Die Sechziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1960 bis 1969.

<span class="caps">ESC</span> 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

ESC 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

Das hatten sich die den 1969er Grand Prix eröffnenden Jugoslawen sehr clever gedacht. In acht europäischen Sprachen, einschließlich eines "Guten Tag", begrüßten sie die Zuschauer/innen zum Auftakt des mit weitem Abstand absurdesten (und somit großartigsten) Contestjahrgangs aller Zeiten in der spanischen Hauptstadt Madrid, wo bereits die merkwürdige Bühnendekoration, eine krude Mischung aus althergebrachten Blumenbeeten, sakral anmutenden Orgelpfeifen und einer futuristischen Metallskulptur aus der Künstlerhand Salvador Dalís, auf das noch folgen sollende Chaos einstimmte. https://youtu.be/o3h2jZK8Xec Vorbildlich: nach nur fünf Minuten singt schon der erste Teilnehmer beim ESC 1969 (kompletter Contest) 'Pozdrav Svijetu' ('Grüße an die Welt'), die hemmungslose - wenn auch wunderbar…
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Ein Lied für Madrid 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Ein Lied für Madrid 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Als Lehrstunde des germanischen öffentlich-rechtlichen Unterhaltungselends kann ohne jede Frage die Vorentscheidung des Jahres 1969 dienen. Die Show lief vermutlich exakt so ab, wie sich das Deutschlands oberster Grand-Prix-Beamte, Hans-Otto Grünefeldt vom Hessischen Rundfunk, immer vorgestellt hatte. So verwendete er quälend lange Sendeminuten darauf, den Zuschauer/innen haarklein auseinanderzusetzen, dass dies hier ein → Komponistenwettbewerb sei, in welcher Form die Vorauswahl der neun an diesem Abend zu Gehör zu bringenden Schlichtschlager erfolgte, und dass die Auftrittsreihenfolge der drei Sänger/innen, die sich "freundlicherweise zur Verfügung gestellt" hatten, den Mist wegzusingen, unter notarieller Aufsicht ausgelost wurde. https://youtu.be/sRMh61e6EFM Der letzte TV-Auftritt Alexandras vor ihrem tragischen Tod fand…
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ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den angeblich von…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Deut­scher Vor­ent­scheid 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Auch 1968 blieb es hinsichtlich der Ermittlung des deutschen Grand-Prix-Beitrages beim strikt internen Auswahlverfahren. Allerdings bequemte sich der zuständige Hessische Rundfunk nach den Pleiten der letzten Jahre mit angestaubten Durchhalteschlagern endlich zum längst überfälligen Modernitätssprung. Als Komponisten des aktuellen Beitrags verpflichtete man den Easy-Listening-Genius Horst Jankowski, Schöpfer des fabelhaften, schwungvoll-poppigen Instrumentaltitels 'Schwarzwaldfahrt' (ein US-Hit im Jahre 1965!). Er schrieb das nicht minder schwungvolle und poppige 'Ein Hoch der Liebe'; verpasste dem Stück einen Text, in dem es, wie fast immer im Schlager, unterschwellig ums Poppen ging; verzierte den Refrain mit polyglotten Einsprengseln in englisch, französisch und spanisch und bestand - Gipfel der…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1968: Was mit Peng-peng

Melo­di­fes­ti­va­len 1968: Was mit Peng-peng

Zehn Ausgaben brauchte es, bis sich die schwedische Vorentscheidung endlich vorsichtig dem Pop öffnete. 1965 hatte man noch einen Operntenor zum europäischen Wettsingen geschickt, und in den beiden Folgejahren bestimmte eher Jazziges das Melodifestivalen. Diesmal wählte der Sender SVT im Vorfeld selbst die zehn Interpret:innen aus, und es fanden sich größtenteils bereits bekannte Namen darunter, so zum Beispiel die ehemaligen Eurovisionsvertreter Svante Thuresson (1966) und Östen Warnerbring (1967), Letzterer in einem Duett mit Ersterem, in dem die Beiden die Privilegien ihrer Geschlechtszugehörigkeit glorifizierten ('Hier kommen die Jungs'). Für die Songs schaltete SVT eine für Jedermann offene Einreichungsphase vor, und es…
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A Song for Euro­pe 1968: How sounds the Trumpet

