Queeres

Seit jeher ist der ESC die jähr­li­che schwu­le Olym­pia­de. Nicht nur in den Fan­clubs und im Publi­kum bei der Show ver­hält sich der Anteil gleich­ge­schlecht­lich lie­ben­der Men­schen rezi­prok zur Gesamt­be­völ­ke­rung. Auch für quee­re Künstler:innen übt die­ser fröh­lich-bun­te Kos­mos eine star­ke Anzie­hungs­kraft aus. 

C’est vous qui déci­dez 2022: Ima­gi­ne there’s no Countries

C’est vous qui déci­dez 2022: Ima­gi­ne there’s no Countries

Wie musikalische Diversität geht (looking at you, NDR) und wie man auch in dunklen Zeiten eine glanzvolle Vorentscheidung gestaltet (also looking at you, NDR), bewies am gestrigen Samstag der Sender France 2 mit der Neuauflage seines Formats C'est vous qui décidez (etwas unglücklicher Hashtag in Zeiten der Seuche: CVQD). Auch diese Show stand im Zeichen des Kriegs gegen die Ukraine, und das manifestierte sich bereits beim Einlauf der zwölf Kandidat:innen zu den Klängen von Zlata Ogenichs 'Pray for Ukraine' sowie an späterer Stelle bei einer voraufgezeichneten Dankesbotschaft der allgegenwärtigen Jamala. Und fraglos am herzergreifendsten vor der Verkündigung der Ergebnisse des Televotings…
Weiterlesen
Sel­ecția Națio­nală 2022: Was, wenn sie es herausfinden?

Sel­ecția Națio­nală 2022: Was, wenn sie es herausfinden?

Nicht nur beim deutschen Vorentscheid brach sich 2022 der Fan-Zorn freie Bahn gegen die Entscheidungen der Vorauswahljury. Auch in Rumänien kochte die Volksseele: dort hatte eine fünfköpfige Jury aus ursprünglich einmal 94 Einreichungen in mehreren Schritten insgesamt zehn Titel für das gestern ausgestrahlte Finale der Selecția Națională herauskondensiert und dabei sämtliche Publikumslieblinge - in einer der öffentlichen Vorrunden durften die heimischen Fans fünf Songs mitbestimmen - zielsicher herausgekantet. Im Finale nun ließ der Sender TVR die Zuschauer:innen zwar wieder mitvoten. Und zwar für üppige 1,20 € pro Anruf oder SMS, in dem verhältnismäßig armen Land ein kleines Vermögen. Doch ihre…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Mein Hum­mus brennt

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Mein Hum­mus brennt

Lustig: erst lamentierten die deutschen Fans, als die ARD bekannt gab, den an diesem Freitag stattfindenden Vorentscheid Germany 12 Points dieses Jahr "nur" in allen Dritten (und auf One) auszustrahlen. Nun, da man im Zeichen des Kriegs entschied, die Show aufgrund einer kurzfristig eingeschobenen Solidaritätssendung mit der Ukraine auf 21 Uhr zu verlegen, dafür jedoch zusätzlich auch im Ersten zu senden, jammern schon wieder etliche. Denn damit sei aufgrund des Altersdurchschnitts der dortigen Zuschauer:innen der Sieg des einzigen deutschsprachigen Angebots, 'Hallo Welt' von Nico Suave und dem Team Liebe nicht mehr zu verhindern, zumal es sich um ein Friedenskitschlied in…
Weiterlesen
Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2022: Nimm mich, ich wer­de mich ergeben

Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2022: Nimm mich, ich wer­de mich ergeben

Mit dem erwartbaren Ergebnis endete gestern Abend der erneut extrem hochwertig bestückte finnische Eurovisionsvorentscheid Uuden Musikiin Kilpailu (UMK) 2022. Sowohl die internationalen Jurys als auch die heimischen Zuschauer:innen votierten mit großer Mehrheit für die sicherste Option, nämlich die europaweit bekannte und erfolgreiche Rockband The Rasmus. Das bereits 1994 gegründete Quartett um den charismatischen Frontmann Lauri Johannes Ylönen hatte 2003 mit 'In the Shadows' auch in Deutschland einen Nummer-Eins-Hit und hält sich seither stetig in den Charts. Für ihren UMK-Song 'Jezebel' holten sie sich Unterstützung bei der US-amerikanischen Komponistenlegende Desmond Child, der schon 1979 'I was made for loving you' für…
Weiterlesen
Aus­tra­lia deci­des 2022: Yeah, I felt this Pain

