Die Sechziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1960 bis 1969.

ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

Es hätte eine Warnung sein können: bereits im Jahre 1968 erschien in Frankreich die mit dem (gefakten) Werbesticker "Offizielles Lied Liechtensteins für den Eurovision Song Contest 1969" versehene Single 'Un beau Matin', eine possierliche Parodie auf den europäischen Gesangswettbewerb, in der eine Sängerin namens Vichy mit hoher Stimme über einen zuckrigen Geigenteppich Harmlosigkeiten über dort teilnehmenden Nationen intonierte. Nun war der an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz liegende, winzige Stadtstaat nie Mitglied der EBU und durfte daher gar nicht teilnehmen. Dass man sich aber mittlerweile über die nach wie vor mit staatstragendem Pomp zelebrierte Veranstaltung so belustigte, war…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1969: Das B zu ihrem A

Melo­di­fes­ti­va­len 1969: Das B zu ihrem A

Gewissermaßen unter Vorbehalt fand es statt, das Melodifestivalen 1969: da der Eurovision Song Contest in diesem Jahr in Spanien gastierte, seinerzeit noch ein faschistisch regiertes Land, haderten die skandinavischen Länder mit ihrer Teilnahme. Dennoch führte man in allen nordischen Nationen Vorentscheidungen durch und beschloss, die endgültige Entscheidung erst nach dem Mello zu fällen. Wie gut, dass so lief, denn wenn man so möchte, wurde bei dieser Veranstaltung der Grundstock für die beste Popband der Welt gelegt. Wie bereits im Vorjahr hatte der Sender SVT vorab zehn Künstler:innen ausgewählt, für die man aus rund 2.400 Liedvorschlägen geeignete Beiträge kommissionierte. Darunter fanden…
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Melo­di Grand Prix 1969: Kenn­wort Vorurteilsfrei

Melo­di Grand Prix 1969: Kenn­wort Vorurteilsfrei

Die zehnte Ausgabe des norwegischen Eurovisionsvorentscheids sorgte für eine wochenlange, erregt geführte öffentliche Debatte hart an der Grenze zu einem Krieg der Kulturen. Sowie gar zu einer zeitweiligen Verschlechterung des norwegisch-dänischen Verhältnisses. Dabei gestaltete sich die etwas über einstündige Sendung für sich genommen gar nicht so spektakulär, auch wenn der verantwortliche Sender NRK eine grundlegende Regeländerung vorgenommen hatte: anstatt des bislang praktizierten Verfahrens, jeden Beitrag in zwei unterschiedlich instrumentierten Fassungen mit verschiedenen Interpret:innen darzubieten, stellte man diesmal jedes Lied nur einmal vor. Dafür verdoppelte man das Feld: zusätzlich zu den fünf von einer Jury aus den 418 Einsendungen eines offenen…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1969: Touch my Tralala

Natio­naal Song­fes­ti­val 1969: Touch my Tralala

Als Vorentscheid mit Hindernissen entpuppte sich das Nationaal Songfestival von 1969: gleich vier der zehn ursprünglich vorgesehenen Teilnehmer:innen musste der Sender NOS vor der Veranstaltung aus den diversesten Gründen austauschen. So trat beispielsweise anstelle der späteren dreimaligen Eurovisionsrepräsentantin Sandra Reemer die auf der zu Indonesien gehörenden Insel Sulawesi geborene Sängerin Annet Hesterman an, die zwar im selben Jahr die niederländische Flagge bei einem internationalen Liederfestival vertreten sollte. Allerdings nicht beim ESC in Madrid, sondern beim Songfestival im belgischen Knokke, wo sie einen von den Festlichkeiten berichtenden Pressevertreter zu dem fragwürdigen Qualitätsurteil "kindlich, reif und sexy" hinriss. Was wiederum ein gutes…
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Fes­ti­val da Can­ção 1969: Wer ein Kind macht, tut es zum Vergnügen