A Song for Euro­pe 1968: How sounds the Trumpet

Die gelernte Sekretärin, beliebte Popsängerin und noch beliebtere TV-Moderatorin Cilla Black (bürgerlich: Priscilla White) präsentierte den britischen Vorentscheid 1968 im Rahmen ihrer wöchentlichen BBC-Show Cilla. Dabei hatte der Sender ursprünglich ihr selbst angeboten, Großbritannien beim Eurovision Song Contest zu vertreten, der nach dem Sieg ihrer Landsfrau Sandie Shaw im Jahr zuvor diesmal in London gastierte. Black glaubte jedoch nicht, dass eine Frau für das Vereinte Königreich ein zweites Mal in Folge die Grand-Prix-Krone holen könnte und sagte ab. An ihrer Stelle verpflichtete der BBC-Unterhaltungschef Tom Sloane für die Gage von 2.000 £ einen weit über die Insel hinaus bekannten, männlichen…
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Fes­ti­val da Can­ção 1968: Bis zum Zusammenbruch

Fes­ti­val da Can­ção 1968: Bis zum Zusammenbruch

Mit einem aufwendigen optischen Gimmick, der im Verlaufe des Abends noch eine wichtige Rolle spielen sollte, eröffnete das portugiesische Fernsehen RTP das fünfte Festival da Canção aus den Tóbis-Studios in der Hauptstadt Lissabon. Nämlich mit einer Art doppelwandiger, gigantischer goldenen Tasse, die sich mit Schwung öffnete und dabei den Blick freigab auf die gewissermaßen im Inneren des Trinkgefäßes eingeschlossene erste Sängerin dieses aus zehn Liedern bestehenden Vorentscheids, Mirene Cardinalli. Die Siegerin eines Liederfestivals in der südafrikanischen Kolonie Angola im Jahre 1966 lieferte passend zu diesem verhältnismäßig dramatischen Auftakt mit 'Vento, não vou contigo' ('Wind, ich folge dir nicht') ein moderat…
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Iri­scher Vor­ent­scheid 1968: Kampf of a Lifetime

Iri­scher Vor­ent­scheid 1968: Kampf of a Lifetime

Nachdem sich das erst 1965 beim europäischen Wettsingen gestartete Irland nach nur drei Teilnahmen beim ESC 1967 bis auf den zweiten Platz vorgearbeitet hatte, machte sich langsam eine gewisse Siegeserwartung auf der Grünen Insel breit, wie der zeitweilige RTÉ-Unterhaltungschef David Blake Know in seinem Buch Ireland and the Eurovision vermerkt. Folgerichtig ließ man dem nationalen Finale diesmal zwei Semis mit jeweils sieben respektive acht Partizipant:innen vorausgehen, von denen sich insgesamt sieben für die Endausscheidung qualifizierten; den einzigen Teil des Eventtrios übrigens, den der Sender auch im Fernsehen ausstrahlte. Erneut durften die TV-Zuschauer:innen per Postkarte votieren, allerdings ist die Zahl der…
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Melo­di Grand Prix 1968: The Ven­ga­bus is coming

Melo­di Grand Prix 1968: The Ven­ga­bus is coming

Die norwegische Melodi Grand Prix lief 1968 exakt so ab wie auch die heimischen Vorentscheidungen in den Jahren zuvor: es gab fünf Songs und fünf Interpret:innen, die man alle bereits von vorausgegangenen Veranstaltungen kannte, inklusive des in Deutschland geborenen und nach dem zweiten Weltkrieg nach Oslo ausgewanderten Per Müller. Jeder der Beiträge kam zweifach zur Aufführung, einmal begleitet von einer kleinen Band und einmal von einem großen Orchester. Zehn regionale Jurys stimmten ab und am Ende gewann der sowohl von der MGP-Dauerteilnehmerin Kirsti Sparboe als auch von Odd Børre Sørensen interpretierte, jazzige Liebesschlager 'Jag har aldri vært så glad i…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1968: Nein, ich möch­te nicht

