…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 1967: Musst nicht wei­nen

Deut­scher Vor­ent­scheid 1967: Musst nicht wei­nen

Auch in meinem Geburtsjahr wollte sich kein kommerziell erfolgreicher deutscher Schlagerstar mit einer Grand-Prix-Teilnahme die Karriere zugrunde richten, und so trug Hans-Otto Grünefeldt, der damalige Unterhaltungschef des Hessischen Rundfunks und Eurovisionsverantwortliche der ARD, der Sängerin Inge Brück auf, den deutschen Beitrag zu Gehör zu bringen. Deren einziger Hit, der kesse Schlager 'Peter, komm heut Abend zum Hafen', lag zwar bereits zehn Jahre zurück. Doch sie konnte 1966 mit dem dezent dramatischen 'Frag den Wind' das renommierte Internationale Songfestival in Rio de Janeiro gewinnen. Vielleicht, so die Hoffnung im Frankfurter Funkhaus am Dornbusch, gelänge ihr dasselbe ja auch in Wien, wo der europäische Wettbewerb 1967 stattfand. https://youtu.be/snx9B6tKuGU Die…
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Melo­di Grand Prix 1967: Hey, Mr. Tam­bou­rine Man!

Melo­di Grand Prix 1967: Hey, Mr. Tam­bou­rine Man!

Hoch oben im Norden gelegen, gehört das Königreich Norwegen nicht unbedingt zu den sonnenverwöhntesten Ländern Europas, und die Düsternis der Umgebung schlägt sich natürlich aufs Gemüt seiner Bewohner:innen und in der Folge auch in den Songtexten der Grand-Prix-Beiträge der Halbinsel nieder. So zum Beispiel beim 'Dukkemann', dem Siegertitel des Melodi Grand Prix (MGP) 1967, vordergründig ein fröhlich klingendes Lied über eine Marionette, ein beim Eurovision Song Contest bekanntlich gerne genommenes Thema. Was Kirsti Sparboe da in einem Outfit darbot, das nur als Kreuzung aus angeglimmerten Sträflingsklamotten und Schlafanzug bezeichnet werden kann und bereits den befremdlichen Golden-Girls-Chic der späten Achtziger vorwegnahm,…
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Fes­ti­val da Can­ção 1967: Trom­meln dröh­nen hei­ser

Fes­ti­val da Can­ção 1967: Trom­meln dröh­nen hei­ser

Ein Jahr, nachdem die damalige Kolonialmacht Niederlande mit der von surinamischen Eltern abstammenden Milly Scott die erste schwarze Sängerin zum Eurovision Song Contest delegierte, dominierten Künstler aus der portugiesischen Kolonie Angola (Südafrika), welche wie das lateinamerikanische Surinam erst 1975 die Unabhängigkeit erlangte, das Festival da Canção. Der portugiesischen Wikipedia zufolge soll dies gerüchtehalber einem Wunsch des diktatorisch agierenden Machthabers Salazar entsprochen haben, der damit öffentliche Vorwürfe zu entkräften suchte, er sei ein Rassist. Der Sender RTP, der das Studio diesmal mit einem schlichten, seitlich beleuchteten und in einer kleinen, stoppschildförmigen Bühne mündenden Laufsteg schmückte, schaltete bei diesem FdC erstmalig zwei…
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A Song for Euro­pe 1967: Bar­fuß im Regen

A Song for Euro­pe 1967: Bar­fuß im Regen

"Ich dachte, Balladen lägen wieder im Trend. Ich lag falsch, so einfach ist das". Simple Worte der Einsicht aus dem Munde eines Delegationsleiters - für deutsche Eurovisionsfans leider unvorstellbar, für den seinerzeitigen Unterhaltungschef der BBC, Tom Sloane, kein Problem. Und er ließ seinen Worten Taten folgen: nachdem der von ihm im Vorjahr persönlich als Grand-Prix-Repräsentant ausgesuchte schottische Operntenor Kenneth McKellar der Insel ihr bislang schlechtestes Ergebnis bescherte, verpflichtete der Sender diesmal einen frischen, jungen Popstar auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: die bei einem Talentwettbewerb entdeckte Sandie Shaw konnte zum Zeitpunkt ihrer Ernennung als britische Eurovisionsrepräsentantin bereits zwei heimische Nummer-Eins-Hits sowie…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1967: Wer Sor­gen hat, hat auch Likör