Fes­ti­val da Can­ção 1969: Wer ein Kind macht, tut es zum Vergnügen

Sie war eigentlich nicht die erste Wahl des Komponisten Nuno Nazareth Fernandes, die heutige portugiesische Eurovisionslegende Simone de Oliveira, die sich exakt diesen Ruf jedoch mit exakt diesem Lied erarbeitete. Mit 'Desfolhada portuguesa' nämlich, der 'Portugiesischen Entblätterung', dem ersten von noch vielen folgenden patriotischen Grand-Prix-Beiträgen der iberischen Nation, der mittlerweile so etwas wie einen Status als zweite Nationalhymne besitzt. Die erst wenige Tage vor dem Festival da Canção mit der Interpretation beauftragte Simone besingt darin die blonden Weizenfelder, den Königsmais, die Rindernelke, die grüne Kiefer, den blauen Himmel, das Meer, die aufsteigende Sonne, die alles verbrennende Hitze, den "dich küssenden"…
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Ein Lied für Madrid 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Ein Lied für Madrid 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Als Lehrstunde des germanischen öffentlich-rechtlichen Unterhaltungselends kann ohne jede Frage die Vorentscheidung des Jahres 1969 dienen. Die vom musikalischen Niveau und in ihrer Gestaltung nach dem hoffnungsfrohen ästhetischen Aufbruch im Vorjahr wiederum einen typischen herben Rückschritt in den Eurovisionsvorentscheidungsmodernisierungsbemühungen der ARD markierende Show lief vermutlich exakt so ab, wie sich das Deutschlands oberster Grand-Prix-Beamte, Hans-Otto Grünefeldt vom Hessischen Rundfunk, immer vorgestellt hatte. So verwendete er quälend lange Sendeminuten darauf, den Zuschauer:innen haarklein auseinanderzusetzen, dass dies hier ein Komponistenwettbewerb sei, in welcher Form die Vorauswahl der neun an diesem Abend zu Gehör zu bringenden Schlichtschlager erfolgte, und dass die Auftrittsreihenfolge der…
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Eurovi­isukar­sin­ta 1969: Alles wie immer

Eurovi­isukar­sin­ta 1969: Alles wie immer

Ausschließlich etablierte Acts fuhr das finnische Fernsehen YLE auf für den heimischen Eurovisionsvorentscheid 1969. Drei der sechs Interpret:innen hatten die blauweiße Flagge bereits verteidigt, vier von sechs schon mal an einer Euroviisukarsinta teilgenommen. Vom eher ernsten Schmalzbarden Viktor Klimenko über die verträumte Laila Kinnunen (die aufgrund ihrer Alkoholabhängigkeit gerade ohne Plattenvertrag dastand und ihren 'Potkis' daher nicht selbst veröffentlichen konnte) bis hin zu den beiden Schlageretten Katri Helena und Marion Rung war für viele Geschmäcker und Altersklassen etwas dabei. Die das Feld der Verdienten Sänger:innen des Volkes ergänzenden zwei Euroviisukarsinta-Newcomer:innen konnten ebenfalls kommerzielle Erfolge vorweisen: der damals 19jährige Markku Aro…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1969: I love the PRS-Checks that you bring

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1969: I love the PRS-Checks that you bring

Zwei Jahre zuvor, als der flämische Landessender BRT zuletzt für die belgische Eurovisionsteilnahme verantwortlich zeichnete, musste sich der ehemalige Technische Zeichner Louis Neefs (nicht zu verwechseln mit dem beim Chaos-Contest von 1991 in Rom zu Weltruhm gelangten EBU-Aufsichtsbeamten Frank Naef) noch in einem mehrstufigen offenen Vorentscheid gegen zahlreiche mit harten Bandagen kämpfende Konkurrent:innen durchsetzen. Seinen damaligen Sieg verdankte er auch seinem strategischen Geschick, alles auf eine Karte zu setzen und einen seiner beiden Finaltitel zurückzuziehen. Diesmal gestaltete sich die Sache für ihn deutlich entspannter: zur Belohnung für seine mit dem siebten Rang verhältnismäßige gute Platzierung beim Eurovision Song Contest in…
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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1969: Wor­te, nur Worte

Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1969: Wor­te, nur Worte

Man muss sie nicht unbedingt verstehen, die Tendenz des spanischen Senders TVE, es sich unnötig schwer zu machen mit seiner nationalen Vorentscheidung. Speziell 1969, da man nach dem ersten, mit tatkräftiger deutscher Hilfe realisierten Eurovisionssieg des damals noch diktatorisch geführten Landes eigentlich alle Hände voll zu tun hatte, den diesjährigen Wettbewerb in Madrid auszurichten. So entschied sich der Sender, die seinerzeit 29jährige Maria Rosa Marco Poquet alias Salomé, die bereits im Vorjahr kurzzeitig als Ersatz für den von Franco geschassten Juan Manuel Serrat im Gespräch war, die Rolle als künstlerische Kollaborateurin jedoch ablehnte, direkt zur Repräsentantin des Landes zu ernennen.…
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A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

Kein Problem sollte es für die BBC im Jahre 1969 darstellen, erneut einen aktuellen Popstar von der A-Liste als Eurovisionsrepräsentantin zu finden: die als Marie McDonald McLaughlin Lawrie geborene schottische Sängerin Lulu hatte bereits als Fünfzehnjährige mit einer robusten Coverversion der Isley-Brothers-Nummer 'Shout' ihren ersten von zahlreichen Tophits. Mehrere von ihr in Folge aufgenommene deutschsprachige Singles floppten zwar, dafür landete sie 1968 bei uns mit 'I'm a Tiger' ihren größten kommerziellen Erfolg, auch wenn dieser heutzutage weniger präsent ist als ihre Zusammenarbeit mit der Boyband Take That im Jahre 1993 mit der Neuauflage des Discoklassikers 'Relight my Fire'. Praktischerweise hatte…
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Iri­scher Vor­ent­scheid 1969: Love is very nice when you pay the Price

Iri­scher Vor­ent­scheid 1969: Love is very nice when you pay the Price

Alle vier bisherigen irischen Eurovisionsvertreter warfen beim fünften nationalen Vorentscheid der Grünen Insel ihren Hut erneut in Ring, sollten sich jedoch mit extrem bescheidenen Punktegaben durch die zehn regionalen Jurys zufrieden geben müssen. Ihnen gegenüber standen vier Frauen, zwei von ihnen aus dem zum Vereinigten Königreich zählenden Nordirland, das just zu diesem Zeitpunkt unter großer politischer Spannung zwischen den nach Wiedervereinigung strebenden katholische Republikanern und protestantischen Unionisten, die den Verbleib unter der Krone der britischen Queen wollten, stand, welche kurz darauf in gut drei Jahrzehnte lang anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen und blutigen Anschlägen eskalierten sollte, den sogenannten "Troubles". Beide Damen teilten…
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Jugo­vi­zi­ja 1969: Vier gewinnt

Jugo­vi­zi­ja 1969: Vier gewinnt

Wie bereits im Vorjahr steuerten sechs der acht seinerzeitigen jugoslawischen Landessender Beiträge zur Jugovizija 1969 zu, die heuer in kroatischen Zagreb stattfand. 17 Songs gingen insgesamt ins Rennen, von denen sich knapp die Hälfte noch im Netz finden lässt. Zu den bekannten Namen im Line-up zählten die ehemaligen Eurovisionsrepräsentant:innen Vice Vukov und Lola Novaković, die Wiederkehrer:innen Nina Spirova, Marjana Deržaj, Majda Sepe und Ivo Robić sowie die noch am Beginn ihrer Dekaden umspannenden Schlagerkarriere stehende Neda Ukraden, deren umfangreiches Hit-Repertoire einem jeden anempfohlen sei, der bereit ist, sich vom Zauber des Balkan-Schlager gefangen nehmen zu lassen. Daneben tummelten sich etliche…
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San-Remo-Fes­ti­val 1969: Baby it’s cold outside