Natio­naal Song­fes­ti­val 1968: Nein, ich möch­te nicht

Nachdem das Entsenden eines heimischen Stars in Form von Thérèse Steinmetz zum Eurovision Song Contest nach Wien für die Niederlande nicht den gewünschten Erfolg brachte, kehrte der Sender NOS 1968 wieder zu einem Nationaal Songfestival mit mehreren Konkurrent:innen zurück, stand dabei aber vor ähnlichen Problemen wie die ARD in den Sechzigern: es wollte niemand so recht. Sechs Teilnehmer:innen sollten es ursprünglich sein, zwei von ihnen zogen ihre Zusage jedoch wieder zurück, nämlich Trea Dobbs ('Ploem ploem Jenka', NSF 1965) und die damals bereits 54jährige Helena Kok-Polder, die ihren Lebensunterhalt einst mit Krabbenschälen und als Putzfrau in einem Café verdiente, in…
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Jugo­vi­zi­ja 1968: Min­ne­sän­ger, Mädchenfänger

Jugo­vi­zi­ja 1968: Min­ne­sän­ger, Mädchenfänger

Sechs der damals acht Teilregionen Jugoslawiens nahmen 1968 an der im mazedonischen Skopje abgehaltenen Jugovizija teil, dem nationalen Eurovisionsvorentscheid. Jede der sechs beteiligten TV-Stationen schickte nicht nur zwischen einem und drei Lieder, sondern auch jeweils eine eigene Jury, bestehend aus einem Senderverantwortlichen und drei "Nicht-Professionellen", sowie eine eigene Ansagerin. So kam hier die legendäre, 2012 an Krebs verstorbene Helga Vlahović zu ihrem ersten Jugovizija-Einsatz. Die Gastgeberin des Eurovision Song Contest 1990 in Zagreb ist Grand-Prix-Fans vor allem in ihrer Rolle als Punktesprecherin erinnerlich, speziell bei ihrem Einsatz 1981, als sie, gefragt nach dem Ergebnis der jugoslawischen Jury, einräumen musste: "I…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1968: Piep, piep, klei­ner Satellit

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1968: Piep, piep, klei­ner Satellit

Knackig kurz muss er gewesen sein, der wallonische Auswahlprozess im Jahre 1968. Innerhalb von lediglich 45 Minuten, so jedenfalls die Angaben der flämischen Eurovisionsfanseite songfestival.be, soll der verantwortliche Sender RTBF an einem Dienstagabend die immerhin zehn zur Auswahl stehenden Lieder über die Antenne gejagt, die Stimmen von jeweils vier Jurys pro Provinz des französischsprechenden Landesteils eingesammelt und aufaddiert sowie die seinerzeit als TV-Moderatorin bekannte Claude Lombard zur Siegerin gekürt haben. Sportlich! 'Quand tu reviendras' ('Wann kehrst du zurück'), Lombards unfassbar altertümliches und einschläferndes Chanson, das eher so klang, als habe man damit schon im Jahre 1468 Kirchenbesucher:innen eingeschläfert, landete beim…
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Eurovi­isukar­sin­ta 1968: die Zweitkarrieristen

Eurovi­isukar­sin­ta 1968: die Zweitkarrieristen

Handelt man als Sender klug, die Entscheidung über den nationalen Eurovisionsbeitrag in die Hände des Publikums zu legen, oder riskiert man mit dieser demokratischen Vorgehensweise nur, dass das unmündige Volk den bekanntesten Namen oder die aktuellste Pop-Mode wählt? Das finnische Fernsehen YLE optierte angesichts dieses Dilemmas 1968 für einen Mittelweg: zwar gab man erstmalig die Abstimmung per Postkartenvoting für die Zuschauer:innen frei. Gleichzeitig reduzierte der Sender jedoch das Starterfeld von zehn auf sechs Plätze und achtete bei der Auswahl der Songs strikt darauf, nichts zu nehmen, das dem Massengeschmack zu sehr entsprochen hätte. Dementsprechend klangen die Lieder (jedenfalls die vier…
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San-Remo-Fes­ti­val 1968: Zum Des­sert gibt’s Happiness