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1967: Wer Sor­gen hat, hat auch Likör

Es wurde mit harten Bandagen gefochten beim belgischen Eurovisionsvorentscheid von 1967, der nach 1963 das zweite Mal unter dem (von einer Sendereihe der italienischen Rai geklauten) Rubrum Canzonissima stattfand und sich über sagenhafte zehn Runden hinzog. Zehn Teilnehmer:innen gingen ins Rennen, die jede Woche neue Songs erhielten. Zusätzlich kam die per Jury ermittelte Top 3 jedes Semis jeweils eine Runde weiter und musste sich dort erneut der Konkurrenz stellen - nur, wer es drei Mal hintereinander aufs Siegertreppchen schaffte, durfte ins Finale einziehen. Ein brutales Rennen, und so nimmt es nicht Wunder, dass sich die Kombattant:innen gegenseitig ein Bein stellten,…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1967: Im Östen nichts Neu­es

Melo­di­fes­ti­va­len 1967: Im Östen nichts Neu­es

Das Melodifestivalen (MF) ist ein rundheraus sterbenslangweiliger Wettbewerb mit nicht einem einzigen auch nur ansatzweise interessanten Titel und einem gegen null gehenden Glamourfaktor! Okay, bevor mich jetzt ein paar vor Empörung schnappatmende Fans als Ketzer bezichtigen und am nächsten Fahnenmast aufknüpfen, soll ergänzt sein, dass sich dieser Vorwurf auf den Jahrgang 1967 bezieht, wo er voll und ganz zutrifft, wie selbst der schwedophilste Grand-Prix-Fan ehrlicherweise zugeben muss. Zehn Lieder hatte eine Jury für den Vorentscheid herausgesucht, und darunter befand sich nicht ein einziges, das in irgendeiner Form als eingängig bezeichnet werden könnte. Am konventionellsten vielleicht noch der Titel 'Christina dansar'…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1967: Der Witz des Tages

Natio­naal Song­fes­ti­val 1967: Der Witz des Tages

Thérèse Steinmetz, eine in Amsterdam geborene und ausgebildete Schauspielerin und Sängerin, hatte im Jahr 1966 durch eine eigene TV-Show im niederländischen Fernsehen nationale Bekanntheit erlangt. Folgerichtig (und vermutlich auch, weil sonst niemand wollte?) nominierte sie der Sender NTS als Vertreterin des Landes beim Eurovision Song Contest 1967 zu Wien. Sechs knackig kurze Titel - alle zwischen 2 Minuten und maximal 2:40 Minuten - gab man ihr zur Vorstellung im unter der Woche terminierten Vorentscheid Nationaal Songfestival, darunter so knackig kurze Imperative wie 'Hör!' und das ausgesprochen hektische 'Sing!'. Per Postkarte durften die Holländer:innen über die Lieder abstimmen, die sie in…
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Jugo­vi­zi­ja 1967: Das ist mei­ne klei­ne Welt

Jugo­vi­zi­ja 1967: Das ist mei­ne klei­ne Welt

Fünf Regionalsender des jugoslawischen Fernsehens JRT beteiligten sich im Februar 1967 an dem in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana abgehaltenen Eurovisionsvorentscheid Jugovizija. Jeder von ihnen schickte drei Lieder ins Rennen, und da nicht im gleichen Umfang mitmachwillige Interpret:innen zur Verfügung standen, kam es, dass der in Mazedonien geborene Folksänger, Schauspieler ('Mazedonische Bluthochzeit') und Dichter Zafir Hadžimanov gleich für drei Stationen an den Start ging, nämlich TV Skopje, TV Belgrad und TV Zagreb. Was insofern Sinn machte, da der mit der in Zagreb geborenen Popsängerin Senka Veletanlić verheiratete Zafir die meiste Zeit seines Lebens in der serbischen Metropole lebte, also einen Bezug…
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Iri­scher Vor­ent­scheid 1967: Run­ning up that Hill