San-Remo-Fes­ti­val 1969: Baby it’s cold outside

Viel Feind - viel Ehr': die herausragende Popularität des als ESC-Vorentscheid genutzten ligurischen Liederfestivals und seine eminente kulturelle Bedeutung machten es zu einer idealen Zielscheibe der auch in Italien Ende der Sechzigerjahre gegen die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse aufbegehrenden Studentenbewegung. Ein vom Satiriker und Theatermacher Dario Fo veranstaltetes und von der Kommunistischen Partei unterstütztes Gegenfestival, mit dem man gegen den als "bürgerlich" gebrandmarkten Songwettstreit protestieren und an das Bewusstsein der Arbeiterschaft appellieren wollte, sorgte für Unruhe bei der Rai, die aus Furcht vor Störern die beiden Semis und das Finale der Show bereits am jeweiligen Nachmittag als Playback aufzeichnen ließ, um…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1969: Ein Lager aus Verlegenheit

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1969: Ein Lager aus Verlegenheit

Erstmalig überschritt die Zahl der vorgeschlagenen Lieder für die hausinterne Eurovisionsauswahl des französischen Senders ORTF im Jahre 1969 die magische Grenze zur Dreistelligkeit: 108 Titel zählt die Website Eurovision History, von denen sich jedoch nur gut jeder zehnte auch Interpret:innen zuordnen lässt. Mit gleich zwei Liedern war dabei der in der Bretagne geborene Sänger Romuald Figuier vertreten, doch weder die passend zum Liedtitel sehr uptemporär-eingängigen 'Trommeln des Windes' schafften es, noch das eher belanglos vor sich hin plätschernde 'Seul notre Amour n’a pas changé'. Wie bereits fünf Jahre zuvor und wie auch fünf Jahre später, als der im eigenen Land…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1969: Sie kann nicht schö­ner sein

Con­cours Euro­vi­si­on 1969: Sie kann nicht schö­ner sein

Gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Schweiz als Standort der ausrichtenden EBU sowie als Erfinder, Ausrichter und Sieger des allerersten Grand Prix Eurovision nicht ganz ohne Grund als ideelle Heimat des Eurovision Song Contest betrachtet, kommt man nicht umhin, die Eidgenoss:innen für ihren mehr als laxen Umgang mit der Historie ihrer eigenen nationalen Vorentscheide zu tadeln. Zugegeben, auch in Deutschland klaffen in der ersten Dekade des Wettbewerbs archivarische Lücken. Doch in der kulturell dreigeteilten Alpennation treten diese auch beim Übergang in die Hochphase des Wettbewerbs Anfang der Siebzigerjahre erneut offen zutage. Und das ausgerechnet beim im Gegensatz zur bisher…
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ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den angeblich von…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Deut­scher Vor­ent­scheid 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Auch 1968 blieb es hinsichtlich der Ermittlung des deutschen Grand-Prix-Beitrages beim internen Auswahlverfahren. Allerdings bequemte sich der zuständige Hessische Rundfunk nach den Pleiten der letzten Jahre mit angestaubten Durchhalteschlagern und womöglich auch unterschwellig angestachelt durch den revolutionären Zeitgeist der im Lande tobenden Studentenunruhen endlich zum längst überfälligen Modernitätssprung. Als Komponisten des aktuellen Beitrags verpflichtete man den Easy-Listening-Genius Horst Jankowski, Schöpfer des fabelhaften, schwungvoll-poppigen Instrumentaltitels 'Schwarzwaldfahrt' (ein US-Hit im Jahre 1965!). Er schrieb das nicht minder schwungvolle und poppige 'Ein Hoch der Liebe'; verpasste dem Stück einen Text, in dem es, wie fast immer im Schlager, unterschwellig ums Poppen ging; verzierte…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1968: Was mit Peng-peng