Aus­tra­lia deci­des 2022: Yeah, I felt this Pain

Schwuler als Harald Glööcklers Perücke präsentierte sich der dank der globalen Zeitverschiebung in hiesigen Breitengeraden bereits am frühen Samstagvormittag über die Bühne gegangene Eurovisionsvorentscheid Australia decides 2022. Nicht nur, dass der offen schwule und gnadenlos flamboyante Comedian Joel Creasey erneut durch die Show führte und dabei pro Moderation mehr Peniswitze abfeuerte als Barbara Schöneberger an einem ganzen Abend. Nicht nur, dass er dabei von dem für den Greenroom abgestellten Host Dylan Lewis Unterstützung erfuhr, einem knapp fünfzigjährigen, heterosexuell verheirateten Mann, der in seinen Interviews dermaßen aufgedreht herumtuckte, als habe er seine Ecstasy mit 20 Dosen Red Bull heruntergespült. Nicht nur,…
Weiterlesen
Mal­ta Euro­vi­si­on 2022: I’m done with the Kit­chen Table, Baby

Mal­ta Euro­vi­si­on 2022: I’m done with the Kit­chen Table, Baby

Die zweimalige maltesische Eurovisionsvertreterin Ira Losco verkauft jetzt schicke Küchen. Und das Eiland Gozo ist das Seitenbacher Müsli unter den Urlaubsdestinationen: mir nun alleine schon aufgrund der nervtötend penetranten Reklame verhasst. Diese beiden Erkenntnisse bleiben von den zwei Abenden des Malta Eurovision Song Contest (MESC) 2022 zurück, dem heuer wieder zurückgekehrten klassischen Vorentscheidungsformat des Senders PBS, das aus schätzungsweise 60% Werbeunterbrechungen bestand. Zwischen diesen ausgedehnten Refinanzierungsflächen durften insgesamt 22 Künstler:innen um das Ticket nach Turin kämpfen, von denen eine Jury im Halbfinale am vergangenen Donnerstag bereits ganze sechs (!) Acts aussortierte. Und weil dieses Eindampfen des Konkurrenzfeldes den Verantwortlichen als…
Weiterlesen
Vid­bir 2022: De Vogels van Tuwa

Vid­bir 2022: De Vogels van Tuwa

Tja, liebes Eurovisionsteam des NDR. Falls euch der seit der Bekanntgabe der sechs möglichen deutschen Eurovisionsbeiträge am Donnerstagmittag tsunamiartig über euch hereingebrochene, hochgradig berechtigte Shitstorm und die einhellige Kritik in den Medien doch zum Nachdenken bringen sollte, wie man es künftig besser machen könnte (und ich weiß, das wird natürlich nicht geschehen): vielleicht wollt ihr ja mal Kontakt mit Euren Kolleg:innen in Kiew aufnehmen. Dort legte nämlich der chronisch unterfinanzierte öffentlich-rechtliche Sender PBC:UA des krisen- und kriegsgeschüttelten Landes, welches just zur Stunde (mal wieder) vor einem zu befürchtenden Einmarsch der russischen Armee steht, gestern Abend einen Vorentscheid hin, auf den…
Weiterlesen
Israe­li­scher Vor­ent­scheid 2022: Look at me, I’m a beau­ti­ful Creature

Israe­li­scher Vor­ent­scheid 2022: Look at me, I’m a beau­ti­ful Creature

Nachdem das Sanremo-bedingte Schlafdefizit nun wieder aufgeholt ist, gilt es zunächst, das noch fehlende Ergebnis des israelischen Eurovisionsvorentscheids vom vergangenen Samstag nachzureichen. Dort griff man für die Ermittlung des Grand-Prix-Repräsentanten erneut zur Castingshow, nur dass diesmal nicht die im eigenen Land entwickelte Show The Next Star zum Einsatz kam, sondern das britische Format X-Factor. Die in Israel im vierten Jahr laufende Sendereihe startete bereits Ende Oktober 2021, eine fünfköpfige Jury unter Beteiligung der Eurovisionssiegerin Netta Barzilai sortierte aus einer schier unüberschaubaren Anzahl an Interessent:innen in endlosen Vorrunden vier Teilnehmer:innen für das Semifinale am 3. Februar 2022 aus. Dort gab man…
Weiterlesen
San-Remo-Fes­ti­val 2022: A vol­te non so esprimermi