Iri­scher Vor­ent­scheid 1967: Run­ning up that Hill

Hügel waren ein prägendes Thema beim dritten Eurovisionsvorentscheid der Grünen Insel im Jahre 1967. Gleich zwei der neun im RTÉ-Sendestudio zu Dublin vorgestellten Wettbewerbsbeiträge trugen das 'Hill' im Titel. Und im siegreichen Song 'If I could choose', einer sehr, sehr klassischen (um nicht zu sagen: hoffnungslos verstaubten) Liebesballade, war gleich vier Mal die Rede von den "Hills of Clare", was sich entweder auf die 14 Kilometer langen und bis zu 200 Meter hohen Klippen von Moher oder die spektakuläre, rund 250 Quadratkilometer große Karstlandschaft in der dortigen Küstenregion am Atlantischen Ozean bezog, zwei der beliebtesten touristischen Ziele des an Naturattraktionen…
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Eurovi­isukar­sin­ta 1967: Der Tun­ten-Mara­thon

Eurovi­isukar­sin­ta 1967: Der Tun­ten-Mara­thon

Einmal wie immer: auch im Jahre 1967 veranstaltete das finnische Fernsehen YLE zur Ermittlung des Eurovisionsbeitrages einen offenen Komponistenwettbewerb. 240 Einsendungen gingen beim Sender ein, und wie schon im Vorjahr fanden sich unter den von einer Jury ausgewählten (diesmal acht) Finaltiteln gleich drei aus der Feder von Lasse Mårtenson. Ebenso wie schon im Vorjahr siegte wiederum eine davon. Mårtenson nun den Ralph Siegel Finnlands zu nennen, täte ihm aber dennoch unrecht, dafür waren seine Lieder einfach zu... un-siegelig. So wie das von ihm komponierte 'Varjoon - suajoon' (sinngemäß: 'Im Schatten - geschützt'), eine sehnsuchtsvolle und in ihrer Art extrem finnische…
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San-Remo-Fes­ti­val 1967: Du, wenn ich dich ver­lier’

San-Remo-Fes­ti­val 1967: Du, wenn ich dich ver­lier’

Gleich in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich war das sich gewissermaßen im Höhenflug befindliche (und unsanft landen sollende) San-Remo-Festival (SRF) im Jahre 1967. Das galt zum einen für den schieren Umfang des Wettbewerbs: 30 Lieder gingen in den beiden Vorrunden ins Rennen, jedes von zwei verschiedenen Interpret:innen dargeboten, was (aufgrund einiger weniger Dopplungen) die Gesamtteilnehmerzahl auf nie wieder erreichte 55 Acts hochtrieb. Um die schiere Masse überhaupt noch bewältigen zu können, lagerte man die Auftritte der immer zahlreicher werdenden Bands vom Festsaal des städtischen Casinos in einen dortigen Nebenraum aus. Der Anteil der internationalen Stargäste lag zwar etwas niedriger als sonst, dafür…
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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1967: My Life on the D‑List

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1967: My Life on the D‑List

Wie bereits des Öfteren in der Vergangenheit präsentierte sich auch dieser schweizerische Vorentscheid als eine Art von Vertriebenentreffen für Stars von der D-Liste. Lauter Schlagersängerinnen gaben sich hier die Klinke in die Hand, deren Namen Glanz in die Augen von dezidierten Jägern und Sammlern rarer Vinyl-Schätzchen zaubern, gerade weil sich selbst ihre wenigen Erfolgstitel auf keinem Sampler wiederfinden und erst recht nicht auf irgendwelchen Schlagerpartys gespielt werden. Brigitte Petry ist so ein Beispiel: geboren in Berlin, Hauptstadt der DDR, veröffentlichte sie ihrem Wikipedia-Eintrag zufolge 1961 eine einzige Single auf dem Amiga-Label, bevor sie ihr Wirken ins befreundete sozialistische Ausland verlegte,…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1967: The who­le World’s Pain