Melo­di­fes­ti­va­len 1968: Was mit Peng-peng

Zehn Ausgaben brauchte es, bis sich die schwedische Vorentscheidung endlich vorsichtig dem Pop öffnete. 1965 hatte man noch einen Operntenor zum europäischen Wettsingen geschickt, und in den beiden Folgejahren bestimmte eher Jazziges das Melodifestivalen. Diesmal wählte der Sender SVT im Vorfeld selbst die zehn Interpret:innen aus, und es fanden sich größtenteils bereits bekannte Namen darunter, so zum Beispiel die ehemaligen Eurovisionsvertreter Svante Thuresson (1966) und Östen Warnerbring (1967), Letzterer in einem Duett mit Ersterem, in dem die Beiden die Privilegien ihrer Geschlechtszugehörigkeit glorifizierten ('Hier kommen die Jungs'). Für die Songs schaltete SVT eine für Jedermann offene Einreichungsphase vor, und es…
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A Song for Euro­pe 1968: How sounds the Trumpet

A Song for Euro­pe 1968: How sounds the Trumpet

Die gelernte Sekretärin, beliebte Popsängerin und noch beliebtere TV-Moderatorin Cilla Black (bürgerlich: Priscilla White) präsentierte den britischen Vorentscheid 1968 als Gastgeberin im Rahmen ihrer wöchentlichen BBC-Show Cilla. Dabei hatte der Sender ursprünglich ihr selbst angeboten, Großbritannien beim Eurovision Song Contest zu vertreten, der nach dem Sieg ihrer Landsfrau Sandie Shaw im Jahr zuvor diesmal in London gastierte. Black glaubte jedoch nicht, dass eine Frau für das Vereinte Königreich ein zweites Mal in Folge die Grand-Prix-Krone holen könnte und sagte ab. An ihrer Stelle verpflichtete der BBC-Unterhaltungschef Tom Sloane für die Gage von 2.000 £ einen weit über die Insel hinaus…
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Fes­ti­val da Can­ção 1968: Bis zum Zusammenbruch

Fes­ti­val da Can­ção 1968: Bis zum Zusammenbruch

Mit einem aufwendigen optischen Gimmick, der im Verlaufe des Abends noch eine wichtige Rolle spielen sollte, eröffnete das portugiesische Fernsehen RTP das fünfte Festival da Canção aus den Tóbis-Studios in der Hauptstadt Lissabon. Nämlich mit einer Art doppelwandiger, gigantischer goldenen Tasse, die sich mit Schwung öffnete und dabei den Blick freigab auf die gewissermaßen im Inneren des Trinkgefäßes eingeschlossene erste Sängerin dieses aus zehn Beiträgen bestehenden Vorentscheids, Mirene Cardinalli. Die Siegerin eines Liederfestivals in der südafrikanischen Kolonie Angola im Jahre 1966 lieferte passend zu diesem verhältnismäßig dramatischen Auftakt mit 'Vento, não vou contigo' ('Wind, ich folge dir nicht') ein moderat…
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Iri­scher Vor­ent­scheid 1968: Kampf of a Lifetime

Iri­scher Vor­ent­scheid 1968: Kampf of a Lifetime

Nachdem sich das erst 1965 beim europäischen Wettsingen gestartete Irland nach nur drei Teilnahmen beim ESC 1967 bis auf den zweiten Platz vorgearbeitet hatte, machte sich langsam eine gewisse Siegeserwartung auf der Grünen Insel breit, wie der zeitweilige RTÉ-Unterhaltungschef David Blake Know in seinem Buch Ireland and the Eurovision vermerkt. Folgerichtig ließ man dem nationalen Finale diesmal zwei Semis mit jeweils sieben respektive acht Partizipant:innen vorausgehen, von denen sich insgesamt sieben für die Endausscheidung qualifizierten; den einzigen Teil des Eventtrios übrigens, den der Sender auch im Fernsehen ausstrahlte. Erneut durften die TV-Zuschauer:innen per Postkarte votieren, allerdings ist die Zahl der…
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Melo­di Grand Prix 1968: The Ven­ga­bus is coming