San-Remo-Fes­ti­val 2022: A vol­te non so esprimermi

Ah, Sanremo, was hast Du nur mit mir gemacht? Mit der unter Grand-Prix-Ultras weit verbreiteten PED, der Post-Eurovision-Depression, dem tiefen Stimmungsloch, in das man im Mai jeden Jahres fällt, wenn die Saison mal wieder vorbei ist, kannte ich mich bereits aus. Nun tritt mit der PST, der Post-Sanremo-Trauer, ein weiteres hinzu. Denn gegen 2 Uhr in der gestrigen Nacht endete das 72. Festival della Canzone Italiana di Sanremo. Mit seinen über fünf Abende verteilten, insgesamt weit über 24 Stunden Programm; mit seinen zahllosen Liedern und zahlreichen Gaststars; seinen bewegenden Nachrufen auf verstorbene Stars; seinen hunderten Werbeunterbrechungen; der von den Teilnehmenden…
Weiterlesen
Mol­da­wi­scher Vor­ent­scheid 2022: Der Zug ist abgefahren

Mol­da­wi­scher Vor­ent­scheid 2022: Der Zug ist abgefahren

Das ging schneller als gedacht: eigentlich sollten die am gestrigen Nachmittag im zweiten Programm des moldawischen Fernsehens ausgestrahlten Live-Auditions nur dem Zweck dienen, aus den insgesamt eingereichten 29 Liedvorschlägen eine Vorauswahl für das nationale Finale O Melodi pentru Europa zu treffen. Doch kurzfristig strich Teleradio Moldova (TRM) die für nächstes Wochenende geplante Sendung - aufgrund der steigenden Covid-Zahlen im Land, wie es aus Chișinău hieß. Stattdessen bestimmte eine fünfköpfige Jury, der unter anderem die früheren Grand-Prix-Repräsentantinnen Aliona Moon und Cristina Scarlat angehörten, ohne jegliche hinderliche Publikumsbeteiligung nach einer knapp neunzigminütigen Pause zum Einsammeln der Bestechungsgeldumschläge noch am gleichen Tag die…
Weiterlesen
Fes­ti­va­li i Kën­gës 2022: mach mir den Masudo!

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2022: mach mir den Masudo!

Nicht völlig ausgeschlossene und dennoch eher ungewöhnliche Dinge passierten in diesem Jahr zuhauf bei der albanischen Eurovisionsvorentscheidung, dem traditionsreichen Festivali i Këngës, das heuer seinen 60. Jahrestag feierte. Zum einen begannen alle drei Shows (dem heutigen Finale ging eine erste Vorstellungsrunde mit 14 etablierten Künstler:innen und sechs Newcomer:innen voraus, von denen man drei gleich wieder aussiebte; sowie eine glamouröse Retro-Gala mit FiK-Legenden aus allen sechs Jahrzehnten) auf die Sekunde (!) pünktlich um 21 Uhr und endeten (bis auf die Gala) auch mehr oder minder innerhalb der vorgesehenen Sendezeit. Zum zweiten war es den Teilnehmenden erstmals erlaubt, im Finale ihre Songs…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: What a Dif­fe­rence a Day makes

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: What a Dif­fe­rence a Day makes

Jahr für Jahr macht uns der albanische Sender RTSH das schönste und beste Weihnachtsgeschenk mit seinem traditionellen, von San Remo abgeschauten Liederwettbewerb Festivali i Këngës, der seit 2004 zugleich als nationaler Vorentscheid dient. Heuer beschenkte uns RTSH besonders reich: aus Anlass des sechzigjährigen FiK-Jubiläums organisierte man in Tirana am zweiten Abend der dreitägigen Festspiele eine glanzvolle Gala und holte die Legenden aus der Steinzeit der Veranstaltungsreihe wieder aus der Versenkung. Und zwar nicht, wie die ARD anno 2006, um sie im Dreierpack mit brutal zusammengestoppelten Medleys ihrer alten Lieder schnellstmöglich über die Bühne zu scheuchen. Nein, auf dem Balkan zeigt…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Shut up and vote with me