San-Remo-Fes­ti­val 1968: Zum Des­sert gibt’s Happiness

Gleich zwei Welthits brachte er hervor, dieser erstmalig von der italienischen TV-Größe Pippo Baudo moderierte Jahrgang des ligurischen Liedfestivals, und lustigerweise schaffte es keiner von ihnen unter die ersten Drei in der Jurywertung. Was die Treffsicherheit des angeblichen Expertengremiums mal wieder auf das Schönste illustriert. Immerhin auf Rang 6 fand sich das melodische 'Quando m'innamoro' ('Wenn ich mich verliebe') von Anna Identici. Dessen ohrenschmeichelnde Hookline zog zahlreiche internationale Coverversionen nach sich, unter anderem vom Finnen Fredi und der Portugiesin Simone de Oliveira. Zum Chartbreaker wurde jedoch die englische Fassung 'A Man without Love' des britischen Schnulzenkönigs Engelbert Humperdinck. Der knackte…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1968: Als Jod­le­rin umstritten

Con­cours Euro­vi­si­on 1968: Als Jod­le­rin umstritten

Er erwies sich mal wieder als große Wundertüte aus gewesenen, kommenden und nie so richtig stattfindenden Stars, der Schweizer Vorentscheid 1968. Immerhin, seinen Rhythmus hatte der Concours Eurovision zwischenzeitlich gefunden: wie schon seit 1965 bestand auch diese Ausgabe aus sechs verschiedenen Künstler:innen mit jeweils einem Song; zu Gehör kamen - streng paritätisch - jeweils zwei französische Chansons, zwei italienische Canzone und zwei deutsche Lieder. Den gallischen Part besorgten die nur kurzzeitig in Erscheinung getretene Sängerin Irène Berthier und der vor allem als Textdichter bekannte Franzose Charles Level. Ende der Fünfziger noch selbst als Frontmann einer Cover-Band unterwegs, verlegte er sich…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1968: Jedem sein Lied

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1968: Jedem sein Lied

65 Lieder sollen nach Recherche des Webarchivs ESC History in diesem Jahr auf der internen Auswahlliste des französischen Senders ORTF gestanden haben, und nur die wenigsten von ihnen lassen sich Interpret:innen zuordnen. Mit gleich drei Beiträgen versuchte es das Schlagerpärchen Line & Willy (bürgerlich: Line Van Menen und Claude Boillod), und nachdem sie im Heimatland nicht zum Zuge kamen, reichten sie ihr gefällig-harmloses 'A chachun son Chanson' eben an die Steueroase Monaco weiter, dem winzigen Stadtstaat an der französischen Riviera, dem Zeit seiner Grand-Prix-Laufbahn mehr oder minder die Position der Resterampe für gallische Künstler:innen zufiel. Das Gleiche galt für das…
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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1968: Das Dra-ma-ma um La-la-la

Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1968: Das Dra-ma-ma um La-la-la

"La, la, la": diese drei so leicht und lustvoll zu singenden, simplen Silben sind die Quintessenz der Lautmalerei sowie der Titel des spanischen Eurovisionsbeitrags und Grand-Prix-Siegersongs von 1968, um den sich dermaßen viele Kontroversen, Verstrickungen, Legenden und Beschuldigungen drehen, dass es einem schwindelig davon werden kann. Der kraftvolle Song entstammt der Feder von Manuel de la Calva und Ramón Arcusa, die sich Ende der Fünfziger bei der Arbeit in einer Flugmotorenfabrik kennen gelernt hatten und das gemeinsame Dúo Dinámico gründeten, mit dem sie die spanische Popszene der Sechziger aufmischten und bei sämtlichen Festivals abräumten. Das dynamische Duo hatte das Lied…
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ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