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1967: The who­le World’s Pain

Sechs Jahre war es nun her, dass das französische Fernsehen zuletzt eine öffentliche Vorentscheidung für den Grand Prix Eurovision durchgeführt hatte. Und weitere drei Jahre sollte es dauern, bis es das erneut tat. 1967 hingegen zog man sich in Paris, wie die meiste Zeit, auf eine hausinterne Auswahl zurück. Bemerkenswert an diesem Jahrgang erscheint jedoch der Umfang der Vorschlagsliste: sammelten sich sonst üblicherweise so um die 50 eingereichte oder vom Sender gewünschte Titel in der Auswahl, so schwoll diese heuer auf das Doppelte an. Und es fand sich auch der eine oder andere international bekannte Name darunter, wie beispielsweise der…
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<span class="caps">ESC</span> 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

ESC 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

Das zehnjährige Jubliäum des Eurovision Song Contests nahm die EBU zum Anlass, im Frühjahr 1966 bei den teilnehmenden TV-Anstalten Wünschen und Ideen für die zukünftige Gestaltung des Wettbewerbs zu sammeln. Dabei zeigten sich regional unterschiedliche Schwerpunkte, wie Gordon Roxburgh in der Fibel Songs for Europe auflistet: so insistierten die skandinavischen Sender, dass der "musikalischen Qualität" der Beiträge die absolute Priorität einzuräumen sei. Die westeuropäischen Anstalten wie die ARD, das belgische BRT, der ORF und das französische Fernsehen wollten vor allem die als zu hoch empfundene Teilnehmerzahl von zuletzt 18 Nationen reduzieren und schlugen verschiedene Formate für Semifinale vor, wie sie…
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A Song for Euro­pe 1966: Jeder Schot­te hat in Schott­land ein Schot­ten­röck­chen an

A Song for Euro­pe 1966: Jeder Schot­te hat in Schott­land ein Schot­ten­röck­chen an

"Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem französischen Verleger," so erzählt es der Texter des britischen Eurovisionsbeitrags von 1966, Peter Callander, in Gordon Roxburghs Buch Songs for Europe: "damals war die Eurovision sehr bedeutend und man konnte viel Geld damit machen. Der aber sagte mir: 'Ich glaube, die BBC erlaubt sich einen Scherz mit uns', weil er es einfach nicht glauben konnte, dass so ein Lied beim ESC dabei sein sollte. Es war einfach falsch". Der zu Rede stehende Song, 'A Man without Love', ein lieblich-pompöser Operettenschlager wie direkt aus einem Musicalfilm der vierziger Jahre, passte allerdings perfekt zu…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 1966: Vor­wärts und nie zurück

Deut­scher Vor­ent­scheid 1966: Vor­wärts und nie zurück

Karrierezerstörende Null-Punkte-Resultate zu ersingen, darauf ließen sich Mitte der Sechzigerjahre die wenigsten deutschen Schlagerstars noch ein, und so hatte der Eurovisionsverantwortliche des Hessischen Rundfunks, Hans-Otto Grünefeld, langsam ernsthafte Probleme, noch Sänger:innen für den Grand Prix zu finden. Aber eine wollte - eine, die man bereits vor drei Jahren zugunsten von Heidi Brühl fallen gelassen hatte. Und auch diesmal, so kolportiert es Jan Feddersen in seiner Grand-Prix-Bibel 'Ein Lied kann eine Brücke sein', wollten die ARD-Oberen viel lieber die Niederländerin und dreifache Eurovisionssiegerin Corry Brokken importieren, in Deutschland zuletzt mit dem todtraurigen Tränenzieher 'La Mamma' sehr erfolgreich. Doch die erinnerte sich vermutlich noch mit Grauen…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1966: Kann ich die Wurst mal sehen?