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Shut up and vote with me

Vielleicht ist es doch an der Zeit, dass Putins Armee in Tallinn einmarschiert und das baltische Land wieder heim ins Reich holt. Denn für eigenständige Entscheidungen sind die Est:innen noch immer nicht reif genug, wie sich heute Abend im dritten Semifinale der Eesti Laul 2022 erneut zeigte. Einen einzigen Song gab es im gesamten Line-up, der unbedingt eine Runde weiter gehört hätte: das die goldenen Zeiten der Neunzigerjahre wieder aufleben lassende 'Let's talk about' des extrem campen Russlandesten Aleksei Baruzdin alias Levvi, eine Kreuzung aus Sin with Sebastians CSD-Hymne 'Shut up (and sleep with me)' und Salt'n'Pepas gerappter Aufklärungsstunde 'Let's…
Weiterlesen
Kir­ko­rov-Auf­tritt kos­tet Mos­kau­er Sen­der eine Mil­li­on Strafe

Kir­ko­rov-Auf­tritt kos­tet Mos­kau­er Sen­der eine Mil­li­on Strafe

Phillip Kirkorov, der russische Eurovisionsvertreter von 1995 und Komponist etlicher Grand-Prix-Beiträge für verschiedene Nationen (wie zuletzt Natalia Giordencos 'Sugar'), kann Jugendliche schwul machen. Das hält jedenfalls ein Moskauer Bezirksgericht für möglich, welches den privaten Musiksender Mus-TW wegen Verstoßes gegen das russische Gesetz gegen "Homo-Propaganda" zu einer Strafe von einer Million Rubel (rund 14.000 €) verurteilte, wie queer.de heute berichtet. Stein des Anstoßes: eine TV-Show im Juni diesen Jahres, bei der sich Kirkorov zu Dekorationszwecken mit einem knappen Dutzend halbnackter männlicher Muskeltörtchen umgab: zu schwul für die Zensurbehörde Roskomnadsor, die den Fall zur Anzeige brachte. Offenbar störte man sich insbesondere daran,…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 2021: Fünf ist Trümpf

ESC-Fina­le 2021: Fünf ist Trümpf

Für alles trägt Natalia Gordienco die Verantwortung. 2006, als die moldawische Sängerin mit ukrainischen Wurzeln das erste Mal am Eurovision Song Contest teilnahm, damals gemeinsam mit dem Ex-O-Zone-Mitglied Arsenium, gewannen, die Älteren erinnern sich vielleicht noch, die gestern als Stargäste im Pausenprogramm performenden Monsterrocker Lordi den europäischen Wettbewerb und erschütterten damit die Grundfesten des ehemaligen Chansonfestivals. Inklusive der bis dahin als unabänderlich geltenden Gewissheiten, dass für Hardrock kein Platz sei beim jährlichen Schlagerwettstreit und dass die Finnen nie gewinnen. Dieses Jahr ging Frau Gordienko erneut an den Start (über die unrühmliche Rolle ihres künstlerischen Strippenziehers Phillip Kirkorov bei mutmaßlichen Ergebnismanipulationen…
Weiterlesen
Zwei­tes Semi­fi­na­le 2021: When you know the Lips to sync

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2021: When you know the Lips to sync

Wenn wir aus der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde für den Eurovision Song Contest 2021 eine einzige zentrale Erkenntnis ableiten können, dann die, was für eine von Anfang an hirnrissige Idee der EBU es doch war, erstmalig in der Grand-Prix-Geschichte das Teilplayback zuzulassen, also Chorstimmen vom Band. Vonseiten der Schweden, die das beim Melodifestivalen schon seit geraumer Zeit praktizieren, seit Jahren beharrlich gepusht, musste nun Corona und die Möglichkeit für die Delegationen, die Anzahl der Personen auf der Bühne und damit das Ansteckungsrisiko zu verringern, als langersehnte Ausrede herhalten, diesen Unfug "probeweise" auch beim europäischen Wettbewerb durchzusetzen. Gerade am gestrigen, musikalisch im…
Weiterlesen
Ers­tes Semi­fi­na­le 2021: Wir sind gekom­men, uns zu beschweren

Ers­tes Semi­fi­na­le 2021: Wir sind gekom­men, uns zu beschweren

"Was hat mir das gefehlt!" war gestern Abend einer der meistgelesenen Sätze auf Twitter unter dem Hashtag #Eurovision, neben "Toll, dass man Peter Urban wieder aufgetaut hat". Nach einem Jahr Zwangspause legte das ausrichtende niederländische Fernsehen am Dienstag mit dem ersten Semifinale eine absolut glänzende Show hin, die alles aufbot, was wir am Eurovision Song Contest so lieben: eine fantastische Bühne, tolle Bildeffekte, super gestaltete Postkarten, ein kleines bisschen herzerwärmende Grand-Prix-Nostalgie mit ehemaligen Gewinner:innen im Rahmenprogramm, ein knallbuntes Starterfeld und sogar - wenn auch seuchenbedingt deutlich reduziert - echtes, live jubelndes Publikum in der Rotterdamer Ahoy-Arena. Wer sich noch an…
Weiterlesen
Melo­di­fes­ti­va­len 2021: Schwe­den schickt die Tusse!