Wahrlich keinen würdigeren Gastgeber hätte es für diesen den Übergang zwischen Tradition und Moderne markierenden Eurovisionsjahrgang geben können als den ORF. Mit der Wahl des Festsaals der kaiserlichen Wiener Hofburg als Veranstaltungsort steuerten die Österreicher die uneinholbar nobelste Location, in welcher der Grand Prix jemals gastierte, zum Geschehen bei. Üppige Blumenarrangements auf der Bühne, gerne ins Bild gerückte gigantische Kronleuchter an den hohen Stuckdecken, die festliche Abendgarderobe des handverlesenen Saalpublikums, ein exzellentes Orchester und die traditionsreichen Wiener Hofknaben als Pausenprogramm sorgten im letzten Jahr des Schwarzweißfernsehens für einen geradezu barocken Glanz beim europäischen Chansonwettbewerb. Gleichzeitig bemühte man sich mit riesigen…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 1967: Musst nicht weinen

Deut­scher Vor­ent­scheid 1967: Musst nicht weinen

Auch in meinem Geburtsjahr wollte sich kein kommerziell erfolgreicher deutscher Schlagerstar mit einer Grand-Prix-Teilnahme die Karriere zugrunde richten, und so trug Hans-Otto Grünefeldt, der damalige Unterhaltungschef des Hessischen Rundfunks und Eurovisionsverantwortliche der ARD, der Sängerin Inge Brück auf, den deutschen Beitrag zu Gehör zu bringen. Deren einziger Hit, der kesse Schlager 'Peter, komm heut Abend zum Hafen', lag zwar bereits zehn Jahre zurück. Doch sie konnte 1966 mit dem dezent dramatischen 'Frag den Wind' das renommierte Internationale Songfestival in Rio de Janeiro gewinnen. Vielleicht, so die Hoffnung im Frankfurter Funkhaus am Dornbusch, gelänge ihr dasselbe ja auch in Wien, wo der europäische Wettbewerb 1967 stattfand. https://youtu.be/snx9B6tKuGU Die…
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Melo­di Grand Prix 1967: Hey, Mr. Tam­bou­rine Man!

Melo­di Grand Prix 1967: Hey, Mr. Tam­bou­rine Man!

Hoch oben im Norden gelegen, gehört das Königreich Norwegen nicht unbedingt zu den sonnenverwöhntesten Ländern Europas, und die Düsternis der Umgebung schlägt sich natürlich aufs Gemüt seiner Bewohner:innen und in der Folge auch in den Songtexten der Grand-Prix-Beiträge der Halbinsel nieder. So zum Beispiel beim 'Dukkemann', dem Siegertitel des Melodi Grand Prix (MGP) 1967, vordergründig ein fröhlich klingendes Lied über eine Marionette, ein beim Eurovision Song Contest bekanntlich gerne genommenes Thema. Was Kirsti Sparboe da in einem Outfit darbot, das nur als Kreuzung aus angeglimmerten Sträflingsklamotten und Schlafanzug bezeichnet werden kann und bereits den befremdlichen Golden-Girls-Chic der späten Achtziger vorwegnahm,…
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Fes­ti­val da Can­ção 1967: Trom­meln dröh­nen heiser

Fes­ti­val da Can­ção 1967: Trom­meln dröh­nen heiser

Ein Jahr, nachdem die damalige Kolonialmacht Niederlande mit der von surinamischen Eltern abstammenden Milly Scott die erste schwarze Sängerin zum Eurovision Song Contest delegierte, dominierten Künstler aus der portugiesischen Kolonie Angola, welche wie das lateinamerikanische Surinam erst 1975 die Unabhängigkeit erlangte, das Festival da Canção 1967. Der portugiesischen Wikipedia zufolge soll dies gerüchtehalber einem Wunsch des ultrarechten Machthabers Salazar entsprochen haben, der damit die Anbindung des südafrikanischen Landes stärken wollte. Wohl aus diesem Grunde durften bei der regionalen Jury-Abstimmung diesmal auch ein paar Exil-Angolaner mitvoten, allerdings ohne, dass ihre Stimmen mit in die Auszählung flossen. Kulturelle Approbation ja, Mitbestimmung nein:…
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A Song for Euro­pe 1967: Bar­fuß im Regen