Dansk Melo­di Grand Prix 1966: Kann ich die Wurst mal sehen?

Dass im Vorjahr auf Geheiß des auf höchstmöglichen kulturellen und gesellschaftlichen Anspruch Wert legenden dänischen TV-Unterhaltungschefs und Eurovisionsverantwortlichen Svend Pedersen eine hausinterne Auswahl stattgefunden hatte, mit Songs, die "Qualität" beinhalten sollten, und dass als deren Ergebnis in Neapel der wohl feministischste Grand-Prix-Beitrag dieser Ära zu hören war, zeigte die wohl erwünschten Nachwirkungen: der Wiener Dichter und Büchner-Preisträger Hans Carl Artmann, bekannt für seine Mundartgedichte und seine surrealistischen Erzählungen, ging beim 1966 wieder als öffentlicher Vorentscheid organsierten Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) an den Start, allerdings unter dem Künstlernamen Ib Hansen. Ob sein Lied 'Lille Veninde' ('Kleine Freundin') allerdings die ersehnte poetische…
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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1966: Seit wann nimmst Du denn zwei­te Wahl?

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1966: Seit wann nimmst Du denn zwei­te Wahl?

Wie schon des Öfteren klaffen auch für das Jahr 1966 archivarische Lücken, größer als die Löcher in einem Schweizer Emmentaler, in den verfügbaren Unterlagen über den eidgenössischen Vorentscheid. Gerade mal von sechs Beiträgen sind die Titel bekannt. Noch düsterer sieht es bei den Teilnehmerinnen aus: da kennen wir nur die Namen von zweien, wie es sich für die Schweiz gehört, aus dem Ausland importierten Interpret:innen. Dass uns an den restlichen Liedern vermutlich nicht all zu viel verloren ging, illustrieren diese Beiden ziemlich überzeugend. Da war zum einen die italienische Gameshow-Assistentin und Sängerin Anna Identici, die im gleichen Jahr erstmals in…
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Melo­di Grand Prix 1966: We’­re not gon­na take it

Melo­di Grand Prix 1966: We’­re not gon­na take it

Sie hatte ein ganz klein wenig was von einem feministischen Folk-Festival, die norwegische Eurovisions-Vorentscheidung Melodi Grand Prix (MGP) im Jahre 1966. Was nicht nur daran lag, dass ausschließlich Frauen sangen. Nein, auch der eine oder andere der insgesamt fünf dort vorgestellten Titel verströmte einen leisen, leichten Hauch von Auflehnung und Rebellion, sei es durch seine Instrumentierung, seinen Text oder seine Interpretation. Interessanterweise stammten diese Lieder allesamt aus der schöpferischen Hand eines einzelnen Mannes, nämlich des norwegischen Komponisten und Eurovisions-Vertreters von 1964, Arne Bendiksen. Was auch vor dem weiteren Hintergrund bemerkenswert erscheint, dass eine sendereigene Jury diese fünf - in jeweils…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1966: Oran­je is the new black

Natio­naal Song­fes­ti­val 1966: Oran­je is the new black

Wie bereits im Vorjahr optierte der niederländische Sender NTS auch beim Nationaal Songfestival (NSF) 1966 für ein zweistufiges Verfahren mit fünf Vorrunden und einem Finale, das sich über eine komplette Woche hinzog. Zunächst trat jede:r der fünf ausgewählten Kombattant:innen in einem eigenen Semi an, wo er oder sie jeweils drei Titel präsentierten durfte, aus denen eine fünfzehnköpfige Jury einen Song für das NSF-Finale bestimmte. Den Auftakt machte die als Leni Schaap geborene Helen Shepherd. Die kannte man bis dato vor allem als Frontfrau des folkorientierten Geschwistertrios The Shepherds, das in den frühen Sechzigern Dauergast im holländischen Fernsehen war. Mit ihrem…
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