Melo­di­fes­ti­va­len 2021: Schwe­den schickt die Tusse!

Zwanzig Jahre lang leitete Christer Björkman das Melodifestivalen und machte in dieser Zeit aus dem schwedischen Auswahlverfahren eine Versuchsküche für das internationale Eurovisionsfinale sowie das sowohl innerhalb als außerhalb des Landes meistbeachtete Event der Vorentscheidungssaison. Und das, obwohl die dort präsentierten Beiträge gerade in den letzten Jahren diesen Status nicht immer rechtfertigten. Heute gab er seine Abschiedsvorstellung in dieser Rolle und führte gemeinsam mit dem weiterhin einfach unglaublich attraktiven Måns Zelmerlöw durch den wie immer unterhaltsamen Abend. Überschattet von dem absolut unverzeihlichen Verlust der beiden herrlichen steinalten Schlagerschachteln Ewa Roos und Eva Rydberg in der Andra Chansen am vergangenen Samstag,…
Weiterlesen
Lett­land 2021: Besuch von Tan­te Tīna

Lett­land 2021: Besuch von Tan­te Tīna

So naheliegend und gerecht sie auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mochte: die Idee, die 2020 bereits ausgewählten Interpret:innen für den dann seuchenbedingt gecancelten Eurovision Song Contest dieses Jahr einfach noch mal zu nominieren, sie war keine gute. Für Lettland präsentiert uns Samanta Tīna, die dort vor Jahresfrist nach gefühlt 700 Vorentscheidungsteilnahmen mit 'Still breathing' endlich die Supernova gewann und diesmal direkt ran durfte, die feministische Hymne 'The Moon is rising'. In dem natürlich von Aminata Savadogo mitkomponierten, aggressiven Elektro-Banger schreit uns die gebürtige Litauerin mit der Lautstärke einer amerikanischen Touristin im bayerischen Brezelladen ins Gesicht, dass sie die "Königin…
Weiterlesen
San-Remo-Fes­ti­val 2021: Anders als sie

San-Remo-Fes­ti­val 2021: Anders als sie

Fünf lange Abende hintereinander immer wieder dieselben Canzoni, jedes Mal bis tief in die Nacht hinein, spektakuläre Abendrobe und Auftritte, stundenlange Comedy- und Talkshoweinlagen, adorable alte Diven und hinreißend schöne junge Rapper, gefühlt zehntausend Werbeunterbrechungen und ein absolut bizarres Wertungsverfahren: man muss das San-Remo-Festival wirklich von der ersten bis zur letzten Sekunde lang genießen, um es in all seiner absolut maßlosen, glamourösen, schrecklichen Schönheit richtig wertschätzen zu können! Was auch für die 26 Wettbewerbsbeiträge gilt: spätestens am Finalabend, bei der dritten Wiederholung, hatte man sie sich alle schöngehört und spielte es schon fast keine Rolle mehr, wer nun das traditionsreiche…
Weiterlesen
Aus­tra­li­en 2021: Every­thing is frustrating

Aus­tra­li­en 2021: Every­thing is frustrating

Zum Kreis der letztjährigen Vorentscheidungsgewinner:innen, die vom Sender als Entschädigung für den ausgefallenen Eurovision Song Contest für 2021 fix gesetzt wurden, zählt auch die Australierin Montaigne. Die präsentierte ihr neues Lied für Rotterdam nun gestern Abend (heute Früh nach deutscher Zeit) beim Mardi Gras, dem CSD Sydneys, erstmalig live. Das Positive: sie ließ die schlimme Clownsschminke und das Kragenechsen-Kostüme von Australia Decides 2020 weg und präsentierte sich mit raspelkurzen roten Haaren und flankiert von zwei Synchrontänzerinnen optisch schon mal deutlich ansprechender. Das Negative: in den höheren Stimmlagen ihres nach vorne gehenden Elektro-Pop-Songs 'Technicolour' überschritt sie, anders als in der Studiofassung,…
Weiterlesen
Mol­da­wi­en 2021: Men­schen­fres­ser­men­schen gibt’s nicht erst seit 33