A Song for Euro­pe 1967: Bar­fuß im Regen

"Ich dachte, Balladen lägen wieder im Trend. Ich lag falsch, so einfach ist das". Simple Worte der Einsicht aus dem Munde eines Delegationsleiters - für deutsche Eurovisionsfans leider unvorstellbar, für den seinerzeitigen Unterhaltungschef der BBC, Tom Sloane, kein Problem. Und er ließ seinen Worten Taten folgen: nachdem der von ihm im Vorjahr persönlich als Grand-Prix-Repräsentant ausgesuchte schottische Operntenor Kenneth McKellar der Insel ihr bislang schlechtestes Ergebnis bescherte, verpflichtete der Sender diesmal einen frischen, jungen Popstar auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: die bei einem Talentwettbewerb entdeckte Sandie Shaw konnte zum Zeitpunkt ihrer Ernennung als britische Eurovisionsrepräsentantin bereits zwei heimische Nummer-Eins-Hits sowie…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1967: Wer Sor­gen hat, hat auch Likör

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1967: Wer Sor­gen hat, hat auch Likör

Es wurde mit harten Bandagen gefochten beim belgischen Eurovisionsvorentscheid von 1967, der nach 1963 das zweite Mal unter dem (von einer Sendereihe der italienischen Rai geklauten) Rubrum Canzonissima stattfand und sich über sagenhafte zehn Runden hinzog. Zehn Teilnehmer:innen gingen ins Rennen, die jede Woche neue Songs erhielten. Zusätzlich kam die per Jury ermittelte Top 3 jedes Semis jeweils eine Runde weiter und musste sich dort erneut der Konkurrenz stellen - nur, wer es drei Mal hintereinander aufs Siegertreppchen schaffte, durfte ins Finale einziehen. Ein brutales Rennen, und so nimmt es nicht Wunder, dass sich die Kombattant:innen gegenseitig ein Bein stellten,…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1967: Im Östen nichts Neues

Melo­di­fes­ti­va­len 1967: Im Östen nichts Neues

Das Melodifestivalen (MF) ist ein rundheraus sterbenslangweiliger Wettbewerb mit nicht einem einzigen auch nur ansatzweise interessanten Titel und einem gegen null gehenden Glamourfaktor! Okay, bevor mich jetzt ein paar vor Empörung schnappatmende Fans als Ketzer bezichtigen und am nächsten Fahnenmast aufknüpfen, soll ergänzt sein, dass sich dieser Vorwurf auf den Jahrgang 1967 bezieht, wo er voll und ganz zutrifft, wie selbst der schwedophilste Grand-Prix-Fan ehrlicherweise zugeben muss. Zehn Lieder hatte eine Jury für den Vorentscheid herausgesucht, und darunter befand sich nicht ein einziges, das in irgendeiner Form als eingängig bezeichnet werden könnte. Am konventionellsten vielleicht noch der Titel 'Christina dansar'…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1967: Der Witz des Tages

Natio­naal Song­fes­ti­val 1967: Der Witz des Tages

Thérèse Steinmetz, eine in Amsterdam geborene und ausgebildete Schauspielerin und Sängerin, hatte im Jahr 1966 durch eine eigene TV-Show im niederländischen Fernsehen nationale Bekanntheit erlangt. Folgerichtig (und vermutlich auch, weil sonst niemand wollte?) nominierte sie der Sender NTS als Vertreterin des Landes beim Eurovision Song Contest 1967 zu Wien. Sechs knackig kurze Titel - alle zwischen 2 Minuten und maximal 2:40 Minuten - gab man ihr zur Vorstellung im unter der Woche terminierten Vorentscheid Nationaal Songfestival, darunter so knackig kurze Imperative wie 'Hör!' und das ausgesprochen hektische 'Sing!'. Per Postkarte durften die Holländer:innen über die Lieder abstimmen, die sie in…
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