Melo­di Grand Prix 1968: The Ven­ga­bus is coming

Die norwegische Melodi Grand Prix lief 1968 exakt so ab wie auch die heimischen Vorentscheidungen in den Jahren zuvor: es gab fünf Songs und fünf Interpret:innen, die man alle bereits von vorausgegangenen Veranstaltungen kannte, inklusive des in Deutschland geborenen und nach dem zweiten Weltkrieg nach Oslo ausgewanderten Per Müller. Jeder der Beiträge kam zweifach zur Aufführung, einmal begleitet von einer kleinen Band und einmal von einem großen Orchester. Zehn regionale Jurys stimmten ab und am Ende gewann der sowohl von der MGP-Dauerteilnehmerin Kirsti Sparboe als auch von Odd Børre Sørensen interpretierte, jazzige Liebesschlager 'Jag har aldri vært så glad i…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1968: Nein, ich möch­te nicht

Natio­naal Song­fes­ti­val 1968: Nein, ich möch­te nicht

Nachdem das Entsenden eines heimischen Stars in Form von Thérèse Steinmetz zum Eurovision Song Contest nach Wien für die Niederlande nicht den gewünschten Erfolg brachte, kehrte der Sender NOS 1968 wieder zu einem Nationaal Songfestival mit mehreren Konkurrent:innen zurück, stand dabei aber vor ähnlichen Problemen wie die ARD in den Sechzigern: es wollte niemand so recht. Sechs Teilnehmer:innen sollten es ursprünglich sein, zwei von ihnen zogen ihre Zusage jedoch wieder zurück, nämlich Trea Dobbs ('Ploem ploem Jenka', NSF 1965) und die damals bereits 54jährige Helena Kok-Polder, die ihren Lebensunterhalt einst mit Krabbenschälen und als Putzfrau in einem Café verdiente, in…
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Jugo­vi­zi­ja 1968: Min­ne­sän­ger, Mädchenfänger

Jugo­vi­zi­ja 1968: Min­ne­sän­ger, Mädchenfänger

Sechs der damals acht Teilregionen Jugoslawiens nahmen 1968 teil an der im nordmazedonischen Skopje abgehaltenen Jugovizija, dem nationalen Eurovisionsvorentscheid. Jede der beteiligten TV-Stationen schickte nicht nur zwischen einem und drei Lieder, sondern auch jeweils eine:n eigene:n Profivoter:in für die daneben mit drei "Nicht-Professionellen" aufstockte Jury. Sowie jeweils eine eigene Ansagerin. Auf diese Weise kam hier die legendäre, 2012 an Krebs verstorbene Kroatin Helga Vlahović zu ihrem ersten Jugovizija-Einsatz. Die Gastgeberin des Eurovision Song Contest 1990 in Zagreb ist Grand-Prix-Fans vor allem in ihrer Rolle als Punktesprecherin erinnerlich, speziell bei ihrem Einsatz 1981, als sie, gefragt nach dem Ergebnis der jugoslawischen…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1968: Piep, piep, klei­ner Satellit

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1968: Piep, piep, klei­ner Satellit

Knackig kurz muss er gewesen sein, der wallonische Auswahlprozess im Jahre 1968. Innerhalb von lediglich 45 Minuten, so jedenfalls die Angaben der flämischen Eurovisionsfanseite songfestival.be, soll der verantwortliche Sender RTBF an einem Dienstagabend die immerhin zehn zur Auswahl stehenden Lieder über die Antenne gejagt, die Stimmen von jeweils vier Jurys pro Provinz des französischsprechenden Landesteils eingesammelt und aufaddiert sowie die seinerzeit als TV-Moderatorin bekannte Claude Lombard zur Siegerin gekürt haben. Sportlich! 'Quand tu reviendras' ('Wann kehrst du zurück'), Lombards unfassbar altertümliches und einschläferndes Chanson, das eher so klang, als habe man damit schon im Jahre 1468 Kirchenbesucher:innen eingeschläfert, landete beim…
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