Mol­da­wi­en 2021: Men­schen­fres­ser­men­schen gibt’s nicht erst seit 33

Vor langen Jahren gab es mal die nicht ganz ernst gemeinte Forderung von Eurovisionsfans, man möge Ralph Siegel eine eigene Landesflagge zuordnen, weil er Beiträge für so viele verschiedene Nationen schrieb. Mittlerweile könnte man überlegen, diese Idee auf Phillip Kirkorov auszudehnen, den in Bulgarien gebürtigen Grand-Prix-Serienkomponisten, der sich in letzter Zeit vor allem auf Moldawien eingeschossen hat. Dort korrumpierte er zuletzt 2020 die nationale Vorentscheidung, um die von ihm protegierte Natalia Giordenco und ihr furchtbares 'Prison' (oder "Briiieeson", wie Natalie es hartnäckig aussprach) durchzudrücken. Dieses Jahr strich der Sender TVM von vorne herein die Segel und gewährte den Beiden freie…
Weiterlesen
Nie­der­lan­de 2021: You don’t want Broccoli

Nie­der­lan­de 2021: You don’t want Broccoli

Gut gemeint ist er nun wirklich, der heute vorgestellte Eurovisionsbeitrag der niederländischen Grand-Prix-Gastgeber im Jahr 2 der Seuche. Der bereits für 2020 intern ausgewählte Jeangu Macrooy will den Ausgelaugten und Erschöpften - also uns allen - mit 'Birth of a new Age' wieder Mut zusprechen und unsere Widerstandskraft im Kampf gegen unfähige und wirtschaftshörige Politiker:innen stärken, die gerade gegen jede Vernunft unsere Zukunft verkaufen. Der aus der ehemaligen holländischen Kolonie Suriname stammende Sänger bedient sich dabei auch seiner Heimatsprache Sranantongo, in welcher der prominent platzierte und von einem Gospelchor skandierte Schlachtruf 'Yo no broko me' ('Du zerbrichst mich nicht') gehalten…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Anhän­ger­la­dun­gen von Aquavit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Anhän­ger­la­dun­gen von Aquavit

Welche verheerende Wirkungen die humorlose Eurovisionsjury selbst in ihrer Abwesenheit entfaltet, ließ sich dieses Wochenende bei den beiden Vorentscheidungs-Vorrunden in Skandinavien beobachten. Denn obwohl in diesem Stadium des Melodi Grand Prix die Zuschauer:innen alleine über das Wohl und Wehe der vier Bewerber:innen um das Ticket fürs MGP-Finale bestimmten, zeigten sie sich durch die jahrelange Erziehungsarbeit der Grauen Herren und Damen und deren ritueller Abstrafung alles auch nur entfernt Lustigen beim Eurovision Song Contest dergestalt nachhaltig konditioniert, dass sie in einem Anfall vorauseilenden Gehorsams den einzigen unterhaltsamen Beitrag des Abends schon im ersten Durchgang rauswählten. Die Rede ist natürlich von 'Bli…
Weiterlesen
No Name, new Game: Jen­drik Sig­wart ver­tritt Deutsch­land in Rotterdam

No Name, new Game: Jen­drik Sig­wart ver­tritt Deutsch­land in Rotterdam

Nichts hasse ich persönlich so sehr, als wenn ein Sender bei der Bekanntgabe seines Beitrags zum Eurovision Song Contest eine Salamitaktik fährt und die Informationen nur scheibchenweise herausgibt. Genau dieser Herangehensweise bedient sich nun der NDR dieses Jahr: nachdem seit dem offiziellen Start der Vorentscheidungssaison am 1. September 2020 aus Hamburg kein Sterbenswörtchen zu hören war, annoncierte man heute Vormittag völlig überraschend den Namen des deutschen Grand-Prix-Repräsentanten für Rotterdam, allerdings noch nicht seinen Song, wiewohl dieser bereits feststeht. Noch bis zum 25. Februar 2021 müssen wir darauf warten, dann wird der Videoclip dazu direkt vor der Tagesschau im Ersten zu…
Weiterlesen